{"file_url":"https://verfassungsschutzberichte.de/pdfs/vsbericht-by-1982.pdf","jurisdiction":"Bayern","num_pages":213,"pages":["Verfassungsschutzbericht Bayern 1982 Bayerisches Staatsministerium des Innern","","Verfassungsschutzbericht Bayern 1982 Herausgeber: Bayerisches Staatsministerium des Innern Odeonsplatz 3, 8000 M\u00fcnchen 22 RB Nr. 03A/83/04 Gesamtherstellung: Meindl-Druck GmbH, M\u00fcnchen","","Die Bayerische Verfassung und das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland beinhalten eine wertgebundene freiheitliche und demokratische Staatsordnung, in deren Mittelpunkt die Menschenw\u00fcrde und die Freiheit des B\u00fcrgers stehen. Damit es den Feinden dieser Ordnung nicht gelingt, ihre totalit\u00e4ren und unfreiheitlichen Vorstellungen zu realisieren, haben die Verfassungsgeber diese Ordnung wehrhaft gestaltet. Im Rahmen dieser wehrhaften Demokratie hat der Verfassungsschutz, selbst im Grundgesetz verankert, vor allem die Aufgabe, Informationen-\u00fcber Bestrebungen zu sammeln und auszuwerten, die sich gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung sowie den Bestand und die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland itfid ihrer L\u00e4nder richten. Polizeiliche Befugnisse hat er nicht. Die Aufkl\u00e4rungst\u00e4tigkeit des Verfassungsschutzes erm\u00f6glicht es der Staatsregierung, die erforderlichen Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung extremistischer und sicherheitsgef\u00e4hrdender Bestrebungen zu treffen. Hierzu geh\u00f6rt im Rahmen der geistig-politischen Auseinandersetzung mit dem Extremismus auch die Information des B\u00fcrgers \u00fcber die drohenden Gefahren. Der vorliegende Verfassungsschutzbericht soil dazu beitragen. Den pflichtbewu\u00dften Mitarbeitern im Bereich des Verfassungsschutzes gilt unser Dank und unsere Anerkennung f\u00fcr die Erf\u00fcllung ihrer schwierigen und verantwortungsvollen Aufgaben. Das Jahr 1982 war ab dem Monat M\u00e4rz auch gekennzeichnet von der breiten \u00f6ffentlichen Diskussion um den ehemaligen Leiter der Abteilung \"Staatsschutz\" im Staatsministerium des Innern Dr. Langemann. Im Zusammenhang mit einem Artikel in einer Zeitschrift wurden gegen Dr. Langemann am 3. M\u00e4rz Vorermittlungen wegen des Verdachtes eines Dienstvergehens eingeleitet. Am 4. M\u00e4rz wurde ihm die F\u00fchrung der Dienstgesch\u00e4fte untersagt. Das f\u00f6rmliche Disziplinarverfahren wurde am 3. Juni eingeleitet. Der Generalbundesanwalt und die Staatsanwaltschaft bei dem Landgericht M\u00fcnchen I leiteten Ermittlungsverfahren gegen Dr. Langemann wegen des Verdachtes des Offenbarens von Staatsgeheimnissen, der Verletzung des Dienstgeheimnisses, des Betruges, der Untreue und der Urkundenf\u00e4lschung ein. Das Disziplinarverfahren und die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren dauern noch an. Der 3","Bayerische Landtag befa\u00dfte sich und befa\u00dft sich in mehreren Untersuchungsaussch\u00fcssen mit dem durch Ver\u00f6ffentlichungen ausgel\u00f6sten Fragenkomplex. Dr. Langemann wurde mit Wirkung vom 1. M\u00e4rz 1983 in den Ruhestand versetzt. Das Staatsministerium des Innern hat alles getan, um an der Aufkl\u00e4rung der Vorw\u00fcrfe, soweit es betroffen war, mitzuwirken. M\u00fcnchen, im Mai 1983 L'/U/WuM'Ar Dr. Karl Hillermeier * Staatsminister Franz Neubauer * Staatssekret\u00e4r","* Inhalt 1. Abschnitt Allgemeiner \u00dcberblick 11 2. Abschnitt Linksextremismus 14 1 Allgemeines 14 2 Orthodoxer Kommunismus 17 2.1 \u00dcberblick 17 2.2 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) 18 2.2.1 Ideologisch-politischer Standort 18 2.2.2 Anforderungen an das DKP-Mitglied 22 2.2.3 B\u00fcndnispolitik 22 2.2.3.1 Aktionseinheit 23 2.2.3.2 Volksfrontpolitik 24 2.2.4 Organisation 27 2.2.5 Verlage, Publikationen, sonstige Propagandatr\u00e4ger 29 2.2.6 Schulung 31 2.2.7 Betriebsarbeit der DKP 32 2.2.8 Wahlbeteiligung 34 2.2.9 Aktivit\u00e4ten 35 2.2.10 Steuerung der DKP durch die SED 38 2.2.11 Internationale Kontakte der DKP 39 2.3 Nebenorganisationen der DKP 40 2.3.1 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) 40 2.3.2 Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) 44 2.3.3 Junge Pioniere -- Sozialistische Kinderorganisation (JP) 45 2.4 Von der DKP beeinflu\u00dfte Organisationen 46 2.4.1 Allgemeines 46 2.4.2 Deutsche Friedens-Union (DFU) 47 2.4.3 Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -- Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) 50 5","2.4.4 Deutsche Friedensgesellschaft -- Vereinigte Kriegsdienstgegner 2.4.5 Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit (KFAZ) 55 2.4.6 Vereinigung Demokratischer Juristen (VDJ) 57 2.4.7 'Demokratische Fraueninitiative (DFI) 58 2.4.8 Komitees und Initiativen gegen \"Berufsverbote\" 58 3 Neue Linke 60 3.1 \u00dcberblick 60 3.2 Kommunistischer Arbeiterbund Deutschlands (KABD), Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) 62 3.3 Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) 65 3.4 Kommunistischer Bund (KB) 68 3.5 Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK) 69 3.6 Kommunistischer Bund Westdeutschland (KBW) 71 3.7 Kommunistische Partei Deutschlands (Marxisten-Leninisten) (KPD) 72 3.8 Trotzkistische Gruppen 76 3.9 Marxistische Gruppen (MG) 76 3.10 Sonstige Komitees und Gruppen 78 3.11 Undogmatische Gruppen der Neuen Linken 78 3.11.1 Allgemeines 78 3.11.2 Sozialistisches B\u00fcro Offenbach (SB) 79 3.11.3 Kollektiv Rote Hilfe M\u00fcnchen (KRH) 79 3.11.4 Freizeit'81/Freizeit'82 79 3.11.5 \"Autonome\" Gruppen 80 3.11.6 Schriften, Verlage und \"illegale Sender\" 80 4 Linksextremer Einflu\u00df auf die Anti-Kernkraftbewegung 82 5 Linksextremer Einflu\u00df auf die \"Friedensbewegung\" 84 5.1 Allgemeines 84 5.2 Agitationsschwerpunkte 86 3. Abschnitt Rechtsextremismus 90 1 Allgemeines 90 2 Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) 93 2.1 Ideologisch-politischer Standort 93 2.2 Organisation 95 2.3 Aktivit\u00e4ten 96 2.4 Wahlbeteiligung 97 2.5 Junge Nationaldemokraten 98 2.6 Nationaldemokratischer Hochschulbund 100 2.7 B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp 101 3 Deutsche Volksunion (DVU) 102 3.1 Ideologisch-politischer Standort 102 6","3.2 Organisation 103 3.3 Aktivit\u00e4ten 104 3.4 Aktionsgemeinschaften der DVU 104 4 Neonazistische Organisationen und Vorf\u00e4lle 107 4.1 Allgemeines 107 4.2 Verbotene Volkssozialistische Bewegung Deutschlands/Partei der Arbeit (VSBD/PdA) 107 4.3 Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige (HNG) 110 4.4 Verbotene Wehrsportgruppe Hoffmann (WSG) 110 4.5 Gr\u00fcne Aktion Deutschland (GAD) 112 4.6 Neonazistische und antisemitische Vorf\u00e4lle 112 5 Sonstige rechtsextreme Organisationen 114 5.1 Deutscher Block (DB) 114 5.2 Wiking-Jugend (WJ) 115 5.3 Bund Heimattreuer Jugend (BHJ) 116 5.4 Deutsches Kulturwerk Europ\u00e4ischen Geistes (DKEG) 117 5.5 Gesellschaft f\u00fcr freie Publizistik (GfP) 117 5.6 Freundeskreis Ulrich von H\u00fctten 118 6 Organisationsunabh\u00e4ngige Publizistik 118 7 Verbindungen zum ausl\u00e4ndischen Rechtsextremismus 122 4. Abschnitt Gewalt und Terror 127 1 Allgemeines 127 2 Terroristische Gruppen 128 2.1 Rote Armee Fraktion (RAF) 128 2.2 Revolution\u00e4re Zellen (RZ) 130 2.3 Gruppe um Walter Kexel und Odfried Hepp 131 3 Politisch motivierte Gewaltaktionen in Bayern 132 4 Terroristisches Umfeld 136 5. Abschnitt Extremismus im Bildungsbereich 138 1 Allgemeines 138 2 Orthodox-kommunistische Hochschulgruppen 140 2.1 DKP-Hochschulgruppen (DKP-HG) 140 2.2 Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) 141 3 Sozialistischer Hochschulbund (SHB) 142 4 Studentengruppen der Neuen Linken 144 7","4.1 Marxistische Gruppen (MG) * 4.2 Sonstige\" Studentengruppen der Neuen Linken 14b 5 Vereinigte Deutsche Studentenschaften (VDS) 146 6 Nationaldemokratischer Hochschulbund (NHB) 147 7 Aktivit\u00e4ten 147 8 Wahlen an den Hochschulen 150 9 Weiterf\u00fchrende Schulen 150 6. Abschnitt Verfassungstreue im \u00f6ffentlichen Dienst 152 1 Allgemeines 152 2 Bayerische Praxis 153 2.1 Extremisten im \u00f6ffentlichen Dienst 153 2.2 Einstellungs\u00fcberpr\u00fcfung 154 7. Abschnitt Extremistische und sicherheitsgef\u00e4hrdende Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern 156 1 Allgemeines 156 2 Afghanische Gruppen 158 3 Afrikanische Gruppen 158 4 Arabische Gruppen 159 5 Griechische Gruppen 160 5.1 Orthodoxe Kommunisten 160 5.2 Neue Linke 162 6 Iranische Gruppen 162 6.1 Khomeini-Anh\u00e4nger 162 6.2 Khomeini-Gegner 163 6.2.1 Linksextremisten 163 6.2.2 Islamische Fundamentalisten 165 6.2.3 Aktionsb\u00fcndnis 165 7 Italienische Gruppen 166 7.1 Linksextremisten 166 7.2 Rechtsextremisten 166 8 Jugoslawische Gruppen 167 8.1 Kroatischer Nationalrat (HNV) 167 8.2 Kroatische Staatsbildende Bewegung (HDP) 167 8.3 Kroatische Gruppen in Bayern 168","1 8.4 Mordanschl\u00e4ge gegen Exiljugoslawen 168 9 Kurden 169 10 Pakistanische Gruppen 170 11 Spanische Gruppen 170 12 T\u00fcrkische Gruppen 170 12.1 Linksextremisten 171 12.1.1 Orthodoxe Kommunisten 171 12.1.2 Neue Linke 172 12.1.3 Aktionsb\u00fcndnis t\u00fcrkischer Linksextremisten 175 12.2 Rechtsextremisten 175 8. Abschnitt Spionageabwehr 177 1 Allgemeine Erfahrungen 177 2 Die Rolle der Nachrichtendienste in kommunistischen Staaten 178 3 Werbungen, Werbungsversuche und allgemeine Werbungsmethodik 178 4 Auftr\u00e4ge 180 5 Die Nachrichtendienste der DDR 181 6 Nachrichtendienste der \u00fcbrigen kommunistischen Staaten 184 7 Festnahmen 185 Anhang 1 Gesetz \u00fcber die Errichtung eines Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz in der Fassung der Bekanntmachung vom 8. August 1974 187 Anhang 2 Bekanntmachung der Bayerischen Staatsregierung vom 27. M\u00e4rz 1973 \u00fcber die Pflicht zur Verfassungstreue im \u00f6ffentlichen Dienst 191 Anhang 3 Ergebnisse der extremistischen Parteien bei der Wahl zum Bayerischen Landtag am 10. Oktober 1982 195 Abk\u00fcrzungsverzeichnis 204 9","","1. Abschnitt Allgemeiner \u00dcberblick Dieser Verfassungsschutzbericht gibt einen \u00dcberblick \u00fcber Ziele, Art und Umfang extremistischer und anderer sicherheitsgef\u00e4hrdender Bestrebungen im Jahre 1982. Er enth\u00e4lt die wesentlichen nicht geheimhaltungsbed\u00fcrftigen Erkenntnisse. Der Bericht befa\u00dft sich mit der Lage in Bayern. Daher k\u00f6nnen im Vergleich zu Verfassungsschutzberichten des Bundes oder anderer L\u00e4nder in Einzelf\u00e4llen Unterschiede auftreten. Bei der Beurteilung der Gefahren, die unserem Staat von extremistischen Kr\u00e4ften drohen, ist zu unterscheiden, in welchem Umfang diese Kr\u00e4fte eine Gefahr f\u00fcr die im Grundgesetz und in der Bayerischen Verfassung verankerte freiheitliche demokratische Grundordnung als solche und in welchem Ausma\u00df sie eine Gefahr f\u00fcr die \u00f6ffentliche Sicherheit und Ordnung bedeuten. Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ist die freiheitliche demokratische Grundordnung eine Ordnung, die unter Ausschlu\u00df jeglicher Gewaltund Willk\u00fcrherrschaft eine rechtsstaatliche Herrschaftsordnung auf der Grundlage der Selbstbestimmung des Volkes nach dem Willen der jeweiligen Mehrheit und der Freiheit und Gleichheit darstellt. Zu den fundamentalen Prinzipien dieser freiheitlichen Grundordnung geh\u00f6ren mindestens die Achtung vor den im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechten, die Volkssouver\u00e4nit\u00e4t, die Gewaltenteilung, die Verantwortlichkeit der Regierung, die Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit der Verwaltung, die Unabh\u00e4ngigkeit der Gerichte, das Mehrparteienprinzip, die Chancengleichheit der politischen Parteien und das Recht auf verfassungsm\u00e4\u00dfige Bildung und Aus\u00fcbung einer Opposition. Der politische Extremismus stellte auch 1982 in Bayern keine ernsthafte Gefahr f\u00fcr den Bestand unseres Staates und seine freiheitliche Ordnung dar. Nach wie vor gibt es aber eine Reihe von Gruppen unterschiedlicher Zielsetzung, die zur Anwendung von Gewalt und Terror bereit sind und damit eine akute Gefahr f\u00fcr die Sicherheit darstellen. Die linksextremen Kr\u00e4fte gef\u00e4hrdeten auch 1982 nicht ernsthaft die freiheitliche demokratische Grundordnung. Allerdings zeigten auch Gruppen aus dem Bereich der Orthodoxen Linken vermehrt Bereitschaft, Gewalt anzuwenden. Damit stellen sie zunehmend eine Gefahr f\u00fcr die \u00f6ffentliche Sicherheit und Ordnung 11","dar. Au\u00dferdem gelang es ihnen, ihren Einflu\u00df gegen\u00fcber den Vorjahren nicht unerheblich auszudehnen. Dies spiegelt sich weniger in dem geringf\u00fcgigen Mitglie- , derzuwachs wider. Das Potential der Linksextremisten lag 1982 in Bayern bei - rund 11.000 Personen in 140 Organisationen, wobei die Orthodoxe Linke wieder' i zu, die Neue Linke weiter abnahm. Vielmehr gelang es der Deutschen Kommunistischen Partei, ihren Nebenorganisationen und den zahlreichen, von ihr beeinflu\u00dften Organisationen vor allem mit den Kampagnen f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung und gegen den NATO-Beschlu\u00df \u00fcber Nachr\u00fcstung, Anh\u00e4nger demokratischer Parteien oder Gruppen und sonstige nicht extremistische Personenkreise in noch st\u00e4rkerem Umfang als bisher f\u00fcr gemeinsame Aktionen zu gewinnen. Dabei stellten sie sich der allgemeinen \u00d6ffentlichkeit als alleinige Garanten f\u00fcr Frieden, Demokratie und Freiheit dar. Mit ihrer Volksfrontpolitik versuchen die DKP und ihre Nebenorganisationen, ihren totalit\u00e4ren marxistisch-leninistischen Zielen n\u00e4her zu kommen. Hierin liegt die besondere Gef\u00e4hrlichkeit der orthodoxen Kommunisten. Die geringe Resonanz bei Wahlen (DKP: 0,2 %) darf dar\u00fcber nicht hinwegt\u00e4uschen. Bei den Gruppen der Dogmatischen Neuen Linken setzte sich 1982 der Abw\u00e4rtstrend fort. Ideologische Differenzen, Resignation der Mitglieder und finanzielle Probleme waren daf\u00fcr verantwortlich. Bemerkenswert war eine zunehmende Bereitschaft zu Aktionsb\u00fcndnissen untereinander, aber auch vereinzelt mit orthodox-kommunistischen Kr\u00e4ften. Die Kandidatur einer ihrer Gruppierungen f\u00fcr die Landtagswahl in Bayern war ohne Erfolg (BWK: 413 Stimmen. Die undogmatische Neue Linke blieb schwer \u00fcberschaubar. Sie war in viele Gruppen und Gr\u00fcppchen zerfallen, zeigte sich aber in Randbereichen militant, insbesondere im Zusammenhang mit Antiimperialismus-, Antimilitarismusund Umweltschutzkampagnen. Die Bestrebungen rechtsextremer Vereinigungen und Personen stellten auch 1982 keine Gef\u00e4hrdung unseres freiheitlichen demokratischen Rechtsstaates dar. Die 1982 ver\u00fcbten rechtsextrem motivierten Gewaltakte sowie die latente Gewaltbereitschaft einiger neonazistischer Zusammenschl\u00fcsse und Einzelpersonen zeigen, da\u00df von Teilen des Rechtsextremismus eine Gefahr f\u00fcr die \u00f6ffentliche Sicherheit und Ordnung ausgeht. 1982 bet\u00e4tigten sich in Bayern 34 rechtsextreme Gruppen m]tjund 4.000 Mitgliedern. Die Mitgliederzahl der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands nahm etwa in dem Ma\u00dfe ab wie die der Deutschen Volksunion zu. Das Verbot der neonazistischen Volkssozialistischen Bewegung Deutschlands -- Partei der Arbeit einschlie\u00dflich der Jungen Front im Januar hatte den organisierten Neonazismus nicht unerheblich getroffen. Offenbar im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Entwicklung, einer in Teilbereichen der Bev\u00f6lkerung vorhandenen Fremdenfeindlichkeit und der verst\u00e4rkten Berichterstattung \u00fcber Verbrechen des NS-Regimes in den Massenmedien stieg die Zahl neonazistischer und antisemitischer Vorf\u00e4lle weiter an. Die von Terroristen und ihren Sympathisanten 1982 ver\u00fcbten Gewaltanschl\u00e4ge zeigten, da\u00df die von ihnen ausgehende Bedrohung unvermindert anh\u00e4lt. Die linksterroristischen Gruppen verf\u00fcgen trotz bedeutender Fahndungserfolge der Sicherheitsbeh\u00f6rden 1982 noch \u00fcber eine personelle und logistische Basis, um jederzeit Anschl\u00e4ge zu ver\u00fcben. Auch von Rechtsextremisten geht weiterhin die Gefahr terroristischer Anschl\u00e4ge aus. 12","\u00dcbersicht \u00fcber die Zahl der Extremisten in Bayern 110 11000 10800 10900 deg0 11000 Die ausl\u00e4ndischen Extremisten und die von ihnen gegr\u00fcndeten Organisationen haben 1982 einen relativ hohen Zuwachs erfahren. So stieg die Zahl der Anh\u00e4nger von 4.800 auf 7.400, ihrer Organisationen von 121 auf 158. Die Steigerung ist vor allem auf die erstmalige Erfassung einiger kommunistisch-beeinflu\u00dfter Organisationen zur\u00fcckzuf\u00fchren. 1982 war allerdings keine Intensivierung ihrer Aktivit\u00e4ten zu verzeichnen. Die in der Bundesrepublik Deutschland ausgetragenen Konflikte zwischen rivalisierenden Ausl\u00e4ndergruppen haben ihre Ursache haupts\u00e4chlich im jeweiligen Herkunftsland. Soweit es hierbei zu Gewaltanwendungen kommt, ist die \u00f6ffentliche Sicherheit und Ordnung gef\u00e4hrdet. Von den Nachrichtendiensten der kommunistischen Staaten gingen 1982 unvermindert Spionageaktivit\u00e4ten aus. Nach wie vor haben die Dienste der DDR daran den gr\u00f6\u00dften Anteil. 13","2. Abschnitt Linksextremismus 1. Allgemeines 1982 gab es in Bayern 140 linksextreme Organisationen mit etwa 11.000 Mitgliedern. Die Mitgliederzahl und die Zahl der Organisationen blieben gegen\u00fcber dem Vorjahr konstant. Einen R\u00fcckgang verzeichneten abermals Gruppen der Neuen Linken. Im Bereich der Orthodoxen Linken entstanden im Zusammenhang mit der Kampagne gegen den ,,NATO-Nachr\u00fcstungsbeschlu\u00df\" weitere Initiativen. Die Mitgliederzahl bei den Organisationen der Orthodoxen Linken stieg um etwa 200 auf rund 10.000. Der Zuwachs war im wesentlichen bei den von der DKP und ihren Nebenorganisationen beeinflu\u00dften Initiativen gegen den \"NATO-Nachr\u00fcstungsbeschlu\u00df\" festzustellen. Die Gruppen der Neuen Linken nahmen 1982 weiter ab und verf\u00fcgten nur noch \u00fcber rund 1.000 gegen\u00fcber 1.200 Mitgliedern 1981. Bei diesen Zahlen sind jedoch zahlreiche Doppelmitgliedschaften zu ber\u00fccksichtigen. \u00dcbersicht \u00fcber Zahl und Mitgliederst\u00e4rke linksextremer Organisationen in Bayern 1978 1979 1980 1981 1982 Zahl der Organisationen 192 156 138 140 140 Mitgliederst\u00e4rke Orthodoxe Linke 8.700 9.000 9.300 9.800 10.000 Neue Linke 2.300 1.800 1.600 1.200 1.000 insgesamt 11.000 10.800 10.900 11.000 11.000 Durch eine Vielzahl von Aktionen, insbesondere im Zusammenhang mit Abr\u00fcstungs-, Friedensund Umweltschutzkampagnen, sowie durch eine anhaltend starke publizistische T\u00e4tigkeit versuchten die Linksextremisten 1982, ihrem Ziel, die gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse zu ver\u00e4ndern, n\u00e4herzukommen. In diesem Ziel sind sich die moskauorientierten orthodoxen Kommunisten und die Anh\u00e4nger und Gruppen der Neuen Linken einig. Auf dem Weg \u00fcber die sozialistische Revolution und die Diktatur des Proletariats wollen sie die bestehende freiheitliche demokratische Grundordnung beseitigen und an ihrer Stelle einen kommunistischen Staat errichten. Zur Erreichung dieses Zieles bekennen sich die Gruppen der Neuen Linken, letztlich aber auch der orthodoxen Kommunisten 14","zur Gewalt. Aber auch zur Verwirklichung tagespolitischer Ziele propagieren sowohl die Orthodoxe wie die Neue Linke zunehmend die Anwendung von Gewalt. Die Gruppen der Orthodoxen Linken stellen einen ideologisch festen Block dar. Bei Gruppen der Neuen Linken hielten die ideologischen Auseinandersetzungen an; es kam aber auch zu einer Neuformierung. Gelegentlich waren wieder Aktionsb\u00fcndnisse von Gruppen der dogmatischen Neuen Linken mit Gruppen der Orthodoxen Linken zu verzeichnen. Die undogmatischen Gruppen der Neuen Linken sind nach wie vor zerstritten. Die Gegens\u00e4tze zwischen gem\u00e4\u00dfigten und militanten Gruppen blieben un\u00fcberbr\u00fcckbar. Bei der Landtagswahl am 10. Oktober erzielten DKP und BWK nur unbedeutende Stimmenanteile. Der geringe Stimmenanteil der DKP (0,2%) spiegelt aber nicht die tats\u00e4chlich erhebliche Einflu\u00dfnahme der orthodoxen Kommunisten und ihres B\u00fcndnisbereiches auf nichtextremistische Bev\u00f6lkerungskreise wider, der sich insbesondere bei der Kampagne gegen den \"NATO-Nachr\u00fcstungsbeschlu\u00df\" zeigte. Die bedeutendsten linksextremen Organisationen waren 1982: 1.1 Kommunistische Kernorganisationen Die kommunistischen Kernorganisationen verstehen sich als f\u00fchrende Kraft im Kampf f\u00fcr die sozialistische Revolution und die Diktatur des Proletariats. Orthodoxe Linke Deutsche Kommunistische Partei (DKP) Neue Linke Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD), fr\u00fcher Kommunistischer Arbeiterbund Deutschlands (KABD) Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) Kommunistischer Bund (KB) Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK) Kommunistischer Bund Westdeutschland (KBW) Kommunistische Partei Deutschlands (Marxisten-Leninisten) (KPD) Gruppe Internationale Marxisten -- Deutsche Sektion der IV. Internationale (GIM) Marxistische Gruppen (MG) 1.2 Kommunistische Nebenorganisationen Die kommunistischen Nebenorganisationen sind organisatorisch selbst\u00e4ndige Vereinigungen mit eigenen Satzungen und F\u00fchrungsgremien, die sich jedoch der jeweiligen Kernorganisation unterordnen. Sie bekennen sich wie diese zum Kampf f\u00fcr die sozialistische Revolution und die Diktatur des Proletariats. Ma\u00dfgebende F\u00fchrungsfunktionen der Vereinigungen sind mit Mitgliedern der Kernorganisation besetzt. 15","Nebenorganisationen der DKP Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) Junge Pioniere -- Sozialistische Kinderorganisation (JP) Nebenorganisationen der MLPD, fr\u00fcher des KABD Revolution\u00e4rer Jugendverband Deutschlands (RJVD) Kommunistische Studentengruppen (KSG) Bund Kommunistischer Intellektueller (BKI) Nebenorganisationen des AB Rote Sch\u00fclerfront (RSF) Kommunistischer Hochschulbund (KHB) Nebenorganisationen des KB KB-Studenten Nebenorganisationen des KBW Kommunistische Jugendb\u00fcnde (KJB) Kommunistische Hochschulgruppen (KHG) Nebenorganisationen der KPD Kommunistische Jugend Deutschlands (KJD) Kommunistische Studenten (KS) 1.3 Kommunistisch beeinflu\u00dfte Organisationen Ein gro\u00dfer Teil der linksextremen Organisationen sind Vereinigungen, die sich meist \u00fcberparteilich oder unabh\u00e4ngig darstellen, tats\u00e4chlich aber unter einem mehr oder weniger starken Einflu\u00df der kommunistischen Kernund Nebenorganisationen stehen. Der Einflu\u00df dr\u00fcckt sich insbesondere darin aus, da\u00df sie -- von ihnen oder auf ihre Initiative hin gegr\u00fcndet wurden, -- insbesondere wichtige F\u00fchrungsfunktionen von Kommunisten besetzt sind, -- eng mit den Kernund Nebenorganisationen zusammenarbeiten, -- Ziele verfolgen, die sich in Teilbereichen mit typisch kommunistischen Zielsetzungen decken. Teilweise liegen mehrere oder alle diese Merkmale vor. Entsprechend stark ist dann der kommunistische Einflu\u00df. So gibt es Gruppen, die keine wesentliche Entscheidung gegen den Willen der Kernoder Nebenorganisationen treffen k\u00f6nnen; andere haben trotz erheblichen kommunistischen Einflusses noch Raum f\u00fcr ein politisches Eigenleben. Die wichtigsten kommunistisch beeinflu\u00dften Organisationen waren 1982: Deutsche Friedens-Union (DFU) 16","Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -- Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) Deutsche Friedensgesellschaft -- Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK) Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit (KFAZ) Vereinigung Demokratischer Juristen (VDJ) Demokratische Fraueninitiative (DFI) Einzelne Komitees und Initiativen gegen \"Berufsverbote\" und f\u00fcr \"Frieden\" und \"Abr\u00fcstung\" Sozialistischer Hochschulbund (SHB) Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg (VOLKSFRONT) Anti-Strau\u00df-Komitees (ASKo) Bund Deutscher Pfadfinder im Bund Demokratischer Jugend -- Landesverband Bayern (BDP/BDJ -- Landesverband Bayern) 1.4 Sonstige linksextreme Gruppen Daneben gibt es noch eine Reihe autonomer Gruppierungen, die anarchistische, spontaneistische oder undogmatische Richtungen vertreten. Sie wollen die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung revolution\u00e4r beseitigen, lehnen jedoch das dogmatische Konzept des Marxismus-Leninismus ab. Diese Gruppen sind h\u00e4ufig kleine, lose und kurzlebige Zusammenschl\u00fcsse. 2. Orthodoxer Kommunismus 2.1 \u00dcberblick Die orthodoxen Kommunisten in der Bundesrepublik Deutschland leisteten auch 1982 ihren Beitrag zur Festigung der Einheit und Geschlossenheit der kommunistischen Weltbewegung. Sie bekennen sich zum Marxismus-Leninismus sowjetischer Pr\u00e4gung und folgen bedingungslos der ideologischen und politischen Linie der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) und der Sozialistischen Einheitpartei Deutschlands (SED) der DDR. Sie sehen in der Sowjetunion und in der DDR den \"realen Sozialismus\" verwirklicht. Sie betonten die feste Verbundenheit mit den kommunistischen Parteien der Sowjetunion, der DDR und anderer sozialistischer L\u00e4nder. Sie verstehen sich als Teil der kommunistischen Weltbewegung, der die F\u00fchrungsrolle bei der revolution\u00e4ren Umgestaltung der kapitalistischen in die sozialistische Gesellschaft zukommt. Innerhalb der kommunistischen Weltbewegung hat das \"sozialistische Weltsystem\" und voran die KPdSU die Vorbildund F\u00fchrungsrolle. Einigendes Band ist der \"proletarische Internationalismus\", der die \"Gesamtheit der Interessen und die Solidarit\u00e4t der Arbeiterklasse und der Werkt\u00e4tigen aller L\u00e4nder, ihre Geschlossenheit und Aktionseinheit im Kampf um die revolution\u00e4re Umgestaltung der Gesellschaft\" zum Ausdruck bringen soll. Der weltumspannende F\u00fchrungsanspruch der KPdSU und der Sowjetideologie manifestiert sich nicht zuletzt in einigen internationalen prosowjetischen Organisationen wie dem Weltfriedensrat (WFR), dem Weltbund der Demokratischen Jugend (WBDJ) und der F\u00f6deration Internationale des Resistants (FIR). 17","Organisations\u00fcbersicht Orthodoxe Linke Deutsche Kommunistische Partei (DKP) DFU H VVN-BdA H SDAJ MSB SHB DFG-VK KFAZ JP VDJ DFI Nebenorganisationen Komitees, beeinflu\u00dfte Organisationen Initiativen Abk\u00fcrzungen vgl. Abk\u00fcrzungsverzeichnis In der Bundesrepublik Deutschland und damit auch in Bayern sind die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) und deren Nebenorganisationen Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ), Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) und Junge Pioniere -- Sozialistische Kinderorganisation (JP) sowie -- mit Einschr\u00e4nkungen -- von der DKP und ihren Nebenorganisationen beeinflu\u00dfte Organisationen Sammelbecken f\u00fcr die orthodoxen Kommunisten. Sie stellen einen festgef\u00fcgten Block dar, sind vor allem im Funktionsbereich eng verflochten und finanziell sehr gut ausgestattet. Die Kernund Nebenorganisationen werden nach dem marxistisch-leninistischen Organisationsprinzip des \"demokratischen Zentralismus\" gef\u00fchrt. Auch wenn es die orthodoxen Kommunisten in der Bundesrepublik Deutschland zur Verschleierung ihrer wahren Ziele nicht offen aussprechen, bekennen sie sich zur sozialistischen Weltrevolution und zur Diktatur des Proletariats. Das Grundmodell ihrer \"sozialistischen Ordnung\" sehen sie in den sozialistischen L\u00e4ndern, insbesondere in der DDR, verwirklicht. Unterst\u00fctzung finden die orthodoxen Kommunisten vor allem bei Teilen der sog. \"Friedensbewegung\" und der \"Antifaschismus-Bewegung\" sowie bei anderen Organisationen unterschiedlicher Zielsetzung, die vielfach von ihnen beeinflu\u00dft sind (vgl. Nr. 2.4). 2.2 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) 2.2.1 Ideologisch-politischer Standort Die DKP wurde am 26. September 1968 anstelle der im Jahre 1956 vom Bundesverfassungsgericht verbotenen Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) gegr\u00fcndet. Sie ist nach wie vor die mit Abstand st\u00e4rkste extremistische Partei in der Bundesrepublik Deutschland und nimmt hier die politische F\u00fchrung der orthodoxen Kommunisten in Anspruch. 18","Die DKP folgt bedingungslos und kritiklos der Linie der KPdSU und der SED. Sie verurteilt jede Art von \"Rechts-und Linksopportunismus\", sieht die \"Haltung zur Sowjetunion\" als \"entscheidenden Pr\u00fcfstein f\u00fcr jeden Kommunisten, f\u00fcr seine Treue zur Sache der revolution\u00e4ren Arbeiterbewegung\" und \"erzieht ihre Mitglieder best\u00e4ndig im Geist fester Freundschaft zur Sowjetunion\". Bezeichnenderweise \u00fcbermittelte der DKP-Parteivorstand dem Zentralkomitee der KPdSU anl\u00e4\u00dflich des Todes des Generalsekret\u00e4rs der KPdSU Leonid Breschnew am 10. November 1982 das \"tiefempfundene Beileid\". Breschnews \"tiefe solidarische Verbundenheit mit den Kommunisten unseres Landes\" bleibe unvergessen. Die DKP werde \"in seinem Sinne. . .den Kampf f\u00fcr Frieden, Freiheit und Sozialismus fortsetzen\". Ziel der DKP ist eine sozialistische und kommunistische Gesellschaftsordnung. Dies ergibt sich aus ihrem am 21. Oktober 1978 auf dem Mannheimer Parteitag beschlossenen Programm und aus einer Vielzahl ideologischer Schriften und Ausbildungsmaterialien. Danach sei \"unverr\u00fcckbares Ziel\" der Sozialismus \"als erste Phase der kommunistischen Gesellschaftsformation\". Diese \"grundlegend neue Gesellschaftsordnung\" baue auf der \"revolution\u00e4ren \u00dcberwindung der kapitalistischen Machtund Besitzverh\u00e4ltnisse\" auf und k\u00f6nne nur \"im harten Klassenkampf\" durchgesetzt werden. Sie setze die Erringung der politischen Macht durch die Arbeiterklasse im B\u00fcndnis mit den anderen Werkt\u00e4tigen voraus. Die \"Lehre von Marx, Engels und Lenin\" sei der \"politische Kompa\u00df der DKP und wissenschaftliches Fundament ihrer Politik\". In \"sch\u00f6pferischer Anwendung\" dieser Lehre entwickle die DKP Strategie und Taktik ihres Kampfes um die Errichtung des Sozialismus in der Bundesrepublik Deutschland. Sie sieht sich als \"die revolution\u00e4re Partei der Arbeiterklasse in der Bundesrepublik Deutschland\". Die DKP geht aufgrund marxistisch-leninistischer Analyse davon aus, da\u00df die Gegenwart \"die Epoche des \u00dcbergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus im Weltma\u00dfstab\" sei. Der \"staatsmonopolistische Kapitalismus\" habe sich in der Bundesrepublik Deutschland voll entwickelt. Er befinde sich in der Krise. Jene \"besonderen Faktoren\" h\u00e4tten aufgeh\u00f6rt zu wirken, die die langanhaltende, \"viele Gebrechen der kapitalistischen Ordnung \u00fcberdeckende Nachkriegskonjunktur\" erm\u00f6glicht und in breiten Bev\u00f6lkerungskreisen tiefe Illusionen \u00fcber die bestehenden gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse erweckt h\u00e4tten. Daher sei die \"Hauptzielsetzung der DKP in der gegenw\u00e4rtigen Etappe\", das Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis zugunsten der \"Arbeiterklasse\" und der \"anderen demokratischen Kr\u00e4fte\" zu ver\u00e4ndern und die \"Wende zu demokratischem und sozialem Fortschritt herbeizuf\u00fchren\". Sie erachtet es als m\u00f6glich und im Interesse der Arbeiterklasse erstrebenswert, da\u00df dieser Kampf in eine \"antimonopolistische Demokratie\" einm\u00fcndet. Untor der \"antimonopolistischen Demokratie\" versteht die DKP eine Periode \"grundlegender Umgestaltungen\", in der eine von der \"Arbeiterklasse und den anderen demokratischen Kr\u00e4ften getragene antimonopolistisch-demokratische Staatsmacht\" geschaffen werden soll. Dabei sieht die DKP die antimonopolistische und sozialistische Umw\u00e4lzung als miteinander verbundene Entwicklungsstadien eines \"einheitlichen revolution\u00e4ren Prozesses des \u00dcbergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus\". 19","Die Formulierungen \"sozialistische Umw\u00e4lzung\" und \"politische Macht der Arbeiterklasse\" sind gleichbedeutend mit den unverzichtbaren marxistisch-leninistischen Begriffen \"sozialistische Revolution\" und \"Diktatur des Proletariats Diese Begriffsmanipulation dient der DKP ebenso zur Verschleierung ihrer wahren verfassungsfeindlichen Zielsetzung wie ihre Beteuerung, sie \"wirke auf dem Boden des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland\" und erstrebe die grundlegende Umgestaltung auf der Basis der demokratischen Prinzipien und Rechte des Grundgesetzes\". In Wirklichkeit sieht die DKP im Grundgesetz nur eine disponible Basis f\u00fcr ihren Kampf. Die Grundrechte versteht sie nicht als Garantie eines Freiheitsraumes f\u00fcr den B\u00fcrger, sondern als Legitimation und Auftrag f\u00fcr die Arbeiterklasse, die bestehende Ordnung zu beseitigen und den Sozialismus und eine sozialistische Verfassung zu erk\u00e4mpfen. Ihr Eintreten f\u00fcr .Demokratie\" ist nur vor dem Hintergrund des marxistisch-leninistischen Demokratieverst\u00e4ndnisses zu sehen. Entsprechendes gilt bez\u00fcglich des Eintretens der DKP f\u00fcr die Erhaltung und Sicherung des Friedens, f\u00fcr die Einhaltung der Prinzipien der \"friedlichen Koexistenz\" und gegen \"Faschismus und Rechtsentwicklung\". Die System\u00fcberwindung will die DKP unter den gegenw\u00e4rtigen Umst\u00e4nden mit systemkonformen Mitteln und grunds\u00e4tzlich auf friedlichem Weg erreichen. Gleichwohl betont sie im Programm, da\u00df es von der Kraft der Arbeiterklasse, der Stabilit\u00e4t ihrer B\u00fcndnisse mit anderen \"demokratischen Kr\u00e4ften\", der St\u00e4rke ihrer revolution\u00e4ren Partei, insbesondere aber von den \"Formen des Widerstandes der Reaktion\" abhinge, wie sich dieser Weg konkret gestalten werde. Hatte sich die DKP in der Vergangenheit zur Frage der Gewaltanwendung bei aktuellen Aktionen Zur\u00fcckhaltung auferlegt, so zeigte sie in j\u00fcngerer Zeit zunehmend Bereitschaft, auch gewaltt\u00e4tige Aktionen in Kauf zu nehmen. Der DKP-Vorsitzende Mies erkl\u00e4rte in seinem Rechenschaftsbericht an den 6. Parteitag 1981: \"Das demokratische Widerstandsrecht, das Grundrecht der arbeitenden Menschen, ihre Interessen zur Geltung zu bringen und die entsprechenden Kampfformen zu w\u00e4hlen, entspricht vollauf den demokratischen Prinzipien des Grundgesetzes. . .Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht. Wo Macht vor Recht geht, da mu\u00df man sich gegen die Macht des Unrechts wehren . . . Da fragt man nicht lange: Darf man denn das? Da sollte man in der Tat wahre Demokratie wagen\". Nach Auffassung des Mitgliedes des DKP-Parteivorstandes Beate Landefeld im theoretischen Organ der DKP \"Marxistische Bl\u00e4tter\" bedeute Gewalt \"Aus\u00fcbung von Druck\" und sei ein \"spezifisches Mittel zur Durchsetzung von Klasseninteressen\". Je nach Ziel und Inhalt der Gewaltaus\u00fcbung gebe es \"reaktion\u00e4re und fortschrittliche Gewalt\" und zugleich \"friedliche und nichtfriedliche Formen der Gewalt\". In manchen Situationen -- wie z.B. im Kampf gegen den \"Terror der Reaktion\" -- seien \"milit\u00e4rische Formen des Klassenkampfes\" notwendig, um gr\u00f6\u00dfere Opfer der \"fortschrittlichen Kr\u00e4fte\" zu vermeiden. Entscheidend f\u00fcr die Bewertung von Gewalt sei, ob sie den \"materiellen, sozialen und kulturellen Bed\u00fcrfnissen der arbeitenden Menschen\" n\u00fctze oder die \"Macht der Ausbeuterklasse\" erhalte. Eine \"gewaltund herrschaftsfreie Gesellschaft\" k\u00f6nne sich erst nach \u00dcberwindung von \"Ausbeutung und Klassenspaltung\" entwickeln. Entsprechend diesen \"Freibriefen\" von obersten Stellen nahmen orthodoxe Kommunisten bundesweit an gewaltt\u00e4tigen Aktionen teil. 20","Auszug aus dem Zentralorgan der DKP Sozialistische Revolution und Diktatur des Proletariats als Weg und sozialistische und kommunistische Gesellschaftsordnung als Ziel sind, wie das Bundesverfassungsgericht im Urteil zum Verbot der KPD festgestellt hat, mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung unseres Grundgesetzes unvereinbar. Die verfassungsfeindliche Zielsetzung der DKP ergibt sich auch daraus, da\u00df die DKP vorbehaltlos das in der DDR herrschende Staatsund Gesellschaftssystem als Muster f\u00fcr die von ihr angestrebte Ordnung in der Bundesrepublik Deutschland ansieht. In der DDR w\u00fcrden \"die besten revolution\u00e4ren, demokratischen und nationalen Traditionen der deutschen Geschichte\" verk\u00f6rpert. Von einem solchen Staat h\u00e4tten \"Generationen von Kommunisten und Sozialisten\" getr\u00e4umt. Nur in einem solchen Staat k\u00f6nne es \"wirkliche Volksherrschaft, also Demokratie\" geben. Das Staatsund Gesellschaftssystem der DDR ist aber mit den unverzichtbaren Elementen unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung unvereinbar. 21","2.2.2 Anforderungen an das DKP-Mitglied Die DKP-Mitglieder sind nach dem Parteistatut verpflichtet, die Grunds\u00e4tze und Ziele der Partei anzuerkennen, sich f\u00fcr die Verwirklichung der beschlossenen Politik einzusetzen und sie im gesellschaftlichen Leben aktiv zu vertreten. Die DKP sieht sich als einheitlich und solidarisch handelnde \"Kampfgemeinschaft\" deren innerparteiliches Leben von der \"marxistischen Weltanschauung und der Gemeinschaft der politischen Ziele\" gepr\u00e4gt werde. \"Kommunist ist man \u00fcberall: am Arbeitsplatz, im Wohngebiet, in der Familie\". Als richtige Haltung der Kommunisten sieht es die DKP an, offen und konsequent den kommunistischen Standpunkt zu vertreten, initiativreiche, geduldige Verfechter der Politik der Aktionseinheit zu sein, in B\u00fcndnissen \"aktiv, initiativ und partnerschaftlich\" zu wirken und sich als \"die besten, entscheidensten, uneigenn\u00fctzigsten Vertreter des Volksinteresses\" zu erweisen und aktiv bei der Gewinnung neuer Mitglieder und der Verbreitung und Gestaltung der DKP-Presse mitzuwirken. Kommunist sein hei\u00dfe, aus Klassenbewu\u00dftsein ein disziplinierter K\u00e4mpfer der Partei der Arbeiterklasse zu sein, hei\u00dfe qualitativ gut, gewissenhaft, diszipliniert am Arbeitsplatz, in der Schule, in den Hochschulen, in der Elternvertretung, in s der parlamentarischen Vertretung, \"im sogenannten normalen Leben\" zu sein. Bereits in der kapitalistischen Gesellschaft erwerbe der Genosse in der Gemeinschaft der Partei eine eigene \"proletarische Klassenmoral\", die im Gegensatz zur \"b\u00fcrgerlichen Moral\" stehe, die \"heuchlerisch\", \"doppelb\u00f6dig\" und \"menschenfeindlich\" sei. Die Erf\u00fcllung dieser hohen Anforderungen an die \"proletarische Moral\" wird u.a. im Rahmen einer von Zeit zu Zeit stattfindenden Umtauschaktion der Mitgliedsb\u00fccher \u00fcberwacht. Im September begannen die Vorbereitungen f\u00fcr die Ausgabe neuer Mitgliedsb\u00fccher zum 1. Januar 1983. Vorder Ausgabe des Parteibuches sind mit jedem \"Genossen\" intensive und individuelle Gespr\u00e4che zu f\u00fchren, um das Mitglied voll auf die Linie der Partei einzuschw\u00f6ren. / 2.2.3 B\u00fcndnispolitik Die sogenannte B\u00fcndnispolitik ist zentraler Bestandteil der Gesamtpolitik der DKP und ihrer Nebenorganisationen. Sie beruht auf marxistisch-leninistischer Strategie und Taktik. Aufgrund ihrer Analyse der Wirtschaftsund Gesellschaftsordnung geht die DKP davon aus, da\u00df sich in der Bundesrepublik Deutschland der staatsmonopolistische Kapitalismus voll entwickelt habe. Wegen der dadurch eingetretenen Polarisierung zwischen der \"kleinen Gruppe von Konzernherren und Multimillion\u00e4ren\" und der \"\u00fcberw\u00e4ltigenden Mehrheit des Volkes\" sei die Zusammenfassung aller \"antimonopolistischen\" Kr\u00e4fte um die Arbeiterklasse objektiv m\u00f6glich, aber auch \"unerl\u00e4\u00dflich\" f\u00fcr die Durchsetzung des \"gesellschaftlichen Fortschritts\", also f\u00fcr die Erreichung des sozialistischen Zieles. Nicht zuletzt im Hinblick auf ihre vergleichsweise geringe Mitgliederzahl und ihr schwaches W\u00e4hlerpotential ist die DKP bestrebt, \"B\u00fcndnisse\" mit nichtkommunistischen Kr\u00e4ften in der Aktionseinheit der Arbeiterklasse und in einem \"breiten, antimonopolistischen B\u00fcndnis\" zu schaffen. F\u00fcr eine erfolgreiche Politik der \"Aktionseinheit und des demokratischen B\u00fcndnisses\" ist es f\u00fcr die DKP \"von erstrangiger Bedeutung\", die \"tiefe Kluft\" zwischen der \"objektiven Lage 22","der vom Monopolkapital ausgebeuteten und bedr\u00e4ngten Klassen und Schichten einerseits und ihrer Erkenntnis durch die Betroffenen andererseits\" zu \u00fcberwinden. M\u00f6gliche B\u00fcndnispartner in ihrem Kampf f\u00fcr \"Frieden und Abr\u00fcstung\", f\u00fcr,.soziale Sicherheit\", gegen \"Polizeiund \u00dcberwachungsstaat mit Berufsverboten\" sieht die DKP in \"Sozialdemokraten, Gewerkschaftern, Gr\u00fcnen und Alternativen, Umweltsch\u00fctzern, Frauenbewegungen, Christen, sozialen Liberalen, Sozialisten und Linkskr\u00e4ften\". Um ein umfassendes B\u00fcndnis zu erreichen, forderte der DKP-Vorsitzende Mies, das Trennende zur\u00fcckzustellen. Da\u00df sich die DKP der M\u00f6glichkeiten und Wirkungen ihrer B\u00fcndnispolitik bewu\u00dft ist, verdeutlicht die \u00c4u\u00dferung ihres Vorsitzenden Mies: \"Jeder, der die Realit\u00e4t des au\u00dferparlamentarischen Kampfes kennt, wei\u00df, was es bedeutet, wenn das Engagement, die Disziplin und die Organisationskraft von nahezu 50.000 Kommunisten zum Tragen kommt\". 2.2.3.1 Aktionseinheit Als \"Kernst\u00fcck\" ihrer Politik sieht die DKP die Herbeif\u00fchrung der \"Aktionseinheit der Arbeiterklasse\". Damit versucht sie, ein Zusammenwirken von \"Arbeitern, Angestellten und Beamten, deutschen und ausl\u00e4ndischen Kollegen, sozialdemokratischen, kommunistischen, christlichen und parteilosen Arbeitern\" zu erreichen. Mit Nachdruck hat sie im Programm ihre Bem\u00fchungen um eine Zusammenarbeit mit Mitgliedern und Anh\u00e4ngern der SPD sowie mit der SPD als Partei herausgestellt. Im Rahmen der 6. Tagung des Parteivorstandes der DKP am 13./14. November 1982 appellierte der DKP-Vorsitzende Mies an die \"SPDF\u00fchrung\", angesichts der \"Rechtskoalition\" und des \"Generalangriffs\" auf die Rechte der Arbeiter und ihrer Gewerkschaften ihr Verh\u00e4ltnis zur DKP zu \u00fcberdenken und den \"Unvereinbarkeitsbeschlu\u00df\" aufzuheben. Dieser Beschlu\u00df sei in den \"Betrieben ohnehin nicht beachtet\" worden. Die \"Aktionseinheit\", die Zusammenarbeit von DKPund SPD-Betriebsgruppen, m\u00fcsse in allen Betrieben hergestellt werden. Besondere Bedeutung mi\u00dft die DKP der Arbeit in den Gewerkschaften zu, weil sie dort die \"breiteste und umfassendste Klassenorganisation der Arbeiter, Angestellten und Beamten\" sieht. Sie betont, f\u00fcr jeden Kommunisten sei es \"selbstverst\u00e4ndliche Pflicht\", \"ein aktiver Gewerkschafter zu sein und f\u00fcr die Verwirklichung der den Interessen der Arbeiterklasse dienenden Gewerkschaftsbeschl\u00fcsse zu k\u00e4mpfen\", beh\u00e4lt sich damit allerdings vor, zu bestimmen, welche Beschl\u00fcsse dies sind. Ihr Ziel ist, in Gewerkschaften Einflu\u00df zu gewinnen und sie zu treuen \"B\u00fcndnisorganisationen\" zu machen. Sie setzt sich daher daf\u00fcr ein, dem Antikommunismus in den Gewerkschaften keinen Raum zu geben und die \"Grunds\u00e4tze der Einheitsgewerkschaften strikt zu beachten\". Nach ihrer Auffassung sollen die Einheitsgewerkschaften nicht \"St\u00fctze f\u00fcr ein br\u00fcchiger werdendes kapitalistisches System\", sondern \"Kraftzentrum zur Durchsetzung der Klasseninteressen der Arbeiter, Angestellten und Beamten\" sein. Die DKP h\u00e4lt sich an den Satz von Lenin, wonach man zu jedwedem Opfer entschlossen sein m\u00fcsse und sogar, wenn es sein mu\u00df, alle m\u00f6glichen Schliche und Listen und illegalen Methoden anwenden, die Wahrheit verschweigen und 23","verheimlichen m\u00fcsse, nur um in die Gewerkschaften hineinzukommen, in ihnen zu bleiben und in ihnen um jeden Preis kommunistische Arbeit zu leisten. Der Intensivierung der Gewerkschaftsarbeit der DKP dienen die in allen DKP-Bezirken t\u00e4tigen \"Marxistischen Betriebsarbeiterschulen\", das \"Institut f\u00fcr Marxistische Studien und Forschungen e.V.\" (IMSF) sowie die \"NachrichtenVerlags GmbH\" mit Sitz in Frankfurt a.M., die fast ausschlie\u00dflich Publikationen zu gewerkschaftlichen, betrieblichen sowie sozialund wirtschaftspolitischen Themen herausgibt, u.a. die monatlich erscheinenden \"Nachrichten zur Wirtschaftsund Sozialpolitik/Gewerkschaftsspiegel\". Knapp dreiviertel der DKPMitglieder sind gewerkschaftlich organisiert. Etwa 10 % von ihnen nehmen gewerkschaftliche Funktionen wahr. 2.2.3.2 Volksfrontpolitik Bei ihren Bem\u00fchungen, ein \"breites antimonopolistisches B\u00fcndnis\", eine sog. Volksfront zu bilden, wendet sich die DKP vor allem an Intellektuelle, an b\u00fcrgerliche Kreise bis hin zu mittleren Unternehmern. Sie will diese Personenkreise in B\u00fcndnisse gegen das \"Monopolkapital\", und seien sie auch \"sachlich und zeit-\" lieh noch so begrenzte\", einbeziehen. Daher arbeitet sie \"aktiv in demokratischen Bewegungen, B\u00fcrgerinitiativen und B\u00fcndnissen\" mit. In einem Beitrag f\u00fcr das theoretische Organ der DKP \"Marxistische Bl\u00e4tter\" erl\u00e4uterte das Mitglied des DKP-Pr\u00e4sidiums Willi Gerns die \"Grunds\u00e4tze kommunistischer B\u00fcndnispolitik in demokratischen Bewegungen\" und nannte dabei folgende Schwerpunkte: -- Die DKP m\u00fcsse \"aktiv und initiativ\" in den Bewegungen mitarbeiten, um Einflu\u00df nehmen zu k\u00f6nnen; -- die DKP trete f\u00fcr \"gleichberechtigte partnerschaftliche Zusammenarbeit\" ein. Alle B\u00fcndnispartner m\u00fc\u00dften sich auf gemeinsame Forderungen (Minimalkonsens) einigen und gemeinsam f\u00fcr diese eintreten. Das \"Trennende\" m\u00fcsse beiseite geschoben werden und d\u00fcrfe das B\u00fcndnis nicht belasten; -- die DKP trete f\u00fcr die \"gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Breite\" eines B\u00fcndnisses ein. Sie lehne zwar eine Zusammenarbeit mit \"maoistischen Organisationen\" ab, ziehe sich jedoch wegen der Beteiligung maoistischer \"Restgruppen\" nicht aus \"breiten demokratischen B\u00fcndnissen\" zur\u00fcck; -- die DKP bringe \"vieles\" in die Bewegungen ein, u.a. ihre Organisationskraft und ihre Verbindung mit der internationalen Arbeiterbewegung; -- die DKP wirke in B\u00fcndnissen f\u00fcr die \"Arbeiterinteressen\"; denn die Arbeiterklasse sei die entscheidende Kraft in gesellschaftlichen Auseinandersetzungen; -- die DKP habe ihre politische, ideologische und organisatorische Selbst\u00e4ndigkeit zu wahren. Obwohl die Kommunisten im B\u00fcndnis dessen gemeinsame Forderungen in den Vordergrund stellten, m\u00fcsse die Partei ihre weitergehende Politik vertreten, z.B. d\u00fcrfe sie nicht darauf verzichten, eine \"klassenm\u00e4\u00dfige Position\" zum \"realen Sozialismus\" und zu Polen einzunehmen; 24","-- die DKP sei unver\u00e4ndert bem\u00fcht, punktuelle B\u00fcndnisse zu umfassenderen antimonopolistischen B\u00fcndnissen zu erweitern. Im Rahmen ihrer \"Volksfrontpolitik\" inszeniert die DKP Kampagnen und greift Forderungen auf, die auch von demokratischen Gruppen vertreten werden. Dabei bedient sie sich vor allem von ihr beeinflu\u00dfter Organisationen (zu den beeinflu\u00dften Organisationen vgl. Nr. 2.4). 1982 waren dies von orthodoxen Kommunisten initiierte und gef\u00f6rderte, meist von DKP-beeinflu\u00dften Organisationen getragene Kampagnen, vor allem f\u00fcr \"Frieden und Abr\u00fcstung\" und gegen den \"Nachr\u00fcstungsbeschlu\u00df der NATO\", aber auch gegen \"Faschismus und Rechtsentwicklung\", gegen die sogenannten \"Berufsverbote\" sowie f\u00fcr die \"Arbeitslosen\". Die Kampagne f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung war 1982 das zentrale Agitationsfeld der DKP, ihrer Nebenund von ihr beeinflu\u00dften Organisationen. Nach marxistisch-leninistischem Verst\u00e4ndnis geht die Bedrohung des Friedens vom \"Imperialismus\" aus. Erst in einer Gesellschaft, die nicht mehr auf dem Privateigentum an Produktionsmitteln und dem Klassengegensatz beruhe, k\u00f6nne der Frieden dauernd gesichert werden. Der Friede sei ein Wesenselement von Sozialismus und Kommunismus. Der Kampf f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung finde seine Erg\u00e4nzung im Kampf um den Sozialismus. In ihren auf der 3. Tagung des Parteivorstandes am 6./7. Februar beschlossenen \"Vorschl\u00e4gen der Deutschen Kommunistischen Partei f\u00fcr eine alternative Sicherheitspolitik\" betonte die DKP, da\u00df im Sozialismus die Friedensinteressen der V\u00f6lker die Politik bestimmten und die gro\u00dfen Ideale des Friedens lebendig seien, die die kommunistische Bewegung seit jeher vertreten h\u00e4tte. \"Durchsetzung einer alternativen Sicherheitspolitik hier und heute -- das ist letztendlich vor allem die Entfaltung demokratischer Massenaktionen, um die Herrschenden und Regierenden dazu zu zwingen, den Friedensund Lebensinteressen des Volkes Rechnung zu tragen. Das ist die Durchf\u00fchrung von gro\u00dfen und kleinen Friedensaktionen in Wohngebieten und Betrieben, an Schulen und Hochschulen. Das ist die st\u00e4ndige Diskussion, das sind Friedensforen mit Vertretern verschiedener politischer und weltanschaulicher Richtungen. Das ist die Bildung von Friedensinitiativen und Friedens-Komitees auf allen Ebenen\". In diesen Vorschl\u00e4gen der DKP f\u00fcr den \"Friedenskampf\" ist das gesamte Spektrum der heutigen \"Friedensbewegung\" angesprochen. Auf der 4. Tagung des Parteivorstandes der DKP am 22723. Mai hob der DKPVorsitzende Mies hervor, da\u00df die DKP ihren aktiven und konstruktiven Beitrag zum verst\u00e4rkten Zusammenwirken von Arbeiterund Friedensbewegung leisten werde; denn \"Arbeiterund Friedensbewegung geh\u00f6ren zusammen. Diese Erkenntnis zu einer Sache der ganzen Arbeiterbewegung zu machen, darauf kommt es heute an\". Erkl\u00e4rtes Ziel der DKP ist es nach wie vor, \"eine solche Bewegung zu entwickeln, da\u00df die Stationierung von atomaren Mittelstreckenraketen politisch undurchf\u00fchrbar wird\". Bei der Durchf\u00fchrung von Aktionen im Rahmen der Kampagne f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung sowie gegen die \"NATO-Nachr\u00fcstung\" trat die DKP nicht immer unmittelbar in Erscheinung. Meist lag die Vorbereitung und Durchf\u00fchrung in den 25","H\u00e4nden der von ihr beeinflu\u00dften Organisationen DFU, KFAZ und DFG-VK sowie \u00f6rtlicher orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dfter Initiativen. Die kommunistische Antifaschismus-Kampagne wird weitgehend von der DKP-beeinflu\u00dften \"Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -- Bund der Antifaschisten\" (VVN-BdA) getragen. Der Kampf gegen den \"Faschismus\" ist f\u00fcr die DKP eine taktische Variante ihres Kampfes f\u00fcr den Sozialismus, basierend auf der Annahme, da\u00df die gesellschaftlichen Wurzeln, aus denen der Faschismus hervorgegangen sei, nicht beseitigt worden seien, da es dem Monopolkapital gelungen sei, \"in der heutigen Bundesrepublik\" seine Macht wieder herzustellen. Nach wie vor bedeutsam ist die Kampagne gegen die \"Berufsverbote\". Der DKP-Vorsitzende Mies erkl\u00e4rte auf der 3. Tagung des Parteivorstandes am 677. Februar, die DKP teile die Meinung der \"Internationalen Konferenz gegen die Berufsverbote\", die am 23724. Januar in Hannover stattfand, \"da\u00df die gesamte Berufsverbotspolitik fallen mu\u00df; denn Verfahrens\u00e4nderungen und Gesetzesnovellen k\u00f6nnen nur Modifikationen erreichen. Alles zu tun f\u00fcr die weitere St\u00e4rkung der Bewegung gegen die Berufsverbote, f\u00fcr die Solidarit\u00e4t mit den Berufsverbotsbetroffenen -- das ist und bleibt eine vorrangige Aufgabe in unserer Partei\". Zunehmende Bedeutung erlangte 1982 die Kampagne gegen die Arbeitslosigkeit. Auf der 4. Tagung des Parteivorstandes am 22723. Mai stellte die DKP besonders ihr Engagement f\u00fcr die Arbeitslosen in der Bundesrepublik Deutschland heraus. Sie betonte: \"\u00dcberall -- von Kiel bis M\u00fcnchen -- geh\u00f6rten Mitglieder unserer Partei gemeinsam mit SDAJIern, mit anderen Betroffenen und Bedrohten, zu den Initiatoren von Arbeitsloseninitiativen, von vielf\u00e4ltigen Protestaktionen, von Forderungsprogrammen und anderen \u00f6ffentlichkeitswirksamen Aktivit\u00e4ten . . . Sehr oft haben Mitglieder unserer Partei den ersten Schritt getan und bei der Gr\u00fcndung von Arbeitsloseninitiativen geholfen\". Von den 1982 in Bayern bekanntgewordenen acht \"Arbeitslosenzentren, -initiativen und -Selbsthilfen\" wurden f\u00fcnf von orthodox-kommunistischen Gruppierungen beeinflu\u00dft. Die DKP, ihre Nebenund beeinflu\u00dften Organisationen unternehmen weiterhin intensiv Versuche, auf die \u00d6kologiebewegung Einflu\u00df zu nehmen, insbesondere durch eine Verbindung der \"Friedensbewegung\" mit der \u00d6kologiebewegung. Die DKP sieht in der Umweltschutzbewegung ein \"betr\u00e4chtliches, objektiv antiimperialistisches und antimonopolistisches Potential\", das die \"entscheidende Unterst\u00fctzung der Kommunisten habe\". Die DKP findet wegen ihrer grunds\u00e4tzlichen Bef\u00fcrwortung des wissenschaftlichen Fortschritts und der friedlichen Nutzung der Kernenergie keinen unmittelbaren Zugang zur \u00d6kologiebewegung. Daher propagiert sie, \u00d6kologiepoiitik sei \"in erster Linie Friedensund Abr\u00fcstungspolitik\", und \"der Erhalt des Friedens ist die wichtigste Umweltschutzaufgabe\". Nach einer nach wie vor g\u00fcltigen Entschlie\u00dfung des 6. Parteitages der DKP von 1981 ist \"eine enge Zusammenarbeit von \u00d6kologieund Friedensbewegung unabdingbar. Die DKP wird nach Kr\u00e4ften dazu beitragen, gemeinsame Aktivit\u00e4ten von Umweltund Friedensinitiativen zu initiieren und aktiv 26","zu unterst\u00fctzen\". In Bayern beteiligt sich die DKP regelm\u00e4\u00dfig an Protestveranstaltungen von Kernkraftwerksgegnern. Trotz der ideologischen Differenzen waren die DKP, ihre Nebenund beeinflu\u00dften Organisationen 1982 vermehrt bereit, die Teilnahme von Gruppen und Mitgliedern der Neuen Linken an B\u00fcndnisaktionen zu tolerieren, um f\u00fcr ihre Ziele eine m\u00f6glichst breite Massenbasis zu gewinnen. Dies zeigte sich vor allem bei der Kampagne f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung. Im Rahmen dieser B\u00fcndnispolitik gelang es den orthodoxen Kommunisten 1982, vor allem im Rahmen der Friedenskampagne, ihren Einflu\u00df weiter zu vergr\u00f6\u00dfern. Sie konnten in erheblichem Umfang auch demokratische Organisationen f\u00fcr eine Beteiligung an Aktionen gewinnen. Sie nutzten aber auch Veranstaltungen demokratischer Organisationen, um vor deren Hintergrund zu agieren, indem sie z.B. ihre Mitglieder aufriefen, daran teilzunehmen, am Rande Flugbl\u00e4tter verteilten oder sich mit eigenen Parolen bei Demonstrationen zeigten. Ein markantes Zeichen dieser B\u00fcndnispolitik sind die vielf\u00e4ltigen Aufrufe zu Demonstrationen und sonstigen Veranstaltungen. Unter den Erstunterzeichnern solcher Aufrufe findet sich oft ein relativ konstanter Stamm f\u00fchrender Vertreter linksextremer und linksextrem beeinflu\u00dfter, aber auch demokratischer Organisationen, die mit ihrer Unterschrift dem Aufruf erst Schubkraft verleihen. Den Erfolg dieser B\u00fcndnispolitik zeigten 1982 vor allem die \"Osterm\u00e4rsche\" (ca. 160.000 Teilnehmer im Bundesgebiet), die Gro\u00dfdemonstrationen anl\u00e4\u00dflich des NATO-Gipfeltreffens am 10. Juni in Bonn (ca. 300.000 Teilnehmer) und die Gro\u00dfveranstaltung \"K\u00fcnstler f\u00fcr den Frieden\" am 11. September in Bochum (ca. 100.000 Teilnehmer). 2.2.4 Organisation Die Mitgliederzahl der DKP lag auch 1982 auf Bundesebene bei etwa 40.000 Mitgliedern. In Bayern gab es Ende 1982 rund 3.000 DKP-Mitglieder. Die letzte Etappe des seit Juni 1981 laufenden Wettbewerbes \"St\u00e4rkung der Partei\" zur Gewinnung neuer Mitglieder und UZ-Abonnenten ging am 15. Januar 1983 zu Entwicklung der Mitgliederzahlen der DKP in Bayern Mitglieder 1968 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 - 3500 - 3000 - 2500 - 2000 - 1500 - 1000 - 500 27","Organisationsstruktur der DKP Parteitag Parteivorstand Pr\u00e4sidium *- Sekretariat -> Bezirksorganisationen Bezirksdelegiertenkonferenz Bezirksvorstand Sekretariat Kreis-/ Gebietsorganisationen Kreisdelegiertenkonferenz Kreisvorstand Sekretariat Grundorganisationen Jahreshauptversammlung Vorstand Wahl des Vorsitzenden, - * Stellvertreters und _ * bindende Beschl\u00fcsse weiterer Vorstandsmitglieder .+. Rechenschaftspflicht Stand: 31.12.1982 28","Ende. Eigenen Angaben zufolge will die DKP nahezu 5.000 neue Mitglieder und 5.800 UZ-Abonnenten geworben haben. Im Gesamtwettbewerb belegten bei den 12 Bezirksorganisationen die Nordbayerns den dritten, die S\u00fcdbayerns den elften Platz. Die organisatorische Struktur der DKP \u00e4nderte sich 1982 nicht. Die DKP gliedert sich in 12 Bezirksorganisationen. Diese sind in Kreisbzw. Gebietsorganisationen unterteilt, die die bundesweit ca. 1.300 Grundorganisationen, n\u00e4mlich die Ortsverb\u00e4nde, Stadtteil-, Wohngebiets-, Betriebsund Hochschulgruppen zusammenfassen. Bayern ist in die Bezirksorganisationen Nordund S\u00fcdbayern aufgeteilt. Parteivorsitzender ist seit 1973 Herbert Mies, sein Stellvertreter Hermann Gautier. Vorsitzender im DKP-Bezirk Nordbayern ist Herbert Stiefvater; Anka Konh\u00e4user ist stellvertretende Vorsitzende. Im DKP-Bezirk S\u00fcdbayern ist Walter Listl Vorsitzender und Heinrich Horrelt sein Stellvertreter. Die DKP ist in ihrer inneren Struktur nach dem marxistisch-leninistischen Prinzip des \"demokratischen Zentralismus\" aufgebaut (vgl. Schema auf S. 28). Die absolute Verbindlichkeit der Beschl\u00fcsse der \u00fcbergeordneten Einheiten f\u00fcr die untergeordneten sowie das strikte Verbot der Fraktionsbildung gew\u00e4hrleisten die Geschlossenheit der DKP. In ihrem Ende 1982 ver\u00f6ffentlichten Rechenschaftsbericht gem\u00e4\u00df SS23 Parteiengesetz wies die DKP f\u00fcr 1981 Einnahmen in H\u00f6he von 15,1 Mio DM (1980: 15,7 Mio DM) aus, davon 5,8 Mio DM an Mitgliedsbeitr\u00e4gen und 6,5 Mio DM an Spenden. In dem Spendenbetrag sind dreizehn Einzelspenden von 22.000 DM und mehr mit einem Gesamtbetrag von 759.788 DM enthalten. Dar\u00fcber hinaus erbrachten die Parteimitglieder Sach-, Werkund Dienstleistungen in H\u00f6he von 5 Mio DM. F\u00fcr die DKP-Bezirksorganisation Nordbayern sind f\u00fcr 1981 699.542 DM (1980: 520.426 DM), f\u00fcr die DKP-Bezirksorganisation S\u00fcdbayern f\u00fcr 1981 703.566 DM (1980: 796.755 DM) an Gesamteinnahmen ausgewiesen. Zwar behauptet die DKP, sie finanziere sich ausschlie\u00dflich aus diesen Einnahmequellen, tats\u00e4chlich war sie aber auch 1982 nicht in der Lage, die Ausgaben f\u00fcr den aufwendigen Parteiapparat, die zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen sowie die umfangreiche publizistische Agitation aus dem eigenen Parteiaufkommen zu bezahlen. Es liegen Anhaltspunkte vor, da\u00df die DKP auch 1982 f\u00fcr ihre Parteiarbeit, f\u00fcr ihre Nebenorganisationen sowie f\u00fcr die von ihr gef\u00f6rderten Verlage, Publikationen usw. Zusch\u00fcsse von weit mehr als 60 Millionen DM aus der DDR erhalten hat. 2.2.5 Publikationen, Verlage und sonstige Propagandatr\u00e4ger Die wichtigste Publikation der DKP ist ihr t\u00e4glich erscheinendes Zentralorgan \"Unsere Zeit -- Die Zeitung der arbeitenden Menschen -- Zeitung der DKP\" (UZ). Sie erschien 1982 an Werktagen in einer Auflage von etwa 25.000, freitags (Wochenendausgabe) in einer Auflage von etwa 50.000 Exemplaren. F\u00fcr die DKP ist die UZ, getreu der Anweisung Lenins, \"nicht nur ein kollektiver Propagandist und kollektiver Agitator, sondern auch ein kollektiver Organisator\". Die Forderungen und Vorschl\u00e4ge der DKP zu aktuellen Themen werden nicht nur in UZ-Artikeln, sondern auch in Brosch\u00fcren ver\u00f6ffentlicht. 1982 erschienen 29","u.a. die Brosch\u00fcren \"Der Kampf der Kommunisten gegen Remilitarisierung und NATO\" und \"Die Herausbildung der beiden deutschen Staaten -- wer spaltet Deutschland\". Mit einer \u00fcberarbeiteten Auflage der Brosch\u00fcre \"Das Pulverfa\u00df -- R\u00fcstungsund Raketenzentrum S\u00fcdbayern\" und dem Faltblatt \"DKP: Stoppt den Tiefflugterror! Pulverfa\u00df Oberland\" setzte die DKP in Bayern ihre bereits 1978 begonnene Aktion \"Pulverfa\u00df\" fort. Gro\u00dfe Bedeutung mi\u00dft die DKP ihren Kleinzeitungen bei. 1982 erschienen in Bayern \u00fcber 50 Kreis-, Orts-, Stadtteilund Wohngebietszeitungen der DKP, viele jedoch nur gelegentlich. Neben bundesweiten Themen wie \"Gegen Raketen und Rotstift\", \"Krefelder Appell\", \"Friedensbewegung\", \"NATO-Raketenbeschlu\u00df\", \"Berufsverbot\" und \"atomwaffenfreie Zonen\" wurden in den Ausgaben dieser Kleinzeitungen auch \u00f6rtliche Probleme behandelt. An Betriebszeitungen, dem wichtigsten Propagandamittel der DKP-Betriebsgruppen, wurden 1982 etwa 30 bekannt. Von ihnen erschien etwa ein Drittel nur sporadisch. Als Anleitung f\u00fcr das Abfassen der Kleinzeitungen verteilte der DKP-Parteivorstand monatlich die Brosch\u00fcre \"Info-Dienst\". Ferner gab er das \"Handbuch f\u00fcr Betriebszeitungen, Wohngebietsund Hochschulzeitungen der DKP\" heraus. Der DKP-Verlag \"Marxistische Bl\u00e4tter\" in Frankfurt a.M. gibt das gleichnamige Organ heraus, das sich haupts\u00e4chlich mit \"Problemen der Gesellschaft, Wirt30","schaft und Politik\" befa\u00dft. In den mehr als 10 Jahren seines Bestehens publizierte der Verlag dar\u00fcber hinaus \u00fcber 500 B\u00fccher zu Themen der marxistischen Theorie und Praxis. Die DKP-beeinflu\u00dfte \"Arbeitsgemeinschaft sozialistischer und demokratischer Verleger und Buchh\u00e4ndler\" hat sich zum Ziel gesetzt, mit ihrer Literatur als \"Waffe im Klassenkampf\" den Weg zum Sozialismus zu weisen. Nach Ansicht der DKP soll das \"fortschrittliche Buch\" dazu dienen, die Bindung an die Partei zu festigen und zur L\u00f6sung politisch-ideologischer Probleme beizutragen. Der \"Arbeitsgemeinschaft\" geh\u00f6rten 1982 14 Verlage und ca. 30 \"collektiv\"-Buchhandlungen an. \"Collektiv\"-Buchhandlungen in Bayern, die unter der Firmierung \"Libresso\"-Buchzentren laufen, gibt es in Erlangen, M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Regensburg. Die Verlage decken thematisch mit ihren periodischen Schriften und der sonstigen Literatur alle \"Kampffelder\" der DKP, ihrer Nebenorganisationen und von ihr beeinflu\u00dfter Organisationen ab. Sie haben sich im einzelnen aber weitgehend auf bestimmte Bereiche spezialisiert. F\u00fcr Bayern ist der Damnitz Verlag in M\u00fcnchen zu erw\u00e4hnen, der die \"Literarische Vierteljahresschrift .k\u00fcrbiskern' -- Literatur, Kritik, Klassenkampf\" sowie \"tendenzen -- Zeitschrift f\u00fcr engagierte Kunst\" druckt. Zu den Herausgebern des \"k\u00fcrbiskern\" geh\u00f6ren drei DKP-Funktion\u00e4re. Im Redaktionskollektiv der Zeitschrift \"tendenzen\" befindet sich ein Mitglied des Parteivorstandes der DKP. Bundesweite \"Hausdruckerei\" der DKP ist die Plambeck & Co. Druck und Verlag GmbH in Neu\u00df. Sie druckt die \"UZ\" und die Mehrzahl aller Publikationen der Orthodoxen Linken. Ein weiterer Propagandatr\u00e4ger ist die \"UNIDOC Film GmbH\" in M\u00fcnchen. Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung und Gesellschafteranteile der 1970 gegr\u00fcndeten Firma liegen in H\u00e4nden von DKP-Funktion\u00e4ren. Nach Angaben ihres Leiters sieht sie es als \"wichtigste Zielsetzung\" an, \"die DKP in ihrem Kampf zu unterst\u00fctzen\". Das Verleihprogramm umfa\u00dft u.a. Filme zum \"politischen und sozialen Kampf in Westdeutschland\", zum \"Aufbau des Sozialismus\", zur \"internationalen Solidarit\u00e4t\" und \"gegen Faschismus und Krieg\". Eine propagandistische Steuerungsfunktion kommt auch der im November 1979 gegr\u00fcndeten \"Marx-Engels-Stiftung e.V.\" in Wuppertal zu. Sie will der \u00d6ffentlichkeit durch Veranstaltungen, Publikationen und eine st\u00e4ndige Ausstellung \"Kenntnisse \u00fcber die heutige Wirksamkeit der Ideen von Karl Marx und Friedrich Engels\" vermitteln. Ihr Vorstandsvorsitzender ist der DKP-Vorsitzende Herbert Mies. 2.2.6 Schulung Die DKP betrachtet es als erstrangige ideologische und politische Aufgabe, \"den Arbeitern und anderen Werkt\u00e4tigen Einsichten in die eigene Klassenlage und den unvers\u00f6hnlichen Gegensatz zwischen ihren Klasseninteressen und den Machtund Profitinteressen des Gro\u00dfkapitals zu vermitteln und klassenm\u00e4\u00dfige Erkenntnisse zu vertiefen\". Diesem Ziel sowie der Verwirklichung des Prinzips der kommunistischen Partei als einer \"Gemeinschaft von Gleichgesinnten\" 31","dient die intensive Schulung der DKP-Mitglieder. Diese umfa\u00dft Schulungsabende und Studienzirkel in den Parteigruppen, Kurse der \"Marxistischen Abendschulen\" (MASCH) und der \"Marxistischen Betriebsarbeiterschulen der DKP\" sowie Kurse und Lehrg\u00e4nge an der Karl-Liebknecht-Schule der DKP in Leverkusen. An dieser Schule fanden 1982 rund 40 Wochenlehrg\u00e4nge statt. Die eigens zur Schulung von Angeh\u00f6rigen der DKP eingerichtete SED-Parteischule \"Franz Mehring\" in Berlin (Ost) und das Institut f\u00fcr Gesellschaftswissenschaften beim Zentralkomitee der KPdSU in Moskau boten auch 1982 Schulungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr DKP-Funktion\u00e4re. Die \"Marxistische Arbeiterbildung -- Vereinigung zur Verbreitung des wissenschaftlichen Sozialismus\" (MAB) arbeitet mit \u00fcber 50 Bildungsgemeinschaften zusammen, die mit Unterst\u00fctzung insbesondere der DKP-Kreisorganisationen die \"Marxistischen Abendschulen\" (MASCH) betreiben. Ihre Kurse, die auch Nichtparteimitgliedern offenstehen, arbeiten auf der Grundlage einer von der MAB herausgegebenen \"Seminarplansammlung\" und umfassen das Studium der marxistischen politischen \u00d6konomie und des \"wissenschaftlichen Sozialismus\". Bundesvorsitzender der MAB ist der fr\u00fchere Vorsitzende der DKP-S\u00fcdbayern und jetziges DKP-Parteivorstandsmitglied Hans Schneider. Als gesellschaftsund sozialwissenschaftliches Institut der DKP ist das \"Institut f\u00fcr Marxistische Studien und Forschungen e.V. (IMSF) in Frankfurt a.M. anzusehen. Leiter des Institutes ist das DKP-Parteivorstandsmitglied Dr. Heinz Jung. MASCH und MAB haben gemeinsam mit dem IMSF die Aufgabe, \"den origin\u00e4ren Marxismus, die Theorie von Marx, Engels und Lenin zu verbreiten und sch\u00f6pferisch auf die Bedingungen des Klassenkampfes in der Bundesrepublik Deutschland anzuwenden\". In den Mittelpunkt des Bildungsjahres 1982/83 stellte die DKP \"Die gro\u00dfen Entdeckungen des Marxschen Werkes\". Themen sind u.a. die \"Rolle der Volksmassen im Kampf um Frieden und gesellschaftlichen Fortschritt\", \"Grunds\u00e4tze kommunistischer B\u00fcndnispolitik in demokratischen Bewegungen\", sowie \"Die Konstituierung der DKP und ihr heutiger Platz in der demokratischen und Arbeiterbewegung.\" Daneben plant die DKP \u00f6ffentliche Schulungen, zu denen auch \"sozialdemokratische und andere Kollegen\" eingeladen werden sollen. 2.2.7 Betriebsarbeit der DKP Die DKP ist auf dem Gebiet der Betriebsarbeit nach wie vor die f\u00fchrende extremistische Kraft. F\u00fcr sie sind die Betriebe das \"Hauptfeld des Klassenkampfes\". Hier sieht die DKP \"die besten M\u00f6glichkeiten, den Arbeitern die Unvers\u00f6hnlichkeit ihrer Klasseninteressen mit denen der Bourgeoisie bewu\u00dft zu machen\". Die DKP handelt getreu der Devise Lenins: \"Die Agitation unter den Arbeitern besteht darin, an allen spontanen Kampfaktionen der Arbeiterklasse, an allen Zusammenst\u00f6\u00dfen zwischen Arbeitern und Kapitalisten wegen Arbeitszeit, Arbeitslohn, Arbeitsbedingungen teilzunehmen\". Dementsprechend versucht die DKP intensiv, sich so darzustellen, da\u00df sie in den Betrieben in besonderer Weise Belange und Anliegen der Arbeitnehmerschaft vertritt. 32","DKP-Betriebszeitungen Ifii. ^SCHEINWERFER pk^PiKommuiie Zettung & die Arbeitet Angesto\u00dfen und Beamten derSfeKJt Milchen DER ROTE nnZBGER ^ST\u00c4RKER D K P - Zeitung f\u00fcr die GRUNDIG-Belaqschatt.W 7 APRIL 82 ff'aa\u00fcMBM B^ *Usaas B3-MMml DER SOTT S OMNIBUS EXTRAAUSGABE DE\" BETRIEBSZEITUNGEN DER DKP F\u00dcR DEN METALLBEREICH ) } Schu\u00df und Zwirn Betriebszeitung der DKP-Ortsgruppe Hof f\u00fcr die Textilarbeiter Tr\u00e4ger dieser Betriebsarbeit sind vorrangig die Betriebsgruppen, die nach dem Parteistatut wichtigsten Grundorganisationen der Partei. Die herausgehobene Stellung der DKP-Betriebsgruppen verdeutlicht die Forderung des DKP-Vorsitzenden Mies auf der 6. Tagung des Parteivorstandes am 13./14. November: \"Die ganze Partei mu\u00df sich konsequent der Arbeiterklasse, der Arbeit in den Betrieben, der Aufgabe der weiteren St\u00e4rkung der Betriebsgruppen zuwenden.\" Es sollen neue Impulse gegeben werden, damit \"unsere Arbeit in den Betrieben intensiviert wird, da\u00df die bestehenden Betriebsgruppen gest\u00e4rkt und neue Betriebsgruppen gegr\u00fcndet werden\". Wo nach dem Parteistatut die Voraussetzungen f\u00fcr die Gr\u00fcndung einer Betriebsgruppe noch nicht gegeben sind, sollen \"Betriebsaktivs\" geschaffen werden. In sie sollen Mitglieder aus Wohngebietsund Hochschulgruppen zeitweilig delegiert werden, die den \"Genossen des Betriebes alle Hilfe und Unterst\u00fctzung zu geben\" haben. Die wesentliche Aufgabe der Betriebsgruppen besteht darin, DKP-Mitglieder in den Betriebsr\u00e4ten und gewerkschaftlichen Vertrauensk\u00f6rpern zu unterst\u00fctzen und in Betriebsund Gewerkschaftsversammlungen \"den Standpunkt der Arbeiterklasse \u00fcberzeugend zu vertreten\". Mitglieder, die in Betrieben und Gewerkschaften wichtige Funktionen aus\u00fcben oder erlangen sollen, werden in den \"Marxistischen Betriebsarbeiterschulen der DKP\" intensiv geschult. Diese Lehrg\u00e4nge haben das Ziel, Betriebsarbeitern eine gr\u00fcndliche und systematische Einf\u00fchrung in die wichtigsten Bereiche des Marxismus-Leninismus zu geben. Neben der allgemeinen theoretischen Schulung wurde auch 1982 Betriebsarbeitern vor allem an Hand aktueller Themen wie \"Friedensarbeit im Betrieb\", \"Mietstopp\" oder \"soziale Demontage\" in Betriebsarbeiteraussprachen, -beratungen und -Seminaren die Anwendung der 33","kommunistischen Ideologie erkl\u00e4rt. Die Seminare dienen zugleich dazu, Fortbildungsthemen wie \"Imperialismustheorie\", \"Stamokap\" und \"Kapitalistische Krise\" zu vertiefen und zu aktualisieren. Die Zahl der in Bayern bekannten Betriebsgruppen betrug wie im Vorjahr etwa 35. Auch die Mitgliederzahl der Gruppen ver\u00e4nderte sich kaum. Die Aktivit\u00e4ten nahmen jedoch zu. Die Zahl der bekanntgewordenen Betriebszeitungen erh\u00f6hte sich auf etwa 30. Anzahl der in Bayern bekannt gewordenen Betriebsgruppen und -zeitungen 1976 1977 1978 1979 1980 1981 1982 Betriebsgruppen 49 49 46 30 30 35 35 Betriebszeitungen 38 32 61 27 27 25 30 Schwerpunktm\u00e4\u00dfig bestehen Betriebsgruppen in der Metallindustrie. Ferner bem\u00fchte sich die DKP 1982 verst\u00e4rkt, im \u00f6ffentlichen Dienst t\u00e4tige DKP-Mitglieder zu \"Betriebsgruppen \u00d6ffentlicher Dienst\" lokal zusammenzufassen. Die DKP konzentriert sich vor allem auf Gro\u00dfbetriebe. Sie sieht die Organisiertheit und Kampfkraft der Arbeiter in den Gro\u00dfbetrieben als wichtigsten \"vereinigenden Faktor\". Die industriellen Gro\u00dfbetriebe seien \"die Zentren der \u00f6konomischen Macht des Industrie-, Bankund Finanzkapitals, zugleich aber auch Konzentrationspunkte der Arbeiterklasse und des Klassenkampfes\". Nach Auffassung des DKP-Vorsitzenden Mies ist daher \"die Verankerung unserer Partei, die St\u00e4rkung und Aktivit\u00e4t unserer Betriebsgruppen in den Gro\u00dfund Konzernbetrieben das Kernst\u00fcck unserer Orientierung auf die Arbeiterklasse... Es ist ein anspruchsvolles, aber lohnendes Kampfziel, in einem \u00fcberschaubaren Zeitraum, auch schon mit Blick auf den n\u00e4chsten Parteitag, zu erreichen, da\u00df in den meisten dieser Konzernund Gro\u00dfbetriebe wirkungsvolle kommunistische Arbeit geleistet wird.\" 2.2.8 Wahlbeteiligung Mit Beginn des Jahres 1982 verst\u00e4rkte die DKP in Bayern ihre Vorbereitungen f\u00fcr die Landtagsund Bezirkswahl am 10. Oktober. Mit 200 Kandidaten, davon 99 Stimmkreisbewerbern, beteiligte sie sich zum vierten Male seit ihrer Gr\u00fcndung in ununterbrochener Reihenfolge an der Landtagswahl. Am st\u00e4rksten war sie mit 62 Kandidaten im Wahlkreis Oberbayern vertreten, w\u00e4hrend f\u00fcr die Wahlkreise Oberpfalz und Niederbayern die wenigsten Kandidaten benannt wurden. Mehrfach warben Kandidaten der DKP auch mit ihrer Zugeh\u00f6rigkeit zu Gewerkschaften sowie mit ihren Funktionen in Betrieb und Gewerkschaft (Betriebsrat, Vertrauensmann u.a.). Die DKP-Bezirksorganisationen Nordund S\u00fcdbayern f\u00fchrten ihren finanziell aufwendigen Wahlkampf mit den Schlagworten \"Gegen Rotstift und Raketen, 34","f\u00fcr Arbeitspl\u00e4tze, wir wollen in Frieden leben!\". Hohen propagandistischen Stellenwert nahmen Stra\u00dfenund Stadtteilfeste ein. Trotz ihrer Anstrengungen b\u00fc\u00dfte die DKP gegen\u00fcber der Landtagswahl 1978 fast ein Drittel an Stimmen ein. W\u00e4hrend sie 1978 noch 33.182 Gesamtstimmen (= 0,3 %) erzielte, waren es bei der Landtagswahl 1982 noch 21.870 Gesamtstimmen ( = 0,2 %). Ihre besten Stimmergebnisse erzielte sie mit je 0,5 % in den Wahlkreisen Schwandorf, N\u00fcrnberg-Nord und F\u00fcrth-Stadt. Im einzelnen sind die Wahlergebnisse im Anhang 3 abgedruckt. Wahlergebnisse der DKP bei Landtagswahlen in Bayern Gesamtstimmen 45890 40225 -- 40000 33182 30000 21870 20000 10000 1970 1974 1978 1982 In einer gemeinsamen Stellungnahme der Bezirksvorst\u00e4nde Nordund S\u00fcdbayern zum Ausgang der Wahl hie\u00df es, zahlreiche W\u00e4hler, die eigentlich den Argumenten und Vorschl\u00e4gen der DKP zustimmten, h\u00e4tten sich angesichts der politischen Ver\u00e4nderungen in Bonn und unter dem Eindruck der \"undemokratischen\" 5-Prozent-Klausel f\u00fcr die Wahl der SPD oder der \"Gr\u00fcnen\" entschlossen. Das Wahlergebnis unterstreiche die Notwendigkeit des B\u00fcndnisses aller demokratischen und linken Kr\u00e4fte in den au\u00dferparlamentarischen Aktionen wie im Kampf um parlamentarische Vertretungen. 2.2.9 Aktivit\u00e4ten Agitationsschwerpunkte der DKP waren 1982 die Kampagnen f\u00fcr den \"Krefelder Appell\", gegen den \"Nachr\u00fcstungsbeschlu\u00df der NATO\", Aktionen f\u00fcr \"atomwaffenfreie Zonen\", der \"Kampf gegen Massenarbeitslosigkeit\", gegen die \"Rotstiftpolitik\" und gegen die \"Berufsverbote\". Unter der Losung \"Statt Raketen -- Arbeit und Moneten -- Mach mit!\" forderte die DKP in einem Aufruf zum 1. Mai alle Arbeiter und Angestellten auf, an den eigenen Maiveranstaltungen sowie an Demonstrationen und Kundgebungen des 35","W\u00e4hlt Richard Konh\u00e4user! W\u00e4hlt DKP Wahlpropaganda der DKP 36","DGB teilzunehmen. Angesichts der \"r\u00fccksichtslosen Demontage\" des sozialen Netzes und einer \"Rotstiftpolitik, die R\u00fcstung und Unternehmerprofit \u00fcber alles stelle\", m\u00fcsse der 1. Mai \"ein Tag des Protestes und der Mobilisierung gegen die schlimmsten Gei\u00dfeln des kapitalistischen Systems\", d.h. gegen Kriegsgefahr und Arbeitslosigkeit werden. F\u00fchrende Funktion\u00e4re der DKP erl\u00e4uterten auf einer Pressekonferenz am 14. Mai in Bonn die Vorschl\u00e4ge der DKP \"F\u00fcr eine demokratische und soziale Wohnungspolitik im Interesse der arbeitenden Bev\u00f6lkerung\". Nach Ansicht der DKP k\u00f6nne eine \"endg\u00fcltige L\u00f6sung\" des Wohnungsproblems erst im Sozialismus erfolgen. Zur aktuellen Bek\u00e4mpfung der Wohnungsnot unterst\u00fctze die DKP au\u00dferparlamentarische Aktivit\u00e4ten der \"Arbeiterjugend, der Sch\u00fcler und Studenten, der demokratischen Mieterund B\u00fcrgerinitiativen\". Wer ein leerstehendes Haus besetze, nehme sein \"Recht auf Demonstration, auf freie Entfaltung\" und das \"Widerstandsrecht des Grundgesetzes\" wahr. Vom 18. bis 20. Juni veranstaltete die DKP in Duisburg unter der Bezeichnung \"UZ-Volksfest '82\" das 5. Pressefest ihres Zentralorgans \"Unsere Zeit\" (UZ), an dem nach eigenen Angaben rund 400.000 Personen teilnahmen. Als G\u00e4ste waren Vertreter von 35 \"Bruderparteien\" und ihren Zeitungen anwesend. Der UZ-Chefredakteur Georg Polikeit erkl\u00e4rte, das UZ-Pressefest habe die \"B\u00fcndnisbereitschaft und B\u00fcndnisf\u00e4higkeit\" der DKP bekr\u00e4ftigt. Wie bei fr\u00fcheren Pressefesten war Hauptanziehungspunkt das Unterhaltungsprogramm, bei dem nach Angaben der DKP etwa 1.000 K\u00fcnstler und Darsteller aus der Bundesrepublik Deutschland, der DDR und dem Ausland mitwirkten. Die DKP, ihre Nebenorganisationen und einige DKP-beeinflu\u00dfte Vereinigungen verst\u00e4rkten im Juli ihre Solidarit\u00e4tsaktionen f\u00fcr die \"Pal\u00e4stinensische Befreiungsorganisation\" (PLO). Sie initiierten \"Solidarit\u00e4tsveranstaltungen\" und sammelten Spenden f\u00fcr die Opfer der \"israelischen Aggression\". Die DKP \u00fcbergab der PLO eine Spende von 5.000 DM. Die \"Jungen Pioniere -- Sozialistische Kinderorganisation\" (JP) spendeten ebenfalls 5.000 DM. Das DKP-beeinflu\u00dfte \"Antiimperialistische Solidarit\u00e4tskomitee f\u00fcr Afrika, Asien und Lateinamerika\" (ASK) \u00fcberreichte dem PLO-Vertreter 15.000 DM. In einer \"programmatischen Antwort\" auf den \"Regierungsantritt der Rechtskoalition\" bezeichnete die DKP im Oktober ihren Kampf um eine \"Wende zu demokratischem und sozialem Fortschritt\" als notwendiger denn je. Ausgangspunkte hierf\u00fcr seien \"die Verhinderung des NATO-Raketenbeschlusses, die Durchsetzung eines 50-Milliarden-Besch\u00e4ftigungsprogramms, die Abwehr der sozial-reaktion\u00e4ren Rotstiftpolitik und die Verteidigung der demokratischen Rechte\". Angesichts der ver\u00e4nderten politischen Verh\u00e4ltnisse er\u00f6ffneten sich der Partei \"neue M\u00f6glichkeiten\", diese Aufgaben mit Teilen der Sozialdemokratie und Gewerkschaften, mit \"sozial-liberalen oder linksliberalen Kr\u00e4ften\" sowie mit der \"gr\u00fcn-alternativen Bewegung\" zu verwirklichen. Vorrang habe dabei der au\u00dferparlamentarische Kampf. Es gelte aber auch, \"fortschrittliche\" Positionen in den Parlamenten durch \"Formierung breiter B\u00fcndnisse\" zu erringen. Diese \"Orientierung\" sei der \"Schl\u00fcssel. . f\u00fcr grunds\u00e4tzliche antimonopolistische Umgestaltungen, mit denen der Weg zum Sozialismus in unserem Lande ge\u00f6ffnet werden\" k\u00f6nne. 37","Auf der Grundlage der Beschl\u00fcsse des 6. Parteitages der DKP von 1981 steckten die DKP-Bezirksorganisationen Nordund S\u00fcdbayern den Rahmenplan f\u00fcr 1982 ab und agitierten schwerpunktm\u00e4\u00dfig. Besonders betont wurde die \"weitere F\u00f6rderung der Friedensbewegung im Zusammenwirken mit anderen Friedenskr\u00e4ften\". Als konkreten Schwerpunkt stellte die DKP-Nordbayern die Bewegung gegen den Bau einer geplanten Wiederaufarbeitungsanlage f\u00fcr Kernbrennstoffe bei Wackersdorf bei Schwandorf heraus. Entsprechende Aktivit\u00e4ten der B\u00fcrgerinitiative gegen die Wiederaufarbeitungsanlage wurden unterst\u00fctzt. Nach einer Erkl\u00e4rung des Pr\u00e4sidiums und der Sekretariate Nordund S\u00fcdbayern der DKP zum Rhein-Main-Donau-Kanal steht die DKP der Fertigstellung des Projektes grunds\u00e4tzlich positiv gegen\u00fcber. Nach Auffassung der DKP werde der Kanal wichtige Voraussetzungen f\u00fcr eine Erweiterung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen \"kapitalistischen und sozialistischen Staaten\" Europas schaffen und durch seine \"v\u00f6lkerverbindende Rolle\" zur Festigung der Politik der friedlichen Koexistenz zwischen Staaten unterschiedlicher Gesellschaftsordnungen beitragen. Die DKP hat mir ihrer Agitation f\u00fcr \"atomwaffenfreie Zonen\" im August auch in der Landeshauptstadt M\u00fcnchen begonnen. Der erste Antrag f\u00fcr eine \"atomwaffenfreie Zone\" in M\u00fcnchen war bereits im Fr\u00fchjahr von einem DKP-Funktion\u00e4r auf einer B\u00fcrgerversammlung gestellt worden. In zahlreichen DKP-Kleinzeitungen und Flugschriften mit der Schlagzeile \"Hiroshima mahnt: M\u00fcnchen atomwaffenfrei -- keine Raketen in unser Land!\" wurde der M\u00fcnchner Stadtrat aufgefordert, die Stadt zur \"atomwaffenfreien Zone\" zu erkl\u00e4ren. Mit einer am 6. August (Jahrestag des Abwurfs der Atombombe auf Hiroshima) eingeleiteten Unterschriftenaktion will die DKP ihrer Forderung Nachdruck verleihen. Die Unterschriftenaktion wird von der \"M\u00fcnchner B\u00fcrgerinitiative f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung\" (BIFA), einer \u00f6rtlichen Gruppierung des DKP-beeinflu\u00dften KFAZ, unterst\u00fctzt. In zahlreichen St\u00e4dten Bayerns verteilten Angeh\u00f6rige der DKP wieder zum Schulanfang Schult\u00fcten an die ABC-Sch\u00fctzen. Zugleich erhielten die Eltern ein Flugblatt, in dem der jeweilige DKP-Stimmkreiskandidat die \"Rotstiftpolitik\" der Regierung anprangerte, die insbesondere die Familien mit Kindern treffe und auch vor Schulen nicht haltmache. 2.2.10 Steuerung der DKP durch die SED Die DKP wird von der SED angeleitet und umfassend unterst\u00fctzt (zur finanziellen Unterst\u00fctzung vgl. Nr. 2.2.4). Zahlreiche \"Arbeitsgespr\u00e4che\" zwischen SEDund DKP-Funktion\u00e4ren sicherten auch 1982 die Kontrolle der DKP durch die SED. Daf\u00fcr ist die sogenannte \"Westabteilung\" beim Zentralkomitee (ZK) der SED verantwortlich, deren Leiter das SED-ZK-Mitglied Prof. Herbert H\u00e4ber ist. Dar\u00fcber hinaus sind den Bezirksorganisationen der SED jeweils Bezirksorganisationen der DKP als \"Patenbezirk\" zugewiesen. In Bayern sind dies f\u00fcr die DKP-Bezirksorganisation Nordbayern der SED-Bezirk Suhl und f\u00fcr die DKPBezirksorganisation S\u00fcdbayern der SED-Bezirk Gera. Zur Festlegung des Kurses der DKP und zur Abstimmung aktueller \"Kampfaufgaben\" wird allj\u00e4hrlich 38","zwischen den F\u00fchrungen von SED und DKP ein Rahmenplan festgelegt, innerhalb dessen die SEDund DKP-Bezirksorganisationen ihre j\u00e4hrlichen schriftlichen Vereinbarungen \u00fcber die Zusammenarbeit auf \"Patenbezirksebene\" treffen. Die intensiven Kontakte zeigten sich auch 1982 in h\u00e4ufigen Reisen von DKPFunktion\u00e4ren und -Mitgliedern in die DDR. Umgekehrt wurde auch 1982 eine gro\u00dfe Zahl einreisender DDR-\"Reisekader\" -- allein nach Bayern \u00fcber 900 -- festgestellt. Diese sind Funktion\u00e4re, die im Rahmen der \"Westarbeit\" der SED einen Auftrag im Bundesgebiet zu erf\u00fcllen haben. Zu den \"Reisekadern\" z\u00e4hlen neben Funktion\u00e4ren der SED und anderer DDR-,.Massenorganisationen\", die Kontakte zur DKP und ihr nahestehenden Organisationen durch Gespr\u00e4che und Vortr\u00e4ge pflegen, auch Wissenschaftler, die neben ihrem eigentlichen beruflichen Auftrag politisch agitieren und Informationen gewinnen sollen. Die DDR\"Reisekader\" haben \u00fcber Reiseverlauf und Gespr\u00e4che ausf\u00fchrliche Berichte anzufertigen, die von der SED und dem Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit der DDR ausgewertet werden. Weitere Unterst\u00fctzung erh\u00e4lt die DKP durch die SED, indem sie Einrichtungen in der DDR f\u00fcr die Schulung (vgl. Nr. 2.2.6), Unterst\u00fctzung und Betreuung westdeutscher Kommunisten zur Verf\u00fcgung stellt. Hierzu z\u00e4hlen auch die Ferienaktionen der DKP-Nebenorganisation \"Junge Pioniere -- Sozialistische Kinderorganisation\" (JP) \"Wir fahren in ein kinderfreundliches Land\". F\u00fcr verdiente Kader der DKP organisiert und finanziert die SED Urlaubs-, Krankenhausund Kuraufenthalte in der DDR. Zahlreiche Unterlagen der DKP werden in die DDR verbracht und dort in SED-Archiven aufbewahrt, insbesondere Kaderunterlagen der DKP-Mitglieder. Den gegenseitigen Kontakten dienten auch \u00fcber 100 erkannte gemeinsame Reisen von DKP-Mitgliedern und Nichtmitgliedern aus Bayern in die DDR. Diese dienen dem Ziel, \"Vorurteile\" gegen\u00fcber dem \"realen Sozialismus\" abzubauen. Der Leiter der Abteilung Organisationsund Personalpolitik beim Parteivorstand der DKP erkl\u00e4rte: \"Bei nicht wenigen gibt erst eine Reise in die DDR oder in ein anderes sozialistisches Land den ersten Impuls f\u00fcr den Eintritt in unsere Partei. . .Wir sind bem\u00fcht, diesen Proze\u00df mit allen Mitteln zu f\u00f6rdern\". 2.2.11 Internationale Kontakte der DKP Abgesehen von den traditionellen Verbindungen zur Mutterpartei KPdSU und der Bruderpartei SED vertiefte die DKP auch 1982 ihre freundschaftlichen Beziehungen zu anderen kommunistischen Parteien durch gegenseitige Besuche, Treffen und bei internationalen Gro\u00dfveranstaltungen kommunistischer Parteien. Die DKPund SED-Pressemeldungen stellten Begegnungen mit Polen, der Tschechoslowakei, Frankreich, den USA, Portugal, D\u00e4nemark, Indien, Vietnam, Zypern, Irland, Belgien, Guyana, Ungarn, dem Libanon, \u00d6sterreich und Gro\u00dfbritannien heraus. Am 172. M\u00e4rz besuchte eine DKP-Delegation die \"Polnische Vereinigte Arbeiterpartei\" (PVAP) in Warschau. Vertreter des DKP-Parteivorstandes und der \"Franz\u00f6sischen Kommunistischen Partei\" (KPF) sprachen am 14. Mai in Paris \u00fcber den \"Friedenskampf\" beider Parteien und vereinbarten, 39","ihre Zusammenarbeit auf diesem Gebiet zu verst\u00e4rken. Am 12. Juli empfing der DKP-Vorsitzende Mies in D\u00fcsseldorf ein Mitglied des Politb\u00fcros des ZK der \"Pal\u00e4stinensischen Kommunistischen Partei\" (PKP). Mies betonte \"die enge Verbundenheit\" der DKP mit der PKP und bekr\u00e4ftigte seine Solidarit\u00e4t mit der \"Pal\u00e4stinensischen Befreiungsorganisation\" (PLO). Um die \"Zusammenarbeit der Kommunisten, der Friedenskr\u00e4fte und Demokraten beider L\u00e4nder\" zu vertiefen, hielt sich auf Einladung der DKP der Generalsekret\u00e4r der KP der USA Gus Hall vom 24. bis 31. Oktober in der Bundesrepublik Deutschland auf. Hall wurde mit der \"Ehrenplakette der DKP\" ausgezeichnet. Beim 11. Parteitag der \"Kommunistischen Partei Griechenlands\" (KKE-Ausland) vom 14. bis 19. Dezember in Athen waren G\u00e4ste von rund 50 \"Bruderparteien\" anwesend, darunter auch eine DKP-Delegation unter der Leitung des DKP-Vorsitzenden Mies. 2.3 Nebenorganisationen der DKP Die DKP wurde auch 1982 bei ihren politischen Aktivit\u00e4ten in weiten Bereichen durch ihre Nebenorganisationen unterst\u00fctzt. Diese sind zwar organisatorisch selbst\u00e4ndige Vereinigungen mit eigenen Satzungen und F\u00fchrungsgremien. Sie ordnen sich aber politisch der DKP unter und bekennen sich wie diese zum Marxismus-Leninismus sowjetischer Pr\u00e4gung. Ma\u00dfgebende Funktionen nehmen DKP-Mitglieder wahr. Solche Nebenorganisationen sind wie bisher die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ), der Marxistische Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) und die Jungen Pioniere -- Sozialistische Kinderorganisation (JP). 2.3.1 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) Die SDAJ wurde am 4.15. Mai 1968 in Essen gegr\u00fcndet. Sie ist nach wie vor die mitgliederst\u00e4rkste Nebenorganisation und bedeutendste Kaderreserve der DKP. Mit dieser k\u00e4mpft sie gemeinsam f\u00fcr eine \"sozialistische Ordnung\" in der Bundesrepublik Deutschland nach dem Vorbild der DDR. Nach ihrem \"Aktionsprogramm f\u00fcr die f\u00fcnf Grundrechte der Jugend\" will die SDAJ die \"sozialistische Bundesrepublik\" im \"entschiedenen Klassenkampf\" erreichen. Sie bekennt sich zu einem Sozialismus nach den Ideen von Marx, Engels und Lenin und will die revolution\u00e4ren Traditionen der Arbeiterjugendbewegung fortsetzen. Die SDAJ ist eine der aktivsten Mitgliedsorganisationen des prosowjetischen \"Weltbundes der Demokratischen Jugend\" (WBDJ). Sie pflegt vor allem mit der \"Freien Deutschen Jugend\" (FDJ) der DDR und der sowjetischen Jugendorganisation \"Komsomol\" \"freundschaftliche Verbundenheit\". So nahm eine Abordnung der SDAJ an der XI. Generalversammlung des WBDJ vom 3. bis 9. Juni in Prag teil. Auf Einladung des \"Komsomol\" hielt sich vom 9. bis 11. Februar eine Delegation des SDAJ-Bundesvorstandes in Moskau auf und vereinbarte eine enge Zusammenarbeit zwischen SDAJ und dem \"Komsomol\" f\u00fcr 1982. Beide Verb\u00e4nde wollen ihre Aktivit\u00e4ten gegen die Stationierung neuer US-Raketen verst\u00e4rken und sich f\u00fcr die Entwicklung der Beziehungen zwischen den \"demokratischen\" Jugendverb\u00e4nden und der \"Friedensbewegung\" einsetzen. Vom 28. September bis 3. Oktober f\u00fchrte die SDAJ eine bundesweite Veranstaltungswoche zum Thema \"So lebt die Jugend in der DDR\" mit Angeh\u00f6rigen der 40","Freien Deutschen Jugend\" (FDJ) durch. In Bayern fanden derartige Veranstaltungen in Landshut, M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg, Schweinfurt und Vilshofen statt. Im Rahmen dieser Veranstaltungen berichteten Jugendliche aus der DDR \u00fcber Schul-, Wohnund ,,Friedenspolitik\" in ihrem Land. Am 6./7. M\u00e4rz f\u00fchrte die SDAJ in D\u00fcsseldorf unter dem Motto \"Her mit dem ganzen Leben, Frieden -- Arbeit -- Bildung\" ihren VII. Bundeskongre\u00df durch. Der wiedergew\u00e4hlte Bundesvorsitzende Werner St\u00fcrmann, Mitglied des Pr\u00e4sidiums der DKP, bekannte sich erneut zu den Ideen von Marx, Engels und Lenin, zur DKP und zum \"realen Sozialismus\". Nach wie vor hat die SDAJ bundesweit etwa 15.000 Mitglieder. Die Mitgliederzahl der SDAJ in Bayern hat sich unwesentlich erh\u00f6ht und lag Ende 1982 etwas \u00fcber 1.000(1981: 950). Entwicklung der Mitgliederzahlen der SDAJ in Bayern Die organisatorische Struktur der SDAJ blieb 1982 unver\u00e4ndert. Es bestehen Landesverb\u00e4nde, die ihrerseits in Kreisverb\u00e4nde und Ortsgruppen unterteilt sind. Nach eigenen Angaben will die SDAJ bundesweit \u00fcber 835 Gruppen, darunter 104 Betriebsgruppen, verf\u00fcgen. In Bayern gibt es in Anlehnung an die Organisation der DKP die Landesverb\u00e4nde Franken/Oberpfalz und S\u00fcdbayern. Sprachrohr der SDAJ ist ,,elan -- das Jugendmagazin\". Es erscheint monatlich in einer Auflage von 30.000 Exemplaren. In Bayern wurden 1982 zehn Kleinzeitungen der SDAJ bekannt. Auf der Wahrburg -- Gut Wahrberg in Aurach, Kreis Ansbach, befindet sich die zentrale Ausbildungsst\u00e4tte f\u00fcr SDAJ-Mitglieder, die auch von der DKP und den JP genutzt wird. 1982 fanden dort zahlreiche, meist einw\u00f6chige Lehrg\u00e4nge f\u00fcr Gruppenleiter, Kreisund Vorstandsmitglieder statt. Themen wie \"Sozialismus, unser Ziel\", \"Was ist Ausbeutung?\" und \"Was sind Klassen?\" wurden in den Lehrg\u00e4ngen abgehandelt. In dieser SDAJ-Schulungsst\u00e4tte wurde vom 15. bis 22. August das 6. \"Victor-Jara-Treffen\" abgehalten. Die Veranstaltung, an der rund 500 Personen teilnahmen, stand unter dem Motto \"Jugend, Frieden und Kultur\". 41","- DREI TAGE - AN PFINGSTEN - IN DER OBEEPFALZ - ZUSAMMEN UND DRAUSSEN - ANTI-AtOH FESTIVAL Bei Hiltersdorf/ 28.-31. Mai'82 Amberg ' Das Pfingstfestival mit EOOK GEGEN ATOMRAKETEN, mit \"ZOLLFREI \"(N\u00fcrnberg) \"ROT WIE DAS BLUT DER CALYPSO\", Schwandorf und Franz K. Mit der chilenischen Folkloregruppe KAMAK PACHA INTI, .anderen ausl\u00e4ndischen Folkloregruppen beim SOLIDARIT\u00c4TSKONZERT mit El Salvador! Mit Liedermachern, Sport, Diskussionsrunden, Disco, internationalen G\u00e4sten, Dorf junger Arbeitsloser, Nachtkino KULTUR ZUM GENIESSEN UND ZUM SELBERMACHEN!! DREI TAGE - AN' PFINGSTEN - IN DER OBERPFALZ - ZUSAMMEN UND DRAUSSEN Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend SDAJ","Die SDAJ ist in Bayern in keinem Jugendring auf Stadt-, Kreisoder Landesebene vertreten. Beim Deutschen Bundesjugendring fand sie keine Aufnahme. Die propagandistischen Aktionen der SDAJ befa\u00dften sich 1982 schwerpunktm\u00e4\u00dfig mit dem \"Krefelder Appell\", der Schaffung \"atomwaffenfreier Zonen\", mit den Vorg\u00e4ngen in Polen und im Libanon sowie mit der \"Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\" und der Jugendarbeitslosigkeit. Im Rahmen der Kampagne gegen Jugendarbeitslosigkeit und Lehrstellenmangel veranstaltete der SDAJ-Landesverband S\u00fcdbayern vom 24. bis 27. M\u00e4rz unter der Losung \"Arbeit statt Raketen\" einen \"Marsch junger Arbeitsloser durch Niederbayern\", an dem sich jedoch nur wenige Personen beteiligten. Der \"Artikeldienst f\u00fcr Sch\u00fclerzeitungen\" des SDAJ-Sprachrohrs \"elan\" empfahl Schulabg\u00e4ngern, Aktionen wie \"gemeinsam mit der Arbeitsloseninitiative einen Marsch zum Arbeitsamt oder zur Industrieund Handelskammer zu organisieren\", sich dort \"anzuketten\", einen \"Hungeroder Sitzstreik zu machen\", \"mal einen Morgen in die Lehrwerkstatt eines Betriebes zu gehen und dort anfangen zu arbeiten oder sie zu besetzen\". Am 5. April sammelten sich in der N\u00e4he des Haupteinganges der Bundesanstalt f\u00fcr Arbeit (BfA) in N\u00fcrnberg 14 Personen, die der SDAJ zuzurechnen sind, zu einer Demonstration gegen die Jugendarbeitslosigkeit. Sie f\u00fchrten Transparente mit Aufschriften wie \"Wir wollen nicht l\u00e4nger auf der Stra\u00dfe liegen\", \"Arbeit statt Raketen\", und \"Weg mit den Zumutbarkeitsregeln\" mit sich. Am Eingang zur BfA verteilten einige Teilnehmer Flugbl\u00e4tter einer \"N\u00fcrnberger Arbeitsloseninitiative\". Wenige Minuten sp\u00e4ter drangen die Demonstranten in die BfA ein. Da sie sich trotz mehrmaliger Aufforderung nicht entfernten, stellte die Polizei die Personalien der Beteiligten fest und leitete ein Ermittlungsverfahren ein. Wie in den fr\u00fcheren Jahren veranstalteten die SDAJ-Landesverb\u00e4nde S\u00fcdbayern und Franken/Oberpfalz gemeinsam mit den \"Jungen Pionieren -- Sozialistische Kinderorganisation\" (JP) w\u00e4hrend der Pfingstfeiertage vom 28. bis 31. Mai ihre sogenannten Pfingstcamps. An den Veranstaltungen des Landesverbandes S\u00fcdbayern am Zellsee bei Weilheim nahmen rund 350 Personen teil. Der Landesverband Franken/Oberpfalz f\u00fchrte das Pfingstcamp in Hiltersdorf, Kreis Amberg-Sulzbach, als \"Anti-Atom-Festival\" durch, an dem sich rund 300 Personen beteiligten. An beiden Veranstaltungen nahmen jeweils Delegationen der FDJ aus der DDR teil. Der SDAJ-Bundesvorstand appellierte in dem von ihm herausgegebenen \"Treffpunkt Gruppenleiter Extra\" an die SDAJ-Mitglieder in Schulen, sich an den Sch\u00fclervertretungswahlen zu beteiligen: \"Genossen/innen in Sch\u00fclervertretungen nutzen auch der SDAJ was\". Sch\u00fclervertretungen g\u00e4ben mehr M\u00f6glichkeit zu wirksamen Aktionen. Auch als Sch\u00fclervertreter wirkten SDAJ-Mitglieder als \"Genossen\". In ihrem \"antimilitaristischen Kampf\" unterst\u00fctzte die SDAJ auch 1982 die von ihr beeinflu\u00dften \"Arbeitskreise Demokratischer Soldaten\" (ADS). Die Gesamtzahl der Angeh\u00f6rigen der ADS auf Bundesebene wird auf etwa 600 Anh\u00e4nger gesch\u00e4tzt. In Bayern d\u00fcrfte die Zahl 40 Personen nicht \u00fcberschreiten. 1982 gingen lediglich von den ADS-Gruppen in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg Aktionen wie das 43","Verteilen von Flugbl\u00e4ttern vor Kasernen oder der Soldatenzeitungen \"Der Alarm-Posten\" und \"Neue Lage\" aus. 2 3 2 Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) Der MSB Spartakus wurde im Oktober 1971 gegr\u00fcndet. Als st\u00e4rkster orthodoxkommunistischer Studentenverband in der Bundesrepublik Deutschland bekennt er sich zum Marxismus-Leninismus und k\u00e4mpft mit der DKP und der SDAJ f\u00fcr die sozialistische Revolution. Er propagiert den \"realen Sozialismus\" der DDR als grunds\u00e4tzliche Alternative zum \"kapitalistischen System\". Der MSB Spartakus hat etwa 6.000 Mitglieder. In Bayern geh\u00f6rten dem MSB Spartakus Ende 1982 rund 200 (1981: 170) Mitglieder an. Er verf\u00fcgte 1982 an den Hochschulen in Augsburg, Bamberg, Coburg, Erlangen/N\u00fcrnberg, Landshut, M\u00fcnchen, Regensburg und W\u00fcrzburg \u00fcber Gruppen. Vorsitzender des MSB Spartakus ist Uwe Knickrehm. Organ des MSB Spartakus sind die \"roten bl\u00e4tter\", die in einer monatlichen Auflage von 18.000 Exemplaren erschienen. Der MSB Spartakus baute 1982 die Zusammenarbeit mit kommunistischen Jugendund Studentenorganisationen der DDR weiter aus. Vertreter des MSB Spartakus nahmen im Juli an einem \"Internationalen Freundschaftslager\" der FDJ in der DDR teil. Der MSB Spartakus setzte 1982 seine bisherige B\u00fcndnispolitik im Hochschulbereich fort, um die Studentenbewegung zu einer \"antimonopolistischen Kraft\" gegen die \"Herrschenden\" zu entwickeln. Dabei will er sein Ziel insbesondere durch die Politik der \"Gewerkschaftlichen Orientierung\" erreichen, indem er seine Forderungen mit gewerkschaftlichen Kampfmitteln wie \"Urabstimmung\" und \"Streiks\" durchzusetzen versucht. In einem Rundbrief vom April zum Thema \"Friedenskampf\" erkl\u00e4rte der MSBBundesvorstand, eine Welt ohne Waffen sei erst nach \u00dcberwindung des \"Kapitalismus\" m\u00f6glich. \"Friedenskampf\" bedeute auch \"Kampf zum Schutz revolution\u00e4rer und sozialistischer Entwicklung in der Welt\". Gleichfalls im April gab der MSB Spartakus eine neue Auflage des Arbeitsheftes \"sinnvoll leben, studieren und k\u00e4mpfen! Einf\u00fchrung in die Politik des MSB Spartakus\" heraus. In ihm bezeichnete er den \"antimilitaristischen Kampf\" als wesentlichen Bestandteil des Kampfes um die \"revolution\u00e4re Umgestaltung der kapitalistischen Gesellschaft\". Aufgabe des MSB Spartakus als \"marxistischer Organisation\" sei es dabei, an den Hochschulen f\u00fcr ein Zusammengehen aller Kriegsgegner einzutreten. In ihrem im Mai erschienenen Buch \"Streiten \u00fcber den Frieden -- Strategien/Perspektiven/Alternativen in der Friedensbewegung\" behaupten zwei MSBFunktion\u00e4re, der \"Imperialismus\" wolle die Welt unterwerfen und das \"sozialistische System\" beseitigen. Der NATO-Beschlu\u00df von 1979 sei Ausdruck dieses Vorherrschaftsstrebens und m\u00fcsse deshalb politisch undurchf\u00fchrbar gemacht werden. Bei seinen Aktivit\u00e4ten wurde der MSB Spartakus wiederum von anderen Organisationen unterst\u00fctzt. Sein zuverl\u00e4ssigster B\u00fcndnispartner ist der Sozialistische 44","Hochschulbund (SHB) -- vgl. im einzelnen zum SHB 5. Abschnitt Nr. 3. Ferner gelang es ihm erneut, f\u00fcr B\u00fcndnisse und einzelne Aktionen demokratische Organisationen und Unorganisierte zu gewinnen. Der MSB Spartakus entfaltete auch 1982 seine Aktivit\u00e4ten im wesentlichen im Bildungsbereich -- vgl. im einzelnen 5. Abschnitt Nr. 2.2. 2.3.3 Junge Pioniere -- Sozialistische Kinderorganisation (JP) Die JP wurden 1974 auf Initiative der DKP nach dem Vorbild der Staatsjugendorganisationen der sozialistischen L\u00e4nder gegr\u00fcndet. Sie erfassen Kinder von 6 bis 14 Jahren. Nach ihrer Satzung k\u00e4mpfen die JP f\u00fcr den Sozialismus und betrachten sich als Teil der weltweiten kommunistischen Pionierbewegung. Sie dienen der DKP und der SDAJ als Basis f\u00fcr ihren Nachwuchs. DKP, SDAJ und MSB Spartakus unterst\u00fctzen die JP in der Erwartung, da\u00df sie die Kinder kommunistisch erziehen. Die JP gliedern sich nach ihrer Satzung in Gruppen-, Kreisund Landesverb\u00e4nde. In Bayern bestehen die Landesverb\u00e4nde Franken/Oberpfalz und S\u00fcdbayern. Die Zahl der Mitglieder der JP betrug 1982 bundesweit rund 3.500. In Bayern d\u00fcrfte sich aufgrund starker Werbeaktionen (sog. \"Stra\u00dfenfieber\" in N\u00fcrnberg, Aktion Kinderspielpl\u00e4tze in M\u00fcnchen) die Mitgliederzahl von 350 auf ca. 400 erh\u00f6ht haben. Der Bundesvorstand der JP ver\u00f6ffentlicht die zentrale Kinderzeitung \"Willibald\" und die \"Pionierleiterinformation\". Die JP forderten, die Kinder in die \"Friedensbewegung\" mit einzubeziehen. Sie verst\u00e4rkten Unterschriftensammlungen und erkl\u00e4rten Spielpl\u00e4tze zu \"Friedensspielpl\u00e4tzen\". In einem \"Elternbrief\" riefen sie Eltern auf, sich mit JP-Gruppen an den \"Osterm\u00e4rschen\" zu beteiligen. Auf einem Treffen f\u00fchrender JP-Funktion\u00e4re am 5. September in Dortmund dankte der DKP-Vorsitzende Mies den JP f\u00fcr ihren aktiven Einsatz im Kampf zur Verhinderung der geplanten Stationierung der neuen \"NATO-Erstschlagraketen\". Neben mannigfaltigen Freizeitangeboten waren auch 1982 H\u00f6hepunkte die Pfingstcamps und die Kinderferienaktion. Im Rahmen dieser Kinderferienaktion warben DKP, SDAJ und JP intensiv f\u00fcr \"Ferienreisen in sozialistische L\u00e4nder\". Anfang August reisten von Bayern aus etwa 350 Kinder und 25 Betreuer zu Ferienaufenthalten in die DDR. Unter dem Motto \"Kinder wollen Frieden\" f\u00fchrten die JP am 4,/5. Dezember in Dortmund ihre 4. Bundeskonferenz durch. Als G\u00e4ste nahmen Vertreter sozialistischer Kinderorganisationen aus der DDR und der UdSSR sowie Repr\u00e4sentanten von DKP, SDAJ und MSB Spartakus teil. Der wiedergew\u00e4hlte JP-Bundesvorsitzende Achim Kroo\u00df lobte die enge Zusammenarbeit mit DKP und SDAJ im Kampf f\u00fcr eine \"bessere, kinderfreundliche, sozialistische Gesellschaftsordnung\" und betonte das freundschaftliche Verh\u00e4ltnis insbesondere zur DDR, wo alle Voraussetzungen f\u00fcr eine \"wirklich kinderfreundliche Politik\" geschaffen seien. Aufgabe der Organisation sei, die Kinder durch \"sozialistische Kinderarbeit\" f\u00fcr die JP zu gewinnen und zu \"sozialistischem Bewu\u00dftsein\" zu erziehen. Die Konferenz verabschiedete einen Antrag \"Kinder wollen Frieden -- Vorschl\u00e4ge der sozialistischen Kinderorganisation Junge Pioniere zur Friedens45","erziehung\", in dem es hei\u00dft, Kinder m\u00fc\u00dften dem gef\u00e4hrlichen Einflu\u00df der \"Raketenstationierer\" entrissen werden und am Kampf \"f\u00fcr den Frieden\", gegen \"Rotstiftpolitik\" und \"Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\" aktiv teilnehmen. 2.4 Von der DKP beeinflu\u00dfte Organisationen 2.4.1 Allgemeines i Die DKP ist realistisch genug zu erkennen, da\u00df sie allein mit einer unverhohlenen Propagierung ihrer verfassungsfeindlichen Ziele bei der Bev\u00f6lkerung auf keine gro\u00dfe Resonanz trifft. Daher bem\u00fcht sie sich, nach den Grunds\u00e4tzen ihrer B\u00fcndnispolitik (vgl. oben Nr. 2.2.3) bei zahlreichen Organisationen Einflu\u00df zu gewinnen, zu erhalten und zu st\u00e4rken. Zu diesem Zweck werden von der DKP und ihren Nebenorganisationen oder auf ihre Initiative hin Organisationen, Initiativen oder Komitees gegr\u00fcndet. Der Einflu\u00df der DKP und ihrer Nebenorganisationen kann sich auch darin zeigen, da\u00df solche Organisationen eng mit ihnen zusammenarbeiten, da\u00df in ihren F\u00fchrungsgremien wichtige Positionen mit Kommunisten besetzt sind, da\u00df sie von der DKP und ihren Nebenorganisationen materiell unterst\u00fctzt werden und da\u00df unter ihren Mitgliedern zahlreiche Kommunisten sind. Solche beeinflu\u00dfte Organisationen verfolgen Ziele, die in Teilbereichen mit typisch kommunistischen Zielsetzungen \u00fcbereinstimmen, und unterst\u00fctzen damit die Bestrebung der DKP, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beseitigen. H\u00e4ufig liegen mehrere, gelegentlich auch alle diese Merkmale vor; entsprechend stark ist dann der kommunistische Einflu\u00df. In einigen dieser beeinflu\u00dften Organisationen sind wesentliche Entscheidungen gegen den Willen der DKP oder ihrer Nebenorganisationen nicht m\u00f6glich. Bei anderen hingegen besteht trotz des DKP-Einflusses noch Raum f\u00fcr politisches Eigenleben; die kommunistische Beeinflussung ist dann f\u00fcr das einfache Mitglied und f\u00fcr Au\u00dfenstehende nicht immer leicht erkennbar. Zu den von der DKP beeinflu\u00dften Organisationen z\u00e4hlen insbesondere -- die Deutsche Friedens-Union (DFU), -- die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -- Bund der Antifaschisten (VVN-BdA), -- die Deutsche Friedensgesellschaft -- Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK), -- das Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit (KFAZ), -- die Vereinigung Demokratischer Juristen (VDJ), -- die Demokratische Fraueninitiative (DFI), -- einzelne Komitees und Initiativen, die die Bewegung gegen \"Berufsverbote\" und f\u00fcr \"Frieden\" und \"Abr\u00fcstung\" tragen. Die DKP verf\u00fcgt \u00fcber eine so umfangreiche Palette beeinflu\u00dfter Organisationen, da\u00df f\u00fcr jedes Alter, jeden Beruf, jede soziale Schicht, Frauen und M\u00e4nner, jeden Bildungsstand zumindest eine sich nach au\u00dfen unabh\u00e4ngig gebende Gruppierung besteht, die sie in ihrer Politik unterst\u00fctzt. Die DKP-beeinflu\u00dften Organisationen nahmen auch 1982 aktiv an den Kampagnen der DKP gegen die Bundesrepublik Deutschland teil. Der Schwerpunkt 46","ihrer Aktivit\u00e4ten lag auf dem Gebiet der \"Friedensbewegung\". Sie unterst\u00fctzten den auf Initiative der DFU entstandenen \"Krefelder Appell\" und die damit verbundene Unterschriftenaktion. Sie beteiligten sich in Bayern, zum Teil gemeinsam mit der DKP und ihren Nebenorganisationen, in unterschiedlicher Zusammensetzung am \"Ostermarsch 1982\", am 2. \"N\u00fcrnberger Friedensfest\" (17. Juli), am 3. \"N\u00fcrnberger Forum\" (27. November), am \"Friedensfest\" der M\u00fcnchner B\u00fcrgerinitiative f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung am 4. September, an den bundesweiten \"Friedenswochen\" im November und an den Aktionstagen zum 3. Jahrestag des \"NATO-Doppelbeschlusses\" am 12. Dezember. 2.4.2 Deutsche Friedens-Union (DFU) Die Deutsche Friedens-Union (DFU) wurde 1960 auf kommunistisches Betreiben als \"Volksfrontpartei\" gegr\u00fcndet. Ihr Ziel ist eine \"reale Demokratie, in der der antifaschistische, antimonopolistische und antimilitaristische Auftrag des Grundgesetzes und der L\u00e4nderverfassungen verwirklicht ist\". Als unerl\u00e4\u00dflich erachtet sie es, den \"Ungeist des Antikommunismus in der Bundesrepublik Deutschland\" zu \u00fcberwinden. Ihre T\u00e4tigkeit besteht fast ausschlie\u00dflich in der F\u00f6rderung kommunistischer Vorstellungen. Die DFU ist Mitglied des sowjetisch gelenkten Weltfriedensrates (WFR). Auf Bundesebene wird die DFU vom Bundesvorstand geleitet, dessen Vorsitz ein \"Direktorium\" aus sieben Personen innehat. Von diesen sieben und den 58 Mitgliedern des Bundesvorstandes geh\u00f6rten etwa ein Viertel der 1956 verbotenen KPD, etwa ein Drittel geh\u00f6rte gleichzeitig anderen kommunistisch beeinflu\u00dften Organisationen an. Die DFU verf\u00fcgt \u00fcber neun Landesverb\u00e4nde, die weiter untergliedert sind. Vorsitzender des Landesverbandes Bayern ist seit 1977 Gerhard Bitterwolf. In Bayern bestanden 1982 Bezirksverb\u00e4nde in Augsburg, M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg, Regensburg und W\u00fcrzburg, die jedoch sehr unterschiedlich aktiv waren. Die Zahl der Mitglieder in Bayern blieb mit rund 400 gleich (Bund 1.500). Als Sprachrohr der DFU dient die w\u00f6chentlich herausgegebene \"Deutsche Volkszeitung\" (DVZ). Eine wichtige Publikation der DFU ist der unregelm\u00e4\u00dfig erscheinende \"Pressedienst\", in dem \u00fcberwiegend Stellungnahmen des Direktoriums und von Direktoriumsmitgliedern zu aktuellen Ereignissen ver\u00f6ffentlicht werden. Die DFU unterhielt auch 1982 Verbindungen zu \"Friedensorganisationen\" au\u00dferhalb der Bundesrepublik Deutschland. Mitte Mai und Ende November reisten Delegationen des Bundesverbandes zu Treffen mit dem \"Friedensrat\" der DDR nach Berlin (Ost). Auch der Landesverband Bayern pflegte internationale Verbindungen, vor allem mit dem \"tschechoslowakischen Friedenskomitee\". Mitte Mai hielt sich eine Delegation aus der CSSR in Bayern auf; Mitglieder dieser Delegation traten bei Veranstaltungen verschiedener Bezirksverb\u00e4nde der DFU auf. Ende September f\u00fchrte der DFU-Landesverband Bayern zusammen mit der VVN-BdA eine \"Friedensfahrt in die CSSR\" durch, bei der M\u00f6glichkeiten zu Gespr\u00e4chen mit Vertretern des \"Friedenskomitees der CSSR\" bestanden. 47","Publikationen DKP-beeinflu\u00dfter Organisationen Rolf Lobeck: Anmerkungen zur Kasseler documenta 7 (Seite 14) Deutsche rm Wochenzeitung f\u00fcr demokratischen Fortschritt Internationaler Kongre\u00df e ., n j -- Prof. Elke Hennig / Hans Peter Bordien: Q .. * der Antifaschisten 0 6 l t 6 PS + lPS \"tat\"-Diskussion \u00fcber Neonazis O 6 I I 6 *r /' MeMfr * Herausgeber: Pr\u00e4sidium der W N - Bund \u00fcer Antifaschisten NR.\" g? Dokumentation | Herausgeber: AID Pr\u00e4sidium der W N - B u n d der Antifaschisten\"] Nr. 4 Juli/August 1982 8. Jahrgang DM2.-OFRtPSDPSNSZmUNG Komitee T\u00fcr Frieden. Abr\u00fcstung \"r 48","Oie Aktivit\u00e4ten der DFU konzentrierten sich auch 1982 auf die Agitation gegen clen \"Nachr\u00fcstungsbeschlu\u00df der NATO\" und die Unterst\u00fctzung des \"Krefelder Appells\"Andere Programmpunkte der DFU, wie der \"Abbau des Antikommunismus\" und der \"Kampf gegen die Berufsverbote\", wurden in die Abr\u00fcstungskampagne integriert oder ihr untergeordnet. Die DFU trat auch 1982 nur in geringem Ma\u00df mit eigenen Veranstaltungen in Erscheinung. Daf\u00fcr bet\u00e4tigte sie sich in erheblichem Umfang im B\u00fcndnisbereich. Sie beteiligte sich zum Beispiel auf Bundesund Landesebene an der Vorbereitung der Osterm\u00e4rsche und unterzeichnete den Aufruf zur Demonstration am 10. Juni in Bonn anl\u00e4\u00dflich des NATO-Gipfeltreffens. F\u00fchrende Mitglieder der DFU waren an der Vorbereitung und Abwicklung der Gro\u00dfveranstaltung der Krefelder Initiative \"K\u00fcnstler f\u00fcr den Frieden\" am 11. September in Bochum beteiligt. In der \"Krefelder Initiative\", dem \"Initiatorenkreis\" des \"Krefelder Appells\", der sich 1980 auf Betreiben der DFU konstituierte, spielt das Direktoriumsmitglied der DFU Josef Weber eine herausragende Rolle. Die Adresse der Gesch\u00e4ftsstelle der \"Krefelder Initiative\" ist mit dem B\u00fcro der DFU identisch. Der \"Krefelder Appell\" ist nach Meinung der DFU \"Seismograph der St\u00e4rke und Geschlossenheit der Friedensbewegung und eine wichtige Hilfe bei der Gewinnung neuer Mitstreiter\". F\u00fcr den \"Krefelder Appell\" sollen nach -- offensichtlich \u00fcbertriebenen Angaben -- inzwischen \u00fcber 3 Millionen Unterschriften gesammelt worden sein. F\u00fchrende Funktion\u00e4re des DFU-Landesverbandes Bayern arbeiten im Tr\u00e4gerkreis des \"N\u00fcrnberger Forums -- Es gibt nichts Wichtigeres als den Frieden -- Keine Atomraketen in Europa\" mit, in dem auch namhafte DKP-Funktion\u00e4re vertreten sind. Die DFU geh\u00f6rt in M\u00fcnchen der orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften \"M\u00fcnchner B\u00fcrgerinitiative f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung\" (BIFA), einer \u00f6rtlichen Gruppierung des DKP-beeinflu\u00dften KFAZ an. Die enge Verbundenheit der DFU und der BIFA l\u00e4\u00dft sich daraus ersehen, da\u00df beide Organisationen ihre B\u00fcros in den gleichen R\u00e4umen unterhalten. Die DFU stellte sich auch 1982, vor allem im N\u00fcrnberger Raum, als zentrale Organisation im Konzept der B\u00fcndnispolitik der DKP dar. Zur Darlegung ihres Standpunktes innerhalb der \"Friedensbewegung\" ver\u00f6ffentlichte die DFU Anfang August einen \"Diskussionsbeitrag zum Kampf f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung\". In dem Positionspapier hei\u00dft es, die \"Friedensbewegung\" m\u00fcsse zu einer \"Volksbewegung\" werden. Dazu bed\u00fcrfe es der Weiterentwicklung Stadtteilund berufsbezogener \"Friedensinitiativen\", der Arbeit in den Kirchen, des Kampfes um die \"millionenfache Zustimmung zum Krefelder Appell\" und der \"systematischen Einflu\u00dfnahme\" auf Politiker, z.B. durch \"Besuche bei Abgeordneten\". Hauptziel der \"Friedensbewegung\" m\u00fcsse jedoch nach wie vor die Verhinderung des NATO-Beschlusses vom 12. Dezember 1979 bleiben. Die entscheidende Aufgabe sei gegenw\u00e4rtig die Formierung des \"Widerstandes in und aus den Betrieben und die Zusammenf\u00fchrung von Arbeiterbewegung und Friedensbewegung\". 49","2.4.3 Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -- Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -- Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) ist eine der gr\u00f6\u00dften orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften Organisationen. Nach dem Ende 1982 vom Pr\u00e4sidium der VVN-BdA \u00fcberarbeiteten Entwurf des 1979 verabschiedeten Orientierungsund Aktionsprogrammes, \u00fcber den auf dem Bundeskongre\u00df im Mai 1983 beschlossen werden soll, bedeutet \"antifaschistische Politik\" heute: \"Eintreten gegen die Stationierung weiterer Atomwaffen in unserem Land, f\u00fcr Frieden, Entspannung und internationale Zusammenarbeit auf der Grundlage der Prinzipien der friedlichen Koexistenz. . . \" und \"Eintreten f\u00fcr die wirksame und vertrauensvolle Zusammenarbeit aller Demokraten im Kampf gegen Aufr\u00fcstung, Reaktion und Neofaschismus\". Neu aufgenommen wurden die Programmpunkte \"Erfolge der Entspannungspolitik und erneute Gefahren f\u00fcr den Frieden\" sowie die \"Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\". Als weitere B\u00fcndnispartner der VVN-BdA werden neben Sozialdemokraten, Kommunisten, Christen, Liberalen und Parteilosen auch \"Gr\u00fcne\" genannt, die im \"antifaschistischen Kampf\" zusammenfinden m\u00fc\u00dften. Pr\u00e4sident der VVN-BdA ist Dr. Joseph C. Rossaint; er ist Tr\u00e4ger der vom Pr\u00e4sidium des Obersten Sowjets der UdSSR verliehenen Leninmedaille, Tr\u00e4ger der Friedensmedaille des WFR und B\u00fcromitglied des DKP-beeinflu\u00dften KFAZ. Generalsekret\u00e4r ist das DKP-Parteivorstandsmitglied Kurt Erlebach. Vorsitzender des Landesverbandes Bayern der VVN-BdA ist der DKP-Funktion\u00e4r Oskar Neumann; Landessekret\u00e4rin ist das Vorstandsmitglied der DKP-Bezirksorganisation S\u00fcdbayern und Mitglied des Sprecherkreises der \"M\u00fcnchner B\u00fcrgerinitiative f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung\" (BIFA) Marion Lehmicke. Die VVN-BdA ist der prosowjetische F\u00f6deration Internationale des Resistants (FIR) und dem sowjetisch gelenkten Weltfriedensrat (WFR) angeschlossen. Die VVN-BdA hat bundesweit rund 13.000, in Bayern weiterhin etwa 1.000 Mitglieder. Die mitgliederst\u00e4rksten der 14 Kreisvereinigungen in Bayern sind nach wie vor die in M\u00fcnchen mit rund 450 und in N\u00fcrnberg mit rund 250 Mitgliedern. Der \u00fcberwiegende Teil der Mitglieder verh\u00e4lt sich jedoch passiv. Sprachrohr der VVN-BdA ist \"die tat -- antifaschistische Wochenzeitung\", die in einer gesch\u00e4tzten Auflage von 14.000 Exemplaren von der Hausdruckerei der DKP Plambeck & Co. in Neu\u00df gedruckt wird. Chefredakteurin ist das Mitglied des Parteivorstandes der DKP und Mitglied des gesch\u00e4ftsf\u00fchrenden Pr\u00e4sidiums der VVN-BdA Ingrid Schuster. Das Funktion\u00e4rsorgan der VVN-BdA ist \"effektiv\", das in einer Auflage von 1.000 Exemplaren mindestens viermal j\u00e4hrlich vom Pr\u00e4sidium der VVN-BdA herausgegeben wird. Seit Ende 1981 erscheint die Brosch\u00fcre \"AID -- Argumentation, Information, Dokumentation\". Die VVN-BdAKreisvereinigungen N\u00fcrnberg, F\u00fcrth und Ansbach gaben, meist in zweimonatlichem Rhythmus, eine \"Information\" heraus. Der Landesverband Bayern der VVN-BdA gr\u00fcndete einen \"Antifaschistischen Kampffond\", der die schlechte finanzielle Situation des Verbandes verbessern helfen soll. Bundesweit existiert ein gleichnamiger Fond bereits seit Ende 1980. 50","Mach mit in der VVN/Bund der Antifaschisten! Werbung der VVN-BdA 51","Agitationsschwerpunkte der VVN-BdA waren auch 1982 in erster Linie der Kampf gegen den \"NATO-Beschlu\u00df\", damit verbunden der Kampf gegen den Antikommunismus und die \"Bedrohungsl\u00fcge von der Gefahr aus dem Osten\" sowie die Unterschriftensammlung unter den \"Krefelder Appell\", ferner der Kampf gegen den \"Neonazismus und die verfassungswidrigen Berufsverbote\" und die \"Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\". Die VVN-BdA, die sich als aktiver Teil der \"Friedensbewegung\" versteht, beteiligte sich an allen Gro\u00dfveranstaltungen der \"Friedensbewegung\" und arbeitete auch in \u00f6rtlichen \"Friedensinitiativen\" mit. Sie war Mitunterzeichnerin des Aufrufs zur Gro\u00dfdemonstration gegen das NATO-Gipfeltreffen am 10. Juni in Bonn und unterst\u00fctzte die Vorbereitung und Durchf\u00fchrung dieser Massenveranstaltung. Sie unterst\u00fctzte gleichlautend mit den \u00fcbrigen Organisationen des orthodox-kommunistischen Bereichs die Forderung, den \"Krefelder Appell\" zu einer \"Abstimmung des Volkes gegen die Aufr\u00fcstung\" zu machen. Aus Anla\u00df ihres 35j\u00e4hrigen Bestehens f\u00fchrte die VVN-BdA am 20. M\u00e4rz in D\u00fcsseldorf eine Festveranstaltung \"35 Jahre Kampf f\u00fcr antifaschistische Demokratie -- f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung -- f\u00fcr nationale Souver\u00e4nit\u00e4t\" durch. Unter den etwa 1.500 Teilnehmern befanden sich Abordnungen von DKP und DFU, Vertreter der SDAJ, des DKP-beeinflu\u00dften \"Bundes demokratischer Wissenschaftler\" (BdWi) und des \"Sozialistischen Hochschulbundes\" (SHB) sowie G\u00e4ste ausl\u00e4ndischer und internationaler Widerstandsk\u00e4mpferorganisationen, darunter der Vizepr\u00e4sident der FIR. In der Er\u00f6ffnungsansprache betonte der Generalsekret\u00e4r der VVN-BdA Kurt Erlebach das Engagement der Organisation f\u00fcr den \"Krefelder Appell\" und die \"Ostermarschaktionen\". Der Pr\u00e4sident der VVN-BdA Dr. Joseph Rossaint forderte als \"oberstes Gebot deutscher Politik\" das Recht, \"deutsche L\u00e4nder als Raketenabschu\u00dframpen\" abzulehnen. Aus Anla\u00df des 2. Jahrestages des Sprengstoffanschlags auf dem M\u00fcnchner Oktoberfest (26. September 1980) f\u00fchrte die von der VVN-BdA beeinflu\u00dfte bayerische Initiative \"Dem Naziterror Einhalt gebieten\" vom 18. bis 26. September in M\u00fcnchen eine \"Antifaschistische Woche\" durch, an der sich die VVN-BdA selbst, die SDAJ und die \"Libresso-Buchhandlung\" mit eigenen Veranstaltungen beteiligten. Den H\u00f6hepunkt der Aktionswoche bildete ein Symposium am 25. September zum Thema \"Neonazismus und Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\". Zum Abschlu\u00df der \"Antifaschistischen Woche\" fand am 26. September ein Aufzug zum Gedenken an die Opfer des \"faschistischen Attentats\" statt. An der Demonstration beteiligten sich rund 300 Personen, darunter zahlreiche Angeh\u00f6rige der DKP, SDAJ, VVN-BdA sowie der KPD und des AB. 2.4.4 Deutsche Friedensgesellschaft -- Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK) Die DFG-VK entstand 1974 durch Fusion der Deutschen Friedensgesellschaft -- Internationale der Kriegsdienstgegner (DFG-ldK) mit dem Verband der Kriegsdienstverweigerer (VK). Die sich als \"antimilitaristischer Kampfverband\" verstehende Organisation k\u00e4mpft f\u00fcr Abr\u00fcstung und die \"Verwirklichung des Menschenrechts auf Kriegs52","Dienstverweigerung\", aber auch gegen \"Antikommunismus\" und die \"Militarisierung der Bundesrepublik\". Sie erachtet die Verweigerung jeglichen Kriegsdienstes als eine \"demonstrative, individuelle Handlung gegen Krieg und Kriegsvorbereitung\". Den Kriegsdienstverweigerern gew\u00e4hrt sie \"Schutz und Hilfe\". Die DFG-VK sieht nach ihrem Programm \"Schwerpunkte ihrer b\u00fcndnispolitischen Zusammenarbeit vor allem dort, wo die Forderung nach Beseitigung der Atomwaffen, nach dem Verbot der Weitergabe von Plutonium und nach dem Schutz der Landschaft vor milit\u00e4rischer Zerst\u00f6rung aufgestellt wird\". Die DFG-VK ist nach wie vor die mitgliederst\u00e4rkste kommunistisch beeinflu\u00dfte Organisation. Die Mitgliederzahl hat sich bundesweit auf \u00fcber 21.000 erh\u00f6ht. Die Zahl der Mitglieder des Landesverbandes Bayern ist auf \u00fcber 2.000 angestiegen, von denen allerdings nur ein geringer Teil aktiv mitarbeitet. Die Anzahl der DFG-VK-Gruppen blieb mit etwa 20 gleich. Neben den Ortsgruppen bestehen in \u00fcber 20 Orten Arbeitskreise, Friedenskreise, Initiativen, und in etwa 10 Orten wird KDV-Beratung betrieben, die weiter aktiviert werden soll. Mit rund 800 Mitgliedern ist die M\u00fcnchner Gruppe die gr\u00f6\u00dfte, gefolgt von der N\u00fcrnberger mit etwa 300 Mitgliedern. Von beiden gehen die meisten Aktivit\u00e4ten aus. Es bestehen auch in Bayern einige Jugendgruppen der DFG-VK mit der Bezeichnung \"Jugendclub Courage\" (JCC). Die DFG-VK unterst\u00fctzt die ihr nahestehende \"Selbstorganisation der Zivildienstleistenden\" (SOdZDL). Das Publikationsorgan der DFG-VK \"Zivilcourage -- Das antimilitaristische Magazin\" erscheint alle zwei Monate. Zur Vorbereitung des Bundeskongresses im November ver\u00f6ffentlichte der Bundesvorstand der DFG-VK in einer Sonderbeilage zum Verbandsorgan \"Zivilcourage\" Mai/Juni 1982 zwei Diskussionsbeitr\u00e4ge zur \"Theorie des politischen Pazifismus\". In ihnen wurde deutlich, da\u00df sich innerverbandlich unterschiedliche Str\u00f6mungen verst\u00e4rkt artikulieren. Der bayerische Landesvorsitzende der DFGVK und Bundesvorstandsmitglied Heinrich H\u00e4berlein hob in seinem Beitrag hervor, \"politischer Pazifismus\" bedeute, \"alle Kriegsdienste (nicht nur den bei der Bundeswehr) verweigern, direkte und indirekte Kriegsursachen erkennen, benennen und gewaltfrei f\u00fcr ihre Beseitigung k\u00e4mpfen!\". Da der Antikommunismus jedoch Teil der \"Psychologischen Kriegsvorbereitung\" und somit eine \"potentielle direkte Kriegsursache\" sei, m\u00fcsse die DFG-VK f\u00fcr dessen \u00dcberwindung k\u00e4mpfen. In dem anderen Beitrag wurden \"einzelne direkte Aktionen\" und \"massenhafter ziviler Ungehorsam\" als Strategie \"radikaler Pazifisten\" propagiert. Die \"Strategie radikaler Pazifisten\" k\u00f6nne nicht status-quo-orientiert sein, sie m\u00fcsse vielmehr \"destabilisierend auf die gegenw\u00e4rtigen sp\u00e4tkapitalistischen und b\u00fcrokratisch-sozialistischen Gesellschaftsformationen wirken\". Der 4. Bundeskongre\u00df fand vom 26. bis 28. November in Bergen-Enkheim bei Frankfurt a.M. statt. In einem Gru\u00dfschreiben an den Kongre\u00df dankte der DKPVorsitzende Herbert Mies der DFG-VK f\u00fcr \"partnerschaftliche Zusammenarbeit\" sowie f\u00fcr die Zur\u00fcckweisung des \"Antikommunismus\" und der \"Bedrohungsl\u00fcge\". Der Bundesvorstand f\u00fchrte im Rechenschaftsbericht aus, die DFGVK geh\u00f6re seit der Bonner Gro\u00dfdemonstration vom 10. Oktober 1981 zum 53","\"inneren Tr\u00e4gerkreis der Friedensbewegung\" und wirke \"ma\u00dfgeblich\" bei bundesweiten Aktionsberatungen mit. Die Kontakte zu einzelnen \"B\u00fcndnisorganisationen\", vor allem zur \"Aktion S\u00fchnezeichen/Friedensdienste\" (ASF), seien \"bis hin zu gemeinsamen Projekten\" verbessert worden. Der Bundesvorsitzende Klaus Mannhardt warf den \"Kriegsplanern in Washington\" vor, auf \"totale politische und milit\u00e4rische Konfrontation\" zu setzen. Demgegen\u00fcber wolle die Sowjetunion die \"Politik der Entspannung\" fortf\u00fchren. Die \"Friedensbewegung\" m\u00fcsse sich in ihrem Kampf \"auf die Raketenstationierung konzentrieren\" und d\u00fcrfe dabei keine Gruppen \"ausgrenzen\". Er propagierte \"zivilen Ungehorsam\" durch massenhafte und \u00f6ffentliche Kriegsdienstverweigerung und forderte: \"Unterst\u00fctzen, beteiligen wir uns und organisieren wir direkte gewaltfreie Aktionen als weitere Kampfformen gegen die neuen Atomraketen. Setzen wir diese Form unseres Widerstandes gezielt und bewu\u00dft dort ein, wo die neuen Atomraketen stationiert werden sollen\". Bei den Neuwahlen wurden die bisherigen Vorsitzenden Klaus Mannhardt und Gerd Greune in ihren \u00c4mtern best\u00e4tigt. Aus Bayern sind Heinrich H\u00e4berlein (Referat Kriegsdienstverweigerung), Ekhardt Dietzfelbinger (Referat Bildung/Schulung) sowie Christian Schmidt (neu geschaffenes Referat \"Gewaltfreie direkte Aktion und soziale Verteidigung\") im Bundesvorstand vertreten. Der Kongre\u00df konnte wegen kontrovers gebliebener Punkte nicht abgeschlossen werden. Er wurde am 576. Februar 1983 in Duisburg fortgesetzt. Hier gelang auch die Wiederwahl von Rolf Breuch f\u00fcr das Referat \"Abr\u00fcstung\". F\u00fchrende Funktionen im Bundesvorstand nehmen weiterhin orthodoxe Kommunisten bzw. Mitglieder orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dfter Organisationen wahr. Der Bundesvorsitzende Klaus Mannhardt ist Mitglied des \"B\u00fcros\" des KFAZ und geh\u00f6rt dem sowjetisch gelenkten Weltfriedensrat (WFR) an. Das DKPMitglied Gregor Witt ist zust\u00e4ndig f\u00fcr Dokumentation und Information. Das DKPMitglied Rolf Breuch leitet das Referat \"Abr\u00fcstung\". Helmut Erwe, Mitglied des KFAZ, ist Referent f\u00fcr Pressekontakte. Heinrich H\u00e4berlein, verantwortlich f\u00fcr das Referat Kriegsdienstverweigerung, geh\u00f6rt der VVN-BdA an. Gemeinsam mit der DFU und dem KFAZ z\u00e4hlte die DFG-VK auch 1982 zu den f\u00fchrenden und aktivsten kommunistisch beeinflu\u00dften Organisationen bei den Kampagnen gegen den \"NATO-Nachr\u00fcstungsbeschlu\u00df\" und f\u00fcr den \"Krefelder Appell\". Anfang des Jahres wandte sich die DFG-VK mit einem Aktionsplan f\u00fcr den weiteren Kampf gegen die Stationierung neuer Atomraketen an die Organisationen und Gruppen der \"Friedensbewegung\". Unter dem Motto \"Mobilmachung f\u00fcrs \u00dcberleben\" wurden in dem Aktionsplan Anregungen f\u00fcr Handlungsperspektiven gegen Atomraketen aufgezeigt. Unter der Perspektive \"Machen wir unser Land atomwaffenfrei\" hie\u00df es: \"Um bis 1983 die Stationierung neuer Atomwaffen zu verhindern, mu\u00df es uns gelingen, in jeder Stadt, jedem Dorf in unserer Nachbarschaft ein \u00f6ffentliches Klima gegen weitere atomare Hochr\u00fcstung zu schaffen. \u00dcberlassen wir den t\u00e4glichen Kampf um die K\u00f6pfe und Herzen der Menschen in unserem Land nicht den Raketenbef\u00fcrwortern, sondern popularisieren wir verst\u00e4rkt vor Ort unsere Forderung, Argumente und Alternativen\". 54","Die DFG-VK Ortsgruppe M\u00fcnchen veranstaltete in Zusammenarbeit mit dem QPG-VK Landesverband Bayern unter Leitung ihrer Jugendorganisation \"Jugendclub Courage\" (JCC) vom 29. Mai bis 6. Juni am Windachspeicher, Kreis Landsberg a. Lech, ihr ,,5. Friedenscamp\". An dem Camp beteiligten sich rund 80 Personen. Neben Diskussionen in Mannschaftszelten fanden Planspiele statt, in denen u.a. die Bildung von \"Widerstandsgruppen\" gegen \"kriegf\u00fchrende\" Politiker geprobt wurden. H\u00f6hepunkt war das vom DFG-VK-Landesverband organisierte Seminar zum Thema \"Gewaltfreie Aktionen\". 2.4.5 Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit (KFAZ) Das Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit (KFAZ) entstand 1974 unter ma\u00dfgeblicher Beteiligung orthodox-kommunistischer Organisationen. Es verf\u00fcgt weder rechtlich noch tats\u00e4chlich \u00fcber eine feste Organisation. Das \"B\u00fcro des KFAZ\", das Leitungsgremium dieser Organisation, ist eine der Schaltzentralen der \"Friedensbewegung\". Es wurde 1982 von neun auf 17 Personen erweitert. Neu im \"B\u00fcro\" ist u.a. das Mitglied des Pr\u00e4sidiums der DKP Martha Buschmann, die f\u00fcr die \"Friedensarbeit\" der DKP zust\u00e4ndig und Mitglied im sowjetisch gelenkten WFR ist. Sie hatte nach der Gro\u00dfdemonstration am 10. Oktober 1981 die sowjetische Ehrenmedaille \"K\u00e4mpfer f\u00fcr den Frieden\" erhalten. Insgesamt geh\u00f6ren zehn Mitglieder des \"B\u00fcros\" dem WFR direkt oder \u00fcber ihre Organisationen (DFU, VVN-BdA), die ihrerseits Mitglieder des WFR sind, an. Bundesweit bestehen \u00f6rtliche Komitees und Initiativen des KFAZ, in Bayern in M\u00fcnchen, Regensburg und Weilheim. Seit November 1981 gibt das KFAZ die \"Friedenszeitung\" heraus, die zur St\u00e4rkung der \u00f6rtlichen Initiativen beitragen soll. Das KFAZ war auch 1982 einer der Tr\u00e4ger der kommunistischen Friedensund Abr\u00fcstungskampagne. Es rief zur Unterst\u00fctzung des \"Krefelder Appells\" auf, war sowohl an der Durchf\u00fchrung der \"Osterm\u00e4rsche 82\" aktiv beteiligt als auch im Koordinierungsausschu\u00df der Gro\u00dfdemonstration am 10. Juni in Bonn anl\u00e4\u00dflich des NATO-Gipfeltreffens vertreten. Die Initiative zu dieser Demonstration ging vom Mitglied des B\u00fcros des KFAZ, Bundesvorsitzenden der DFG-VK und Mitglied des WFR Klaus Mannhardt aus. Das KFAZ bat in einem Rundschreiben vom 14. Juni um Spenden, da die \"Unterst\u00fctzung der Osterm\u00e4rsche\" und die \"aktive Mithilfe bei der Demonstration am 10. 6.\" das KFAZ \"finanziell sehr belastet\" h\u00e4tten. Auf einer Arbeitstagung des KFAZ am 26. September in K\u00f6ln berieten mehr als 300 Vertreter von \"Friedensinitiativen\" in vier Arbeitsgruppen \u00fcber \"alternative Friedenssicherung\" und \"Friedensarbeit vor Ort\". An der Tagung nahmen auch das Mitglied des DKP-Pr\u00e4sidiums und des WFR Martha Buschmann, das Mitglied des KFAZ-B\u00fcros und des WFR-Pr\u00e4sidiums Pastor Konrad L\u00fcbbert und die DFU-Direktoriumsmitglieder Lorenz Knorr und Horst Trapp teil. W\u00e4hrend der Tagung legte das KFAZ eine Erkl\u00e4rung vor, nach der die \"Friedensbewegung\" ihre Aktionen und ihre Zusammenarbeit in der \"Kernfrage\" (Verhinderung der NATO-Nachr\u00fcstung) \"weiterentwickeln\" m\u00fcsse. 55","M\u00fcnchen Atomwaffenfrei t Keine Atomraketen in Europa ! A.Sept. '82 Samstag ZUM ANTiKRIEGSTAG 12-19 Uhr IM FORUM DER M\u00dcNCHNER FREIHEIT Es sprechen: Pfarrer Gerhard Heinz (Andreas Gem.) Otto Mathis (BI f\u00fcr Frieden und Abrstg) Richard Reitmeier (Jugentivertreter) Es treten auf: Guglhupf, Anne Grudzinsky, Michael Wendl, Gabriel1 Giesela-Traut, Apocalypse No, Songgruppe der Freimanner Friedensinitiative, u.a. TEXTE, MUSIK & INFOMARKT ! E.i.S. F.Iber Plakat der MBFA 56","In einem Rundschreiben vom 3. Dezember erkl\u00e4rte das KFAZ, jetzt und im entscheidenden Jahr 1983 gehe es darum, alle Kr\u00e4fte zu mobilisieren, um den Widerstand gegen die Raketenstationierung un\u00fcberwindlich zu machen. Es wies auf die f\u00fcr 1983 geplanten Aktionen hin und erw\u00e4hnte hierbei insbesondere die verst\u00e4rkte Unterschriftensammlung f\u00fcr die Kampagne \"Atomwaffenfreie St\u00e4dte\" in Verbindung mit der Unterschriftensammlung f\u00fcr den \"Krefelder Appell\", die Kundgebungen anl\u00e4\u00dflich des 50. Jahrestages der Machtergreifung Hitlers, die \"Osterm\u00e4rsche\", den \"Hiroshima-Tag\" (6. August), den \"Anti-Kriegstag\" (1. September) und die Demonstrationen am 22723. Oktober 1983 in mehreren europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten. Von den in Bayern bestehenden \u00f6rtlichen Gruppierungen des KFAZ war die \"M\u00fcnchner B\u00fcrgerinitiative f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung\" (BIFA, ehemals MBFA) die aktivste. In ihr arbeiten u.a. DKP, SDAJ, MSB Spartakus, SHB, DFU, DFGVK, VVN-BdA und DFI zusammen. Ihrem Sprecherkreis geh\u00f6ren die DKP-Funktion\u00e4rinnen Renate Cullmann-Reder und Marion Lehmicke, die auch Landessekret\u00e4rin der VVN-BdA in Bayern ist, an. Die BIFA unterh\u00e4lt ihr B\u00fcro in der DFU-Gesch\u00e4ftsstelle in M\u00fcnchen. Seit November 1982 gibt sie zusammen mit \"M\u00fcnchner Friedensinitiativen\" und \"anderen Friedensorganisationen\" die Zeitschrift \"Pazifix\" heraus. Nach einer Selbstdarstellung der BIFA haben durch die \"Vielzahl neuer, vor allem stadtteilbezogener Friedensinitiativen\" \"die kontinuierliche Koordination und der Erfahrungsaustausch an Gewicht\" zugenommen. Die BIFA veranstaltete zusammen mit dem \"M\u00fcnchner Friedensforum\" am 10. April in M\u00fcnchen den \"Ostermarsch '82\" in Form eines Sternmarsches zur M\u00fcnchner Freiheit. Zu den Unterst\u00fctzern dieses \"Ostermarsches '82\" geh\u00f6rten DKP, SDAJ, MSB Spartakus, DFU, VVN-BdA, SHB, DFG-VK und verschiedene \"Stadtteilfriedensinitiativen\". An diesen Kundgebungen beteiligten sich rund 4.000 Personen. Anschlie\u00dfend wurde ein \"Friedensfest\" durchgef\u00fchrt. Im Oktober verbreitete die BIFA eine \"Argumentationshilfe\" zu der von der DKP initiierten Kampagne \"M\u00fcnchen atomwaffenfrei\". Um der Kampagne Nachdruck zu verleihen, beabsichtigt die BIFA, in M\u00fcnchen eine Unterschriftensammlung in Form einer \"Volksbefragung\" durchzuf\u00fchren. Am 4. September veranstaltete die BIFA in M\u00fcnchen ein \"Friedensfest\" zum Antikriegstag (1. September), an dem etwa 400 Personen teilnahmen. Sie war auch Veranstalterin einer Demonstration in M\u00fcnchen am 11. Dezember aus Anla\u00df des 3. Jahrestages des \"NATO-Nachr\u00fcstungsbeschlusses\", an der sich 900 Personen beteiligten. 2.4.6 Vereinigung Demokratischer Juristen (VDJ) Die auf Initiative der DKP gegr\u00fcndete VDJ, in der Kommunisten ma\u00dfgeblich t\u00e4tig sind, versuchte auch 1982, Einflu\u00df auf die Rechtspolitik in der Bundesrepublik Deutschland im Sinne der Ziele der DKP zu nehmen. Die VDJ arbeitet als nationale Sektion in der kommunistisch gesteuerten \"Internationalen Vereinigung Demokratischer Juristen\" (IVDJ) mit Sitz in Br\u00fcssel mit. 57","1982 erh\u00f6hte sich die Mitgliederzahl der VDJ bundesweit auf rund 1.000 Mitglieder (1981: 600). Organisatorisch gliederte sie sich in 24 Regionalgruppen, davon 2 in Bayern. Im M\u00e4rz 1982 bereiste eine sowjetische Delegation, der 20 Juristen, Richter und Staatsanw\u00e4lte angeh\u00f6rten, die Bundesrepublik Deutschland und f\u00fchrte Gespr\u00e4che mit verschiedenen Regionalgruppen der VDJ. Die Delegation nahm auch an einer Internationalen Juristenkonferenz in Frankfurt a.M. teil, die am 20./21. M\u00e4rz unter dem Motto: \"Juristen gegen Kriegsgefahr in Europa, f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Entspannung\" stattfand. Veranstalter war die VDJ in Zusammenarbeit mit der IVDJ. In einem gemeinsamen Kommunique erkl\u00e4rten die Teilnehmer, da\u00df die Stationierung neuer Mittelstreckenraketen dem Grundgesetz widerspreche sowie eine Verletzung v\u00f6lkerrechtlicher Pflichten bedeute und deshalb verhindert werden m\u00fcsse. Die VDJ-Gruppe M\u00fcnchen veranstaltete im Juni und Juli Informationsabende zum Thema \"Arbeitsund Sozialrecht in der Wirtschaftskrise\". 2.4.7 Demokratische Fraueninitiative (DFI) Die DFI wurde 1975 mit Unterst\u00fctzung der DKP als \"Initiative Internationales Jahr der Frau 7 5 \" gegr\u00fcndet und 1976 in DFI umbenannt. Sie versucht, die Aktivit\u00e4ten \"fortschrittlicher\" Frauengruppen zu koordinieren und im Sinne der DKP zu lenken. Die DKP h\u00e4lt es f\u00fcr gut, da\u00df sich mit der DFI \"erfolgreich ein Anziehungspunkt und Aktivposten fortschrittlicher Frauenpolitik entwickelt und da\u00df viele Genossen hier in einem demokratischen B\u00fcndnis ihren Platz einnehmen\". Im Rahmen des \"Internationalen Frauentages\" (8. M\u00e4rz) veranstaltete die DFI am 6. M\u00e4rz in M\u00fcnchen einen Aufzug mit Auftaktund Schlu\u00dfkundgebung, an dem sich etwa 450 Personen beteiligten, darunter Anh\u00e4nger von DKP, SDAJ, MSB Spartakus und VVN-BdA. W\u00e4hrend der Demonstration sowie an Informationsst\u00e4nden wurden Flugbl\u00e4tter der DKP, des \"Anti-Strau\u00df-Komitees\" (ASKo) und der \"M\u00fcnchner B\u00fcrgerinitiative gegen Berufsverbote\" verteilt. Die DFI prangerte die \"Rotstiftpolitik der Regierung und Folgen der Hochr\u00fcstung\" an. Mit der von ihr ins Leben gerufene Initiative \"Frauen in der Bundeswehr? Wir sagen nein!\" griff sie verst\u00e4rkt die angeblich geplante \"Zwangsverpflichtung der Frauen in die Bundeswehr\" an. 2.4.8 Komitees und Initiativen gegen \"Berufsverbote\" Auch 1982 setzten die Komitees und Initiativen \"gegen die Berufsverbote\" und f\u00fcr die \"Verteidigung der Grundrechte\" die Kampagne gegen die Pr\u00fcfung der Verfassungstreue der Bewerber f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Dienst, insbesondere gegen den Beschlu\u00df der Regierungschefs des Bundes und der L\u00e4nder vom 28. Januar 1972 \u00fcber die Verfassungstreue im \u00f6ffentlichen Dienst (in Bayern: Bekanntmachung der Bayer. Staatsregierung vom 27. M\u00e4rz 1973) fort. Bundesweit sollen nach eigenen, offensichtlich \u00fcbertriebenen Angaben 370 Komitees und Initiativen bestehen. Die Koordination ihrer T\u00e4tigkeit liegt \u00fcberwiegend beim DKP-beeinflu\u00dften \"Arbeitsausschu\u00df\" der \u00fcberregionalen \"Initiative Weg mit den Berufsverboten\" mit Sitz in Hamburg. 58","Auszug aus einer Agitationsschrift des Arbeitsausschusses der Initiative \"Weg mit den Berufsverboten\". In Bayern bestanden 1982 10 B\u00fcrgerinitiativen und B\u00fcrgerkomitees \"Gegen die Berufsverbote\" und f\u00fcr die \"Verteidigung der Grundrechte\". Orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dft sind nach wie vor das N\u00fcrnberger \"B\u00fcrgerkomitee Verteidigung der Grundrechte -- Aufhebung der Berufsverbote\" und die \"M\u00fcnchner B\u00fcrgerinitiative gegen Berufsverbote\". Die Aktivit\u00e4ten gingen 1982 bei den meisten Komitees gegen\u00fcber den vergangenen Jahren erheblich zur\u00fcck. Zum 10. Jahrestag des Beschlusses der Regierungschefs des Bundes und der L\u00e4nder veranstaltete der \"Arbeitsausschu\u00df\" der \u00fcberregionalen Initiative \"Weg mit den Berufsverboten\" Hamburg am 23724. Januar in Hannover eine \"internationale Konferenz\" unter dem Motto \"Gemeinsam zur Verteidigung demokratischer Rechte -- Weg mit den Berufsverboten\". Bei der Podiumsdiskussion sagte Ingrid Kurz, Sprecherin des \"Arbeitsausschusses\" und Mitglied des DFU-Direktoriums, vor 750 Teilnehmern, \"Berufsverbote\" und Repression richteten sich \"zunehmend gegen die wachsende Friedensbewegung\". Auf der Konferenz sprachen u.a. Sepp Mayer, Mitglied des Sekretariats des Parteivorstandes der DKP und der Vorsitzende des DKP-beeinflu\u00dften BdWi Prof. Reinhard K\u00fchnl. Die \u00fcberregionale Initiative \"Weg mit den Berufsverboten\" initiierte bundesweit eine \"Aktionswoche gegen Berufsverbote\". Vom 16. bis 23. Oktober fanden in mehreren St\u00e4dten des Bundesgebietes, darunter auch in M\u00fcnchen, Aufkl\u00e4rungsund Protestaktionen gegen \"Berufsverbote\" statt. Zum Auftakt der Aktionswoche reiste eine Delegation des DKP-beeinflu\u00dften \"Arbeitsausschusses\" der Initiative mit mehreren \"Berufsverbotsopfern\" zum Europa-Parlament nach Stra\u00dfburg. H\u00f6hepunkt und Abschlu\u00df der Aktionswoche war eine Demonstration am 23. Oktober in Hannover, an der sich etwa 1.000 Personen beteiligten. 59","Der Anfang 1979 auf Initiative des DKP-beeinflu\u00dften \"Bundes demokratischer Wissenschaftler\" (BdWi) gegr\u00fcndete \"Heinrich-Heine-Fond\", der wegen fehlender Verfassungstreue abgelehnte Bewerber f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Dienst unterst\u00fctzt, gab Ende August seinen 3. Rechenschaftsbericht bekannt. Danach betrage das Spendenaufkommen 310.000 DM, wozu vor allem \u00f6rtliche \"B\u00fcrgerinitiativen gegen Berufsverbote\" und die DKP, aber auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sowie ausl\u00e4ndische Organisationen Beitr\u00e4ge geleistet h\u00e4tten. 3 Neue Linke 3.1 \u00dcberblick Bei der Neuen Linken handelt es sich um linksextreme Organisationen und Gruppen, die in ihrer Mehrzahl aus der Sozialrevolution\u00e4ren Studentenbewegung der sechziger Jahre hervorgegangen sind. Ihr Ziel ist die kommunistische Gesellschaft. Sie lehnen den Kommunismus sowjetischer Pr\u00e4gung als \"revisionistisch\", \"b\u00fcrokratisch\" und \"sozialimperialistisch\" entartet ab. Die dogmatischen Organisationen orientieren sich \u00fcberwiegend an der Ideologie des Marxismus-Leninismus in der Weiterentwicklung durch Mao Zedong oder die gegenw\u00e4rtige F\u00fchrung der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh). Einige Gruppierungen richten sich nach dem Kurs der Partei der Arbeit Albaniens (PAA) oder folgen den Lehren Trotzkis. Bei den undogmatischen Gruppen reicht das Spektrum von revolution\u00e4r-marxistischen bis zu anarchistischen Einstellungen. Einige Gruppen der Neuen Linken bekennen sich offen zur Anwendung revolution\u00e4rer Gewalt, die den Weg zur Diktatur des Proletariats \u00f6ffnen soll. Die Krise innerhalb der organisierten Neuen Linken hielt 1982 unver\u00e4ndert an. Urs\u00e4chlich daf\u00fcr war die Orientierung der Arbeit an der sich als Illusion erwiesenen Vorstellung, mit Hilfe der marxistisch-leninistischen Ideologie bestimmenden Einflu\u00df auf die Arbeiterklasse nehmen und eine Umw\u00e4lzung der bestehenden Verh\u00e4ltnisse einleiten zu k\u00f6nnen. Hinzu kamen die Schw\u00e4chen, die sich bei ihren einstigen revolution\u00e4ren Leitbildern in der Dritten Welt (Kuba, Vietnam und Kampuchea) zeigten, und der Kurswechsel der KPCh nach dem Tode von Mao Zedong. Dar\u00fcber hinaus f\u00fchrte bei den meisten Gruppen nachlassendes Interesse an aktiver Mitarbeit in den vielfach straff gef\u00fchrten Kaderorganisationen zu einer Stagnation der Mitgliederzahl oder sogar zu erheblichen Mitgliederverlusten. Seine drohende Aufl\u00f6sung konnte der Kommunistische Bund Westdeutschland (KBW) nur durch einschneidende organisatorische und personelle Ma\u00dfnahmen verhindern. Die Marxistischen Gruppen (MG) waren als einzige Organisation der Neuen Linken von dieser r\u00fcckl\u00e4ufigen Entwicklung nicht betroffen. Nach der theoretischen Diskussion \u00fcber die \"Krise des Marxismus\" stellten die meisten Gruppen das Bem\u00fchen um praktische Politik in den Mittelpunkt ihrer Aktivit\u00e4ten. Sie sahen ihr zentrales Anliegen in der Zusammenf\u00fchrung der zerspliterten kommunistischen Kr\u00e4fte. Kennzeichnend f\u00fcr diese beginnende Umorientierung waren Bestrebungen um eine verst\u00e4rkte Zusammenarbeit der Organisa60","Organisations\u00fcbersicht Neue Linke Dogmatische Gruppen Undogmatischel Gruppen Albanien alte Linie Mao Zedongs neue Peking-Linie Trotzkisten Sonstige orientiert MLPD AB KB BWK KBW KPD GIM MG SB * - GIM-HG KDS KRH - RJVD - RSF ^KB-Stud. '-BWK-HZ KJB KJD - KSG \"- KHB KHG KS Spartacus Freizeit Z bund 81/82 L- BKI VrV VOLKSASKo FRONT autonome BDP/BDJ BSA Gruppe 99 Gruppen RGO LV-Bayern RBK AG-FLV SJB Nebenorganisationen RHD beeinflu\u00dfte Organisationen","tionen, die zwischen der Kommunistischen Partei Deutschlands (Marxisten-Leninisten) -- KPD -- und dem Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK) sogar zu einer gemeinsamen Wahlplattform und Kandidatur bei der Bundestagswahl 1983 f\u00fchrten. Daneben war auch eine vermehrte Bereitschaft zu breiteren B\u00fcndnissen sowie zu gemeinsamen Aktionen mit orthodox-kommunistischen Gruppierungen erkennbar. Die in Bayern vertretenen dogmatischen Gruppen der Neuen Linken engagierten sich 1982 vorwiegend im Betriebs-, Bildungs-, Antifaschismus-, Antiimperialismus-, Ausl\u00e4nderund Umweltschutzbereich. Sie nutzten weiterhin die bundesweite ,,Friedenskampagne\" als Aktionsfeld, um ihre revolution\u00e4ren Ziele zu propagieren. An der Landtagswahl in Bayern beteiligte sich nur der BWK. Er erreichte lediglich 413 Gesamtstimmen. Die undogmatische Neue Linke, die in ihren Randbereichen un\u00fcbersichtlich und militant blieb, setzte ihre vielf\u00e4ltigen, zum Teil gewaltt\u00e4tigen Protestaktionen fort. Forderungen nach \"alternativen Lebensformen\", \"Autonomie\" und \"Freir\u00e4umen\" in Staat und Gesellschaft hielten an. Die 1982 st\u00e4rker in den Vordergrund getretenen \"autonomen\" Gruppen entfachten eine neue Strategiediskussion. W\u00e4hrend die \"H\u00e4userrevolte\" als \"ausgebrannt\" abgetan wurde, konzentrierten einige Gruppen ihre Aktivit\u00e4ten auf die \"imperialistische Kriegsvorbereitung\" und die Umweltschutzbewegung, weil dort eine \"Konfrontation mit dem System\" am ehesten m\u00f6glich sei. Ihre Anh\u00e4nger, auch aus Bayern, beteiligten sich an den Aktionen, die an \"Brennpunkten\" wie Frankfurt a.M. (Startbahn West), West-Berlin (Besuch des amerikanischen Pr\u00e4sidenten), Gorleben, Kaikar und Salzgitter (Anti-Kernkraftbewegung) stattfanden. 3.2 Kommunistischer Arbeiterbund Deutschlands (KABD) Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) Die 1982 in Bochum gegr\u00fcndete MLPD ging aus dem \"Kommunistischen Arbeiterbund Deutschlands\" (KABD) hervor. Der KABD und seine Nebenorganisationen hatten sich Monate vorher intensiv auf die Gr\u00fcndung einer \"revolution\u00e4ren Partei der Arbeiterklasse\" vorbereitet. Am 17./18. Juni fand dann unter strenger Geheimhaltung der 5. und letzte Zentrale Delegiertentag des KABD statt, der sich gleichzeitig als Gr\u00fcndungsparteitag der MLPD konstituierte. In ihrem Statut bezeichnet sich die MLPD als \"politische Vorhutorganisation der Arbeiterklasse in der BRD und in West-Berlin\". Ihr grundlegendes Ziel sei der \"revolution\u00e4re Sturz\" der \"Diktatur der Monopolkapitalisten\" und die Errichtung der \"Diktatur des Proletariats\". In ihrem \"Grundsatzprogramm\" bekennt sich die MLPD zu den \"Lehren von Marx, Engels, Lenin, Stalin und Mao Tsetung\", dessen Idee der \"Gro\u00dfen Proletarischen Kulturrevolution\" sie verteidigt. Sie kritisiert jedoch die \"revisionistische Entartung\" in allen \"realsozialistischen\" L\u00e4ndern, einschlie\u00dflich der Volksrepublik China. Nach Auffassung der MLPD dient die gegenw\u00e4rtige Etappe des Klassenkampfes der Vorbereitung der Revolution. Nur unter F\u00fchrung einer \"revolution\u00e4ren Partei\" k\u00f6nne die Arbeiterklasse erfolgreich zum Sturm gegen den \"staatsmonopolistischen Kapitalismus\" \u00fcbergehen. Die MLPD habe die Aufgabe, die Arbeiter62","\"~ PROLETARIER ALLER L\u00c4NDER, VEREINIGT EUCH! | Spendet f\u00fcr die Rote Fahne Zentralorgan der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands -- MLPD -- \"\"\", *' 31. Juli 1982/13. Jahrgang Nr. 16 E 2583 D Gr\u00fcndung der Partei Dieter Grimma ld Bergmannstr, 3 4650 G eisen kirchen Stadtsparkasse Gehenkircrien Konto-Nr.: 222 139 943 BLZ: 420 500 01 preis SO r t e n m g ^ _*_ Marxistisch-leninistische Partei Deutschlands gegr\u00fcndet! 17. bis 20. Juni fanden im Ruhrgebiet der 5. Zentrale DeleMit der MLPD wurde eine KampfOrgan der MLPD 63","klasse \"\u00fcber die Aktionseinheit in kleinen Fragen zur Einheitsfront in allen wesentlichen Fragen\" zusammenzuschlie\u00dfen. Der Schwerpunkt der Partei liegt im westund s\u00fcdwestdeutschen Raum. Ihre Mitglieder sind in Betriebszellen, Ortsgruppen, Bezirken und Landesverb\u00e4nden organisiert, die einer \"Zentralen Leitung\" mit Sitz in Essen unterstehen. Die Mitgliederzahl der MLPD lag im Bundesgebiet zum Jahresende bei 900 Personen (KABD 1981: 900). In Bayern liegen die Schwerpunkte der MLPD im fr\u00e4nkischen und s\u00fcdbayerischen Raum. Mit weniger als 50 Aktivisten hat sich der Mitgliederstand in Bayern gegen\u00fcber dem Vorjahr (KABD 1981: 30) nur unwesentlich ver\u00e4ndert. Das Zentralorgan \"Rote Fahne\" erscheint 14t\u00e4gig in einer Auflage von rund 8.000 Exemplaren. Theoretisches Organ der Partei ist der \"Revolution\u00e4re Weg\". Mit der Gr\u00fcndung der Partei wurde der Aufund Ausbau von Betriebsgruppen mit eigenen Betriebszeitungen verst\u00e4rkt betrieben. In Zeitungen und Flugbl\u00e4ttern wurden vorwiegend aktuelle Probleme der Gro\u00dfbetriebe wie Rationalisierung, Stillegung, Kurzarbeit und Entlassungen behandelt. Die Publikationen befa\u00dften sich auch wiederholt mit der \"Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\" in der Bundesrepublik Deutschland. Die MLPD f\u00fchrte im Oktober/November in mehreren bayerischen St\u00e4dten Veranstaltungen durch, um sich der \u00d6ffentlichkeit zu pr\u00e4sentieren. An einer Veranstaltung anl\u00e4\u00dflich des \"Antikriegstages\" am 4. September in Neu-Ulm beteiligten sich rund 150 Personen. Hierbei wurden Themen wie \"Abschaffung der NATO und des Warschauer Paktes\" sowie \"Schaffung einer atomwaffenfreien Zone in Europa\" er\u00f6rtert. Im Rahmen des \"Friedenskampfes\" wirkte der KABD und sp\u00e4ter die MLPD vielfach bei den von anderen linksextremen Gruppierungen durchgef\u00fchrten \u00f6rtlichen \"Friedensaktionen\" mit und beteiligte sich an den \"Osterm\u00e4rschen\". Mitglieder der MLPD arbeiteten aktiv in nordbayerischen \"Friedensinitiativen\" mit. Ferner beteiligten sich Anh\u00e4nger des KABD an der von den \"Vereinigten M\u00fcnchner Friedensinitiativen\" (VMF) am 17. April in M\u00fcnchen organisierten Demonstration und an der \"Internationalen Friedensdemonstration\" am 10. Juni in Bonn gegen die ,,NATO-Nachr\u00fcstung\". H\u00f6hepunkt der Aktivit\u00e4ten war die offizielle \"Parteigr\u00fcndungsveranstaltung\" am 21. August in D\u00fcsseldorf, an der rund 2.800 Personen aus dem gesamten Bundesgebiet teilnahmen. Hierbei erkl\u00e4rte der erstmals \u00f6ffentlich aufgetretene Vorsitzende des Zentralkomitees (ZK) der MLPD Stefan Engel aus Gelsenkirchen, seine Partei vertrete als einzige die Interessen der Arbeiterklasse. Die seit Herbst 1981 vom KABD eingeleitete Spendenkampagne zur Gr\u00fcndung der MLPD soll nach eigenen Angaben 1,7 Millionen erbracht haben. Zu den Nebenorganisationen des KABD und nunmehr der MLPD geh\u00f6ren der \"Revolution\u00e4re Jugendverband Deutschlands\" (RJVD) mit seinem Organ \"Rebell\", die \"Kommmunistische Studentengruppe\" (KSG) mit dem Organ \"Roter Pfeil\" und der \"Bund Kommunistischer Intellektueller\" (BKI), denen bundesweit insgesamt 600 Mitglieder angeh\u00f6ren. 64","3.3 Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) per 1973 aus dem Zusammenschlu\u00df mehrerer \u00f6rtlich t\u00e4tiger maoistisch orientierter Zirkel in Bayern entstandene AB beruft sich auf den Marxismus-Leninismus und Mao Zedongs Ideen. Er strebt die Beseitigung der \"herrschenden Ausbeuterklasse\" und die \"Errichtung einer Diktatur des Proletariats\" an. Endziel ist die Verwirklichung des Kommunismus in einer \"klassenlosen Gesellschaft\", per AB bekennt offen, da\u00df er seine Ziele nur mit Gewalt erreichen k\u00f6nne. Er rechtfertigt die \"revolution\u00e4re Gewalt\", weil die \"herrschende Klasse\" nicht freiwillig auf ihre Macht verzichte. Oer AB hat die politische Entwicklung in der Volksrepublik China nach dem Tode von Mao Zedong nicht nachvollzogen. Er kritisiert die gegenw\u00e4rtige politische F\u00fchrung Chinas und verurteilt die \u00d6ffnung nach dem Westen als \"Revisionismus\". Der AB ist vorwiegend in Bayern t\u00e4tig. Hier bestehen Gruppen in Augsburg, M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg, Regensburg und im Raum Alt\u00f6tting-Burghausen-Waldkraiburg. Neben diesen AB-Gruppen gibt es in M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Regensburg \"Freundeskreise\", die den AB finanziell unterst\u00fctzen sollen. Au\u00dferhalb Bayerns verf\u00fcgt der AB unver\u00e4ndert in 14 St\u00e4dten des Bundesgebietes \u00fcber Ortsgruppen oder St\u00fctzpunkte. Die Gesamtmitgliederzahl blieb mit rund 300 Personen gleich. Zentralorgan des AB ist die \"Kommunistische Arbeiterzeitung\" (KAZ). Sie wird in einer Auflage von unver\u00e4ndert 1.200 Exemplaren im Auftrag des Zentralkomitees (ZK) vom AB-eigenen \"Verlag Das Freie Buch GmbH, Buchund Zeitungsverlag\" in M\u00fcnchen herausgegeben. Der in der Februar-Ausgabe angek\u00fcndigte zweimonatliche Erscheinungsrhythmus wurde nicht eingehalten. Statt dessen erschienen 1982 eine Normalausgabe, zwei Doppelnummern und zwei Sondernummern. Im Bildungsbereich wird der AB von seinen Nebenorganisationen, der \"Roten Sch\u00fclerfront\" (RSF) und dem \"Kommunistischen Hochschulbund\" (KHB) unterst\u00fctzt. Beide Organisationen geh\u00f6ren zu den aktivsten linksextremen Gruppen an bayerischen Schulen und Hochschulen. Agitationsschwerpunkt des AB war 1982 wiederum die Antifaschismus-Kampagne. Hierbei setzte der AB seine Bem\u00fchungen um \"antifaschistische Aktionsb\u00fcndnisse\" fort. Er wirkte ferner bei Aktionen mit, die andere Gruppierungen der Neuen Linken oder DKP-beeinflu\u00dfte Organisationen durchf\u00fchrten. So unterst\u00fctzte der AB mehrfach Protestaktionen der VVN-BdA gegen die \"Nationaldemokratische Partei Deutschlands\" (NPD) und ihre Jugendorganisation \"Junge Nationaldemokraten\" (JN). Zwischen den Anh\u00e4ngern des AB und Mitgliedern der NPD und JN kam es wiederholt zu t\u00e4tlichen Auseinandersetzungen. Anh\u00e4nger des AB beteiligten sich auch an einem Aufzug, den die bayerische Initiative \"Dem Naziterror Einhalt gebieten\" anl\u00e4\u00dflich des 2. Jahrestages des Anschlags auf dem M\u00fcnchner Oktoberfest am 26. September in M\u00fcnchen durchf\u00fchrte (vgl. Nr. 2.4.3 dieses Abschnitts). Der AB und sein Umfeld unterst\u00fctzten auch eine weitere, aus dem gleichen Anla\u00df f\u00fcr den 26. September angemeldete Versammlung, die von der Landes65","hauptstadt M\u00fcnchen wegen St\u00f6rung der \u00f6ffentlichen Sicherheit und Ordnung verboten wurde. Gegen dieses Verbot protestierten am 26. September auf dem K\u00f6nigsplatz in M\u00fcnchen rund 1.000 Personen, darunter zahlreiche Anh\u00e4nger der orthodoxen Kommunisten und der Neuen Linken. Die Initiatoren der verbotenen Versammlung meldeten f\u00fcr den 9. Oktober erneut eine Kundgebung auf dem K\u00f6nigsplatz an mit dem Motto \"Es klagen an: Opfer der von Strau\u00df zu verantwortenden Politik in Bayern bzw. deren Angeh\u00f6rige, Zeugen und Sachverst\u00e4ndige\". An dieser Veranstaltung, die \u00fcber eine telefonische Standleitung nach Bonn \u00fcbertragen wurde, beteiligten sich rund 500 Personen. In Bonn verfolgten etwa 150 Zuschauer den Verlauf der M\u00fcnchner Veranstaltung. Die AB-Ortsgruppe M\u00fcnchen gab im April unter dem Titel \"M\u00fcnchen darf nie wieder Hauptstadt der Bewegung werden\" einen \"Stadtf\u00fchrer\" heraus. Nach eigener Darstellung soll der Stadtf\u00fchrer \"Arbeiter und Antifaschisten, die M\u00fcnchen besuchen, auf die F\u00e4hrte. . der wei\u00df-blauen Reaktion und.der braunen Banden und derer, die ihr Gesch\u00e4ft fortsetzen. . . \" bringen. In Flugbl\u00e4ttern und anderen Publikationen wandte sich der AB gegen eine vermeintlich zunehmende \"Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\" und eine damit verbundene ungen\u00fcgende Unterbringung von Asylanten in Sammellagern. Der AB beteiligte sich ferner wiederholt an Aufz\u00fcgen und Kundgebungen in M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Regensburg, die von sogenannten \"Initiativkreisen\" oder \"Aktionsaussch\u00fcssen\" veranstaltet wurden. Hierbei traten vielfach Anh\u00e4nger des AB und des KHB als Organisatoren, Versammlungsleiter und Redner auf. Die mitgef\u00fchrten Transparente trugen Aufschriften wie \"NSDAP 1933 -- Arbeit macht frei\", \"CSU 1982 -- Zwangsarbeit als Chance\" und \"Sammellager und Zwangsarbeit -- auf dem Weg zum KZ\". Als Beitrag zum \"Friedenskampf\" beteiligten sich Anh\u00e4nger des AB an der Demonstration der \"Vereinigten M\u00fcnchner Friedensinitiativen\" am 17. April in M\u00fcnchen und an der Gro\u00dfdemonstration am 10. Juni in Bonn, die sich gegen die NATO-Nachr\u00fcstung richteten. Die Betriebsarbeit des AB ging 1982 erneut zur\u00fcck. Sie beschr\u00e4nkte sich im wesentlichen auf die Verbreitung von Betriebszeitungen, die Beitr\u00e4ge zur Lohnund Tarifpolitik, zum Besch\u00e4ftigungsprogramm der Bundesregierung und zu den Rationalisierungsma\u00dfnahmen mehrerer M\u00fcnchner Gro\u00dfbetriebe enthielten. Im Zusammenhang mit den Landtagsund Bezirkstagswahlen in Bayern verbreiteten Anh\u00e4nger des AB unter dem Titel \"Quo vadis Bavaria\" einen Wahlaufruf. Der Aufruf, f\u00fcr den eine Sympathisantin des AB presserechtlich verantwortlich zeichnete, wandte sich gegen die CSU und die Wiederwahl ihres Vorsitzenden in den bayerischen Landtag. Im Jahre 1972 gr\u00fcndeten Sch\u00fcler-, Betriebsund Arbeiterbasisgruppen in Passau, Regensburg und M\u00fcnchen jeweils ein \"Anti-Strau\u00df-Komitee\" (ASKo). Nach dem Zusammenschlu\u00df der in Bayern bestehenden Arbeiterbasisund Betriebsgruppen 1973 zum Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) \u00fcbernahmen AB-Aktivisten die F\u00fchrung der Anti-Strau\u00df-Komitees. Nach der 1972 ausgearbeiteten \"Plattform\", die auch heute noch gilt, haben die Komitees die Aufgabe, den \"Sturz des rechten F\u00fchrungskaders und dessen ideologischen 66","Publikationen der Neuen Linken Bem\u00fchungen f\u00fcr ein linkes Wahlb\u00fcndnis S. 10 |1 H 375Tc| ROTER MORGEN ^ Nr. 7 / 8 . Juli/August 1982 1H4962E Volksecho ^ M I T T E I L U N G E N PEU VOIKSFBONT GEGEN REAKTION. fASCHISMUS UNO KRIEG k\u00e4mpfende F\u00fcr den Aufbau des BDJ DEfflOKRilTISCHER inFORfTItlTIOnS DIENST 2,\" HERAUSGEGEBEN VOM \u00c4NTI - STRfiUSS - KOMITEE SEP/OKT 82 NR. 48 Soziallstische Zej DGB und Sparpolitik: Jetzt erst recht mobilisieren! Seite 16 67","F\u00fchrers\" vorzubereiten und \"alle faschistischen Organisationen\" zu bek\u00e4mpfen. Das ASKo in Passau wurde 1976 aufgel\u00f6st. Heute bestehen ASKo's noch in Regensburg und M\u00fcnchen, die vom AB stark beeinflu\u00dft sind. Der Mitgliederstand liegt in M\u00fcnchen unver\u00e4ndert bei etwa 40, in Regensburg bei rund 55. Sprachrohr der Komitees ist der \"Demokratische Informationsdienst\" (DID), der im Eigendruck und Selbstverlag hergestellt wird. Die Auflage betr\u00e4gt rund 4.000 Exemplare. Die ASKo's unterst\u00fctzten 1982 den AB insbesondere bei der \"AntifaschismusKampagne\", bei den Aktionen gegen die \"Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\" sowie im Landtagswahlkampf. Wiederholt wurden ASKo-Anh\u00e4nger als St\u00f6rer von CSUWahlversammlungen festgestellt. Anh\u00e4nger der ASKo's traten mehrfach als Anmelder von Informationsst\u00e4nden und Protestversammlungen auf. Der Landesverband Bayern des 1971/72 vom Bund der Pfadfinder (BdP) abgespaltenen \"Bundes Deutscher Pfadfinder im Bund Demokratischer Jugend\" (BDP/BDJ) entwickelte 1982 rege Aktivit\u00e4ten. Er betrachtet nach einer Grundsatzerkl\u00e4rung das \"kapitalistische System\" als Haupthindernis f\u00fcr die vielf\u00e4ltigen Interessen der arbeitenden und lernenden Jugend und h\u00e4lt eine \"grundlegende Umw\u00e4lzung dieser gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse\" f\u00fcr notwendig. Dar\u00fcber hinaus tritt er f\u00fcr den Wiederaufbau der 1951 wegen verfassungsfeindlicher Bet\u00e4tigung verbotenen \"Freien Deutschen Jugend\" (FDJ) ein. Der BDP/BDJ-Landesverband Bayern wird vom AB beeinflu\u00dft. Das Organ des BDP/BDJ \"K\u00e4mpfende Jugend\" dient dem AB als Werbetr\u00e4ger. Neben eigenen Beitr\u00e4gen enth\u00e4lt das Organ vielfach Berichte \u00fcber die vom AB initiierten und veranstalteten Aktionen. Zum Gedenken an Philipp M\u00fcller, der am 11. Mai 1952 in Essen bei der polizeilichen Aufl\u00f6sung einer nicht angemeldeten Demonstration gegen die Wiederbewaffnung t\u00f6dliche Schu\u00dfverletzungen erlitten hatte, wollte der BDP/BDJLandesverband Bayern am 11. Mai in Essen unter dem Namen seines Organs \"K\u00e4mpfende Jugend\" den der 1951 verbotenen FDJ gewidmeten \"Herrnburger Bericht\" von Berthold Brecht und Paul Dessau auff\u00fchren. Die Auff\u00fchrung mu\u00dfte auf 1983 verschoben werden, weil die Stadt Essen keine geeigneten R\u00e4umlichkeiten zur Verf\u00fcgung stellte. Der Veranstalter f\u00fchrte statt dessen einen nicht angemeldeten Aufzug durch, an dem sich etwa 170 Personen beteiligten. Vor und nach der Demonstration traten Angeh\u00f6rige des BDP/BDJ in FDJ-Kleidung auf. Bei seinen Propagandaaktionen konnte sich der AB auch auf das von ihm beeinflu\u00dfte \"Regensburger B\u00fcrgerkomitee\" (RBK) st\u00fctzen, das die Zeitschrift \"Zur Sache\" herausgibt. 3.4 Kommunistischer Bund (KB) Der Ende 1970 entstandene KB ist ein Zusammenschlu\u00df kommunistischer Organisationen auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus in seiner Weiterentwicklung durch Mao Zedong. Er strebt die \"gewaltsame Zerschlagung des 68","Staatsapparates\" und seine \"Ersetzung durch r\u00e4tedemokratische Strukturen\" an. Die Delegierten bekr\u00e4ftigten auf ihrem 2. Kongre\u00df am 16./17. Januar in Hamburg die bisherige \"revolution\u00e4re Linie\" des KB. Der KB hat die politische Entwicklung in der Volksrepublik China nach dem Tode von Mao Zedong nicht nachvollzogen. Er verurteilt die innenpolitischen Vorg\u00e4nge als \"Rechtsputsch\" und als \"schweren R\u00fcckschlag\" f\u00fcr den \"revolution\u00e4ren Proze\u00df\". Der KB hat kein schriftliches Programm. Nach dem 1980 verabschiedeten Statut beruht der Organisationsaufbau des KB auf dem Grundsatz des \"demokratischen Zentralismus\". Die Grundeinheiten sind die \"Zellen\" in Betrieben, B\u00fcros, Ausbildungsst\u00e4tten, Institutionen und Wohngebieten. Das h\u00f6chste Organ des KB ist der \"Nationale Kongre\u00df\". Ende des Jahres 1982 verf\u00fcgte der KB im Bundesgebiet noch \u00fcber 500 Anh\u00e4nger (1981: 600), wobei die Mehrzahl seiner Aktivisten im norddeutschen Raum, vor allem in Hamburg, organisiert ist. In Bayern lag die Zahl der Anh\u00e4nger unver\u00e4ndert bei 30. Der Schwerpunkt befindet sich in N\u00fcrnberg. Zentralorgan des KB ist die Zeitung \"Arbeiterkampf\" mit einer Auflage von rund 6.000 St\u00fcck (1981: 5.000), die im KB-eigenen Verlag \"Hamburger Satzund Verlagskooperative GmbH\" herausgegeben wird. Nach einem auf dem 2. KB-Kongre\u00df gefa\u00dften Beschlu\u00df erscheint das Zentralorgan seit Februar 1982 nur noch monatlich, statt bisher alle zwei Wochen. Das theoretische Organ \"Unser Weg\" ist 1982 nicht mehr erschienen. Schwerpunkte in der politischen Agitation des KB waren die Themen \"Antiimperialismus\", \"Antifaschismus\" und \"Antimilitarismus\". In Flugbl\u00e4ttern und Sonderdrucken befa\u00dfte sich der KB mit dem Falkland-Konflikt, der Situation im Libanon, der Startbahn West in Frankfurt a.M. und dem Regierungswechsel in Bonn. Anh\u00e4nger des KB beteiligten sich vielfach an den von anderen linksextremen Gruppierungen organisierten Demonstrationen, Kundgebungen und sonstigen Aktionen. An den St\u00f6raktionen am 27. M\u00e4rz in N\u00fcrnberg gegen eine Kundgebung der \"Jungen Nationaldemokraten\" (JN) nahmen auch Anh\u00e4nger des KB teil. Als weiteres Aktionsfeld nutzte der KB 1982 wiederum die Bewegung gegen Kernkraftwerke, wobei sich Propaganda und Aktionen vorrangig gegen den Bau einer Wiederaufarbeitungsanlage f\u00fcr Kernbrennstoffe im Raum Schwandorf richteten. Bei seinen Aktivit\u00e4ten st\u00fctzt sich der KB auf \"KB-Studentengruppen\", die 1982 in Bayern inaktiv blieben. 3.5 Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK) Der BWK wurde im September 1980 von ehemaligen Anh\u00e4ngern des KBW gegr\u00fcndet. F\u00fcr ihn gilt nach wie vor das vom KBW 1973 beschlossene und 1976 \u00fcberarbeitete Programm. Nach diesem Programm bekennt sich der BWK zur \"proletarischen Revolution\" und zur \"Diktatur des Proletariats\" im marxistisch69","leninistischen Sinne und propagiert offen die \"Zerschlagung des b\u00fcrgerlichen Staatsapparates\". Oberstes Organ des BWK ist nach dem Statut die Zentrale Delegiertenkonferenz, die vom Zentralen Komitee (ZK) einberufen wird. Die bei der Gr\u00fcndung gebildeten 7 Landesverb\u00e4nde sind in Bezirke unterteilt. Die Grundeinheiten sind die Zellen. Die Zentrale des BWK hat ihren Sitz in K\u00f6ln. Der Landesverband Bayern wird von M\u00fcnchen aus geleitet. Bezirke mit Bezirksleitungen bestehen in Augsburg, Bayreuth, M\u00fcnchen, Regensburg, Rosenheim und W\u00fcrzburg. Auf Bundesebene verf\u00fcgte der BWK zum Jahresende noch \u00fcber 500 Mitglieder (1981: 600). In Bayern sank die Mitgliederzahl unter 100 (1981: etwa 100). Organ des BWK ist die Zeitschrift \"Politische Berichte\". Sie erscheint vierzehnt\u00e4gig im Verlag \"Gesellschaft f\u00fcr Nachrichtenerfassung und Nachrichtenverbreitung -- Verlagsgesellschaft Politische Berichte mbH\" (GNN) in K\u00f6ln. Die Auflage betrug Ende 1982 rund 1.500 Exemplare (1981: 2.000). Neben der Verlagsgesellschaft in K\u00f6ln bestehen auf der Ebene der Landesverb\u00e4nde unter der Bezeichnung \"Gesellschaft f\u00fcr Nachrichtenerfassung und Nachrichtenverbreitung mbH\" (GNN) weitere Verlage. Der GNN-Verlag f\u00fcr Bayern, der seinen Sitz in M\u00fcnchen hat, brachte 1982 Betriebszeitungen, Kasernenzeitungen, Hochschulzeitungen sowie Flugbl\u00e4tter und interne Schriften des BWK zu regionalen Themen heraus. Die Anzahl dieser Druckschriften ging 1982 erheblich zur\u00fcck. Die Agitation des BWK richtete sich 1982 vorrangig gegen die westliche Verteidigungsgemeinschaft, die er als \"aggressives imperialistisches Milit\u00e4rb\u00fcndnis\" bezeichnete. Er wandte sich ferner gegen die \"israelische Aggression\" und die \"NATO-Interessen\" im Libanon und warf der Bundesregierung wegen der EG-Wirtschaftssanktionen gegen Argentinien eine \"Verstrickung\" im FalklandKonflikt vor. Anh\u00e4nger des BWK beteiligten sich an der anl\u00e4\u00dflich des NATO-Gipfeltreffens am 10. Juni in Bonn von den Marxistischen Gruppen (MG) organisierten Demonstration \"gegen den NATO-Imperialismus und gegen die deutschamerikanische Kriegsallianz\" und unterst\u00fctzten die von anderen linksextremen Gruppierungen am 11. September in Frankfurt a.M. durchgef\u00fchrte Kundgebung gegen die \"faschistische Milit\u00e4rdiktatur\" in der T\u00fcrkei. Weiter wandte sich der BWK gegen die Tarifabschl\u00fcsse, das Besch\u00e4ftigungsprogramm und die Sparbeschl\u00fcsse der Bundesregierung. In seinen Publikationen kritisierte er mehrfach die zunehmende \"Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\" und forderte eine \"Einb\u00fcrgerung der Ausl\u00e4nder ohne wenn und aber!\". Angeh\u00f6rige des BWK beteiligten sich auch an einer Demonstration am 24. April in M\u00fcnchen, die sich gegen \"Ausl\u00e4nderhetze und Ausl\u00e4ndererlasse\" richtete. An der Landtagswahl in Bayern am 10. Oktober beteiligte sich der BWK lediglich mit 4 Bewerbern, die im Wahlkreis Oberbayern kandidierten. Er erhielt 413 Gesamtstimmen. In seinem Wahlaufruf \"Gegen Deutsch-Nationalismus und Reaktion\" warf der BWK den anderen Parteien vor, den \"Deutsch-Nationalismus\" zu f\u00f6rdern, \"politische Unterdr\u00fcckung\" auszu\u00fcben, die \"Berufsverbote\" zu akzeptieren und die \"Interessen der Arbeiterklasse mit F\u00fc\u00dfen zu treten\". 70","BWK und KPD bem\u00fchten sich 1982 zunehmend um ein B\u00fcndnis. Auf einer gemeinsamen Sitzung am 4./5. Dezember einigten sich beide Organisationen, bei der Bundestagswahl 1983 mit \"offenen Listen\" zu kandidieren. Die \"offene Landesliste\" des BWK f\u00fcr Bayern enthielt acht Kandidaten. Davon geh\u00f6rten sechs Bewerber dem BWK und zwei Bewerber der KPD an (vgl. auch Nr. 3.7 dieses Abschnitts). An einigen Universit\u00e4ten in Bayern bestehen \"BWK-Hochschulzellen\" (BWKHZ). Ihre Aktivit\u00e4ten beschr\u00e4nkten sich im wesentlichen auf die Verbreitung der vom BWK herausgegebenen Hochschulzeitung. 3.6 Kommunistischer Bund Westdeutschland (KBW) Der im Jahre 1973 entstandene KBW bekennt sich zur \"proletarischen Revolution\" im marxistisch-leninistischen Sinne. Er propagiert offen die \"Zerschlagung des b\u00fcrgerlichen Staatsapparates\" und strebt die \"Machtergreifung durch die Volksmassen\" an. Sein Vorbild ist nach wie vor die Kommunistische Partei Chinas (KPCh). Der KBW richtet sich nach der neuen Parteikonzeption, wie sie auf der VI. Delegiertenkonferenz vom 14. bis 18. November 1981 in Frankfurt a.M. beschlossen wurde. Diese Konferenz hob alle vorherigen programmatischen Dokumente auf, beschlo\u00df ein neues Statut und verabschiedete drei Resolutionen, in denen der neue politische Kurs umrissen wurde. Im Hinblick auf die andauernde Krise des KBW beantragten mehrere Mitglieder der Bundesleitung, den KBW aufzul\u00f6sen. Dieser Antrag wurde jedoch von den Teilnehmern einer au\u00dferordentlichen Delegiertenkonferenz am 12./13. Juni in Frankfurt a.M. mit gro\u00dfer Mehrheit abgelehnt. Diese Konferenz legte ferner fest, da\u00df die Bundesleitung, der nunmehr 39 Mitglieder angeh\u00f6ren, aus ihren Reihen den aus drei Personen bestehenden Bundesvorstand (bisher 3 Sekret\u00e4re) bestellt. Der Bundesleitung unterstehen regional gebildete Bezirke oder Ortsgruppen, die sich in \"Grundeinheiten\" ( = Zellen) untergliedern. In Bayern verf\u00fcgt der KBW nur noch in einigen gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten \u00fcber Zellen. * Der seit 1980 festgestellte R\u00fcckgang der Mitgliederzahlen setzte sich auch 1982 fort. Ma\u00dfgebend hierf\u00fcr sind nach wie vor die anhaltenden ideologischen Differenzen in der Parteif\u00fchrung. Zum Jahresende z\u00e4hlte der KBW im Bundesgebiet noch rund 500 Mitglieder (1981: 1.250). Auch in Bayern ging die Mitgliederzahl weiter zur\u00fcck. Sie lag Ende 1982 unter 50 Personen. Als Zentralorgan gab der KBW die Wochenzeitung \"Kommunistische Volkszeitung\" (KVZ) mit einer Gesamtauflage von etwa 4.000 Exemplaren (1981: 7.000) heraus. Die Theorie-Zeitschrift \"Kommunismus und Klassenkampf\" (KuK) erschien monatlich mit einer Auflage von rund 2.000 St\u00fcck (1981: 4.000). Ende 1982 stellte der KBW vorwiegend aus finanziellen Erw\u00e4gungen die Herausgabe seiner Verbandsorgane ein. Seit Januar 1983 erscheint daf\u00fcr die Monatszeitschrift \"Kommune -- Forum f\u00fcr Politik und \u00d6konomie\", die von einem aus 15 KBW-Mitglledern bestehenden Redaktionskomitees herausgegeben wird. In der Agitationsund Propagandat\u00e4tigkeit befa\u00dfte sich der KBW mit dem Falkland-Konflikt, der \"Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\", dem \"US-Imperialismus\" und der 71","NATO-Nachr\u00fcstung. Im Rahmen seiner Aktivit\u00e4ten versuchte er, \u00fcber \"Aktionsb\u00fcndnisse\" in der \"Friedensbewegung\" verst\u00e4rkt an Einflu\u00df zu gewinnen. So beteiligten sich seine Anh\u00e4nger wiederholt an den von anderen linksextremen Gruppen durchgef\u00fchrten \u00f6rtlichen \"Friedensaktionen\". Dar\u00fcber hinaus beteiligte sich der KBW an den \"Osterm\u00e4rschen\" im April sowie den \"Friedensdemonstrationen\" am 17. April in M\u00fcnchen und am 10. Juni in Bonn. Im Februar ver\u00f6ffentlichte der KBW einen Beschlu\u00df der Bundesleitung \u00fcber \"Parlamentarische Wahlen und Wahlbeteiligung\". Danach will der KBW seine Arbeit l\u00e4ngerfristig auf eine \"strategisch-politische Konzeption einer linken Frontbildung\" konzentrieren. F\u00fcr die Bundestagswahl 1983 bef\u00fcrwortete er eine \"offene Liste\" der \"Gr\u00fcnen\". Der Einflu\u00df des KBW auf die Anti-Kernkraft-Bewegung ging 1982 merklich zur\u00fcck. Von der krisenhaften Entwicklung des KBW blieben auch seine Nebenorganisationen, die \"Kommunistischen Jugendb\u00fcnde\" (KJB) und die \"Kommunistischen Hochschulgruppen\" (KHG) nicht verschont. Beide Gruppierungen traten 1982 in Bayern nicht mehr in Erscheinung. Die \"Vereinigung f\u00fcr revolution\u00e4re Volksbildung\" (VrV), die den KBW bis 1981 als Nebenorganisation unterst\u00fctzte, verschaffte sich mehr Eigenst\u00e4ndigkeit. Seit Oktober 1981 arbeitet die VrV selbst\u00e4ndig auf der Grundlage eines \"Plattformvorschlages\". Zum KBW bestanden jedoch weiterhin personelle Verbindungen. 3.7 Kommunistische Partei Deutschlands (Marxisten-Leninisten) (KPD) Die im Dezember 1968 in Hamburg gegr\u00fcndete KPD bekennt sich zu den \"unverg\u00e4nglichen Lehren von Marx, Lenin und Stalin\". Sie tritt offen f\u00fcr die \"gewaltsame sozialistische Revolution\", die \"Zerschlagung des b\u00fcrgerlichen Staatsapparates\" und die \"Errichtung der Diktatur des Proletariats\" ein. Die KPD lehnt den Kommunismus sowjetischer Pr\u00e4gung ab. Ihr ideologisches Vorbild ist die Volksrepublik Albanien. Zur Vertiefung ihrer \"br\u00fcderlichen Beziehungen\" zur Partei der Arbeit Albaniens (PAA) reisten auch 1982 Delegationen der KPD wieder nach Tirana. F\u00fchrungsgremium der KPD ist das Zentralkomitee (ZK). Die laufende Arbeit verrichtet das Politb\u00fcro in Dortmund. Die Partei gliedert sich in die Sektionen \"Deutsche Bundesrepublik\" (DBR), Berlin (West) und DDR. In der Bundesrepublik Deutschland unterh\u00e4lt sie 3 Landesverb\u00e4nde (Nord, Mitte und S\u00fcd) und mehrere Landesbezirksverb\u00e4nde, davon einen in Bayern mit Sitz in M\u00fcnchen. Daneben bestehen KPD-Gruppen oder -Initiativen in Augsburg, Coburg, Kempten, M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und W\u00fcrzburg. Die KPD z\u00e4hlte Ende 1982 im Bundesgebiet unver\u00e4ndert rund 500 Mitglieder. Der Mitgliederstand in Bayern blieb ann\u00e4hernd konstant bei 50. Zentralorgan der KPD ist der \"Rote Morgen\", der w\u00f6chentlich in der Vorjahresauflage von etwa 6.000 Exemplaren erscheint. Seit Ende 1980 wird das Zentral72","organ zweisprachig herausgegeben, und zwar mit 13 deutschen und 3 t\u00fcrkischen Seiten. Theoretisches Organ der KPD ist der \"Weg der Partei\". Daneben verbreitet die KPD das Funktion\u00e4rsorgan \"Der Kommunist\". Agitationsschwerpunkte der KPD waren 1982 der Kampf gegen \"Reaktion und Faschismus\" und gegen die \"anwachsende Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\", die von den \"Bonner Parteien\" und anderen \"reaktion\u00e4ren Kr\u00e4ften\" gesch\u00fcrt werde. Als Beitrag zum \"Friedenskampf\" wertete die KPD die Teilnahme ihrer Anh\u00e4nger an den bundesweiten \"Osterm\u00e4rschen\" und an den \"Friedensdemonstrationen\" am 17. April in M\u00fcnchen und am 10. Juni in Bonn, die sich gegen die NATONachr\u00fcstung richteten. Zum 15j\u00e4hrigen Bestehen des KPD-Zentralorgans \"Roter Morgen\" veranstaltete die KPD am 25./26. September in Dortmund ein \"Pressefest\" mit Informationsst\u00e4nden der Landesbezirke, Filmvorf\u00fchrungen, Diskussionsrunden und einem Bunten Abend. An den Veranstaltungen beteiligten sich rund 2.000 Personen. In seiner Begr\u00fc\u00dfungsansprache betonte der KPD-Vorsitzende Ernst Aust die \"Notwendigkeit des entschlossenen Widerstandes der Werkt\u00e4tigen\" im \"revolution\u00e4ren Kampf gegen die Kapitalisten und ihren Staat\". Die Zusammenarbeit zwischen dem BWK und der KPD, die auch die KPD-beeinflu\u00dfte VOLKSFRONT mit einschlo\u00df, wurde 1982 weiter ausgebaut. So wurden in Bayern wiederholt gemeinsame Aktivit\u00e4ten von VOLKSFRONT und BWK bekannt. Ein BWK-Funktion\u00e4r aus Bayern wurde als erster Ersatzkandidat in den Zentralen Vorstand der VOLKSFRONT gew\u00e4hlt. Mitarbeiter der \"Roter-Morgen\"-Redaktion wirkten vor\u00fcbergehend bei der Redaktion der \"Politischen Berichte\" mit. Im Zusammenhang mit der Bundestagswahl 1983 einigten sich KPD und BWK auf einer gemeinsamen Sitzung am 4./5. Dezember \u00fcber die gegenseitige Unterst\u00fctzung sogenannter \"offener Listen\" und verabschiedeten eine \"gemeinsame Wahlplattform\". Die \"offene Landesliste\" des BWK f\u00fcr Bayern enthielt 8 Kandidaten; davon geh\u00f6rten 2 Bewerber der KPD an (vgl. auch Nr. 3.5 dieses Abschnitts). Die Aktivit\u00e4ten der KPD in Bayern nahmen gegen Jahresende merklich ab. Sie beschr\u00e4nkten sich im wesentlichen auf die Verbreitung von Publikationen. In ihrer Arbeit wird die KPD von zwei Nebenorganisationen unterst\u00fctzt, der \"Kommunistischen Jugend Deutschlands\" (KJD) und den \"Kommunistischen Studenten\" (KS). Die KJD gibt monatlich die Zeitschrift \"Roter Rebell\" und viertelj\u00e4hrlich die Soldatenzeitung \"Roter Marder\" heraus. In unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden erscheint ein \"KJD-Info\". Organ der KS ist die Zeitung \"Zwischenruf links\", die viertelj\u00e4hrlich herausgegeben wird. Beide Organisationen entwickelten 1982 in Bayern keine Aktivit\u00e4ten. Die Arbeit der KPD unterst\u00fctzten 1982 vier weitere Organisationen, die sich teilweise durch Satzungs\u00e4nderungen und Neuwahl der Vorstandschaft mehr Selbst\u00e4ndigkeit verschaffen konnten. Dennoch blieb bei allen diesen Organisationen der Einflu\u00df der KPD erhalten. Hierzu geh\u00f6ren die VOLKSFRONT, die Revolution\u00e4re Gewerkschaftsopposition (RGO), die Arbeitsgemeinschaft Freies Landvolk (AG-FLV) und die Rote Hilfe Deutschlands (RHD). 73","Die KPD-beeinflu\u00dfte \"Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg\" (VOLKSFRONT) wurde am 6. Oktober 1979 in Dortmund gegr\u00fcndet. In einem damals ergangenen Aufruf wurde ausgef\u00fchrt, die Gr\u00fcndung sei erforderlich gewesen, um den wachsenden \"Widerstand in unserem Volke\" gegen \"Aussperrungsterror\", \"brutale Polizeieins\u00e4tze\" und \"Naziprovokation\" bundesweit zu organisieren. Am 30./31. Januar fand in Frankfurt a.M. der 2. Bundeskongre\u00df der VOLKSFRONT statt, an dem 185 Delegierte aus 11 Landesverb\u00e4nden teilnahmen. Als Arbeitsschwerpunkte legte der Kongre\u00df den Kampf f\u00fcr das Verbot aller \"faschistischen\" Organisationen und gegen die \"Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\" fest. \"Dringendste Aufgabe\" des \"Friedenskampfes\" sei es, \"die ,Nachr\u00fcstungsbeschl\u00fcsse' zu kippen\". Ziel bleibe nach wie vor die Neutralisierung der Bundesrepublik Deutschland. Die VOLKSFRONT verf\u00fcgt in allen Bundesl\u00e4ndern \u00fcber Landesverb\u00e4nde, die sich in Kreisverb\u00e4nde und Ortsgruppen gliedern. Der Landesverband Bayern wurde am 3. November 1979 in N\u00fcrnberg unter Beteiligung der KPD gegr\u00fcndet und z\u00e4hlte zum Jahresende 1982 nur noch etwa 50 Mitglieder (1981:100). Organ der VOLKSFRONT ist das Mitteilungsblatt \"Volksecho\", das monatlich erscheint. Im Rahmen ihrer Aktivit\u00e4ten unterst\u00fctzte die VOLKSFRONT 1982 mehrfach Aktionen der KPD und anderer linksextremer Gruppen, die sich gegen die \"Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\" richteten. Als Beitrag zum \"Friedenskampf\" beteiligten sich Anh\u00e4nger der VOLKSFRONT an \u00f6rtlichen \"Friedensaktionen\", an den \"Osterm\u00e4rschen\" sowie an den \"Friedensdemonstrationen\" am 17. April in M\u00fcnchen und am 10. Juni in Bonn. Die KPD-beeinflu\u00dfte \"Revolution\u00e4re Gewerkschaftsopposition\" (RGO), die 1982 in Bayern inaktiv blieb, tritt nach ihrem Programm in allen Auseinandersetzungen f\u00fcr die selbst\u00e4ndige F\u00fchrung des Kampfes durch die Arbeiter ein. Verbandsorgan der RGO sind die \"RGO-Nachrichten\". Die \"Revolution\u00e4re Landvolksbewegung\" (RLVB) beschlo\u00df am 13./14. M\u00e4rz in Kaufungen bei Kassel eine neue Satzung, w\u00e4hlte einen neuen Vorstand und bezeichnet sich k\u00fcnftig als \"Arbeitsgemeinschaft Freies Landvolk\" (AG-FLV). Durch diese organisatorische und personelle \u00c4nderung und mit Hilfe ihrer gleichnamigen Zeitung \"Freies Landvolk\" soll der Aufbau einer \"freien Landvolkbewegung\" in der Bundesrepublik Deutschland gef\u00f6rdert werden. Mit der Wahl eines in Oberfranken wohnhaften Funktion\u00e4rs der VOLKSFRONT zum Kassenpr\u00fcfer versucht die Arbeitsgemeinschaft, auch in Bayern Fu\u00df zu fassen. Die Aktivit\u00e4ten in Bayern beschr\u00e4nkten sich 1982 auf den Vertrieb ihrer Zeitung. Die \"Rote Hilfe Deutschlands\" (RHD) hat sich die Unterst\u00fctzung aller vom \"Klassenfeind\" Verfolgten zum Ziel gesetzt. Auf ihrer 4. ordentlichen Bundeskonferenz am 5. Juni in Bochum \u00e4nderte sie ihre Satzung und w\u00e4hlte einen neuen Vorstand. In ihrem sporadisch erscheinenden Mitteilungsblatt \"Die Rote Hilfe\" sind f\u00fcr Bayern Kontaktadressen in Eckental, Kreis Erlangen-H\u00f6chstadt, Kempten und M\u00fcnchen angegeben. 74","Publikationen der Neuen Linken Sriner Parteitag G\u00c4deiiWalaiiijil SMirtgi! Nr. 12/Dez. 82 15. Jahrg. DM1.- E 6097 EX Inhalt: WER BESTIMMT IN DER BRD - oder wie Politik gemacht wird Solt\" 20/21 Proletarier alier L\u00e4nder vereinig! euch! Proletarier aller L\u00e4nder und unterdr\u00fcckte V\u00f6lker vereinigt euch! Kommunistische Volkszeitung Proletarier aller L\u00e4nder vereinigt euch! Proletarier aller L\u00e4nder und unterdr\u00fcckte V\u00f6lker vereinigt euch! Politische Berichte \u00c4 B5045FX Nr. 3 / 8 2 DM1.50 26. Mai 1982 Marxistische Gruppe (MG) Marxistische Arbeiter Zeitung 75","3.8 Trotzkistische Gruppen Zum Jahresende bestanden im Bundesgebiet 11 Gruppen mit rund 600 Mitgliedern, die sich auf die Lehren Trotzkis berufen. Die bedeutendste ist die im Mai 1969 gegr\u00fcndete \"Gruppe Internationale Marxisten -- Deutsche Sektion der IV. Internationale\" (GIM). Ihr geh\u00f6ren etwa 220 Mitglieder. (1981: 300) an. Neben der GIM bestehen noch zwei weitere nennenswerte Zusammenschl\u00fcsse deutscher Trotzkisten: der \"Spartacusbund\" und der \"Bund Sozialistischer Arbeiter\" (BSA), dem der \"Sozialistische Jugendbund\" (SJB) angegliedert ist. Gemeinsam k\u00e4mpfen diese Gruppen f\u00fcr die \"permanente Revolution\", um den \"b\u00fcrgerlichen Staat\" zerschlagen und die \"Diktatur des Proletariats\" in der Staatsform einer R\u00e4teherrschaft errichten zu k\u00f6nnen. Das Bekenntnis zum Trotzkismus schlie\u00dft die Bejahung der Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung ein. Auf einer bundesweiten Konferenz der GIM vom 17. bis 20. Juni in Frankfurt a.M. berieten 60 Delegierte \u00fcber die weitere Arbeit der Organisation. Die Mehrheit der Delegierten sprach sich daf\u00fcr aus, k\u00fcnftig st\u00e4rker in die \"Umgruppierungsprozesse bei den Linken\" einzugreifen und eine \"revolution\u00e4re Jugendorganisation\" aufzubauen. In Bayern bestehen Ortsgruppen der GIM in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg mit nur wenigen Mitgliedern. Die Aktivit\u00e4ten beschr\u00e4nkten sich auf die Verbreitung von Flugbl\u00e4ttern, Errichtung von Info-St\u00e4nden und Durchf\u00fchrung einiger Veranstaltungen. H\u00f6hepunkt war eine \u00fcberregionale Veranstaltung am 16. April in M\u00fcnchen, an der rund 400 Personen teilnahmen. Dar\u00fcber hinaus trat die GIM vereinzelt im Hochschulbereich auf. Das Zentralorgan der GIM ist die 14t\u00e4gig erscheinende Zeitschrift \"was tun\". Ihre Auflage liegt unver\u00e4ndert bei 2.500 Exemplaren. 3.9 Marxistische Gruppen (MG) Innerhalb der Neuen Linken nehmen die Marxistischen Gruppen, die sich aus den Ende der 60er Jahre entstandenen \"Roten Zellen\" entwickelten, eine Sonderstellung ein. Nach den Merkmalen hierarchischer Aufbau, straffe Disziplin, intensive Schulung und strenge Abschirmung des Verbandslebens entsprechen die MG einer marxistisch-leninistischen Kaderorganisation, obwohl sie den \"Leninismus\" in seiner dogmatischen Form ablehnen. Die MG bek\u00e4mpfen die \"Demokratie\" als \"Staatsform der b\u00fcrgerlichen Ausbeutung\" und treten daf\u00fcr ein, den Staat auf dem Weg \u00fcber die sozialistische Revolution abzuschaffen. Voraussetzung dazu sei der \"Klassenkampf des Proletariats\", zu dessen \"Bewu\u00dftseinsorientierung\" sie beitragen wollen. Die MG verf\u00fcgen bundesweit \u00fcber etwa 1.000 Mitglieder (1981: 700), davon \u00fcberwiegend Studenten und Angeh\u00f6rige akademischer Berufe, und mehrere Tausend in \"Sympathisantenplenen\" fest eingebundene Anh\u00e4nger. Ihr organisatorischer Schwerpunkt ist Bayern. Hier bestehen Gruppen in Bamberg, Erlangen-N\u00fcrnberg, M\u00fcnchen, Regensburg und W\u00fcrzburg. Aktivit\u00e4ten, die auf St\u00fctzpunkte schlie\u00dfen lassen, wurden auch aus Augsburg, Bayreuth, Coburg, F\u00fcrth 76","und Sch^einfurt sowie aus dem Raum Aschaffenburg bekannt. Die Zahl ihrer Mitglieder lag zum Jahresende 1982 bei 400 (1981: 300). Sie konnten sich ferner auf einen Sympathisantenkreis von unver\u00e4ndert 4.500 Personen st\u00fctzen. Die bedeutendste Gruppe ist nach wie vor die MG M\u00fcnchen, die faktisch eine F\u00fchrungsfunktion aus\u00fcbt. Kommunikationsund Bildungszentren sind der \"Laden\" des \"Vereins zur F\u00f6rderung des studentischen Pressewesens e.V.\", die \"MHBund NEW-Gesellschaften f\u00fcr Druck und Vertrieb wissenschaftlicher Literatur mbH\" und der \"Resultate-Verlag\" in M\u00fcnchen sowie die \"MG-L\u00e4den\" in Erlangen, N\u00fcrnberg und W\u00fcrzburg. Gliederung und leitende Gremien der MG werden nach wie vor weitgehend geheimgehalten. Organisatorisch praktizieren die MG einen straffen F\u00fchrungsstil und verlangen die stete Bew\u00e4hrung des einzelnen als Mitglied oder Sympathisant. Die Finanzierung der MG erfolgt durch sehr hohe Mitgliedsbeitr\u00e4ge und durch den Verkauf von Publikationen. Zentrale Publikationsorgane der MG sind die \"Marxistische Studentenzeitung\" (MSZ) und die \"Marxistische Arbeiterzeitung\" (MAZ). Zus\u00e4tzlich erscheinen \u00f6rtliche \"Hochschulzeitungen\" mit Einzelauflagen bis zu 14.000 Exemplaren sowie Betriebs-, Branchenund Regionalausgaben der MAZ. Das theoretische Organ der MG erscheint unter dem Titel \"Resultate\". Hauptbet\u00e4tigungsfelder der MG waren 1982 wiederum die Hochschulen -- vgl. Abschnitt 5 Nr. 5 -- und die Betriebsarbeit. Mit der \"Marxistischen Arbeiterzeitung\" (MAZ), die 1982 in zahlreichen St\u00e4dten vor Gro\u00dfbetrieben verteilt wurde, versuchten die MG, in den Arbeitnehmerbereich einzudringen. Zu diesem Zweck haben die MG einen eigenen Kader f\u00fcr Betriebsarbeit gebildet, der \u00fcber Einzelpersonen oder kleine Aktionsgruppen ihre Politik in die Betriebe tragen soll. Die Schulung der Arbeiter ist praxisbezogen und weniger wissenschaftlich. In der \"MAZ\" und bei speziellen Veranstaltungen f\u00fcr Arbeitnehmer behandelten die MG Themen wie \"Besch\u00e4ftigungsprogramme\", \"Arbeitslosigkeit\" und \"Streikrecht\". Angeh\u00f6rige der MG beteiligten sich in zahlreichen St\u00e4dten an den DGB-Veranstaltungen zum 1. Mai. Bereits im Vorfeld der Mai-Kundgebungen f\u00fchrten die MG unter der Losung \"Manifest gegen den DGB -- Politik auf Kosten der Arbeiter\" eigene \"Anti-DGB-Veranstaltungen\" durch. Auf diesen Versammlungen erl\u00e4uterten die Sprecher die von den MG erarbeiteten und bundesweit verbreiteten \"Thesen gegen den DGB\", wonach sich die \"bundesdeutschen Gewerkschaften\" inzwischen zu einem \"notwendigen Instrument des Kapitalismus\" entwickelt h\u00e4tten. Durch Sprechch\u00f6re und Zwischenrufe st\u00f6rten am 6. M\u00e4rz Angeh\u00f6rige der MG eine Versammlung des DGB in N\u00fcrnberg und die Tarifverhandlungen der IGMetall in M\u00fcnchen. Bei der Entfernung der St\u00f6rer kam es zu Handgreiflichkeiten. Aus Anla\u00df des NATO-Gipfeltreffens und des Besuches des US-Pr\u00e4sidenten Reagan veranstalteten die MG am 10. Juni in Bonn einen Aufzug mit Schlu\u00dfkundgebung unter dem Motto \"Gegen den NATO-Imperialismus und die deutsch-amerikanische Kriegsallianz\". An der Veranstaltung, zu der auch der BWK seine Mit77","glieder aufrief, beteiligten sich ann\u00e4hernd 8.000 Personen, darunter etwa 3.000 MG-Anh\u00e4nger aus Bayern. Auf der Schlu\u00dfkundgebung rief ein MG-Funktion\u00e4r zum \"Kampf gegen Imperialismus in Betrieben und Universit\u00e4ten\" auf. Zur Mobilisierung der MG-Anh\u00e4nger fanden im Vorfeld der Demonstration zwischen 6. und 8. Juni an mehreren Hochschulorten Kundgebungen statt. Unter dem Motto \"Noch ein V\u00f6lkermord f\u00fcr den NATO-Friedep\" protestierten die MG 1982 in mehreren Universit\u00e4tsst\u00e4dten gegen die \"milit\u00e4rische Intervention\" Israels im Libanon. An den Demonstrationen beteiligten sich insgesamt \u00fcber 5.000 Personen, \u00fcberwiegend MG-Anh\u00e4nger. Den Aufzug am 14. Juli in M\u00fcnchen unterst\u00fctzten auch der BWK, die GIM, die \"Aktionseinheitsliste der Fachschaften und undogmatischen Linken\" (AEL) und die AEL/MG-Fraktion im Studentischen Sprecherrat der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t M\u00fcnchen. 3.10 Sonstige Komitees und Gruppen Ehemalige Mitglieder des KBW, der 1980 aufgel\u00f6sten KPD und des KB schlossen sich im Fr\u00fchjahr 1979 zu \"Komitees f\u00fcr Demokratie und Sozialismus\" (KDS) zusammen. Sie wollen Sammelbecken f\u00fcr alle \"revolution\u00e4ren Kr\u00e4fte\" au\u00dferhalb der bestehenden kommunistischen und sozialistischen Organisationen sein mit dem Ziel, den \"Staatsapparat\" der \"herrschenden Klasse\" zu zerst\u00f6ren. Anfang 1982 bestanden im Bundesgebiet in zahlreichen St\u00e4dten, unter anderem auch in N\u00fcrnberg, \u00f6rtliche Komitees, Initiativen und Redaktionsgruppen, die inzwischen keine Aktivit\u00e4ten mehr entwickeln. Die vom KB Ende 1979 abgespaltene \"Zentrumsfraktion\", die sich \"Gruppe Z\" nannte, unterhielt auch in Landshut einen St\u00fctzpunkt. Aktivit\u00e4ten der Gruppe Z wurden 1982 nicht mehr bekannt. Die von ihr herausgegebene Zeitschrift ,,Z\" ist nicht mehr erschienen. Ehemalige Mitglieder der 1980 aufgel\u00f6sten KPD, die sich bereits vor der Aufl\u00f6sung als \"Gruppe der 99\" f\u00fcr die Beibehaltung eines \"organisierten Diskussionsund Arbeitszusammenhangs\" ausgesprochen hatten, trafen sich 1982 mehrfach als Arbeitsgemeinschaft \"\u00d6kologie und Marxismus\". 3.11 Undogmatische Gruppen der Neuen Linken 3.11.1 Allgemeines Zum Bereich der Neuen Linken geh\u00f6ren auch die sogenannten undogmatischen Gruppen. Sie sind schwer \u00fcberschaubar und bestehen h\u00e4ufig aus kleinen, \u00f6rtlichen Zirkeln oder lockeren kurzlebigen Zusammenschl\u00fcssen. Sie lehnen vielfach starre Organisationsformen und feste Bindungen an ideologische Dogmen ab, bef\u00fcrworten im politischen Kampf Spontaneit\u00e4t, Autonomie und Selbstorganisation der \"Unterdr\u00fcckten\". Sie fordern vor allem die Arbeit an der \"Basis\" und \"Selbstbestimmung\" in Bezugsgruppen oder pers\u00f6nlichen \"Arbeitsfeldern\" zur \"eigenen\" Befreiung. Das politische Spektrum dieser undogmatischen Linksextremisten reicht von Anh\u00e4ngern eines \"undogmatischen wissenschaftlichen Sozialismus\" \u00fcber Sozialrevolution\u00e4re bis hin zu Anarchisten. Sie alle verfolgen als Endziel die Beseitigung der bestehenden Staatsund Gesellschaftsordnung. 78","Neben den undogmatischen Linksextremisten gibt es auch Gruppen, die auf den gleichen Aktionsfeldern, h\u00e4ufig mit \u00e4hnlichen Namen und Organisationsformen t\u00e4tig werden, ohne jedoch extremistische Ziele zu verfolgen. Zu diesem Bereich z\u00e4hlt der gr\u00f6\u00dfte Teil der sogenannten Alternativen. 3.11.2 Sozialistisches B\u00fcro Offenbach (SB) Das 1969 gegr\u00fcndete Sozialistische B\u00fcro in Offenbach hatte sich zum Ziel gesetzt, die aus der au\u00dferparlamentarischen Opposition hervorgegangenen linken Gruppierungen in der \"Sozialistischen Bewegung\" aufzufangen. Es erhebt heute noch den Anspruch, ein Sammelbecken f\u00fcr Linkssozialisten und ein Forum der Diskussion und der Propaganda sozialrevolution\u00e4rer Theorien und Praktiken zu sein. Gleichzeitig fordert das SB die \"revolution\u00e4re Umw\u00e4lzung\", die es auf parlamentarischem Wege und unter Ausnutzung des \"b\u00fcrgerlichen Staatsapparates\" nicht f\u00fcr erreichbar h\u00e4lt. Das SB kennzeichnet eine besonders lockere Organisationsform, die zahlreiche undogmatische Gruppen und rund 900 Einzelmitglieder (1981: 1.000) umfa\u00dft. Als Publikationsorgane des SB erscheinen die \"Links-Sozialistische Zeitung\" und die \"Express-Zeitung f\u00fcr sozialistische Betriebsund Gewerkschaftsarbeit\". Nach Angaben des SB bestehen in Bayern Gruppierungen in Augsburg, Bamberg, Erlangen, Kempten, M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg, Schweinfurt und W\u00fcrzburg mit insgesamt 30 Anh\u00e4ngern (1981: 40), die sich zum Teil als \"Sozialistische Zentren\" bezeichnen. Zum Jahresende erkl\u00e4rte der \"Arbeitsausschu\u00df\", das SB habe sich von \u00fcberholten Anspr\u00fcchen befreit und konzentriere sich nunmehr auf einige zentrale Themen wie die \"Sozialistische Friedenspolitik\" und den Widerstand gegen den \"Sozial-Spar-Staat\". 3.11.3 Kollektiv Rote Hilfe M\u00fcnchen (KRH) Das 1978 gegr\u00fcndete Kollektiv Rote Hilfe M\u00fcnchen, das sich als unabh\u00e4ngige Vereinigung undogmatischer Linker bezeichnete und in seiner praktischen Arbeit die \"Isolation\" der Gefangenen durchbrechen wollte, entwickelte 1982 keine Aktivit\u00e4ten mehr. 3.11.4 Freizeit '81/Freizeit '82 Die im Fr\u00fchjahr 1981 in M\u00fcnchen bekanntgewordene Gruppe \"Freizeit ' 8 1 \" bezeichnete sich in einer Selbstdarstellung als eine lose Verbindung mehrerer Personen, die Aktionen durchf\u00fchren, und zwar \"jeder auf seine Art\". Hierzu geh\u00f6ren: \"Flugbl\u00e4tter, Plakate, Zeitungen, Konzerte, Spr\u00fchaktionen, Steine, Bankenschl\u00f6sser zukleben, Mollies\". \"Freizeit ' 8 1 \" trete \"gewaltlos oder militant, legal oder illegal, \u00e4ngstlich oder stark, auf jeden Fall (mit) Gef\u00fchl und H\u00e4rte\" auf. Wichtigster Faktor bei den Aktionen sei der \"Widerstand aus dem Bauch\", der \"unkontrollierte Reflexbewegungen\" ausl\u00f6se. Eine weitere Publikation von \"Freizeit ' 8 1 \" enthielt die Aufforderung, \"den Staat mit allen Mitteln zu bek\u00e4mpfen und zu vernichten\". F\u00fcr \"Freizeit ' 8 1 \" sei die \"Zerst\u00f6rung der Zivilisation\" der \"Ausgangspunkt der Anarchie\". 79","Anh\u00e4nger der Gruppe \"Freizeit ' 8 1 \" waren 1981 an 13 Brandanschl\u00e4gen auf Banken und Schulen im Stadtgebiet von M\u00fcnchen sowie an zahlreichen Sachbesch\u00e4digungen und Schmieraktionen beteiligt. Die Polizei leitete gegen 26 Tatverd\u00e4chtige Ermittlungsverfahren ein. Zwischenzeitlich wurden 21 Angeklagte zu Freiheitsstrafen, Geldstrafen und Arbeitsauflagen verurteilt. Bei 5 Angeklagten wurde das Verfahren eingestellt. Eine Anfang 1982 in M\u00fcnchen verbreitete Brosch\u00fcre der Gruppe \"Freizeit ' 8 1 \" trug die Bezeichnung \"Zero BUY knallhart 8 1 \" . Diese Publikation enthielt u.a. einen Auszug aus der Druckschrift \"Revolution\u00e4rer Zorn\", die von der terroristischen Vereinigung \"Revolution\u00e4re Zellen\" (RZ) herausgegeben wurde. Der Artikel befa\u00dfte sich mit dem \"bewaffneten Kampf\" und empfahl den beteiligten Gruppen, sich das hierf\u00fcr ben\u00f6tigte Wissen (z.B. \u00fcber die Herstellung von Brands\u00e4tzen) anzueignen. Eine Gruppe \"Freizeit '82\" bekannte sich zu dem Brandanschlag am 28. Juli auf eine Filiale der M\u00fcnchner Stadtsparkasse, bei dem betr\u00e4chtlicher Sachschaden entstand. In dem \"Bekennerbrief\" der Nachahmer oder Nachfolger der Gruppe \"Freizeit ' 8 1 \" , der bei einer M\u00fcnchner Tageszeitung einging, hei\u00dft es: \"Unser Widerstand ist nicht durch H\u00e4userr\u00e4umungen und Schauprozesse zu brechen. Je mehr ihr uns unterdr\u00fcckt, desto heller werden die Anstalten eueres degenerierten Konsumapparates brennen\". Die aktive Anh\u00e4ngerschaft der Gruppe \"Freizeit ' 8 1 \" betrug rund 100 Personen, die in der Mehrzahl aus Jugendlichen bestand. Nach der Verhaftung und Verurteilung gingen die Aktivit\u00e4ten schlagartig zur\u00fcck. 3.11.5 \"Autonome\" Gruppen Mit Aktionen traten 1982 im Bundesgebiet auch \"autonome\" Gruppen auf. Die Anh\u00e4nger der \"Autonomen\" bestehen \u00fcberwiegend aus Jugendlichen, die festgef\u00fcgte Organisationsformen und einheitliche Konzepte ablehnen. Bei aller Unverbindlichkeit und Unterschiedlichkeit der Gruppen zueinander ist den \"Autonomen\" jedoch der Kampf gegen \"den Staat, der uns nicht haben will und den wir nicht wollen\" gemeinsam. Neuerdings stellen auch einige Gruppen den \"antiimperialistischen Kampf\" in den Mittelpunkt ihrer Aktionen und versuchen, Konzeptionen der terroristischen Vereinigungen'\"Rote Armee Fraktion\" (RAF) und \"Revolution\u00e4re Zellen\" (RZ) nachzuahmen. Vage formuliertes Endziel dieser Gruppen ist die \"Autonomie\" in einer \"herrschaftsfreien Gesellschaft\". In Bayern sind dem militanten Bereich der \"Autonomen\" etwa 50 Personen zuzuordnen. Schwerpunkte bestehen in M\u00fcnchen und im Raum N\u00fcrnberg-Erlangen. Diese Gruppen f\u00fchrten 1982 wiederholt \"Autonomentreffs\" in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg durch. 3.11.6 Schriften, Verlage und \"illegale Sender\" Eine besondere Bedeutung f\u00fcr den Informationsaustausch innerhalb der undogmatischen Bewegung haben Verlage, Buchl\u00e4den sowie Publikationen, die \u00fcber terroristische Aktionen informieren und Erkl\u00e4rungen terroristischer Gruppen und des Umfeldes abdrucken, ferner einige \"Alternativzeitungen\", die immer 80","wieder,Raum f\u00fcr Ver\u00f6ffentlichungen extremistischer Positionen bieten. Im regionalen Bereich geh\u00f6ren hierzu die \"Basis-Buchhandlung\" M\u00fcnchen, der \"Trampelpfad\" M\u00fcnchen, die \"B\u00fccherkiste\" N\u00fcrnberg und das \"Blatt -- Stadtzeitung f\u00fcr M\u00fcnchen\", das unver\u00e4ndert in einer Auflage von etwa 10.000 Exemplaren erscheint. \u00dcberregionale Bedeutung hat die in Berlin (West) herausgegebene Publikation \"die Tageszeitung\" (taz), die bundesweit t\u00e4glich erscheint und von Gruppierungen der undogmatischen Neuen Linken und der \"Alternativbewegung\" getragen wird. Sie berichtete wiederholt \u00fcber Vorg\u00e4nge innerhalb des undogmatischen Lagers und ver\u00f6ffentlichte Erkl\u00e4rungen und Aufrufe extremer Gruppierungen. Ebenfalls in Berlin (West) erscheint monatlich die von \"autonomen\" Kreisen herausgegebene Zeitschrift \"radikal\". In der Novemberausgabe ver\u00f6ffentlichte \"radikal\" \"Sozialrevolution\u00e4re Thesen\" zum Widerstand gegen das \"System\". Darin hei\u00dft es: \"Allein durch Arbeitsverweigerung bei gleichzeitigem Anzapfen des Staates\" und gelegentlichem \"Jobben\" lasse sich das \"System\" nicht bek\u00e4mpfen. Eine \"gesamtgesellschaftliche Umw\u00e4lzung\" k\u00f6nne nur \"durch st\u00e4ndiges Anfachen bzw. Verst\u00e4rken von Konflikten\" entstehen. Solche Konflikte seien bisher \"an der Startbahn West, im H\u00e4userkampf, gegen die AKW's und Kriegstreiberei\" entstanden. Als neues Medium zur aktuellen Information und Steuerung k\u00e4mpferischer Aktionen fand innerhalb der undogmatischen Neuen Linken der Betrieb von illegalen Sendern zunehmendes Interesse. In Bayern strahlten 1982 folgende illegale Sender Programmbeitr\u00e4ge aus: -- \"Radio Rumpelstilz\" im Raum M\u00fcnchen, -- \"Querfunk\" im Raum Erlangen, -- \"Radio Wolpertinger\" im Raum Passau und -- \"Freie Schnauze Regensburg\". Die Beiu\u00e4ge befa\u00dften sich u.a. mit dem Libanon-Konflikt, der Verurteilung von Anh\u00e4ngern der \"Freizeit ' 8 1 \" und dem Tod von Mitgliedern der \"Roten Armee Fraktion\" (RAF). Im Zusammenhang mit dem NATO-Gipfeltreffen und dem Besuch des amerikanischen Pr\u00e4sidenten wurde in den Sendungen wiederholt zur Teilnahme an der \"Internationalen Friedensdemonstration\" am 10. Juni in Bonn aufgerufen. In mehreren Sendungen wurde auch zur Begehung von Straftaten aufgefordert. 81","Aufgrund von Peilmessungen der Deutschen Bundespost wurden der Sender \"Querfunk\" am 13. Oktober aufgefunden, die Sendeanlagen sichergestellt und drei Personen vorl\u00e4ufig festgenommen. Bei der Durchsuchung von Wohnungen der Festgenommenen und weiterer Tatverd\u00e4chtiger stellte die Polizei umfangreiches Beweismaterial sicher. Vom Sender \"Freie Schnauze Regensburg\" wurde am 27. M\u00e4rz eine Sendeanlage aufgefunden und beschlagnahmt. Drei vermutliche Betreiber des Senders wurden vorl\u00e4ufig festgenommen. Ab Juni strahlte eine neue Sendeanlage wieder zwei weitere Programmbeitr\u00e4ge aus. 4. Linksextremer Einflu\u00df auf die Anti-Kernkraftbewegung Die friedliche Nutzung der Kernenergie und die damit verbundenen Probleme der Entsorgung und Endlagerung waren 1982 erneut herausragende Themen in der Agitation und Propaganda linksextremer Gruppen. Entsprechend ihrer Strategie versuchten sie, die Besorgnis weiter Teile der Bev\u00f6lkerung \u00fcber denkbare, von Kernkraftwerken ausgehende Gefahren zum Kampf gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung zu nutzen. Dabei ging es ihnen nur vordergr\u00fcndig um die Verhinderung m\u00f6glicher Gefahren. Wirkliches Ziel war die Schw\u00e4chung der Demokratie und des Rechtsstaates und die Schaffung einer vorrevolution\u00e4ren Situation. Die Kampagne gegen Kernkraftwerke, die sich 1982 schwerpunktm\u00e4\u00dfig gegen die Errichtung von \"Schnellen Br\u00fctern\" und Lagerst\u00e4tten f\u00fcr radioaktive Brennelemente sowie gegen Wiederaufarbeitungsanlagen (WAA) richtete, f\u00fchrten Gruppierungen der Neuen Linken unter der Losung \"Weg mit dem milit\u00e4rischen und zivilen Atomprogramm\". Die orthodox-kommunistischen Gruppierungen, insbesondere die DKP, traten daf\u00fcr ein, \"den Kampf gegen das Bonner Atomprogramm mit dem Kampf gegen die Stationierung neuer Atomraketen zu verbinden\". Die Verkn\u00fcpfung dieser beiden Agitationsfelder f\u00fchrte zu einer verst\u00e4rkten Ann\u00e4herung zwischen einigen in der \"Friedensbewegung\" aktiv t\u00e4tigen orthodox-kommunistischen Gruppierungen und Anti-Kernkraftgegnern der Neuen Linken, die wiederholt in gemeinsamen Aktionen ihren Ausdruck fand. An der Kampagne gegen Kernkraftwerke beteiligten sich 1982 bundesweit ma\u00dfgebend folgende kommunistischen Organisationen: Deutsche Kommunistische Partei (DKP) Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) Kommunistischer Bund (KB) Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK) Kommunistischer Bund Westdeutschland (KBW) Kommunistische Partei Deutschlands (Marxisten-Leninisten) -- (KPD) Auch Gruppen der undogmatischen Neuen Linken unterst\u00fctzten die Kampagne. 82","Agitation der DKP 83","im Zusammenhang mit Aktionen der Kernkraftgegner war 1982 gegen\u00fcber dem Vorjahr bundesweit eine Zunahme der Anwendung von Gewalt feststellbar bei mehreren Gro\u00dfdemonstrationen, so am 4. September in Gorleben mit etwa 8.000 Teilnehmern, am 2. Oktober in Kaikar mit rund 20.000 Teilnehmern und am 30. Oktober in Salzgitter mit etwa 4.000 Teilnehmern, kam es zu schweren Auseinandersetzungen mit der Polizei, bei denen insgesamt \u00fcber 100 Beamte verletzt wurden. An den gewaltt\u00e4tigen Ausschreitungen beteiligten sich jeweils mehrere hundert Anh\u00e4nger \"autonomer\" Zusammenschl\u00fcsse und militanter Anti-KKW-Gruppen. Auf mehrere Firmen und Gesellschaften, die an der Errichtung von KKW-Anlagen beteiligt waren, wurden Sprengstoffanschl\u00e4ge ver\u00fcbt, zu denen sich teilweise die \"Revolution\u00e4ren Zellen\" (RZ) bekannten. Am 16. Februar ver\u00fcbten unbekannte T\u00e4ter im Bereich der Gemeinde M\u00f6hrendorf, Kreis Erlangen-H\u00f6chstadt, einen Anschlag auf eine 110 kV-\u00dcberlandleitung. In einem \"Bekennerbrief\" erkl\u00e4rten die T\u00e4ter, der \"Anschlag sei aus Protest gegen das irrwitzige Atomprogramm\" durchgef\u00fchrt worden. KKW-Gegner ver\u00fcbten ferner am 31. Oktober auf den Fuhrpark einer Landshuter Firma einen Brandanschlag. Die Anti-Kernkraftbewegung in Bayern verlagerte den Schwerpunkt ihrer Kampagne auf die im Schwandorfer Raum geplante Wiederaufarbeitungsanlage und das in Mitterteich vorgesehene Zwischenlager f\u00fcr schwachund mittelradioaktive Stoffe. An den Aktionen gegen das Projekt in Schwandorf beteiligten sich vor allem DKP, SDAJ, KB und Gruppen der undogmatischen Neuen Linken. Im nordbayerischen Raum versuchten insbesondere die orthodoxen Kommunisten, durch eigene Aktionen, wie Info-St\u00e4nde, Unterschriftensammlungen, Flugbl\u00e4tter und Sonderausgaben von Zeitungen, Einflu\u00df auf die AKW-Bewegung zu gewinnen. Unter der Parole \"Damit aus der Oberpfalz keine Opfer-Pfalz wird -- Die Atommafia stoppen!\" brachte die DKP dieses Thema in den Landtagswahlkampf ein. Die Zahl der in Bayern vorhandenen B\u00fcrgerinitiativen stieg in den Jahren 1981/82 durch zahlreiche Neugr\u00fcndungen von \"Anti-WAA-Initiativen\", vornehmlich im nordbayerischen Raum, stark an. Ende 1982 stand eine B\u00fcrgerinitiative, die wiederholt bei \u00fcberregionalen Veranstaltungen Koordinierungsfunktionen \u00fcbernahm, unter starkem kommunistischen Einflu\u00df. Weitere 14 B\u00fcrgerinitiativen waren Einflu\u00dfversuchen durch kommunistische Gruppierungen ausgesetzt. 5. Linksextremer Einflu\u00df auf die \"Friedensbewegung\" 5.1 Allgemeines Seit Jahren versuchen Linksextremisten, mit Kampagnen \"f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung\" eine Massenbasis f\u00fcr ihre weitergehenden gesellschaftsver\u00e4ndernden Ziele zu gewinnen. Zu diesem Zweck rufen insbesondere die DKP, ihre Nebenund von ihr beeinflu\u00dften Organisationen Initiativen, Komitees und sonstige Organisationen ins Leben oder beteiligen sich aktiv an bereits bestehenden nicht extremistischen Organisationen, die die Sehnsucht der Menschen nach Frieden auch im politischen Bereich zum Ausdruck bringen wollen. 84","Die Linksextremisten bilden innerhalb der Friedensbewegung zahlenm\u00e4\u00dfig eine Minderheit. Da sie jedoch \u00fcber klare Zielvorstellungen, eine geschlossene Organisation ftiit fester Parteidisziplin, ein breit gef\u00e4chertes Netz von beeinflu\u00dften Organisationen, die sich nach au\u00dfen als unabh\u00e4ngig geben, sowie \u00fcber ausreichende finanzielle Mittel und erprobte Organisatoren zur Durchf\u00fchrung auch von Gro\u00dfveranstaltungen verf\u00fcgen, geht ihr Einflu\u00df weit \u00fcber ihren zahlenm\u00e4\u00dfigen Anteil hinaus. Haupttr\u00e4ger der linksextremen Aktivit\u00e4ten innerhalb der \"Friedensbewegung\" sind die DKP, ihre Nebenorganisationen und die von ihr beeinflu\u00dften Organisationen, insbesondere KFAZ, DFL) und DFG-VK. Deren Aktionen sind Teil einer von der KPdSU weltweit betriebenen Kampagne, bei der der sowjetisch gelenkte \"Weltfriedensrat\" (WFR) eine zentrale Rolle einnimmt. Dem WFR geh\u00f6ren Personen und Organisationen aus 147 L\u00e4ndern an. Aus der Bundesrepublik Deutschland geh\u00f6ren ihm die DFU und die VVN-BdA als kollektive Mitglieder sowie 21 Einzelpersonen an, darunter das DKP-Pr\u00e4sidiumsmitglied und Mitglied des KFAZ-B\u00fcros Martha Buschmann sowie der Bundesvorsitzende der DFG-VK und Mitglied des KFAZ-B\u00fcros Klaus Mannhardt. Die Sowjetunion unterst\u00fctzt und steuert die \"Friedenskampagne\" aber nicht nur propagandistisch. Nach einem Hinweis im Journal des WFR \"neue Perspektiven\" leistet \"der Sowjetische Friedensfond materielle Unterst\u00fctzung f\u00fcr viele internationale Gro\u00dfaktionen, die darauf abzielen, Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen den V\u00f6lkern zu f\u00f6rdern, das Verbot aller Arten von Kernwaffen und eine allgemeine und vollst\u00e4ndige Abr\u00fcstung zu erreichen.\" Mit seinem \"Aktionsprogramm\" von 1982 versucht der WFR, auf unterschiedliche Zielgruppen einzuwirken. Als \"Massenaktivit\u00e4ten\" sieht er die Unterst\u00fctzung nationaler Demonstrationen, Osterm\u00e4rsche und Konferenzen sowie Aktionen zur \"Mobilisierung der Geistesschaffenden, Parlamentarier, Gewerkschafter, religi\u00f6ser Vertreter, Frauen, Wissenschaftler, \u00c4rzte und K\u00fcnstler gegen die Kriegsgefahr\". Einseitiges Ziel ist die \"weitere Intensivierung\" des Kampfes gegen die Stationierung \"neuer US-Massenvernichtungswaffen\" in Westeuropa. Entsprechend dieser Leitlinie beschlo\u00df der Parteivorstand der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) 1982 als Richtlinie f\u00fcr den \"Friedenskampf\" der DKP: \"Durchsetzung einer alternativen Sicherheitspolitik hier und heute -- das ist letztendlich vor allem die Entfaltung demokratischer Massenaktionen, um die Herrschenden und Regierenden dazu zu zwingen, den Friedensund Lebensinteressen des Volkes Rechnung zu tragen. Das ist die Durchf\u00fchrung von gro\u00dfen und kleinen Friedensaktionen in Wohngebieten, Betrieben, an Schulen und Hochschulen. Das ist die st\u00e4ndige Diskussion, das sind die Foren mit Vertretern verschiedener politischer und weltanschaulicher Richtungen. Das ist die Bildung von Friedensinitiativen und Friedenskomitees auf allen Ebenen\". \u00dcber die Rolle von Kommunisten in der \"Friedensbewegung\" schrieb das VVN-BdA-Pr\u00e4sidiumsmitglied Emil Carlebach: \"Wir Kommunisten haben uns nicht ,an die Friedensbewegung angeh\u00e4ngt', wie manche aus Unkenntnis (oder aus B\u00f6swilligkeit) sagen. Wir brauchen auch keine Friedensbewegung zu .infiltrieren' -- Kommunisten stehen in der Friedensbewegung von Anbeginn und haben in dieser Bewegung und f\u00fcr diese Bewegung Opfer gebracht wie kein anderer. Es gibt 85","keine Friedensbewegung ohne oder gar gegen die Kommunisten - es giot nur eine Friedensbewegung mit den Kommunisten.\" Auf der Grundlage dieser Haltung bet\u00e4tigen sich Mitglieder der DKP, ihrer Nebenorganisationen, vor allem aber Funktion\u00e4re und Aktivisten DKP-beeinflu\u00dfter Organisationen in zahlreichen \"Friedensinitiativen\" oder wirken bei deren Gr\u00fcndung mit. Auch Gruppen der dogmatischen und undogmatischen Neuen Linken engagieren sich in der ,,Friedensbewegung\", jedoch zahlenm\u00e4\u00dfig in weit geringerem Ma\u00df und mit wesentlich geringerem Einflu\u00df als die orthodoxen Kommunisten. Die Mehrzahl dieser Gruppen k\u00e4mpft sowohl gegen den \"amerikanischen Imperialismus\" als auch gegen den \"sowjetischen Sozialimperialismus\", sieht aber in den USA und der NATO die \"Hauptkriegstreiber\". Manche setzen sich auch f\u00fcr die \"Neutralit\u00e4t\" der Bundesrepublik Deutschland und die Aufl\u00f6sung von NATO und Warschauer Pakt ein. 5.2 Agitationsschwerpunkte Agitationsschwerpunkte bildeten 1982 die Unterschriftensammlung f\u00fcr den \"Krefelder Appell\", die bundesweiten Osterm\u00e4rsche, die internationale Gro\u00dfdemonstration am 10. Juni in Bonn, die Gro\u00dfveranstaltung \"K\u00fcnstler f\u00fcr den Frieden\" am 11. September in Bochum, die berufsspezifischen Foren am 12. September in D\u00fcsseldorf, die bundesweiten \"Friedenswochen\" im November und die \"gewaltfreien Aktionen\" zum 3. Jahrestag des NATO-Doppelbeschlusses am 12. Dezember. Im Januar erkl\u00e4rte das DFU-Direktoriumsmitglied und Mitinitiator des \"Krefelder Appells\" Josef Weber als Richtschnur f\u00fcr die DFU-beeinflu\u00dfte \"Krefelder Initiative\" die \"Sammlung weiterer Millionen Unterschriften\" f\u00fcr den \"Krefelder Appell\", damit die Aktion den Charakter einer Abstimmung gewinne, sowie die Einberufung weiterer \u00f6ffentlicher Foren, auf denen \"\u00c4rzte, Wissenschaftler, Lehrer, Ingenieure, Arbeiter unter berufsspezifischen Aspekten ihr Nein zur Nuklearr\u00fcstung begr\u00fcnden\". Auf Einladung der \"Aktion S\u00fchnezeichen/Friedensdienste e.V.\" (ASF) und der \"Aktionsgemeinschaft Dienst f\u00fcr den Frieden e.V.\" (AGDF), den Veranstaltern der Gro\u00dfdemonstration am 10. Oktober 1981 in Bonn, fand am 677. Februar 1982 eine \"Aktionskonferenz gegen Atomwaffen in Europa\" statt. An ihr beteiligten sich rund 500 Personen von 262 Gruppen, darunter Vertreter von DKP, VVN-BdA, DFU, DFG-VK, KFAZ sowie der KPD und der \"Trotzkistischen Liga Deutschlands\". Es wurden keine Beschl\u00fcsse gefa\u00dft, sondern nur die geplanten \"Friedensaktivit\u00e4ten 1982\" den teilnehmenden Gruppen bekannt gemacht. In zehn Arbeitsgruppen wurden Themenbereiche wie \"Osteraktivit\u00e4ten\", \"Friedensm\u00e4rsche\", \"gewaltfreie Aktionen an Milit\u00e4rstandorten\", \"Boykottaktionen (Steuerboykott)\" und \"atomwaffenfreie Kommunen und Regionen\" er\u00f6rtert. Einen ersten H\u00f6hepunkt bildeten die vom 9. bis 12. April bundesweit veranstalteten \"Osterm\u00e4rsche\". Nachdem die Wiederbelebung der \"Osterm\u00e4rsche\" durch das Dortmunder Forum der \"Krefelder Initiative\" am 21. November 1981 propagiert worden war, begannen die DKP und ihr Umfeld unverz\u00fcglich, mit 86","Do. 13.5. ir Oberm\u00fcnster-Gastst. * Ist die DKP nur ein \"Trittbrettfahrer\" in der Friedensbewegung? * \"Abr\u00fcstung in Ost und West\" nur ein taktisches Zugest\u00e4ndnis der DKP? t Warum SS 2o und Pershing II nicht dasselbe sind. * Friedensbewegung in Ost und West und die Kommunisten. Es spricht: ARMIN SCHORLER, Mitglied des Bezirkssekretariats der DKP Nordbayern anschl.: DISKUSSIONSBEITR\u00c4GE versch. Regensburger Friedens initiativen EINTRITT FREI! 87","Nachdruck f\u00fcr dieses Vorhaben zu werben. Die organisatorische Vorbereitung der .Osterm\u00e4rsche\" lag weitgehend in den H\u00e4nden von Zusammenschl\u00fcssen \u00f6rtlicher Friedensinitiativen\", die sich zu regionalen Konferenzen trafen, wobei vielfach Funktion\u00e4re von KFAZ, DFU und DFG-VK ma\u00dfgebend mitwirkten. An den Veranstaltungen nahmen rund 160.000 Personen teil. Ziele der \"Osteraktionen\" waren Milit\u00e4ranlagen oder zentrale Kundgebungsorte wie Frankfurt a.M., Dortmund, Berlin (West), Bielefeld. In Bayern fanden etwa 45 Aufz\u00fcge und Kundgebungen statt, an denen sich rund 20.000 Personen beteiligten. Zentren waren N\u00fcrnberg (10.000 Teilnehmer), M\u00fcnchen (4.000 Teilnehmer), Landshut, Schweinfurt und Landsberg a. Lech. An den Veranstaltungen beteiligten sich Vertreter des gesamten orthodox-kommunistischen Bereiches, in geringem Umfang auch Angeh\u00f6rige der Neuen Linken, so von KBW, KPD und VOLKSFRONT. Der \u00fcberwiegende Teil der Demonstrationsteilnehmer geh\u00f6rte demokratischen Organisationen an. Anl\u00e4\u00dflich des SPD-Bundesparteitages in M\u00fcnchen f\u00fchrten am 17. April die \"Vereinigten M\u00fcnchner Friedensinitiativen\" (VMF), in denen Angeh\u00f6rige der DKPbeeinflu\u00dften DFG-VK und mehrerer Gruppierungen der dogmatischen Neuen Linken mitarbeiten, einen Aufzug durch, an dem sich ann\u00e4hernd 10.000 Personen beteiligten. Unter den Erstunterzeichnern des bundesweit verbreiteten Aufrufes \"Wir wehren uns gegen die Aufr\u00fcstungspolitik der Bundesregierung\" waren BWK, KB, KPD, VOLKSFRONT, GIM und DFG-VK. Nahezu alle in Bayern vertretenen Gruppen der dogmatischen Neuen Linken hatten mit Beitr\u00e4gen in ihren Publikationsorganen und mit Flugbl\u00e4ttern zur Teilnahme aufgefordert. Anl\u00e4\u00dflich des NATO-Gipfeltreffens und des Besuchs des amerikanischen Pr\u00e4sidenten Reagan fand am 10. Juni in Bonn unter dem Motto \"Aufstehen! F\u00fcr den Frieden\" eine \"Internationale Demonstration\" statt, an der sich rund 300.000 Personen beteiligten, darunter eine erhebliche Anzahl von Linksextremisten. Die Initiative zu dieser Demonstration ging im wesentlichen vom Bundesvorsitzenden der DFG-VK, KFAZ-B\u00fcromitglied und Mitglied des WFR Klaus Mannhardt aus. Als Veranstalter der Demonstration traten sechs Organisationen auf, darunter DFG-VK und VDS, die die \"Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung\" f\u00fcr den aus 17 bundesweiten Organisationen bestehenden \"Koordinierungsausschu\u00df Friedensdemonstration 10. 6. Bonn\" \u00fcbernahmen, der als Tr\u00e4gerkreis der \"Internationalen Friedensdemonstration\" anzusehen ist. Diesem Tr\u00e4gerkreis geh\u00f6rten auch die SDAJ und das KFAZ an. Den Aufruf zur Demonstration unterzeichneten rund 1.900 Organisationen, Gruppen und \"Friedensinitiativen\", darunter die DKP, ihre Nebenund beeinflu\u00dften Organisationen sowie KBW, KABD, KPD und GIM. Aus Bayern reisten 9.000 bis 10.000 Personen nach Bonn. Der Kartenvorverkauf lag in H\u00e4nden von DKP, DFU, DFG-VK und MBFA (nunmehr BIFA). Parallel zu dieser Demonstration veranstalteten die \"Marxistischen Gruppen\" (MG) in Bonn einen Aufzug mit Schlu\u00dfkundgebung unter dem Motto \"Gegen den NATO-Imperialismus und die deutsch-amerikanische Kriegsallianz\". An der Veranstaltung, zu der auch der BWK seine Mitglieder aufrief, beteiligten sich rund 8.000 Personen, darunter etwa 3.000 MG-Anh\u00e4nger aus Bayern. Am 17. Juli fand in N\u00fcrnberg das \"2. N\u00fcrnberger Friedensfest\" unter dem Motto \"Es gibt nichts Wichtigeres als den Frieden -- keine Atomraketen in Europa\" statt, das rund 5.000 Personen besuchten. Eingeladen hatte ein aus 54 Perso88","nen bestehender Tr\u00e4gerkreis, darunter f\u00fchrende Personen der DKP und DKPbeeinflu\u00dfter Organisationen. DKP, SDAJ, MSB Spartakus, DFL), VVN-BdA, DFGVK hatten Informationsst\u00e4nde aufgebaut. Um dem \"Krefelder Appell\" neuen Auftrieb zu geben, f\u00fchrte die DFU-beeinflu\u00dfte \"Krefelder Initiative\" am 11. September in Bochum unter dem Motto \"K\u00fcnstler f\u00fcr den Frieden\" eine Gro\u00dfveranstaltung durch, an der sich mehr als 100.000 Personen beteiligten. F\u00fcr die k\u00fcnstlerische Koordination der Veranstaltung war eine Hamburger DFU-Funktion\u00e4rin verantwortlich. Die Organisation lag im wesentlichen in den H\u00e4nden ma\u00dfgebender DFU-Funktion\u00e4re. Das an der Veranstaltung beteiligte \"pl\u00e4ne/Konzertb\u00fcro\" betreute drei der insgesamt sieben B\u00fchnen. Der ,,pl\u00e4ne\"-Verlag geh\u00f6rt der DKP-beeinflu\u00dften \"Arbeitsgemeinschaft sozialistischer und demokratischer Verleger und Buchh\u00e4ndler\" an. Rund 600 \"\u00c4rzte, P\u00e4dagogen, Naturwissenschaftler und Psychologen\" folgten dem vor allem von der orthodox-kommunistischen Presse propagierten Aufruf, am 12. September in Dortmund auf vier \"berufsspezifischen\" Foren \u00fcber \"neue Initiativen\" zur Unterst\u00fctzung des \"Krefelder Appells\" zu beraten. Die Organisation dieser Foren lag zum Teil in den H\u00e4nden der DFU. Im Zusammenhang mit dem Aufruf von ASF und AGDF zu bundesweiten \"Friedenswochen\" im November fanden auch in mehreren St\u00e4dten Bayerns Aktionen wie Info-St\u00e4nde, Filmvortr\u00e4ge, Ausstellungen, Schweigem\u00e4rsche, Fackelz\u00fcge und Kundgebungen statt. Die Veranstaltungen organisierten vielfach \"Aktionsb\u00fcndnisse\", in denen h\u00e4ufig Anh\u00e4nger der DKP, ihrer Nebenund beeinflu\u00dften Organisationen ma\u00dfgeblich mitwirkten. Daneben f\u00fchrten DKP, SDAJ, VVN-BdA, DFG-VK und DFI eigene Veranstaltungen durch. Den Abschlu\u00df der \"Friedensaktivit\u00e4ten\" 1982 bildeten sogenannte \"gewaltfreie Aktionen\" in der Zeit vom 9. bis 12. Dezember anl\u00e4\u00dflich des 3. Jahrestages des NATO-Doppelbeschlusses. \"Gewaltfreie Aktionsgruppen\", Anh\u00e4nger der DFG-VK und Initiativen der Friedensbewegung bereiteten bundesweit ganzt\u00e4gige Blockaden von Atomwaffenlagern und voraussichtlichen Stationierungsorten neuer US-Raketen vor. In einem hierzu von der \"Gewalfreien Aktion N\u00fcrnberg\" verbreiteten Rundbrief \"12.12. -- Frieden schaffen ohne Waffen\" riefen die \"Teilnehmer/innen der Sommeraktion 82\" die \u00f6rtlichen .Friedensinitiativen\" zu \"direkten Blockaden\" und \"phantasievollen Aktionen\" wie Mahnwachen, Fasten, Rundg\u00e4ngen und Besichtigungen auf. Vom 10. bis 12. Dezember fanden im ganzen Bundesgebiet zahlreiche Mahnwachen, Blockadeaktionen und Demonstrationen vor Kasernen, Munitionsdepots, Radaranlagen und vorgesehenen Standorten neuer US-Raketen statt. Die bundesweite Koordination der Aktionen hatte die N\u00fcrnberger Gruppe \"Frieden schaffen ohne Waffen -- 12.12.\" \u00fcbernommen, in der Aktivisten der DFG-VK mitarbeiten. In Bayern wurden in 20 St\u00e4dten und Gemeinden \"gewaltfreie Aktionen\" durchgef\u00fchrt, an denen sich insgesamt knapp 4.000 Personen beteiligten. In W\u00fcrzburg wurde die Zufahrtsstra\u00dfe zu einer Kaserne kurzfristig blockiert, nachdem sich Demonstranten aneinandergekettet hatten. 89","3. Abschnitt Rechtsextremismus t 1. Allgemeines Die Bestrebungen rechtsextremer Organisationen sind im wesentlichen dadurch gekennzeichnet, da\u00df sie die Grundlagen der Demokratie ablehnen und -- aus taktischen Gr\u00fcnden meist nicht offen erkl\u00e4rt -- eine totalit\u00e4re Regierungsform unter Einschlu\u00df des F\u00fchrerprinzips anstreben. Bestimmende Merkmale des Rechtsextremismus sind vor allem -- die pauschale \u00dcberbewertung der Interessen einer rassistisch verstandenen \"Volksgemeinschaft\" zu Lasten der Interessen und Rechte des einzelnen (v\u00f6lkischer Kollektivismus), die auf eine Aush\u00f6hlung der Grundrechte abzielt, -- die unverhohlene oder verdeckte Wiederbelebung des Antisemitismus und anderer rassistischer Thesen, die mit dem Schutz der Menschenw\u00fcrde und dem Gleichheitsprinzip nicht vereinbar sind, -- ein den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung mi\u00dfachtender Nationalismus, -- immer wiederkehrende Versuche, das NS-Regime unter Herausstellung angeblich positiver Leistungen des Dritten Reiches zu rechtfertigen, seine Verbrechen zu verharmlosen oder sogar zu leugnen, -- die planm\u00e4\u00dfige Bek\u00e4mpfung und Diffamierung der bestehenden Staatsform und ihrer Repr\u00e4sentanten in der Absicht, den \u00fcberragenden Wert der freiheitlichen demokratischen Grundordnung in den Augen der Bev\u00f6lkerung zu ersch\u00fcttern. Diese Merkmale sind nicht gleichm\u00e4\u00dfig bei allen rechtsextremen Organisationen zu beobachten. Manchmal sind nur Teilaspekte bestimmend; auch die Intensit\u00e4t und die Mittel des Kampfes gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung sind unterschiedlich. Wie im Vorjahr verfolgten die rechtsextremen Organisationen und Gruppen keine einheitliche Strategie. Organisatorische Zersplitterung, der Mangel einer geschlossenen Ideologie sowie das Fehlen ausreichender finanzieller Mittel lie\u00dfen den Rechtsextremismus in Bayern keinen gr\u00f6\u00dferen Einflu\u00df gewinnen. Der Versuch, bei Wahlen auf die politische Willensbildung der Bev\u00f6lkerung nachhaltig einzuwirken, ist erneut mi\u00dflungen. 90","Im Jahre 1982 bet\u00e4tigten sich in Bayern 34 (1981: 31) rechtsextreme Organisationen und Gruppen, die knapp 4.000 Mitglieder und Anh\u00e4nger (1981: 4.000) z\u00e4hlten. Die gegen\u00fcber 1981 gestiegene Zahl der Organisationen beruht auf den Aktivit\u00e4ten von bisher nicht beobachteten Gruppierungen. Im Bereich des Neonazismus wurcte eine bundesweite organisatorische Verfestigung der \"Volkssozialistischen Bewegung Deutschlands/Partei der Arbeit\" (VSBD/PdA) durch ein vereinsrechtliches Verbot unterbunden. Innerhalb des organisierten Rechtsextremismus zeigten die \"Deutsche Volksunion\" (DVU) und ihre Aktionsgemeinschaften eine leicht ansteigende Tendenz und stellten auch in Bayern mit rund 2.100 Mitgliedern den gr\u00f6\u00dften Anteil. Die \"Nationaldemokratische Partei Deutschlands\" (NPD), die in Bayern mit ihrer Jugendund Nebenorganisation noch etwa 1.300 Mitglieder z\u00e4hlt, hatte weitere Verluste hinzunehmen. \u00dcbersicht \u00fcber Zahl und Mitgliederst\u00e4rke rechtsextremer Organisationen in Bayern 1978 1979 1980 1981 1982 Zahl der Organisationen 38 35 29 31 34 Mitgliederst\u00e4rke NPD mit JN und NHB 2.150 2.050 1.700 1.400 1.300 DVU mit Aktionsgemeinschaften 1.000 1.000 1.800 2.000 2.100 Neonazis 250 350 200 200 180 Sonstige 1.300 1.200 600 400 400 insgesamt 4.700 4.600 4.300 4.000 3.980 Schwerpunkte rechtsextremer Agitation waren neben der Kriegsschuldfrage, der Judenverfolgung im Dritten Reich und der Amnestie von Kriegsverbrechen vor allem das Ausl\u00e4nderund Asylantenproblem, das inzwischen Rechtsextremisten aller Schattierungen aufgegriffen haben. Ma\u00dfgebliches Motiv ist ihre rassistische und nationalistische Einstellung, die sich mit vorgeblich gesicherten Erfahrungen und weltanschaulichen \"Erkenntnissen\" gegen alles Andersgeartete und Fremde richtet. Sie versuchen, unter Ausnutzung wirtschaftlicher Existenz\u00e4ngste mit Warnungen vor einer \"Ausl\u00e4nder\u00fcberflutung\" fremdenfeindliche Vorurteile propagandistisch zu f\u00f6rdern, um dadurch breite Unterst\u00fctzung f\u00fcr ihre weitergehenden politischen Ziele zu erreichen. Dabei bedienen sie sich auch der Hilfe eigens gegr\u00fcndeter \"B\u00fcrgerinitiativen\", deren Argumentation die rechtsextreme Urheberschaft und Zielsetzung oft nur schwer erkennen l\u00e4\u00dft. Die Zahl der neonazistischen und antisemitischen Vorf\u00e4lle ist gegen\u00fcber dem Vorjahr wiederum gestiegen. Hingegen ist der Anteil des aus dem Ausland stammenden und in Bayern verbreiteten rechtsextremen Propagandamaterials zur\u00fcckgegangen. Verringert haben sich auch die Kontakte bayerischer Neonazis zu Gleichgesinnten im Ausland. 91","Das Verbot der VSBD/PdA f\u00fchrte in Bayern zu einem erheblichen Ruckgang organisationsbezogener neonazistischer Aktivit\u00e4ten. Auch sonstige Exekutivma\u00dfnahmen, Ermittlungsverfahren sowie das konsequente Vorgehen der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden trugen zur Verunsicherung des rechtsextremen Aktivistenkreises bei. Gleichwohl stellen militante Neonazis, die Gewalt nicht nur bef\u00fcrworten, sondern zunehmend auch anwenden, weiterhin eine Bedrohung der inneren Sicherheit dar. Von erheblicher Bedeutung f\u00fcr die Verbreitung rechtsextremen Gedankengutes war wiederum die T\u00e4tigkeit der in Bayern ans\u00e4ssigen organis\u00e4tionsunabh\u00e4ngigen Verlage und Vertriebsdienste, die Druckschriften und B\u00fccher rechtsextremen Inhalts in hoher Auflage herstellen und verbreiten. Das Angebot erfa\u00dft aufgrund seiner Quantit\u00e4t nicht nur organisierte Rechtsextremisten, sondern zielt auch auf sonstige Personen, die f\u00fcr rechtsextreme Vorstellungen ansprechbar sind. In Bayern traten 1982 im wesentlichen folgende Organisationen und Gruppen in Erscheinung: 1.1 Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) mit ihrer Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN), der Nebenorganisation Nationaldemokratischer Hochschulbund (NHB) und der von der NPD gesteuerten B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp (BIA). 1.2 Deutsche Volksunion (DVU) mit den Aktionsgemeinschaften Volksbewegung f\u00fcr Generalamnestie (VOGA) Aktion Deutsche Einheit (AKON) Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nderbegrenzung (l.f.A.) Aktion deutsches Radio und Fernsehen (ARF) 1.3 Neonazistische Gruppen Verbotene Volkssozialistische Bewegung Deutschlands/Partei der Arbeit (VSBD/PdA) einschlie\u00dflich der ihr eingegliederten Jungen Front (JF) Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige (HNG) Verbotene Wehrsportgruppe Hoffmann (WSG) Gr\u00fcne Aktion Deutschland (GAD) 1.4 Sonstige rechtsextreme Organisationen Deutscher Block (DB) Wiking-Jugend (WJ) Bund Heimattreuer Jugend (BHJ) Deutsches Kulturwerk Europ\u00e4ischen Geistes (DKEG) Gesellschaft f\u00fcr freie Publizistik (GfP) Freundeskreis Ulrich von H\u00fctten 92","2 Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) 2.1 Ideologisch-politischer Standort Obwohl die NPD in ihrem Programm betont, sie trete f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grur^lordnung ein, steht sie wesentlichen Verfassungsgrunds\u00e4tzen ablehnend gegen\u00fcber. Ihr erkl\u00e4rtes Ziel ist \"Deutschlands Wiedergeburt\" durch Errichtung einer \"Nationaldemokratie\", in der jeder einzelne seine Kr\u00e4fte in der \"verpflichtenden Verantwortung f\u00fcr die Gemeinschaft seines Volkes\" entfalten soll und das Wohl des eigenen Volkes f\u00fcr jedermann oberstes Gebot ist. Die NPD, die sich als \"Hefe der noch vorhandenen nationalen Substanz unseres Volkes\" versteht, propagiert deshalb auf der Grundlage eines \"lebensrichtigen Menschenbildes\" eine \"neue sittliche und deutsche Gemeinschaftsordnung\", mit der sie die \"\u00fcberlebten\" Wirtschaftsund Gesellschaftssysteme \"im kapitalistischen Westund im staatskapitalistischen Ostdeutschland\" \u00fcberwinden und durch eine \"echte Volksgemeinschaft der nationalen Solidarit\u00e4t\" ersetzen will. Diese pauschale \u00dcberbewertung der \"Volksgemeinschaft\" (v\u00f6lkischer Kollektivismus) kn\u00fcpft an ein Leitbild an, das wesentlicher Bestandteil der nationalsozialistischen Ideologie war. Die Absicht, Interessengegens\u00e4tze innerhalb der Gesellschaft durch die uneingeschr\u00e4nkte Unterordnung des einzelnen unter nicht n\u00e4her definierte Gemeinschaftsinteressen aufzuheben, ist mit den im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechten nicht vereinbar und l\u00e4uft -- langfristig gesehen und aus taktischen Erw\u00e4gungen nicht offen ausgesprochen -- auf eine totalit\u00e4re Staatsform mit F\u00fchrerund Gefolgschaftsprinzip hinaus. Ferner klingen in den Ver\u00f6ffentlichungen der Partei nach wie vor rassistische Zielsetzungen und Denkweisen an. Ihre f\u00fcr Rechtsextremisten charakteristische Verachtung alles Andersartigen, hinter der sich die \u00dcberzeugung von der H\u00f6herwertigkeit der eigenen Rasse und Nation verbirgt, versucht die NPD unter Berufung auf die \"Ungleichheit der V\u00f6lker und Menschen\" zu rechtfertigen. Entsprechend dieser Grundeinstellung richtete sich ihre Agitation auch 1982 vor allem gegen die als \"Zwangs-Germanisierung\" empfundene Integration der im Bundesgebiet lebenden Ausl\u00e4nder. Nach Auffassung der Partei gef\u00e4hrdet die \"wahnwitzige Ausl\u00e4nderzuwanderung\" die Substanz des Volkes und die \"Identit\u00e4t der Deutschen im eigenen Land\". Im Kampf gegen die \"\u00dcberfremdung unseres Landes\" eigne sich als \"Radikalkur\" nur ein \"rigoroser Ausl\u00e4nderstopp\", da Zuzugsbeschr\u00e4nkungen nicht ausreichten, um die Folgen einer \"im Interesse volksfeindlicher Kr\u00e4fte\" betriebenen Politik der \"Zerst\u00f6rung unserer Volksidentit\u00e4t\" zu beseitigen. Daneben versuchte die NPD gelegentlich, das NS-Regime zu rechtfertigen, indem sie behauptete, Hitlers Politik habe von Anfang an der \"\u00dcberwindung von Versailles\" gegolten. Sie diffamierte die Widerstandsk\u00e4mpfer des 20. Juli 1944 als \"Verr\u00e4ter und Hochverr\u00e4ter\" und unterstellte ihnen \"Blindheit gegen\u00fcber den Zielen der Kriegsgegner\" und eine \"fatale Entschlossenheit, den Bestand des Reichs dem eigenen Ehrgeiz zu opfern\". Das \"N\u00fcrnberger Siegertribunal\" sei die Geburtsstunde der \"infamen L\u00fcge\" von der Alleinschuld Deutschlands am Zweiten Weltkrieg gewesen. Da heute noch 80j\u00e4hrige Deutsche wegen \"angeblicher Kriegsverbrechen vor die Richter geschleppt\" w\u00fcrden und der \"M\u00e4r93","tyrer des deutschen Volkes und des Deutschen Reiches\" Rudolf Hess von \"verbrecherischen M\u00e4chten\" gemordet werde, sei es nur recht und billig, auf die \"grausamen Terrorverbrechen der Befreier\" hinzuweisen. Im \u00fcbrigen werde ein \"nationalsozialistisches Schreckgespenst\" nur von jenen am Leben gehalten, ,idie mit finanziellen Forderungen das deutsche Volk erpre\u00dfbar halten und von der eigenen Schuld ablenken\" wollten. Seite 2: Arbeitslosigkeit wie 1948 Lesen und weitergeben DEUTSCHE STIMME 7. Jahrgang Nr. 10/1982 Einzelpreis - S O NATIONALDEMOKRATISCHE ZEITUNG Bonner Parteienkartell bricht! NPD: Historische Ver\u00e4nderungen in Sicht Nicht nur wir Nationaldemokraten haben bereits zu erkennen. Ganz gleich - wer in seil langem erkannt, da\u00df mit dem Ende der Bonn mit der \"Dame\" F. D. P. ins Bett gehen wird - wer also mit wem \"in die Pflicht unseligen Einheit der Wertm\u00e4chte USA und genommen wird\", die Entscheidung gegen UdSSR auch das Ende ihrer Satrappen in sie ist gefallen. Westund Mitteldeutschland kommt. F\u00fcr ganz Deutschland ist es auch ohne Der Proze\u00df dauert gewi\u00df seine Zeit - Interesse, ob Kohl/Strau\u00df oder Brandt/ aber mit dem Niedergang der seit fast 40 Schmidt mit Genscher & Co paktieren. Jahren etablierten Hilfskr\u00e4fte der BesatSie allesamt sind - und das haben sie zungsm\u00e4rkte kommt der Aufstieg der natiomehrfach \u00f6ffentlich bekundet - gegen jede naldemokratischen B\u00fcrgerbewegung in politische Ver\u00e4nderung in Deutschland. (Hier ist nicht nur die Bundesrepublik geganz Deutschland. meint.) Sie sind also gegen die DEUTSCHE Daran werden auch konservative Politiker Einheit - (die bestimmt kommt.) aller Richtungen nichts \u00e4ndern. Sie f\u00fchlen sich der westlichen BesatDie Vorg\u00e4nge in Bonn und die Landtagszungsmacht USA verpflichtet - genau so wahlen, der letzten Monate haben bewiewie Honnecker der UdSSR ergeben ist. sen, da\u00df sich nichts mehr \"demokratisch Sie handelten und handeln nicht in gesamtdeutschem Interesse - und sind desmanipulieren\" l\u00e4\u00dft. halb grunds\u00e4tzlich von \u00dcbel. .Die GeBChaftelhuberel, d i e Absprachen Ganz gleich, welche Bonner Kartellund Abmachungen der Bonner SteuerPartei der B\u00fcrger w\u00e4hlt - er w\u00e4hlt Immer geld-Partelen CDU/CSU und SPD im Korruption (Spendenaffaire) - KriminaliVerein mit der F.D.P., ja die elenden t\u00e4t - Schulden Wirtschaft - Inl\u00e4nderfeindGesch\u00e4fte dieser Parteien-Mafia haben llchkeit - soziale Ungerechtigkeit und den W\u00e4hler total verunsichert. Zerst\u00f6rung der Lebensgrundlagen unseres Volkes. Die Etablierten erleben heute, da\u00df der Ganz gleich, er w\u00e4hlt gegen sein und W\u00e4hler mit ihnen genau so umspringt - wie seines Volkes Interesse. sie es jahrzehntelang praktiziert haben. Dieses Bewu\u00dftsein Im Volk zu verst\u00e4rken, Ist die Aufgabe der deutschen NaUnd das ist gut so! tionaldemokraten in der NPO. Historische Ver\u00e4nderungen zeichnen sich Wir wissen darum - denn w i r wissen, langsam ab. Die Zeichen in Bonn sind da\u00df unsere Zeit kommt. u. n\"nm(tm) Die NPD setzte auch 1982 die Diffamierung demokratischer Institutionen und ihrer Repr\u00e4sentanten fort. Sie bezeichnete die politische Ordnung in der Bundesrepublik Deutschland als ,,Kartell-Demokratur\", \"Bonzokratie\" und \"Oligarchie der konzessionierten Parteibosse\". In \"fremden Diensten\" stehende \"Erf\u00fcllungspolitiker\", die den Willen der Siegerm\u00e4chte von 1945 vollstreckten, h\u00e4tten unsere Staatsform zur \"Gef\u00e4lligkeitsund Geschenkdemokratie\" entarten lassen. In diesem \"Funktion\u00e4rsund Korruptionsstaat\" zerst\u00f6re eine aus \"Auspl\u00fcnderern und Versagern\" bestehende \"Parteien-Mafia\" die Lebensgrundlagen unseres Volkes. Die \"erb\u00e4rmliche Impotenz der Parteiendemokratie\" zeige sich gerade in kritischer Lage. Diese Polemik l\u00e4\u00dft darauf schlie\u00dfen, da\u00df die NPD die Prinzipien der Volkssouver\u00e4nit\u00e4t, des Mehrparteiensystems und der Chancengleichheit der politischen Parteien innerlich ablehnt. 94","2.2 Organisation Die am 28. November 1964 in Hannover von Funktion\u00e4ren der \"Deutschen Reichspartei\" (DRP) gegr\u00fcndete NPD z\u00e4hlte 1982 im Bundesgebiet rund 5.900 Mitglieder (1981: 6.500). JN und NHB sind dabei nicht eingerechnet. Der Beitritt zur NPD ist mit der Verpflichtung verbunden, monatliche Beitr\u00e4ge zu entrichten, Satzung und Programm der NPD als verbindlich zu akzeptieren und sich zu den Zielen der Partei zu bekennen. Gegen\u00fcber dem Vorjahr haben sich auf Bundesebene keine organisatorischen \u00c4nderungen ergeben. Parteivorsitzender ist der im Oktober 1981 auf dem 15. Bundesparteitag in V\u00f6lklingen/Saar wiedergew\u00e4hlte Rechtsanwalt Martin Mu\u00dfgnug. Seine Stellvertreter sind der Vorsitzende des Landesverbandes Bayern Walter Bachmann, der Generalsekret\u00e4r der Partei Walter Seetzen und der Vorsitzende des Landesverbandes Baden-W\u00fcrttemberg J\u00fcrgen Sch\u00fctzinger. Der Landesverband Bayern mit Sitz in M\u00fcnchen gliedert sich in sieben Bezirksund rund 60 Kreisverb\u00e4nde, von denen aber etwa die H\u00e4lfte keine Aktivit\u00e4ten zeigt oder nur noch nominell besteht. Dem bundesweiten Abw\u00e4rtstrend folgte auch die Mitgliederentwicklung in Bayern, wo die Partei gegen\u00fcber 1981 etwa 100 Anh\u00e4nger verlor und derzeit noch rund 1.200 Mitglieder (ohne JN und NHB) z\u00e4hlt. Entwicklung der Mitgliederzahlen der NPD in Bayern 1965 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 6000 500 5000 500 4000 500 3000 500 2000 500 1000 500 Als Organ der NPD erscheint im parteieigenen Verlag in Stuttgart die Zeitung \"Deutsche Stimme\" mit einer durchschnittlichen monatlichen Auflage von rund 75.000 Exemplaren (1981: 75.000). Ihre Bezugsgeb\u00fchr ist im Mitgliedsbeitrag 95","eingeschlossen. Zur Erg\u00e4nzung des Verbandsorgans und als Argumentationshilfe f\u00fcr die nachgeordneten Verb\u00e4nde gibt der Parteivorstand die Flugschriften \"NPD-Info-Blitz\" und \"NPD-aktuell\" heraus. Haupttr\u00e4ger der \u00d6ffentlichkeitsarbeit in Bayern sind die vom Landesverband aus aktuellem Anla\u00df jeweils in Flugblattform herausgegebene Schrift \"Die deutschen Nationaldemokraten informieren\" sowie das ebenfalls unregelm\u00e4\u00dfig erscheinende Mitteilungsblatt \"Bayern-Stimme\". Der \"NPD-Frankenspiegel\" des Bezirksverbandes Mittelfranken hat nur regionale Bedeutung. In ihrem Ende 1982 ver\u00f6ffentlichten Rechenschaftsbericht gem\u00e4\u00df SS23 Parteiengesetz wies die NPD f\u00fcr 1981 Gesamteinnahmen von rund 1,3 Mio DM (1980: 1,5 Mio DM) aus, von denen 42,3 % auf Mitgliedsbeitr\u00e4ge und 50\",9 % auf Spenden entfielen. F\u00fcr den Landesverband Bayern sind f\u00fcr 1981 Gesamteinnahmen von 245.563 DM (1980: 326.995 DM) ausgewiesen, davon 22,5 % Mitgliedsbeitr\u00e4ge und 67,2 % Spenden. Die Situation der NPD ist durch anhaltende personelle, finanzielle-und organisatorische Schw\u00e4chen gekennzeichnet. Eine Ende 1981 begonnene Aktion \"Nationaldemokraten werben Nationaldemokraten\" konnte den Mitgliederschwund nicht ausgleichen. Aus fr\u00fcheren Wahlkampfkostenvorauszahlungen bestehen noch erhebliche R\u00fcckzahlungsverpflichtungen an die Verwaltung des Deutschen Bundestages. Das weitgehende Desinteresse der Parteibasis beeintr\u00e4chtigte die \u00d6ffentlichkeitsarbeit und f\u00fchrte zu einem Verzicht auf Gro\u00dfkundgebungen und andere spektakul\u00e4re Aktionen. 2.3 Aktivit\u00e4ten Unter dem Leitspruch \"150 Jahre nationaldemokratischer Kampf f\u00fcr Deutschlands Einheit und Freiheit\" hielt die NPD am 26727. Juni in Germersheim/Rheinland-Pfalz ihren 16. Ordentlichen Bundesparteitag ab. Die Veranstaltung stand in einem bewu\u00dft gew\u00e4hlten engen r\u00e4umlichen und zeitlichen Zusammenhang mit den Feiern zum 150. Jahrestag des Hambacher Festes von 1832. Der Parteivorsitzende Martin Mu\u00dfgnug stellte in seiner Rede ein \"Manifest 84\" als Wahlprogramm der NPD f\u00fcr die n\u00e4chste Bundestagswahl vor, das eine Hinwendung zum Neutralismus erkennen l\u00e4\u00dft. Die NPD fordert darin den Zusammenschlu\u00df der beiden deutschen Staaten zu einer \"Konf\u00f6deration Deutschland\" als Vorstufe zur Wiedervereinigung. Letzteres Ziel soll durch den schrittweisen Abzug aller \"Besatzungstruppen\" und eine langfristige Ann\u00e4herung der Gesellschaftssysteme beider Staaten erreicht werden, an deren Ende der Austritt der Bundesrepublik Deutschland und der DDR aus der NATO bzw. dem Warschauer Pakt steht. Der Landesverband Bayern veranstaltete am 15. Mai in Rothenburg ob der Tauber, Kreis Ansbach, seinen 15. Landesparteitag unter dem Motto \"Gegen \u00dcberfremdung unserer Heimat -- Damit Bayern deutsch bleibt -- NPD\". Der Landesvorsitzende Walter Bachmann, der bei den Vorstandswahlen in seiner Funktion best\u00e4tigt wurde, wandte sich in seinem Rechenschaftsbericht vor allem gegen die CSU. Er warf ihr vor, sie sei mitverantwortlich f\u00fcr das Zustandekommen der R\u00f6mischen Vertr\u00e4ge von 1957, deren Vollzug \"die Schleusen f\u00fcr Millionen 96","Gastarbeiter weit ge\u00f6ffnet und damit deutsche Belange geopfert\" habe. Daneben forderte er die Abl\u00f6sung des bayerischen Innenministers, dessen \"unversch\u00e4mte L\u00fcgen\" die NPD diffamierten, und kritisierte die Disziplinarma\u00dfnahmen gegen NPD-Mitglieder im \u00f6ffentlichen Dienst als \"Verfolgung\" verfassungstreuer B\u00fcrger. Des weiteren veranstaltete die bayerische NPD in M\u00fcnchen und Landshut Versammlungen aus Anla\u00df des Tages der Reichsgr\u00fcndung (18. Januar 1871), einen \"Politischen Aschermittwoch\" am 24. Februar in Vilshofen, Kreis Passau, drei Kundgebungen zum 1. Mai sowie eine Sonnwendfeier am 19. Juni in Oberfranken. An den Veranstaltungen beteiligten sich durchschnittlich 100 bis 120 Personen. Obwohl die Planungen der NPD langfristig auf den Bundestagswahlkampf 1984 abgestellt waren, begann die Partei nach dem Regierungswechsel in Bonn mit den Vorbereitungen f\u00fcr die vorgezogene Bundestagswahl am 6. M\u00e4rz 1983. Der Landesverband Bayern stellte auf einem Sonderparteitag am 28. November in M\u00fcnchen seine rund 50 Bewerber umfassende Landesliste auf. 2.4 Wahlbeteiligung Negative Erfahrungen bei fr\u00fcheren Wahlen und Warnungen aus den eigenen Reihen veranla\u00dften die NPD, ihre Kr\u00e4fte im Jahr 1982 schwerpunktm\u00e4\u00dfig auf die bayerische Landtagswahl am 10. Oktober zu konzentrieren, die mit Unterst\u00fctzung der Gesamtpartei als \"Testwahl\" durchgef\u00fchrt wurde. In ihrer auf dem Landesparteitag 1982 in Rothenburg ob der Tauber verabschiedeten Wahlaussage \"Forderungen der bayerischen Nationaldemokraten f\u00fcr die Bew\u00e4ltigung unserer Zukunft\" lehnte sie ein Wahlrecht f\u00fcr Ausl\u00e4nder und die einer \"Zwangsgermanisierung\" gleichzusetzende Integration dieses Personenkreises ab und forderte die Unterrichtung ausl\u00e4ndischer Sch\u00fcler in ihrer Muttersprache. Die NPD hoffte, mit ihrer Wahlkampfparole \"Damit Bayern deutsch bleibt -- Ausl\u00e4nderstopp\" ein allgemein diskutiertes Problem politisch nutzen zu k\u00f6nnen. Die anhaltende Finanzmisere der Partei lie\u00df indes keine nennenswerte \u00d6ffentlichkeitsarbeit zu. Die Wahlkampfkosten mu\u00dften fast ausschlie\u00dflich von den Kreisund Bezirksverb\u00e4nden getragen werden, denen die Parteispitze lediglich Plakate, Flugbl\u00e4tter und eine auf die Wahl abgestellte Sonderausgabe des Parteiorgans \"Deutsche Stimme\" \u00fcberlassen konnte. Auf Kundgebungen unter freiem Himmel hatte die Partei wegen der zu erwartenden St\u00f6rungen von vorneherein verzichtet. Da sich zu Wahlversammlungen in Lokalen \u00fcberwiegend nur eigene Mitglieder und deren Angeh\u00f6rige einfanden, warb die NPD verst\u00e4rkt an Informationsst\u00e4nden um Stimmen. Dabei kam es mehrfach zu Angriffen politischer Gegner, vereinzelt auch zu T\u00e4tlichkeiten. Mit 69.656 Gesamtstimmen (Erstund Zweitstimmen) erzielte die NPD einen Stimmenanteil von 0,6 Prozent (1978: 66.926 Gesamtstimmen = 0,6 %). In den Ballungszentren von Ausl\u00e4ndern, so in Augsburg, M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg, waren geringf\u00fcgige Stimmengewinne zu verzeichnen. Dagegen mu\u00dfte die Partei vor allem in l\u00e4ndlichen Gebieten Verluste hinnehmen. Die h\u00f6chsten Stimmenan97","teile erreichte die NPD in den Stimmkreisen Kaufbeuren (1,8%), Kitzingen (1,1 %) und Augsburg-Stadt-West (1,0 %). Wahlergebnisse der NPD bei Landtagswahlen in Bayern Gesamtstimmen 325646 -- 300000 -- -- 240000 -- -- 180000 -- 121745 -- 120000 -- 66926 69656 -- 60000 -- 1970 1974 1978 1982 Parteifunktion\u00e4re bezeichneten den Ausgang der Wahl trotz einiger Stimmengewinne gegen\u00fcber 1978 als ingesamt unbefriedigend. Urs\u00e4chlich f\u00fcr das den Erwartungen nicht entsprechende Ergebnis seien eigene organisatorische M\u00e4ngel und die zunehmende Besch\u00e4ftigung der Bundestagsparteien mit der Ausl\u00e4nderfrage gewesen. 2.5 Junge Nationaldemokraten (JN) Die Jungen Nationaldemokraten (JN) als Jugendorganisation der NPD bekennen sich nach ihrem Statut in Ideologie und Zielsetzung zum Programm der Mutterpartei. In Teilbereichen lassen sie neonazistische Ans\u00e4tze erkennen. Sie sind zur aktiven Mitarbeit in den Gremien der NPD verpflichtet, kritisieren aber deren Kurs als zu wenig k\u00e4mpferisch. Ihre Selbsteinsch\u00e4tzung, die \"Elite\" der Partei zu sein, bedingt ein Verhalten, das durch aggressiveres Auftreten und eine erheblich sch\u00e4rfere Argumentation gekennzeichnet ist. Dieses \u00e4u\u00dfere Erscheinungsbild wird von der Mutterpartei nur bedingt toleriert. Aus vorwiegend taktischen Gr\u00fcnden versucht die NPD, die Jugendorganisation zu disziplinieren und ihren Konfrontationskurs zu entsch\u00e4rfen. Sie bewirkte damit allerdings nur Richtungsk\u00e4mpfe innerhalb des JN-Bundesvorstands und zunehmendes Desinteresse an der Basis. 98","Bundesvorsitzender der JN ist Rainer Vogel aus H\u00fcrth/Erftkreis, der auf dem Bundeskongre\u00df am 30. Oktober in Osnabr\u00fcck mit knapper Mehrheit wiedergew\u00e4hlt wurde. Den Landesverband Bayern leitet Ralf Ollert aus N\u00fcrnberg, der beim Landeskongre\u00df am 27. M\u00e4rz in R\u00f6thenbach b. Altdorf, Kreis N\u00fcrnberger Land, den bisherigen Vorsitzenden Helmut Pastel abl\u00f6ste. Nach der Trennung von inaktiven Mitgliedern im Rahmen einer 1980 eingeleiteten Ausweisumtauschaktion mu\u00dften die JN auch 1982 weitere Substanzverluste hinnehmen. Sie z\u00e4hlen derzeit im Bundesgebiet noch rund 500 Mitglieder (1981: 750). Der Landesverband Bayern hatte dagegen mit rund 85 Mitgliedern (1981: 70) einen Zuwachs zu verzeichnen. Aktivit\u00e4ten entwickelten wiederum nur die Bezirksverb\u00e4nde M\u00fcnchen-Oberbayern und Mittelfranken. Entwicklung der Mitgliederzahlen der JN in Bayern 1965 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 50 300 50 200 50 100 50 Im publizistischen Bereich gab es auf Bundesebene keine wesentlichen \u00c4nderungen gegen\u00fcber dem Vorjahr. Der JN-Bundesvorstand gibt das Schulungsblatt ,,JN-Report\" und das Mitteilungsblatt ,.Junge Stimme\" sowie einen \"JNPressedienst\" heraus, der die nachgeordneten Verb\u00e4nde bei der publizistischen \u00d6ffentlichkeitsarbeit unterst\u00fctzt. Das unregelm\u00e4\u00dfig herausgegebene Nachrichtenblatt des Landesverbandes Bayern ,,JN-Bayern-lnfo\" enth\u00e4lt Mitteilungen des Landesvorstandes, Presseerkl\u00e4rungen sowie Berichte und Termine der bayerischen Verb\u00e4nde. Den Mitteilungsbl\u00e4ttern \"Oberland\" des Bezirksverbandes M\u00fcnchen-Oberbayern und ,,JNInfo\" des Bezirksverbandes Mittelfranken, die ebenfalls unregelm\u00e4\u00dfig erscheinen, kommt nur regionale Bedeutung zu. Das Publikationsorgan des Landesverbandes Bayern \"Frontal\" wurde nicht mehr festgestellt. Personelle und organisatorische Schw\u00e4chen sowie zunehmende St\u00f6raktionen politischer Gegner f\u00fchrten zu einem weiteren R\u00fcckgang \u00f6ffentlicher Veranstaltungen. Bei einer Kundgebung in N\u00fcrnberg anl\u00e4\u00dflich des Landeskongresses am 27. M\u00e4rz standen den rund 60 Teilnehmern \u00fcber 1.000 Demonstranten gegen\u00fcber, die mit Pfiffen und Sprechch\u00f6ren gegen das Auftreten der JN protestierten 99","und Eier, Farbbeutel und Knallk\u00f6rper warfen. Bei Versuchen der St\u00f6rer, die polizeilichen Absperrungen zu durchbrechen, wurden sechs Beamte leicht verletzt. Die Polizei nahm 17 Personen vorl\u00e4ufig fest. Junge Nationaldemokraten Kostenloses mf omaterial bei: JN Bundesgesch\u00e4ftsstelle Siegburger Str. 83 85, 5000 K\u00f6ln 21 verantw iWctuci S w i e r c m Druck Etgendrut* Zu t\u00e4tlichen Angriffen, die ein polizeiliches Einschreiten erforderlich machten, kam es ferner bei einer Flugblattaktion am 26. Juli in M\u00fcnchen sowie bei der Mithilfe an Informationsst\u00e4nden der NPD w\u00e4hrend des Landtagswahlkampfes. JNMitglieder aus Bayern beteiligten sich an einer zentralen Kundgebung am 17. Juni in Bad Hersfeld/Hessen, die ohne Zwischenf\u00e4lle verlief. 2.6 Nationaldemokratischer Hochschulbund (NHB) De'r Nationaldemokratische Hochschulbund (NHB) mit Sitz in M\u00fcnchen, der in \"kritischer Solidarit\u00e4t\" zur NPD steht, wurde 1967 als Studentenorganisation der NPD in T\u00fcbingen gegr\u00fcndet. Er vertritt nach seiner Satzung die nationaldemokratische Grundhaltung an den deutschen Universit\u00e4ten und Hochschulen. Mit dem Beitritt zum NHB ist die Verpflichtung verbunden, dessen Zielsetzung anzuerkennen und zu unterst\u00fctzen. Der NHB z\u00e4hlt im Bundesgebiet etwa 40 Mitglieder (1981: 50). Er ist in Hochschulgruppen gegliedert. Bei der Bundesversammlung am 13. November in M\u00fcnchen wurde der fr\u00fchere JN-Funktion\u00e4r Peter Marx aus Saarbr\u00fccken an Stel100","le des nicht mehr kandidierenden Thor von Waldstein zum neuen Bundesvorsitzenden gew\u00e4hlt. Publikationsorgan des NHB ist das Schulungsund Mitteilungsblatt \"NHBReport\", von dem 1982 nur eine Ausgabe mit einer Auflage von etwa 1.000 Exemplaren erschien. Versuche des NHB und seiner Arbeitskreise \"amnestie national\", \"Kultur alternativ\" und \"Rock f\u00fcr Deutschland\", mit publizistischen Mitteln auf sich aufmerksam zu machen, blieben erfolglos. Der im Vorjahr bekanntgewordene \"Arbeitskreis nationaldemokratischer Akademiker\" (ANA) trat wie der \"Arbeitskreis Junges Deutschland\" (AKJD) 1982 nicht mehr in Erscheinung. Hinsichtlich der Aktivit\u00e4ten des NHB im Hochschulbereich in Bayern wird auf Abschnitt 5 verwiesen. 2.7 B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp (BIA) Die von der NPD gesteuerte B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp (BIA) wurde Anfang 1980 von NPD-Funktion\u00e4ren in Bochum gegr\u00fcndet. Mit ihren gegen die Integration der Ausl\u00e4nder gerichteten Forderungen verfolgt sie das Ziel, Interessenten B\u00dcRGERINITIATIVE AUSL\u00c4NDERSTOPP G\u00fcnnigfelder-Str. 101a 4630 Bochum 6 Vitronf\"ortlich: Klaus SchuILz Druck: Eigendrucfc 101","f\u00fcr die NPD zu gewinnen. Dabei versucht sie, als \u00fcberparteiliche Sammlungsbewegung \"besorgter Deutscher\" aufzutreten, die den Protest des \"kleinen Mannes\" gegen \"die herrschende Integrationsund Einwanderungspolitik\" artikuliere, damit \"Deutschland das Land der Deutschen bleibt\". Die BIA wird von der NPD personell, publizistisch und organisatorisch unterst\u00fctzt. Leiter der BIA ist der NPD-Funktion\u00e4r Professor Hagen Prehl, gegen den ein Disziplinarverfahren wegen rechtsextremer Aktivit\u00e4ten mit dem Ziel der Entfernung aus dem \u00f6ffentlichen Dienst anh\u00e4ngig ist. \"Kontaktadresse\" des \"Regionalverbands S\u00fcd\" ist die Anschrift des NPD-Landesverbandes Bayern. In Bayern trat die BIA durch Verteilung von Flugbl\u00e4ttern und Verbreitung ihrer Druckschriften \"Deutsche Zukunft\" und \"Info-Magazin Ausl\u00e4nderstopp\" in Erscheinung. Daneben errichtete sie einige Informationsst\u00e4nde. In einem zur Landtagswahl herausgegebenen Flugblatt rief sie zur Wahl der NPD auf, da \"die Forderungen der Bl Ausl\u00e4nderstopp nur durch die Nationaldemokraten vorangetrieben werden\" k\u00f6nnten. 3. Deutsche Volksunion (DVU) 3.1 Ideologisch-politischer Standort Die DVU entspricht ideologisch in wesentlichen Punkten der NPD. Sie ist jedoch keine politische Partei. Ihre Aussagen sind in vielen F\u00e4llen themengleich mit der NPD, jedoch wesentlich aggressiver und mehr tagespolitisch bezogen. Den Schwerpunkt ihrer Agitation bildete eine auf v\u00f6lkisch-biologische Thesen gest\u00fctzte Kampagne gegen die Integration von Ausl\u00e4ndern. Kennzeichnend f\u00fcr die Fremdenfeindlichkeit der DVU waren Schlagzeilen wie \"Wird Deutschland zur zweiten T\u00fcrkei?\" und \"Wie Millionen Ausl\u00e4nder Deutschland \u00fcberfremden\". Die DVU warnte vor einer \"Entwicklung der Bundesrepublik zum Vielv\u00f6lkerstaat und Zust\u00e4nden wie in Chikago\". Infolge der von \"Einwanderungsund Integrationsextremisten\" bestimmten Ausl\u00e4nderpolitik der Bundesregierung k\u00f6nnen nach Ansicht der DVU \"Asylbetr\u00fcger und ausl\u00e4ndische Rauschgiftbanden ihr Unwesen treiben\", w\u00e4hrend \"immer mehr Deutsche in den Ausl\u00e4nderslums und in ausl\u00e4nder\u00fcberfluteten Schulen benachteiligt und diskriminiert\" w\u00fcrden. Mit dem Hinweis auf das \"wissenschaftlich l\u00e4ngst widerlegte Zweckdogma von der Alleinschuld Deutschlands am Zweiten Weltkrieg\" betrieb die DVU die Rechtfertigung der NS-Zeit. Sie vertrat die Auffassung, \"die im Versailler Diktat manifestierte Siegerpolitik\" habe Deutschland ins Abseits gestellt und ruiniert, aber auch \"Kr\u00e4fte der Verzweiflung freigesetzt, auf denen der Nationalsozialismus aufbauen konnte\". Bei Versuchen, die Verbrechen des Nationalsozialismus zu verharmlosen, berief sich die DVU auch auf die Geschichtsforschung, deren Ergebnisse angeblich zeigten, wie sehr die \"Siegerpropaganda\" in den vergangenen Jahrzehnten die \"sogenannte Zeitgeschichte im Dienste der Umerziehung\" bestimmt habe. Die DVU wandte sich gegen \"Wiesenthals Schauerm\u00e4rchen\" und die \"sowjetische Propagandazahl von vier Millionen j\u00fcdischen Auschwitz-Toten\", wobei sie betonte, da\u00df kein schriftliches Dokument von Hitler \u00fcber die Judenvernichtung existiere und wichtige Fakten wie \"das Fehlen eines F\u00fchrerbefehls\" anerkannt werden m\u00fc\u00dften. 102","Breiten Raum nahm auch die Diffamierung demokratischer Institutionen und ihrer Repr\u00e4sentanten ein. So bezeichnete die DVU Vertreter der Bundesregierung als \"Erf\u00fcllungsgehilfen sowjetischer Westpolitik\" und erkl\u00e4rte, die \"Bonner Illusionisten und Unterwerfungspolitiker\" regierten \"unter Preisgabe deutscher Interessen\" gegen das eigene Volk, das ein \"Spielball fremder M\u00e4chte\" zu werden drohe. Daneben wandte sich die DVU in polemischer Weise gegen das Judentum, wobei sie einen \u00fcberm\u00e4\u00dfigen politischen Einflu\u00df und eine Privilegierung der Juden zum Nachteil Deutschlands behauptete. Im Zusammenhang mit dem Libanonkonflikt kritisierte sie den \"zionistischen Eroberungswahn\" Israels, das \"ungestraft morden\" d\u00fcrfe, und forderte den \"Entzug jeder Hilfe f\u00fcr Israel\". 3.2 Organisation Die DVU wurde im Jahre 1971 in M\u00fcnchen als Auffangbecken f\u00fcr ehemalige NPD-Anh\u00e4nger gegr\u00fcndet. Nach ihrer Satzung haben die Mitglieder au\u00dfer der Zahlung monatlicher Beitr\u00e4ge keine weiteren Verpflichtungen. Bundesvorsitzender ist der im September 1981 auf der Bundesversammlung in Bonn wiedergew\u00e4hlte Verleger Dr. Gerhard Frey aus M\u00fcnchen. Seine Stellvertreter sind Dr. Bernhard Steidle und Dr. Fritz von Randow. Die DVU z\u00e4hlt derzeit im Bundesgebiet zusammen mit ihren Aktionsgemeinschaften wie im Vorjahr mehr als 10.000 Mitglieder, davon etwa 2.100 (1981: 2.000) in Bayern. Das Stagnieren der Mitgliederzahlen zeigt, da\u00df die anfangs erfolgreiche Methode, durch Gr\u00fcndung von Aktionsgemeinschaften die Basis zu verbreitern, an Zugkraft eingeb\u00fc\u00dft hat. Die DVU unterh\u00e4lt in allen Bundesl\u00e4ndern formell Bezirksverb\u00e4nde, deren Vorsitzende nicht gew\u00e4hlt, sondern von Dr. Frey bestimmt werden. Die in Bayern bestehenden Untergliederungen entwickelten nach wie vor kaum eigene Initiativen. Das offizielle Presseorgan der DVU ist der \"Deutsche Anzeiger\" (DA) mit einer w\u00f6chentlichen Auflage von \u00fcber 25.000 Exemplaren. Erh\u00f6hte Auflagen zu besonderen Anl\u00e4ssen sind dabei nicht eingerechnet. Dr. Frey ist auch HerausgeWie Kohl gest\u00fcrzt werden soll Brandts heimt\u00fcckischer Plan / s 3 103","ber der mit dem DA etwa zur H\u00e4lfte inhaltsgleichen \"Deutschen National-Zeitung\" (DNZ), die im Regelfall w\u00f6chentlich in einer Auflage von \u00fcber 85.000 Exemplaren erscheint. Das von Dr. Frey zur Erweiterung seines Einflusses gegr\u00fcndete Funktion\u00e4rsgremium \"Freiheitlicher Rat\" (FR), dem die DVU als bedeutendste Organisation angeh\u00f6rt, trat 1982 nicht mehr in Erscheinung. 3.3 Aktivit\u00e4ten Neben der publizistischen Propagandat\u00e4tigkeit lag der Schwerpunkt der Aktivit\u00e4ten der DVU in der Durchf\u00fchrung bundesweiter Vortragsserien im M\u00e4rz, Juni, September und November. Die Referenten sprachen \u00fcber die Themen \"N\u00fcrnberger Prozesse -- Gerechtigkeit oder Siegerjustiz\", \"Die Wahrheit \u00fcber den Morgenthau-Plan -- Wie die Deutschen vernichtet werden sollten\", \"Die Schuld am Holocaust des Luftterrors\" und \"Der unges\u00fchnte Holocaust -- Die Vertreibung der Deutschen\". In Bayern fanden insgesamt acht Veranstaltungen mit dem britischen Schriftsteller David Irving als Redner statt, 'zu denen durchschnittlich 140 Zuh\u00f6rer erschienen. Dabei kam es in M\u00fcnchen und Regensburg zu St\u00f6rungen durch Anh\u00e4nger des \"Arbeiterbundes f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD\" (AB) und des vom AB beeinflu\u00dften \"Anti-Strau\u00df-Komitees\" (ASKo). Bei der Bundesversammlung der DVU am 9. Mai in Stuttgart-Bad Cannstadt erhielt David Irving den mit 10.000 DM dotierten \"Europ\u00e4ischen Freiheitspreis der Deutschen National-Zeitung\". Als Reaktion auf die Wiederholung der Fernsehserie \"Holocaust\" verwies das DVU-Organ in der Ausgabe vom 12. November 1982 auf die \"verheimlichten Leiden unseres Volkes\", die bis heute ohne den Versuch einer Wiedergutmachung geblieben seien. Mit einer gleichzeitig begonnenen \"Meinungsumfrage\", die sich gegen die \"systematische Desinformationspolitik von Fernsehen und Rundfunk\" richtete und f\u00fcr die \"Einstellung der l\u00e4ngst widerrechtlichen Kriegsverbrecherprozesse gegen die Besiegten des 2. Weltkriegs\" eintrat, warb die DVU intensiv f\u00fcr den Beitritt zu ihren Aktionsgemeinschaften ARF und VOGA. 3.4 Aktionsgemeinschaften der DVU Die von der DVU gegr\u00fcndeten Aktionsgemeinschaften sind als integrierte Bestandteile der DVU anzusehen. Der Beitritt zu einer Aktionsgemeinschaft begr\u00fcndet gleichzeitig die Mitgliedschaft in der DVU. Die Ver\u00f6ffentlichungen der Aktionsgemeinschaften erscheinen im DVU-Organ \"Deutscher Anzeiger\". Die Ende 1979 von Dr. Frey in M\u00fcnchen gegr\u00fcndete \"Volksbewegung f\u00fcr Generalamnestie\" (VOGA) will den Gedanken einer Generalamnestie f\u00fcr bisher unges\u00fchnte NS-Verbrechen verbreiten. Sie wendet sich gegen die \"pharis\u00e4erhaft einseitige Vergangenheitsbew\u00e4ltigung\", die in \"Schauprozessen gegen die Besiegten des Zweiten Weltkriegs\" zum Ausdruck komme, w\u00e4hrend die Sieger ihre \"millionenfachen Morde am deutschen Volk\" l\u00e4ngst amnestiert h\u00e4tten. 1982 trat die VOGA im Rahmen der im DA und in der DNZ publizierten \"Holocausf'-Umfrage in Erscheinung. 104","F\u00fcr Deutschlands Rechte DEUTSCHE VOLKSUNION (DVU) die f\u00fchrende \u00fcberparteiliche Bewegung der verfassungstreuen Rechten und freiheitlichen Mitte (Vorsitzender Dr. Gerhard Frey) Aktion deutsche Einheit (AKON) setzt sich f\u00fcr die Wiedervereinigung Gesamtdeutschlands ein Volksbewegung f\u00fcr Generalamnestie (VOGA) arbeitet f\u00fcr ein Ende der Kriegsverbrecherprozesse gegen Besiegte des II. Weltkriegs Aktion deutsches Radio und Fernsehen (ARF) will die Interessen des deutschen Volkes bei diesen Medien durchsetzen Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nderbegrenzung (l.f.A.) verteidigt den deutschen Charakter Deutschlands Werbung in der DNZ Die \"Aktion Deutsche Einheit\" (AKON) wurde 1962 in Darmstadt unter der Bezeichnung \"Aktion Oder-Nei\u00dfe\" (AKON) als selbst\u00e4ndige Organisation gegr\u00fcndet. 1979 w\u00e4hlten die Mitglieder den DVU-Funktion\u00e4r Dr. Bernhard Steidle zum Vorsitzenden. Mit der anschlie\u00dfenden Ernennung des DVU-Vorsitzenden zum gesch\u00e4ftsf\u00fchrenden Vorsitzenden der AKON geriet die Organisation v\u00f6llig unter den Einflu\u00df von Dr. Frey. 1980 beschlossen die Mitglieder eine neue Satzung, in der die AKON ihre Selbst\u00e4ndigkeit aufgab und sich der DVU als eine Aktionsgemeinschaft anschlo\u00df. 1981 wurden Dr. Steidle und Dr. Frey in ihren Funktionen best\u00e4tigt. Die AKON agitiert vor allem in ostpolitischen Fragen. Nach ihrem Mitte September 1980 ver\u00f6ffentlichten Aktionsprogramm will die AKON allen Versuchen, durch die \"Schaffung sogenannter Staatsnationen die volkliche Einheit der deutschen Nation zu zerst\u00f6ren\", entgegentreten. Auch lehnt sie die Ostvertr\u00e4ge, soweit sie \u00fcber eine Gewaltverzichtserkl\u00e4rung hinausgehen, als \"null und nichtig\" ab. 105","Im Januar 1982 veranstaltete die AKON gemeinsam mit der DVU anl\u00e4\u00dflich des Jahrestages der Reichsgr\u00fcndung von 1871 Kundgebungen unter dem Motto \"Wahrheit und Recht f\u00fcr Deutschland\". Zu einer Versammlung am 18. Januar in Augsburg erschienen rund 150 Besucher. Etwa 100 Gegendemonstranten, darunter zahlreiche Anh\u00e4nger der Augsburger Hausbesetzerszene, protestierten mit Transparenten und Sprechch\u00f6ren gegen das Auftreten der AKON. Unter dem Motto \"Recht und Freiheit f\u00fcr das deutsche Volk\" fand am 21. August in Passau die Jahresversammlung der AKON in Verbindung mit einer Gro\u00dfkundgebung statt. Unter den rund 850 Teilnehmern befanden sich zahlreiche Besucher aus \u00d6sterreich sowie eine Abordnung der \"Wiking-Jugend\" mit Fanfarenzug und Volkstanzgruppe. Ein ehemaliger \u00f6sterreichischer Nationalrat, der in der Vergangenheit wiederholt Artikel f\u00fcr die vom DVU-Vorsitzenden herausgegebenen Zeitungen verfa\u00dft hatte, erhielt von Dr. Frey den neugeschaffenen, mit 10.000 DM dotierten \"Andreas-Hofer-Preis des Deutschen Anzeigers\". Im Verwaltungsrechtsstreit wegen der im April 1981 von der Landeshauptstadt M\u00fcnchen verbotenen AKON-Kundgebung (vgl. Verfassungsschutzbericht Bayern 1981, S. 86) stellte das Verwaltungsgericht M\u00fcnchen am 8. September 1982 fest, da\u00df das Verbot rechtswidrig war. Die Beh\u00f6rde habe keine Tatsachen angegeben, die den hinreichend sicheren Schlu\u00df zulie\u00dfen, bei der Veranstaltung w\u00fcrden volksverhetzende \u00c4u\u00dferungen fallen. Das Urteil ist rechtskr\u00e4ftig. Die im Dezember 1980 als Aktionsgemeinschaft der DVU gegr\u00fcndete \"Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nderbegrenzung\" (l.f.A.) kn\u00fcpft mit der Devise \"Deutschland soll deutsch bleiben\" an die von der NPD verbreitete Parole \"Ausl\u00e4nder-Stopp -- Deutschland den Deutschen\" an. Sie f\u00fchlt sich f\u00fcr die \"Lebensrechte unseres Volkes\" verantwortlich und fordert die \"Eind\u00e4mmung des Scheinasylantentums\" und eine \"Beschr\u00e4nkung des Ausl\u00e4nderanteils\", wobei \"Menschen verwandter Kulturkreise\" zu bevorzugen seien. In einem Aufruf bezeichnete es die l.f.A. als \"unertr\u00e4glich, wenn das deutsche Volk umgevolkt werden und Deutschland seinen deutschen Charakter verlieren soll\". In der \"Deutschen National-Zeitung\" und im \"Deutschen Anzeiger\" vom 1. Januar 1982 rief deren Herausgeber Dr. Gerhard Frey zum Beitritt zu einer \"Aktion deutsches Radio und Fernsehen\" (ARF) auf. Die ARF will dem \"Mi\u00dfstand\" abhelfen, da\u00df Rundfunk und Fernsehen \"in zunehmendem Ma\u00dfe gegen die Lebensinteressen des deutschen Volkes agitieren\". Sie wendet sich gegen die \"systematische Verteufelung\" der deutschen Geschichte, die \"Herabw\u00fcrdigung des deutschen Soldaten\" und die \"Minimalisierung der Verbrechen am deutschen Volk\" in Rundfunk und Fernsehen, \"in denen Randgruppen Abwegigkeiten ohne jede R\u00fccksicht auf den Mehrheitswillen verbreiten\". In der Ende 1982 im DA und in der DNZ abgedruckten \"Holocausf'-Umfrage warb die ARF um neue Mitglieder mit dem Hinweis auf die \"systematische Desinformationspolitik\" der \u00f6ffentlich-rechtlichen Medien. 106","4. Neonazistische Organisationen und Vorf\u00e4lle 4.1 Allgemeines Der Neonazismus umfa\u00dft alle Aktivit\u00e4ten und Bestrebungen, die ein offenes Bekenntnis zur Ideologie des Nationalsozialismus des Dritten Reiches darstellen und auf die Errichtung eines dem NS-Staat vergleichbaren oder \u00e4hnlichen Systems gerichtet sind. Die Zahl der Neonazis im Bundesgebiet ist gegen\u00fcber dem Vorjahr von rund 1.850 auf etwa 1.300 gesunken, darunter etwa 180 (1981: 200) in Bayern. Etwa 850 (1981: 850) von ihnen sind den neonazistischen Organisationen als Mitglieder zuzurechnen, davon rund 50 in Bayern. Weitere 200(1981: 400) traten durch gr\u00f6\u00dfere Spenden an einige Gruppierungen hervor. Bei den \u00fcbrigen 250 (1981: 600) handelt es sich um \"Einzelg\u00e4nger\", die durch neonazistische Aktivit\u00e4ten in Erscheinung treten, ohne sich an eine bestimmte Gruppe zu binden. Der erhebliche R\u00fcckgang gegen\u00fcber 1981 ist vor allem darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, da\u00df ehemalige Anh\u00e4nger verbotener Organisationen resignierten und sich 1982 nicht mehr neonazistisch bet\u00e4tigten. Auch die bundesweite Durchsuchungsaktion bei Spendern und Beziehern ausl\u00e4ndischen NS-Materials am 24. M\u00e4rz 1981 bedingte eine erhebliche Verunsicherung dieses Personenkreises und einen deutlichen R\u00fcckgang der finanziellen Zuwendungen. Die 21 (1981: 16) erkannten neonazistischen Zusammenschl\u00fcsse im Bundesgebiet sind in der Regel lose Gesinnungsund Kampfkader, deren Anh\u00e4nger sich zum Teil auch in anderen Gruppen engagieren. Klare organisatorische Strukturen sind meist nicht erkennbar; regelm\u00e4\u00dfig dominiert jedoch ein \"F\u00fchrer\", von dem auch der Bestand der Gruppe abh\u00e4ngt. Die Finanzierung st\u00fctzt sich im wesentlichen auf Spenden und Beitr\u00e4ge. Die Agitation neonazistischer Gruppen ist schwerpunktm\u00e4\u00dfig durch unverhohlenen Rassismus und Antisemitismus, Verharmlosung und Leugnung der NS-Verbrechen sowie durch Verherrlichung von Institutionen und Personen der Hitlerdiktatur gekennzeichnet. Eine ideologische Durchdringung der eigenen Ziele und Methoden findet kaum statt. Die Auseinandersetzung mit den politischen und gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnissen beschr\u00e4nkt sich auf die meist unreflektierte \u00dcbernahme von Parolen der ehemaligen NSDAP. Gewalt wird emotional bejaht und angewendet, wo es sich ergibt oder zweckm\u00e4\u00dfig erscheint. 4.2 Verbotene Volkssozialistische Bewegung Deutschlands/ Partei der Arbeit (VSBD/PdA) Mit Verf\u00fcgung vom 14. Januar stellte der Bundesminister des Innern im Benehmen mit den Innenministern der L\u00e4nder fest, da\u00df sich die VSBD/PdA einschlie\u00dflich ihrer Jugendorganisation \"Junge Front\" (JF) gegen die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung richte und deshalb verboten sei. Er ordnete die Aufl\u00f6sung und den Einzug des Verm\u00f6gens an. Zur Begr\u00fcndung f\u00fchrte der Bundesminister des Innern aus, die VSBD/PdA sei in Zielsetzung und \u00f6ffentlichem Auftreten der fr\u00fcheren NSDAP wesensverwandt. 107","So zeige die in ihrem Programm verwendete Formel ,,Gemeinnutz vor Eigennutz\" das bewu\u00dfte Bem\u00fchen, eine f\u00fcr die Mitglieder und Anh\u00e4nger sichtbare Kontinuit\u00e4t zum Nationalsozialismus herzustellen, Ver\u00f6ffentlichungen und \u00c4u\u00dferungen f\u00fchrender Funktion\u00e4re fu\u00dften auf einem offenen Bekenntnis zum nationalsozialistischen Gedankengut und lie\u00dfen die Absicht erkennen, ein dem NSStaat vergleichbares System zu errichten. Wie die NSDAP verunglimpfe die VSBD/PdA den demokratischen Staat und seine Repr\u00e4sentanten und trete f\u00fcr eine uneingeschr\u00e4nkte Alleinherrschaft auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet ein. Zahlreiche antisemitische und rassistische \u00c4u\u00dferungen belegten die Absicht der VSBD/PdA, in der von ihr erstrebten \"Radikaldemokratie\" Menschenw\u00fcrde und Gleichheit vor dem Gesetz nicht gelten zu lassen. Insoweit seien deutliche Parallelen zur Judenhetze der NSDAP und zu der im Dritten Reich propagierten ,,Rassenhygiene\" festzustellen. Die T\u00e4tigkeit der VSBD/PdA sei in k\u00e4mpferisch-aggressiver Form darauf gerichtet, die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung der Bundesrepublik Deutschland zu untergraben. Die Erringung der Macht werde nicht mit demokratischen Mitteln, sondern auf gewaltsamem Wege angestrebt. Dies zeigten mehrere Straftaten, die von f\u00fchrenden Mitgliedern der VSBD/PdA unter Anwendung von Gewalt ver\u00fcbt worden seien. Daneben bewiesen auch Waffenfunde sowie das Mitf\u00fchren und der Einsatz von Waffen die zunehmende Militanz der VSBD/PdA. Als f\u00fchrende neonazistische Vereinigung in der Bundesrepublik Deutschland \u00fcbe die VSBD/PdA eine Signalund Sogwirkung im gesamten rechtsextremen Lager aus. Ihre Bem\u00fchungen um den Ausbau der Organisation h\u00e4tten sich in letzter Zeit verst\u00e4rkt. Strafrechtliche Verurteilungen der ma\u00dfgeblichen Funktion\u00e4re h\u00e4tten an der T\u00e4tigkeit und der politischen Zielsetzung der VSBD/PdA nichts zu \u00e4ndern vermocht. Ihre verfassungsfeindliche Bet\u00e4tigung k\u00f6nne daher nur durch ein vereinsrechtliches Verbot wirksam unterbunden werden. Die Verbotsverf\u00fcgung wurde dem VSBD/PdA-Vorsitzenden Friedhelm Busse, der sich seit Oktober 1981 wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung (vgl. 4. Abschnitt Nr. 2) in Untersuchungshaft befand, am 27. Januar in der Justizvollzugsanstalt Landsberg zugestellt. Anschlie\u00dfend fanden bei Busse und mehreren VSBD/PdA-Anh\u00e4ngern im Bundesgebiet Hausdurchsuchungen statt, um das der Einziehung unterliegende Vereinsverm\u00f6gen zu beschlagnahmen. Ein Schwerpunkt des Einsatzes lag in Bayern, wo die Polizei insgesamt 15 Objekte durchsuchte und ein Vervielf\u00e4ltigungsger\u00e4t, Stahlhelme, Schlagst\u00f6cke, Stichwaffen, Blanko-F\u00fchrerscheinvordrucke, gef\u00e4lschte Amtssiegel, Druckplatten f\u00fcr Hitlerbilder sowie umfangreiches neonazistisches Propagandamaterial sicherstellte. Gegen die Verbotsverf\u00fcgung wurde am 27. Februar Anfechtungsklage beim Bundesverwaltungsgericht erhoben, \u00fcber die noch nicht entschieden ist. Ein Teil der Mitglieder der VSBD/PdA und JF schlo\u00df sich nach dem Verbot anderen neonazistischen Gruppen an. Einige Aktivisten versuchten, den Zusammenhalt auch nach dem Verbot zu wahren. Seit Ende M\u00e4rz kursierte unter ehemaligen Anh\u00e4ngern der VSBD/PdA intern die Nr. 1 eines \"V\u00f6lkischen Informationsblattes\". Die Schrift bezeichnete die demokratischen Parteien als \"Totengr\u00e4ber des deutschen Volkes\", die den \"nationalen\" Kr\u00e4ften den \"totalen Kampf\" an108","gesagt h\u00e4tten. Ferner war ausgef\u00fchrt, da\u00df der inhaftierte fr\u00fchere Leiter der neonazistischen \"Aktionsfront Nationaler Sozialisten\" (ANS) Michael K\u00fchnen \"von den meisten Kameraden als der zuk\u00fcnftige Parteif\u00fchrer unserer Bewegung angesehen\" werde. Man erwarte, da\u00df er nach seiner Haftentlassung \"die bestehenden Gruppen einigen\" und \"die zum Teil zerschlagenen Reste ehemals bestehender Organisationen wieder zu einer schlagkr\u00e4ftigen Bewegung zusammenfassen\" werde. Am 17. Mai durchsuchte die Polizei eine Gemeinschaftswohnung ehemaliger JFAktivisten in F\u00fcrstenfeldbruck. In einem als Druckerei eingerichteten Raum beschlagnahmte sie eine Offsetdruckmaschine, mehrere Hakenkreuzaufkleber sowie zahlreiche Flugbl\u00e4tter, auf denen eine Hakenkreuzflagge, ein Reichsadler mit Hakenkreuz und zwei SS-Runen abgebildet waren. Die Flugbl\u00e4tter enthielten die Drohung, da\u00df der \"Mord\" an zwei Gesinnungsgenossen, die am 20. Oktober 1981 bei einem Polizeieinsatz gegen rechtsextreme Gewaltt\u00e4ter in M\u00fcnchen erschossen worden waren, mit dem Tod der \"M\u00f6rder\" ger\u00e4cht werde. Die Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts des Verbreitens von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen ein. Zwei ehemalige Funktion\u00e4re der VSBD/PdA und JF, die den Aufbau einer Nachfolgeorganisation der VSBD/PdA beabsichtigten, nahmen Kontakte zu dem Neonazi Michael K\u00fchnen und zur neonazistischen \"Kampfeinheit Nationaler Sozialisten\" (KNS) in Emden auf. Eine von ihnen geleitete \"Kampfgruppe Deutscher Sozialisten\" (KDS) verbreitete im Juni 1982 im Raum Kelheim Flugbl\u00e4tter mit neonazistischen, antisemitischen und ausl\u00e4nderfeindlichen Parolen. Bei einer Durchsuchungsaktion am 13. Juli konnte die Polizei bei Anh\u00e4ngern der KDS zahlreiche Flugbl\u00e4tter und Aufkleber mit ausl\u00e4nderfeindlichem Inhalt sowie umfangreiches NS-Schriftgut und einen Karabiner sicherstellen. Gegen die Beteiligten wurde Strafanzeige erstattet. Ehemalige JF-Aktivisten errichteten am Abend des 20. Oktober an der Putzbrunner Stra\u00dfe in M\u00fcnchen ein Gedenkkreuz mit zwei brennenden Fackeln. Auf einer am Kreuz befestigten Tafel waren die Aufschrift \"Kurt Wolfgram, Klaus Uhl, gefallen am 20. Oktober 1981\" und das Keltenkreuz (Symbol der VSBD/PdA) angebracht. Die Polizei stellte die Personalien der Beteiligten fest und erstattete Anzeige wegen Verdachts eines Versto\u00dfes gegen das Vereinsund Versammlungsgesetz. Das Amtsgericht M\u00fcnchen verurteilte am 26. Februar einen ehemaligen JFAnh\u00e4nger aus M\u00fcnchen wegen Volksverhetzung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten mit Bew\u00e4hrung. Der Angeklagte hatte f\u00fcr einen Aufkleber mit der Aufschrift \"Ausl\u00e4nder raus! Bevor der Volkszorn erwacht\" verantwortlich gezeichnet. Gegen zwei Jugendliche, die Kontakte zur JF unterhalten und den genannten Aufkleber in M\u00fcnchen verbreitet hatten, verh\u00e4ngte das Amtsgericht Wolfratshausen am 23. November jeweils eine Jugendstrafe von sechs Monaten mit Bew\u00e4hrung. Das Landgericht M\u00fcnchen best\u00e4tigte in einer Berufungsverhandlung am 19. Oktober das Urteil des Amtsgerichts M\u00fcnchen, das den ehemaligen VSBD/PdAVorsitzenden Friedhelm Busse am 7. April wegen Volksverhetzung und Aufsta109","chelung zum Rassenha\u00df zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten ohne Bew\u00e4hrung verurteilte. Busse hatte f\u00fcr ein Flugblatt mit rassistischem Inhalt verantwortlich gezeichnet, das Mitte 1981 in Kelheim und M\u00fcnchen verbreitet wurde. Am 18. November erhob der Generalbundesanwalt gegen Busse Anklage wegen Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung (vgl. 4. Abschnitt Nr. 2). 4.3 Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V. (HNG) Die HNG mit Sitz in Frankfurt a.M. wurde 1979 von Neonazis gegr\u00fcndet. Sie betreut inhaftierte Gesinnungsgenossen ideell und finanziell, um deren \"Kampfmoral\" zu erhalten. Der HNG geh\u00f6ren im Bundesgebiet etwa 230 Mitglieder und F\u00f6rderer an. Vorsitzender ist der Frankfurter Neonazi Henry Beier, der bis Februar 1982 eine Freiheitsstrafe wegen Volksverhetzung und Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verb\u00fc\u00dfte. Zu den ma\u00dfgeblichen Funktion\u00e4ren z\u00e4hlt auch der Leiter der \"NS-Gruppe Curt M\u00fcller\" in MainzGonsenheim. Wegen ihrer gruppen\u00fcbergreifenden Bet\u00e4tigung hat sich die HNG zu einem Sammelbecken neonazistischer Bestrebungen und zugleich zu einer Schaltstelle f\u00fcr Kontakte zu ausl\u00e4ndischen Gesinnungsgenossen entwickelt. Verbindungen bestehen zu anderen neonazistischen Gruppierungen in verschiedenen westeurop\u00e4ischen Staaten. Insbesondere war eine enge Zusammenarbeit mit der von franz\u00f6sischen Neonazis gegr\u00fcndeten Gefangenenhilfsorganisation ,,Comite Objectif entraide et solidarite avec les victimes de la Repression Antinationaliste\" (COBRA) festzustellen. Die HNG ver\u00f6ffentlichte in ihrem monatlich erscheinenden Mitteilungsblatt \"Information der HNG\" regelm\u00e4\u00dfig \"Listen nationaler politischer Gefangener\". Zu dem von ihr unterst\u00fctzten Personenkreis geh\u00f6ren auch terroristische Gewaltt\u00e4ter, darunter die am 20. Oktober 1981 in M\u00fcnchen festgenommenen Neonazis, gegen die inzwischen Anklage wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung erhoben wurde. Im Mai 1982 wollte sich ein HNG-Funktion\u00e4r f\u00fcr den in Spandau inhaftierten Rudolf Hess so lange als Austauschgefangener zur Verf\u00fcgung stellen, bis \"eines nicht allzufernen Tages die Gerechtigkeit gesiegt\" habe. 4.4 Verbotene Wehrsportgruppe Hoffmann (WSG) Der fr\u00fchere Leiter der im Januar 1980 verbotenen WSG Karl-Heinz Hoffmann hatte 1980/81 im Libanon eine \"Wehrsportgruppe Ausland\" aus vorwiegend ehemaligen WSG-Anh\u00e4ngern aufgestellt. Die Gruppe, die in einem Lager der Al Fatah im Guerillakampf ausgebildet wurde, sollte den Kader f\u00fcr sp\u00e4tere terroristische Aktionen in der Bundesrepublik Deutschland bilden. Mitte 1981 kehrten die meisten Gruppenmitglieder wegen der schikan\u00f6sen Behandlung im Lager in das Bundesgebiet zur\u00fcck. Ein gegen Hoffmann und seine 110","INFORMATION DER 3 0 . / 3 1 . Ausgabe - Oktober/November 1982 Herausgeber: Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige (HNG) e. V. -- Verantwortlich im Sinne des Pressegesetzes: Henry Beier, Koselstr. 7, 6000 Frankfurt/M. - HNG-Eigendruck - Postscheckkonto Frankfurt/M., 142908-607 Informationsschrift der HNG 111","Anh\u00e4nger eingeleitetes Ermittlungsverfahren wegen Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung wurde im Januar 1982 eingestellt, weil die Gruppe \u00fcber keine Teilorganisation im Bundesgebiet verf\u00fcgt hatte und damit der Tatbestand des SS129a StGB nicht erf\u00fcllt war. Drei mit Haftbefehl gesuchte Angeh\u00f6rige der \"Wehrsportgruppe Ausland\" konnten im Laufe des Jahres 1982 festgenommen werden. Sie stehen im Verdacht, sich an der Mi\u00dfhandlung von Gruppenmitgliedern im Libanon beteiligt zu haben. Hoffmann und einige seiner Anh\u00e4nger werden ferner beschuldigt, im Fr\u00fchjahr 1981 im Fatah-Lager einen Gesinnungsgenossen wegen angeblichen Verrats zu Tode gefoltert zu haben. Der ehemalige WSG-Leiter befindet sich seit August 1981 in Untersuchungshaft wegen des Verdachts der Beteiligung an der Ermordung des j\u00fcdischen Verlegers Shlomo Lewin und dessen Lebensgef\u00e4hrtin Frida Poeschke am 19. Dezember 1980 in Erlangen. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft bei dem Landgericht N\u00fcrnberg-F\u00fcrth Anklage erhoben. Sie wirft Hoffmann vor, die Tatwaffe beschafft und einem seiner Gefolgsleute den Auftrag zum Mord erteilt zu haben. Der mutma\u00dfliche T\u00e4ter soll im Herbst 1981 im Libanon Selbstmord begangen haben. 4.5 Gr\u00fcne Aktion Deutschland (GAD) Die 1979 von dem N\u00fcrnberger Rechtsextremisten Eberhard Engelhardt und dem Frankfurter Neonazi Ralf Platzdasch gegr\u00fcndete GAD ist eine neonazistische Aktionsgruppe ohne feste organisatorische Struktur. Sie wendet sich gegen \"Geschichtsl\u00fcgen und antieurop\u00e4ische Greuelpropaganda\" und setzt sich f\u00fcr die \"historische Wahrheit\" sowie f\u00fcr eine \"Generalamnestie\" ein. Neben \u00f6kologischen Forderungen propagiert sie den \"nationalen Sozialismus\" als Alternative zum \"Kapitalismus und Marxismus\". Seit Anfang 1982 betrachtet sich die GAD als \"Partei der europ\u00e4ischen Neutralit\u00e4t\". Die \"Bundesgesch\u00e4ftsstelle\" befindet sich in Gerolsheim/Rheinland-Pfalz. Vorsitzender des \"Landesverbandes Bayern\" ist der bekannte Neonazi Erwin Sch\u00f6nborn, der zur Zeit eine Freiheitsstrafe wegen Volksverhetzung verb\u00fc\u00dft. Anfang 1982 wurde eine \"J.G. Burg-Gesellschaft f\u00fcr j\u00fcdisch-deutsche Verst\u00e4ndigung in der Gr\u00fcnen Aktion Deutschland (GAD)\" gegr\u00fcndet, deren Anschrift mit der Adresse des \"Ederer-Verlags\" (vgl. Nr. 6) in M\u00fcnchen identisch ist. In einem Flugblatt der Gesellschaft wandte sich Erwin Sch\u00f6nborn gegen den \"Zionismus\" und bezeichnete Israel als \"Verbrecherstaat\". Die GAD entwickelte 1982 lediglich im Raum N\u00fcrnberg geringe Aktivit\u00e4ten. In einer Brosch\u00fcre mit dem Titel \"KZ -- Wahrheit gegen L\u00fcgen\" bestritt sie unter Berufung auf rechtsextreme Autoren die Massenvernichtung von Juden und die Existenz von Gaskammern in Konzentrationslagern des Dritten Reiches. 4 6 Neonazistische und antisemitische Vorf\u00e4lle 1982 war in Bayern vor allem in der ersten Jahresh\u00e4lfte ein erheblicher Anstieg neonazistischer und antisemitischer Vorf\u00e4lle zu verzeichnen. Die Gesamtzahl 112","Neonazistische und antisemitische Vorf\u00e4lle 1982 in Bayern Unterfranken L * 2 ?*-* Oberfranken * 16 * 3 * 5 *35 * 5 \u00fcbriges N\u00fcrnberg ' Mittelfranken * Oberpfalz B 4 * 20 * 31 * 35 * 19 * 11 * 26 * 1 Niederbayern i * 3 i * 22 * 9 Schwaben * 6 M\u00fcnchen \u00fcbriges * 16 \" Oberbayern * 16 * 20 * 9 * 49 * 56 * 32 * 21 * Antisemitische Vorf\u00e4lle * Neonazistische Vorf\u00e4lle * Allgemeine Verdachtsf\u00e4lle + Sch\u00e4ndung j\u00fcdischer Grabund Gedenkst\u00e4tten 113","der bekanntgewordenen Straftaten betrug 481 gegen\u00fcber 355 im Vorjahr. Allein auf M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg entfielen mit 101 bzw. 81 F\u00e4llen rund 38 % aller neonazistischen und antisemitischen Ausschreitungen. Meist handelte es sich um Schmierund Klebeaktionen, bei denen Hakenkreuze und SS-Runen gespr\u00fcht oder Parolen wie \"Heil Hitler\", ,,Jetzt NSDAP\" und ,.Juden raus\" angebracht wurden. Gegenstand von Ermittlungsverfahren waren auch das Tragen von NSAbzeichen, die Besch\u00e4digung j\u00fcdischer Gedenkst\u00e4tten sowie anonyme Beleidigungen und Bedrohungen aus rassistischen, insbesondere antisemitischen Motiven. Aufsehen erregte die Sch\u00e4ndung des j\u00fcdischen Friedhofs in SulzbachRosenberg, Kreis Amberg-Sulzbach, wo zwei Neonazis Ende Juni 1982 zahlreiche Grabsteine umwarfen. Eine Aufkl\u00e4rung gelang in 170 F\u00e4llen (1981: 141). Unter den ermittelten 260 T\u00e4tern befanden sich 48 Minderj\u00e4hrige (1981: 65). Die Staatsanwaltschaften stellten 55 Verfahren ein. In 25 F\u00e4llen wurden die T\u00e4ter verurteilt, meist zu Geldstrafen. Die Verfahren gegen die \u00fcbrigen Beschuldigten dauerten Ende 1982 noch an. Eine Gesamtsteuerung der Aktionen durch eine oder mehrere extremistische Gruppen war nicht erkennbar. Bei 57 % der aufgekl\u00e4rten Verst\u00f6\u00dfe lie\u00df sich nach dem Ergebnis der Ermittlungen ein rechtsextremer Tathintergrund ausschlie\u00dfen, so z.B. beim kommerziellen Vertrieb von Gegenst\u00e4nden mit NS-Symbolen oder bei Hakenkreuzschmierereien auf Plakaten politischer Gegner. 5. Sonstige rechtsextreme Organisationen 5.1 Deutscher Block (DB) Der 1947 in M\u00fcnchen gegr\u00fcndete DB bekennt sich zur \"F\u00fchrung des Staates durch eine Elite\", h\u00e4lt \"Demokratie mit dem F\u00fchrertum f\u00fcr vereinbar\" und identifiziert sich mit der These, da\u00df \"der Nationalsozialismus das deutsche Volk gegen eine Gefahr gesammelt\" habe, die erst jetzt \"von der westlichen Welt in ihrer ganzen erschreckenden Gr\u00f6\u00dfe verstanden\" werde. Wie im Vorjahr z\u00e4hlte der DB im Bundesgebiet rund 50 Mitglieder, von denen etwa 20 in Bayern wohnen. Der Sitz des DB befindet sich in Memmingen. \"Reichsvorsitzender\" ist Richard Etzel, der auch die unbedeutende Jugendorganisation des DB \"Jugendbund Adler\" (JBA) leitet. Seine Mitteilungen ver\u00f6ffentlicht der DB in gelegentlichen Rundschreiben sowie in den Zeitschriften \"Unsere Arbeit\" und \"Der Adlerf\u00fchrer\", die in geringer Auflage erscheinen. Darin waren Beitr\u00e4ge abgedruckt, die von \"volkhafter, sozialistischer Kameradschaft\" schw\u00e4rmten und auf die \"Verbrechen der Siegerjustiz\" verwiesen. Wegen \u00dcberalterung der Mitglieder f\u00fchrte der DB au\u00dfer gelegentlichen Vortragsund Filmveranstaltungen auf Kreisverbandsebene kaum noch eigene Aktionen durch, sondern trat als Mitveranstalter von Versammlungen anderer rechtsextremer Gruppen auf. 114","5.2 Wiking-Jugend (WJ) Die 1952 gegr\u00fcndete WJ ist eine straff nach dem F\u00fchrerprinzip geleitete \"volkstreue\" Jugendorganisation, die sich als \"heranzubildende Elite\" versteht. Sie bekennt sich zu einer \"Lebensgemeinschaft auf v\u00f6lkischer Grundlage\" und betrachtet das Gesetz der \"Auslese alles Starken und Gesunden\" als \"entscheidende Kraft im Leben\". Als \"Leitlinie\" schwebt ihr eine \"Neubildung des gro\u00dfen germanischen Kulturraumes\" vor. Ferner k\u00e4mpfte sie gegen die \"Umerziehung\" und suchte den Nationalsozialismus zu rechtfertigen. komm' zu uns? WELCHE H \u00c4 D C E C H E H U. J O H O E \" AB 1 0 J A H R E WOLLET) MIT HKS GEHEtI % Ein Bund mH klarem Weg, klar\" Aussage, klarer Zielsolzung. Ein Bund, bei dem stet? lohnt, Wiking Juaend e. V. SundeafDhrung 519 Slolberg, Brockenberg Sa Die in Gaue und Horste gegliederte WJ z\u00e4hlt im Bundesgebiet wie im Vorjahr rund 350 Mitglieder, davon etwa 70 in Bayern. Bundesf\u00fchrer ist Wolfgang Nahrath aus Stolberg/Nordrhein-Westfalen. In Bayern bestehen die Gaue \"Bayern\" in Freising und \"Franken\" in Stockstadt, Kreis Aschaffenburg, sowie Horste im Raum N\u00fcrnberg und Landshut. Die Nachrichten und Mitteilungen des Bundes erscheinen in der von der Bundesf\u00fchrung j\u00e4hrlich viermal herausgegebenen Zeitschrift \"Wikinger\". Das WJ-Sch\u00fclermagazin \"G\u00e4ck\" betreibt rechtsextreme Agitation zumeist in satirischer Form. Wie im Vorjahr f\u00fchrte die WJ f\u00fcr Kinder und Jugendliche Zeltlager und Fahrten durch. WJ-Mitglieder besuchten auch ein Treffen von Rechtsextremisten im 115","Ausland. In Bayern veranstaltete die WJ Sonnwendfeiern sowie einige Wochenendzeltlager, vorwiegend im Raum Stockstadt. Daneben trat sie in Mittelund Unterfranken mit Flugbl\u00e4ttern in Erscheinung, die auch vor Schulen verteilt wurden. Vom 28. bis 31. Mai fand in der N\u00e4he von Iphofen, Kreis Kitzingen, ein Pfingstlager der WJ statt. Zu dem bundesweiten Treffen fanden sich zwischen 150 und 200 Personen ein, darunter auch Jugendliche aus den Niederlanden, Belgien, Frankreich und \u00d6sterreich. Der Leitsatz des Lagers \"Kampf und Arbeit unentwegt\" war einem Hitlerjugend-Marschlied entnommen. Eine Gegendemonstration politischer Gegner verlief ohne gr\u00f6\u00dfere Zwischenf\u00e4lle. Die Staatsanwaltschaft bei dem Landgericht W\u00fcrzburg leitete gegen mehrere Lagerteilnehmer, die den Demonstranten den Zugang zum Lager versperrt hatten, ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts der N\u00f6tigung und verbotenen Uniformtragens ein. Die WJ beteiligte sich mit einem Fanfarenzug und einer Volkstanzgruppe an der Kundgebung der \"Aktion Deutsche Einheit\" (AKON, vgl. Nr. 3.4) am 21. August in Passau. Anschlie\u00dfend fuhren WJ-Angeh\u00f6rige nach Braunau und versammelten sich dort vor Hitlers Geburtshaus. 5.3 Bund Heimattreuer Jugend e.V. (BHJ) Der 1962 in N\u00fcrnberg gegr\u00fcndete BHJ ist eine in Leitstellen und Einheiten gegliederte Jugendorganisation mit etwa 150 Mitgliedern (1981: 300) im Bundesgebiet, davon rund 25 (1981: 40) in Bayern. Durch interne Auseinandersetzungen \u00fcber die k\u00fcnftige Zielsetzung geriet die Vereinigung in eine F\u00fchrungskrise, die im September 1981 am R\u00fccktritt des 1. Bundesf\u00fchrers Uwe J\u00e4schke offenkundig wurde. Unter der Leitung seines Stellvertreters Ulrich-Bernd Wolff von der Sahl mu\u00dfte der BHJ 1982 erhebliche Mitgliederverluste hinnehmen. Auf dem Bundesjugendtag am 25726. September in Frammersbach, Kreis Main-Spessart, wurde das seit einem Jahr vakante Amt des 1. Bundesf\u00fchrers mit Heinz-Gert H\u00f6ffkes aus Oberhausen/Nordrhein-Westfalen besetzt. Verbandsorgan war das viertelj\u00e4hrlich erscheinende Informationsblatt \"Der Trommler\". Ein Anfang 1980 gegr\u00fcndeter \"Freundeskreis im BHJ e.V.\" hat die Aufgabe, die Arbeit des BHJ finanziell zu unterst\u00fctzen. Etwa 80 Angeh\u00f6rige des BHJ beteiligten sich im April 1982 an den \"Norddeutschen Kulturtagen\" der rechtsextremen \"Deutschen Kulturgemeinschaft\" (DKG) in L\u00fcneburg. Der 1980 zum Ehrenratsvorsitzenden des BHJ gew\u00e4hlte fr\u00fchere 1. Bundesf\u00fchrer Gernot M\u00f6rig gestaltete den im Rahmen der Kulturtage durchgef\u00fchrten \"Tag der Jugend\". Am Schlu\u00dftag des Treffens nahm der 2. Bundesf\u00fchrer Ulrich-Bernd Wolff von der Sahl die Totenehrung vor. Die Leitstelle S\u00fcd veranstaltete 1982 in Bayern wieder einige Wochenendund Ferienlager, Sonnwendfeiern und Wanderungen. Sie beteiligte sich auch an der Deutschlandstaffel \"Vom Knivsberg zur Salurner Klause\". 116","5.4 Deutsches Kulturwerk Europ\u00e4ischen Geistes (DKEG) Das 1950 zur Pflege nationalistischen Kulturgutes gegr\u00fcndete DKEG war 1970 mit fast 3.500 Mitgliedern die zweitst\u00e4rkste rechtsextreme Organisation nach der NPD. Inzwischen ist es durch \u00dcberalterung seiner Anh\u00e4nger sowie interne Machtk\u00e4mpfe und Meinungsverschiedenheiten erheblich geschw\u00e4cht und z\u00e4hlt nur noch etwa 120 Mitglieder. Der Sitz befindet sich in M\u00fcnchen. Als \u00f6rtliche Untergliederungen bestehen in Bayern noch Pflegst\u00e4tten in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg, die monatliche Vortragsveranstaltungen durchf\u00fchrten. Im April 1982 veranstaltete das DKEG in Planegg, Kreis M\u00fcnchen, die allj\u00e4hrlichen ,,Tage deutscher Kultur\". 5.5 Gesellschaft f\u00fcr freie Publizistik (GfP) Die 1960 in Frankfurt a.M. von ehemaligen SSund NSDAP-Angeh\u00f6rigen gegr\u00fcndete GfP erstrebt eine \"objektive Geschichtsbetrachtung\" und k\u00e4mpft gegen \"Umerziehung und Meinungsmonopole\". Sie stellt vor allem ein Podium f\u00fcr rechtsextreme Schriftsteller, Publizisten und Dichter des Inund Auslandes dar. Die Vereinigung, die 13 regionale Arbeitskreise unterh\u00e4lt, z\u00e4hlt im Bundesgebiet etwa 350 (1981: \u00fcber 400) Mitglieder und hat ihren Sitz in M\u00fcnchen. Dem Vorstand geh\u00f6ren mehrere Rechtsextremisten an. Der Vorsitzende war Dr. Gert Sudholt. Er ist auch Leiter des \"Druffel-Verlags\" und Inhaber des \"T\u00fcrmer-Verlags\" (vgl. Nr. 6). Publikationsorgan der GfP ist die viertelj\u00e4hrlich erscheinende Informationsschrift \"Das Freie Forum\". \u00dcber die Aktivit\u00e4ten der GfP berichten auch die im \"T\u00fcrmer-Verlag\" erscheinenden \"Deutschen Monatshefte\". Der ehemalige NPD-Vorsitzende Adolf von Thadden griff in einem Referat vor dem Arbeitskreis M\u00fcnchen die derzeitige Medienpolitik an, indem er von einer \"ber\u00fcchtigten Umerziehung\" sprach, die bereits auf die zweite Generation seit 1945 einwirke. Die GfP verlieh im Oktober 1982 bei ihrem Jahreskongre\u00df in Kassel den mit DM 15.000 dotierten \"Ulrich-von-Hutten-Preis\" an den rechtsextremen Schriftsteller und Mitherausgeber der \"Deutschen Wochen-Zeitung\" (DWZ) Erich Kernmayr. Im Schlu\u00dfwort der Veranstaltung wandte sich der Vorsitzende Dr. Sudholt gegen die \"Unterwerfungspolitiker der Gegenwart\", die als \"Sachwalter der Sieger\" ihre Daseinsberechtigung auf den geschichtlichen Bruch und nicht auf \"geschichtliche Kontinuit\u00e4t\" gr\u00fcndeten. Von Regierungsseite werde durch Indizierungen, Haussuchungen und Beschlagnahmen \"eine einseitige Geschichtsschreibung erm\u00f6glicht, sanktioniert und sogar subventioniert\". Die \"geistigen S\u00f6ldner der Mietlinge\" h\u00e4tten seit mehr als drei Jahrzehnten \"umerziehen und f\u00e4lschen, l\u00fcgen und verleumden\" k\u00f6nnen. Durch \"Verdrehung unserer Geschichte\" und \"Entfremdung von der eigenen Lebensart\" sei inzwischen eine f\u00fcr die \"Erhaltung unseres Volkes\" gef\u00e4hrliche Situation entstanden. 117","5.6 Freundeskreis Ulrich von H\u00fctten Der Freundeskreis Ulrich von H\u00fctten mit Sitz in Starnberg wurde im Februar 1982 von Rechtsextremisten gegr\u00fcndet. Er vertritt vor allem nationalistische und rassistische Forderungen und versteht sich als ,.geistiger Katalysator f\u00fcr eine politische und weltanschauliche Standortbestimmung\". Erkl\u00e4rtes Ziel der Vereinigung ist es, die \"schlummernden Kr\u00e4fte\" der Nation zu wecken, um durch eine Abkehr von den bisherigen \"politischen Zwingherren\" den \"Bestand des deutschen Volkes und Europas\" f\u00fcr die Zukunft zu sichern. Diese Zielsetzung beruht auf der \u00dcberzeugung von der \"Notwendigkeit einer neuen gesunden Lebensordnung auf der Grundlage gewachsener V\u00f6lker\". In einer \"Grundsatzerkl\u00e4rung\" werden Europa als \"Lebensraum der arischen V\u00f6lker\" und die \"Rassenfrage\" als \"Schl\u00fcssel zur Weltgeschichte\" propagiert. Der Freundeskreis Ulrich von H\u00fctten z\u00e4hlt rund 25 Anh\u00e4nger. Vorsitzende der Vereinigung ist die Pr\u00e4sidentin der rechtsextremen \"Deutschen Kulturgemeinschaft\" (DKG) in \u00d6sterreich Lisbeth Grolitsch. Eine dominierende Position nimmt der Generalmajor a.D. Otto Ernst Remer ein, der als Kommandeur des Wachregiments in Berlin ma\u00dfgeblich an der Niederschlagung des Umsturzversuches vom 20. Juli 1944 beteiligt war und sich nach dem Zweiten Weltkrieg als Funktion\u00e4r der 1952 verbotenen \"Sozialistischen Reichspartei\" (SRP) bet\u00e4tigte. Das erstmals im Oktober 1982 herausgegebene Publikationsorgan \"Huttenbriefe -- F\u00fcr Volkstum, Kultur, Wahrheit und Recht\" warb f\u00fcr Remers Buch \"Verschw\u00f6rung und Verrat um Hitler\". Im Rahmen des \"Freundeskreises\" soll innerhalb von zwei Jahren eine \"F\u00fchrungsmannschaft\" aufgebaut werden, \"die im charakterlichen, weltanschaulichen und politischen Sinn Elite sein mu\u00df\". 6. Organisationsunabh\u00e4ngige Publizistik Die auf rechtsextreme Literatur spezialisierten 15(1981: 14) Verlage, Vertriebsund Buchdienste in Bayern entwickelten 1982 wiederum eine beachtliche T\u00e4tigkeit. Die Auflage der periodisch herausgegebenen Druckschriften betrug wie im Vorjahr monatlich etwa 430.000 Exemplare, wobei erh\u00f6hte Auflagen zu besonderen Anl\u00e4ssen nicht eingerechnet sind. Dar\u00fcber hinaus wurden B\u00fccher rechtsextremen Inhalts in hoher Auflage angeboten. Wirkungsvollstes Propagandainstrument des Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland ist weiterhin die Druckschriftenund Zeitungsverlags GmbH in M\u00fcnchen unter der Leitung von Dr. Gerhard Frey. Im Verlag erscheint neben dem DVU-Organ \"Deutscher Anzeiger\" (vgl. Nr. 3.2) die \"Deutsche National-Zeitung\" (DNZ) mit einer Wochenauflage von \u00fcber 85.000 Exemplaren. Bei Werbeaktionen wird die Auflage erh\u00f6ht. Dem Verlag ist ein Buchdienst angeschlossen. Dr. Frey ist auch Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der \"Freiheitlichen Zeitungsverlags-GmbH\" (FZ-Verlag) in M\u00fcnchen, die in der DNZ Medaillen \"gro\u00dfer Deutscher\" anbietet. 118","Organisationsunabh\u00e4ngige rechtsextreme Publizistik Holocaust-nur Lug und Trug? Wie die Deutschen Deutsche Nation Die Verbrechen am deutschen Volk Wo bleibt hier die S\u00fchne ? I Israels Verbrechen - ljr(tm)(tm)::v ein T a b u ? Wohin mit den Pal\u00e4stinensern? (Seite 5) Deutfd)etDutj)m3rittmg DEUTSCHE NACHRICHTEN drSrh. OST-WEST-KURIER B 21113 E KUTTER BLUTER * POLITISCHER ZEITSPIEGEL J 3257 FX CDenk mit! nii*n,iiu.njnijinji,mA^i\"iiinnjii.ij\u00fcwiimjinm[iniin.\"i;j.iiiJniiiin^\"m Nachrichtenblatt der Unabh\u00e4ngigen J5104E NATION EUROPA 119","Die Agitation der DNZ richtete sich 1982 verst\u00e4rkt gegen die Integration von Ausl\u00e4ndern. Kennzeichnend waren Schlagzeilen wie \"Beherrschen Ausl\u00e4nder bald v\u00f6llig unser Land?\" und \"Was uns die Ausl\u00e4nder kosten. Bezahlen die Deutschen ihren eigenen Untergang?\". Nach Auffassung der DNZ wird die \"Ausl\u00e4nderinvasion durch eine ungeheure Lastenabw\u00e4lzung auf die Schultern der Steuerzahler\" finanziert. W\u00e4hrend sich viele B\u00fcrger durch \"Bonner Reden bet\u00f6ren\" lie\u00dfen, plane man dort schon \"die n\u00e4chsten Tricks, um die Bundesrepublik zu einem Vielv\u00f6lkerstaat umzufunktionieren\". Breiten Raum nahmen wiederum die Entlastungsund Rechtfertigungsversuche f\u00fcr die NS-Zeit ein. So \u00e4u\u00dferte die DNZ zur Kriegsschuldfrage, es sei den westlichen Allierten \"nicht um die Beseitigung Hitlers, sondern um die Zerst\u00f6rung Deutschlands\" gegangen. Indem man Deutschland noch heute zum \"alleinigen S\u00fcndenbock\" deklariere, wolle sich die \u00fcbrige Welt freisprechen. Durch die \"unerh\u00f6rte Verf\u00e4lschung der geschichtlichen Wahrheit\" werde das deutsche Volk \"f\u00fcr immer mit dem Odium des Verbrecherischen behaftet\" und \"erpre\u00dfbar gehalten\". Die DNZ bezeichnete den Widerstand des 20. Juli 1944 als \"Verrat\" und \"Verschw\u00f6rung gegen Deutschland\". In der gerichtlich verf\u00fcgten Einziehung des von dem Rechtsextremisten Dr. St\u00e4glich verfa\u00dften Buches \"Der Auschwitz-Mythos\" sah sie eine \"undemokratische Einengung der Wissenschaftsfreiheit\" und einen vom Gesetzgeber erm\u00f6glichten \"Mi\u00dfbrauch des Volksverhetzungsparagraphen\". Daneben griff die DNZ in polemischer Weise ethnische Minderheiten an, wobei sie insbesondere auf die \"Macht des Judentums\" und die \"Rechtsprivilegien\" der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung im Bundesgebiet verwies und den \"unvorstellbaren Einflu\u00df\" der \"israelischen Lobby\" und ihre \"\u00fcberragende Position in der Welt der Medien\" betonte. Ferner wandte sie sich gegen \"Israels massenm\u00f6rderische Aggressionspolitik\" im Libanonkonflikt, die von den unter einem \"NSTrauma\" stehenden Deutschen mitfinanziert worden sei. Au\u00dferdem diffamierte die DNZ demokratische Institutionen und ihre Repr\u00e4sentanten als \"Asylfetischisten\", erpre\u00dfbare \"Politiker der Unterwerfung und des Verzichts\" und \"Umerziehungsextremisten\", die \"vom Geld des deutschen Volkes ein Bonzendasein f\u00fchren\". Die Deutsche Verlagsgesellschaft mbH (DVG) in Rosenheim unter der Leitung des ehemaligen NPD-Bundesvorstandsmitglieds Waldemar Sch\u00fctz gibt die \"Deutsche Wochen-Zeitung\" (DWZ) heraus. Die w\u00f6chentliche Auflage ging 1982 auf rund 18.000 Exemplare (1981: 20.000) zur\u00fcck. Dem Verlag ist ein Buchdienst angegliedert, der rechtsextreme Literatur vertreibt. Die DWZ bezeichnete die Ausl\u00e4nder als \"ein Geschw\u00fcr\", das \"immer gef\u00e4hrlicher wuchert\", und forderte die Abschiebung der \"faulen und schmarotzenden Asylanten\". Sie versuchte die NS-Zeit zu rechtfertigen, indem sie die Schuld Deutschlands am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs als \"eine infame Propagandal\u00fcge der Sieger\" hinstellte. Deutsche Historiker seien \"der fortdauernden Umerziehung verpflichtet\". Die \"von j\u00fcdischer Seite behaupteten sechs Millionen angeblich Vergaster\" hielten \"keiner \u00dcberpr\u00fcfung\" stand. Mit Mitteln der Propaganda w\u00fcrden \"dauernde Schuldgef\u00fchle\" wachgehalten, \"um weitere 120","Zahlungsverpflichtungen damit zu verbinden\". Die Bundesregierung wurde als \"Bonner Regime\" und \"Taubblinde von Bonn\" diffamiert und des Versuchs bezichtigt, die \"Mehrheit durch eine Gehirnw\u00e4sche seitens der Medien zu entm\u00fcndigen\". In der 1953 gegr\u00fcndeten Nation-Europa-Verlags GmbH in Coburg erscheint die Monatsschrift \"Nation Europa\" (NE) in einer Auflage von etwa 9.500 Exemplaren. Der Verlag, dem ein Buchdienst angeschlossen ist, wird von dem 1954 gegr\u00fcndeten Verein \"Nation-Europa-Freunde\" finanziell unterst\u00fctzt. Gesellschafter und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Verlages sowie Vorsitzender des Unterst\u00fctzungsvereins ist der NPD-Funktion\u00e4r Peter Dehoust. Die Monatsschrift bezweifelte die \"Alleinschuld eines Volkes oder gar eines einzigen Mannes\", die nicht l\u00e4nger behauptet werden k\u00f6nne. Die \"Nationale Erhebung 1933\" habe das \"Selbstbewu\u00dftsein der Nation\" neu entflammt und sich \"in dem F\u00fchrer der Bewegung, dem Sprecher des kleinen Mannes, dem Abgott der Massen\" verk\u00f6rpert. Ferner bezichtigte die NE die bundesdeutschen Medien, insbesondere die Fernsehund Rundfunkanstalten, der \"einseitigen Manipulation durch ,volksp\u00e4dagogische' Indoktrination\", die einer \"Charakterw\u00e4sche\" gleichkomme. Diese \"Gro\u00dferzieher unserer Gesellschaft\" seien darauf bedacht, \"den Feuerriegel des Psycho-Terrors gegen alles Nationale jetzt noch durch h\u00f6here Paragraphenz\u00e4une gegen mi\u00dfliebige zeitgeschichtliche Erkenntnisse und Meinungen\" zu erg\u00e4nzen. In ihren \"Nachrichten von der \u00dcberfremdungsfront\" wandte sich die NE gegen die angebliche Absicht, \"die ziemlich abgeschlossene geistige Umerziehung der Deutschen durch die biologische Zerst\u00f6rung zu kr\u00f6nen\". Der Oruffel-Verlag in Berg am Starnberger See, der von dem ehemaligen NPDMitglied und bisherigen Vorsitzenden der \"Gesellschaft f\u00fcr freie Publizistik\" Dr. Gert Sudholt geleitet wird, will mit seinem Programm gegen \"Umerziehung und Gehirnw\u00e4sche\" und \"f\u00fcr ein neues Selbstbewu\u00dftsein der Deutschen\" k\u00e4mpfen. Der Verlag gab vielfach rechtsextreme Literatur heraus. In Werbeprospekten war von der \"Sechs-Millionen-Legende\" sowie von der \"N\u00fcrnberger Justiz als Quelle der Geschichtsf\u00e4lschung\" die Rede. Im Verfahren wegen der Einziehung des 1979 im Verlag erschienen Buches \"Was Holocaust verschweigt\" fand im Juni 1982 eine Durchsuchung der Verlagsr\u00e4ume statt. Der 1977 von Dr. Gert Sudholt \u00fcbernommene T\u00fcrmer-Verlag in Berg am Starnberger See gibt seit Januar 1982 die \"Deutschen Monatshefte\" in einer Auflage von rund 5.000 Exemplaren heraus. Die Monatsschrift entstand aus der Fusion der \"Kl\u00fcter Bl\u00e4tter\" mit dem \"Politischen Zeitspiegel\", die ihr Erscheinen Ende 1982 einstellten. Sie will all jene erreichen, \"die Volksund Geschichtsbewu\u00dftsein noch nicht ganz verloren haben\". Ihre immer wiederkehrenden Themen sind die Ausl\u00e4nderund die Kriegsschuldfrage. Neben der \"Gef\u00e4hrdung unserer Kultur durch \u00dcberfremdung\" bedeute die Assimilation und Einschmelzung der Ausl\u00e4nder eine \"stille Landnahme\", die in ihren \"Auswirkungen schlie\u00dflich dem Raub deutschen Landes nach den beiden Weltkriegen\" gleichkomme. Die Verhinderung einer solchen Entwicklung sei daher \"eine echte kulturelle Leistung und vergleichbar mit der fr\u00fcheren Verteidigung gegen eindringende Fremde\". Der \"Potsdamer Allianz\" wird vorgeworfen, sie halte \"das deutsche Volk und 121","seine Staatlichkeit seit 1945 im Netz der Kriegsschuldl\u00fcge\" und presse es \"nach Kr\u00e4ften aus\". Der Verlag Hohe Warte -- Franz von Bebenburg KG in P\u00e4hl, Kreis Weilheim, gibt die Schrift \"Mensch und Ma\u00df\" heraus, die monatlich zweimal in einer Auflage von jeweils 1.500 Exemplaren erscheint. Darin wurde behauptet, da\u00df die \"Geschichtsbew\u00e4ltigung in der vergeblichen Aufarbeitung von L\u00fcgen\" bestehe, die Sch\u00fcler einer \"verlogenen Geschichtsschreibung\" ausgesetzt w\u00fcrden und die \"Volkserhaltung\", n\u00e4mlich die \"Reinerhaltung des Rasseerbgutes\", dabei zu kurz komme. Eine vom Verlag herausgegebene Brosch\u00fcre mit dem Titel \"Ausl\u00e4nder-Integration ist V\u00f6lkermord\" verwies auf die Unterschiede im \"rassischen Erbgut\" der einzelnen V\u00f6lker. Da die \"rassisch und volkstumsm\u00e4\u00dfig\" bedingte Volkszugeh\u00f6rigkeit keiner \u00c4nderung zug\u00e4nglich sei, st\u00fcnden alle Gesetze, die eine Einb\u00fcrgerung von Angeh\u00f6rigen fremder V\u00f6lker zulie\u00dfen, im Gegensatz zu den \"in der Natur geltenden Gesetzen der Arterhaltung\". Der Ederer-Verlag in M\u00fcnchen warb auch 1982 f\u00fcr Brosch\u00fcren, in denen die NS-Verbrechen verharmlost wurden. Unter dem Pseudonym J.G. Burg (vgl. Nr. 4.5) versuchte der Verfasser der Schrift \"Holocaust\" nachzuweisen, \"da\u00df die Holocaust-Giftspritzen ein Teil einer gro\u00dfangelegten Reparationszahlungsstrategie sind, die f\u00fcr Generationen von Deutschen schon geplant ist\". Im Denk mit-Verlag in N\u00fcrnberg erscheint in einer Auflage von etwa 1.000 Exemplaren alle zwei Monate die von Klaus Huscher herausgegebene Zeitschrift \"Denk mit!\", die f\u00fcr rechtsextreme Literatur warb, die Judenverfolgung im Dritten Reich verharmloste und die Rechtsprechung deutscher Gerichte als \"6-Millionen-Diktatur\" und \"Einsch\u00fcchterung der Wahrheitsforschung bez\u00fcglich der KZ-L\u00fcgen\" kritisierte. Der Eigenverlag Ludwig Stenuf in Bad W\u00f6rishofen, Kreis Unterallg\u00e4u, vertrieb \u00e4ltere Flugbl\u00e4tter unter der Bezeichnung \"Volksbund Deutsches Reich\", in denen die Bev\u00f6lkerungspolitik der in Bonn vertretenen Parteien als \"verh\u00e4ngnisvolle deutsche S\u00e4rgepolitik bei fremder Wiegenpolitik\" bezeichnet wurde. Der Verlagsinhaber, der im Februar 1982 wegen Volksverhetzung zu DM 5.400 Geldstrafe verurteilt wurde, ist im Dezember 1982 verstorben. Der seit 1981 bekannte Eigenverlag des Robert Dollingerin Bubenreuth, Kreis Erlangen-H\u00f6chstadt, verbreitete unter der Bezeichnung \"B\u00fcrgeriniative zur Rettung des deutschen Volkes\" Flugbl\u00e4tter, in denen die Judenvernichtung im Dritten Reich bestritten und als \"Greuelpropaganda\" der Zionisten hingestellt wurde. Ferner wandte er sich gegen die \"\u00dcberflutung Deutschlands durch Ausl\u00e4nder\", die eine \"endg\u00fcltige Zerst\u00f6rung unseres Volkes\" herbeif\u00fchre. 7. Verbindungen zum ausl\u00e4ndischen Rechtsextremismus Der Einflu\u00df des ausl\u00e4ndischen Rechtsextremismus auf Bayern zeigte sich insbesondere in der Einfuhr und Verbreitung \u00fcberwiegend neonazistischer und antisemitischer Druckschriften und in Kontakten bayerischer Rechtsextremisten zu gleichgesinnten Gruppen und Einzelpersonen im Ausland. 122","NS KAMPFRUFKAMPFSCHRIFT DER NATIONALSOZIALISTISCHEN DEUTSCHEN ARBEITERPARTEI AUSLANDS - UND AUFBAUORGANISATION WINTER 1982 (93) Zwei junge Nationalsozialisten brutal ermordet Zerschlagt diesen Staat! Alles geben die G\u00f6tter, die unendlichen, Systems aufgezeigt, mit der kritischen und ihren Lieblingen ganz, oppositionellen Jugend einen Dialog zu f\u00fchalle Freuden, die unendlichen, ren. Per vielbeschworene politische Pluralisalle Schmerzen, die unendlichen, ganz. mus bleibt blanke Theorie. Systemkritiker von links wie von rechts werden st\u00e4ndig ihrer Die Sch\u00fcsse, die am 20. Oktober in den elementarsten Grundrechte, beraubt, haben sp\u00e4ten Abendstunden durch den M\u00fcnchner keinen Anspruch auf Meinungs-und PressefStadtlei] Neuperlach peitschten, sind noch reiheit und werden schlie\u00dflich regelrecht zu nicht verhallt. Sie f\u00fchrten zur Festnahme von Kriminellen gemacht. drei Nationalsozialisten und zum Tod von Es stimmt, unsere Kameraden hatten Wafzwei der aktivsten NS-Untergnmdk\u00e4mpfer. fen im Gep\u00e4ck. Aber keiner starb mit der Das, was sich in jener Nacht in M\u00fcnchenWaffe in der Hand. Keiner harte seine Pistole Neuperlach abspielt, hat in Wirklinchketi nur 3uf einen der beteiligten Polizisten gerichtet. wenig \u00c4hnlichkeit mit den in der Presse verNicht einer unserer toten Kameraden h\u00e4rte \u00f6ffentlichten Versionen. Am 20. Oktober Sich jemals um eine Waffe bem\u00fcht, zw\u00e4nge kam es in der Putz brunner Stra\u00dfe in M\u00fcnchen uns nicht das Bonner System im Untergrund nicht zu irgendeiner \"routinem\u00e4\u00dfigen Konzu arbeiten oder ins Ausland zu emigrieren trolle eines Pkw mit 5 Insassen\", wie westund somit vielfaltigen Gefahren ausgesetzt deutsche Zeitungen berichteten, sondern zur zusein. Dutzende von f\u00fchrenden NationalsoHinrichtung von zwei blut jungen Nationalzialisten sind heute gezwungen, in den ansozialisten. Deise Hinrichtung war systematgrenzenden Nachbarl\u00e4ndern unter schwieriisch geplant und wurde von einem 10 Mann gen Bedingungen ihr Dasein zu fristen. Zwei starken Killer-Kommando der Polizei durch-. dieser Kameraden waren Klaus Ludwig Uhl gefuehrt. und Kurt Wolfgram, 24 und 21 Jahre alt. Wenn die Systempresse von einem Beide harten die ganze Maschinerie der Ver\"Kampf zwischen Neonazis und der Polifolgung und Existenz Vernichtung am eigenen zei\" berichtete, so ist dies eine glatte L\u00fcge. Leib zu sp\u00fcren bekommen. Klaus Ludwig Es hat keinen Kampf gegeben. Auf dereinen Uhl harte hintereinander zwei Arbeitsstellen Seite befanden sich f\u00fcnf \u00e4hnunglose Nationverloren, weil der Staatsschutz jeweils nach alsozialisten, auf der anderen zehn Scharfkurzer Zeit den neuen Arbeitgeber \u00fcber die sch\u00fctzen eines Speziaieinsatzkommandos weltanschaulichen Ansichten unseres Kamder Polizei in zwei gepanzerten Personeneraden aufkl\u00e4rte und dabei erhebliche Unanwagen, die K\u00f6rper gesch\u00fctzt durch kugelnehmlichkeiten f\u00fcr den Fall einer Weitersichere Westen und bewaffnet mit Maschinbesch\u00e4ftigung in Aussicht stellte. Das Reenpistolen. Das war die Ausgangslage, Nur sultat waren drei Entlassungen aus nichtigen Zyniker k\u00f6nnen diesen sorgf\u00e4ltig geplanten Gr\u00fcnden und anschlie\u00dfende ArbeitslosigHifirichtungsakt einen \"Kampf' nennen. keit, weil sich kein Betrieb mehr fand, der Wir wollen hier nicht auf die tats\u00e4chlichen ihn eingestellt h\u00e4rte. oder vermeintlichen Absichren unserer fest\u00c4hnliche Schwierigkeiten hat man auch genommenen und toten Kameraden einKurt Wolfgram bereitetWeil er aus seiner gehen. Wir lehnen es ab, uns nach moralisnationalsozialistischen Weltanschauung kein chen Grunds\u00e4tzen dieser Gesellschaft verurHehl machte, wurde er kurz vor dem Abitur teilen zu lassen, die selbt von den Repr\u00e4vom Gymnasium gewiesen. Sein weiterer sentanten dieses Systems st\u00e4ndig verletzt Lebensweg und eine b\u00fcrgerliche Existenz weiden. waren damit auch ihm verbaut. Doch all Die Morde von M\u00fcnchen haben letztenddiese existentiellen Terrorma\u00dfnahmen konnlich die Unf\u00e4higkeit dieses demokratischen i Fortsetzung auf Seite 2) 123","1982 wurden in Bayern 36 (1981: 61) verschiedene, meist deutschund englischsprachige Druckschriften, Flugbl\u00e4tter, Rundbriefe und Klebezettel festgestellt, die \u00fcberwiegend aus den USA, \u00d6sterreich und Kanada stammten. Wegen der Militanz ihrer Aussagen sind vor allem die aus Nordamerika in das Bundesgebiet versandten Schriften zu erw\u00e4hnen. So rief die neonazistische \"NSDAP-Auslandsund Aufbauorganisation\" (NSDAP-AO) des Gary Rex Lauck aus Lincoln/Nebraska (USA) zur \"Zerst\u00f6rung des westdeutschen Besatzungssystems\" auf, das \"unter allen Umst\u00e4nden und mit allen Mitteln vernichtet\" werden m\u00fcsse. Dem \"Bonner Verbrecherregime\", das seine Rechtfertigung nur \"durch st\u00e4ndige Verteufelung der Vergangenheit aufrecht erhalten\" k\u00f6nne, gelte \"unser Ha\u00df und unser Kampf\". Endziel sei die \"Schaffung eines nationalsozialistischen Staates in einem freien, souver\u00e4nen und neuvereinigten Gro\u00dfdeutschen Reich\" und die \"Errichtung einer Neuen Ordnung auf einer rassischen Grundlage in der gesamten arischen Welt\". Es m\u00fcsse einmal die Zeit kommen, wo \"alles Erbunt\u00fcchtige im deutschen Volk zum Erl\u00f6schen gebracht\" sei. Herkunft ausl\u00e4ndischen rechtsextremen Propagandamaterials Sonstige Kanada \u00d6sterreich Daneben verbreitete die NSDAP-AO vor allem Hakenkreuzaufkleber mit Aufschriften wie \"Wir sind wieder da\", \"Rotfront verrecke\" und \"Jetzt NSDAP\". Der Verlag \"White Power Publications\" des George P. Dietz aus Reedy/West Virginia (USA) agitierte in der Zweimonatsschrift \"Der Schulungsbrief\" in scharfer Form gegen die \"j\u00fcdisch-bolschewistischen Wahrheitsm\u00f6rder und Berufs124","Ausl\u00e4ndisches rechtsextremes Propagandamaterial JAN.-FEB. 1982 III. Jahrg.--1. Folge SdmlunPbticf Oas 3mtffikIflonat5bittttDcrn9DfiP.unD DFU-(fiaupffdiulungsamt Da ngDRD.unfl0d)i\u00fciuig5amtuffDH5)fjff^ DIESES MATERIAL WIRD DEM EMPF\u00c4NGER UNBESTELLT UND KOSTENLOSZUGESANDT. SAMISDAT ^^L'r^C.\"\"\"'01 S \u00c4 0 irffiS\u00c4\"\"* NOVEMBER-DEZEMBER 1982. R U N D 8 R i E F N R . 41 FRANK WALUS: \"KRIEGSVERBRECHER\" --Sein heroischer Kampf mit der Dummheit, Korruption, der Lilge und einer manipulierten Justiz und Presse. Simon Hiesenthal, der selbsterkorene 'NazI-JJJger', der vielgepriesene Held aus Funk, Film, Fernsehen undTresse hat sich endlich selbst besiegt! Die Gerechtigkeit triumphiert eben immer am Ende. Lassen Sie mich um mit biblischen Gleichnissen zu sprechen, den David vorJETZT NSDAP! NSOAP-AO BDX 6414. Lincoln. NE 68506 USA KAMPF DER JUDERPARTEIER WIR SIND KPD SPD CDU CSU FDP WIEDER DA! NSDAP-AO Box 6414, NSDAP-AO Lincoln. NE 68506 USA Box 6414, Lincoln, NE 68506 USA 125","l\u00fcgner\", die seit Jahren im Deutschen Fernsehen eine \"propagandistische antideutsche Schmutzflut inszeniert\" h\u00e4tten. Die Verbrechen des Nationalsozialismus an den Juden wurden als von \"Juden und Kommunisten fabrizierte L\u00fcgen\" hingestellt. Ein dem Schulungsbrief beigef\u00fcgtes Flugblatt rief zur gewaltsamen Vertreibung der Juden aus Europa auf. Aus Toronto (Kanada) versandte der Inhaber des Verlags \"Samisdat Pubiishers\" Ernst C.F. Z\u00fcndel antisemitische Schriften in das Bundesgebiet, die sich vor allem mit dem \"Holocaust-Schwindel\", der \"Gaskammerl\u00fcge\" und den \"j\u00fcdischen Kriegserkl\u00e4rungen an Deutschland\" befa\u00dften. In einem Rundbrief erkl\u00e4rte Z\u00fcndel, er erstrebe eine \"Entteufelung Hitlers und damit Deutschlands\". Angesichts der \"verlogenen Darstellungen\" der NS-Verbrechen betrachte er es als seine Lebensaufgabe, massive antij\u00fcdische Propaganda zu betreiben. Der 1979 von dem Rechtsextremisten Walter Ochensberger in \u00d6sterreich gegr\u00fcndete \"Nachrichten-Austausch-Dienst\" (N.A.D.) verbreitete eine Anleitung zum Selbstschutz und Untergrundkampf. Darin wurden Fragen der Zellenbildung, der Herstellung illegaler Schriften, der Beschaffung und Einlagerung von Waffen sowie der Kampff\u00fchrung und Sabotage dargestellt. Ochensberger ist auch Inhaber des \"Sieg-Aktuell-Jugend-Presse-Dienst-Verlags\" in Lochau (\u00d6sterreich), der in seiner Zweimonatsschrift \"Sieg\" die \"soziale Volksgemeinschaft der Tat\" propagierte. 126","4. Abschnitt Gewalt und Terror 1. Allgemeines Die Bedrohung der inneren Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland durch politisch motivierte Gewalttaten hielt 1982 unvermindert an. Die Zahl von Brandund Sprengstoffanschl\u00e4gen mit linksterroristischem Bezug hat sich von 129 im Vorjahr auf 184 erh\u00f6ht. Dabei haben sich die Sprengstoffanschl\u00e4ge im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Bevorzugte Zielobjekte waren Einrichtungen der US-Streitkr\u00e4fte sowie von Firmen, die am Bau von Kernkraftwerken, Wiederaufarbeitungsanlagen oder der Startbahn-West in Frankfurt beteiligt sind. Aus dem Kreis der linksextremen Terroristen und Gewaltt\u00e4ter einschlie\u00dflich des terroristischen Umfeldes konnten bundesweit insgesamt 60 Personen festgenommen werden, davon drei in Bayern. Mit den Festnahmen von Brigitte Mohnhaupt, Adelheid Schulz und Christian Klar im November und der Aufdeckung von '14 Erddepots mit Waffen, Munition, Sprengstoff, Dokumenten und F\u00e4lschungsmaterial gelang den Sicherheitsbeh\u00f6rden ein entscheidender Erfolg gegen die \"Rote Armee Fraktion\" (RAF). 39 Personen wurden wegen Straftaten im Zusammenhang mit dem linksextremen Terrorismus verurteilt, davon keine in Bayern. Die rechtsextremen terroristischen Gewalttaten sind zahlenm\u00e4\u00dfig von 108 im Vorjahr auf 69 zur\u00fcckgegangen. Darunter sind drei Sprengstoffanschl\u00e4ge auf US-Fahrzeuge und deren Insassen sowie zwei Sprengstoffanschl\u00e4ge auf amerikanische Wohnsiedlungen, die nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen der rechtsterroristischen Gruppe um Kexel und Hepp zuzurechnen sind. Der Rechtsextremist Oxner ermordete in N\u00fcrnberg drei Ausl\u00e4nder und verletzte drei weitere schwer, bevor er sich selbst erscho\u00df. Insgesamt wurden in Bayern 6 rechtsextreme terroristische Gewalttaten und 39 Gewaltdrohungen bekannt, die sich insbesondere gegen Ausl\u00e4nder und Asylanten (16) sowie gegen Juden (12) richteten. Festgenommen wurden insgesamt 7 Personen aus dem rechtsextremen Bereich, davon eine in Bayern. 15 Personen wurden verurteilt, davon f\u00fcnf in Bayern. 127","2. Terroristische Gruppen 1982 bestanden folgende terroristische Gruppen: -- Rote Armee Fraktion (RAF) -- Revolution\u00e4re Zellen (RZ) -- Gruppe um Walter Kexel und Odfried Hepp RAF und RZ sind linksextreme Gruppen; die Gruppe um Kexel und Hepp ist rechtsextrem. In ihren Fernzielen sind sich diese Gruppen einig: sie wollen mit terroristischen Gewaltmitteln die bestehende staatliche Ordnung beseitigen. Die linksextremen Gruppen sehen im Terrorismus eine Strategie revolution\u00e4rer Systemver\u00e4nderung. Sie gehen von einem revolutionsreifen Zustand aus, den sie durch die Anwendung von Gewalt und den durch diese Gewaltanwendung erzeugten Schrecken in eine aktuelle revolution\u00e4re Situation verwandeln wollen. Die rechtsextreme Gruppe um Kexel und Hepp richtete ihre Anschl\u00e4ge insbesondere gegen US-Angeh\u00f6rige und US-Einrichtungen mit dem Ziel, die \"amerikanischen Besatzer\" zu vertreiben. F\u00fcr die Zeit nach dem bewaffneten Umsturz lassen die terroristischen Gruppen keine klaren Vorstellungen erkennen. Sicher erscheint nur, da\u00df die linksextremen Terrorgruppen solche Vorstellungen auf der Grundlage der kommunistischen Ideologie entwickeln w\u00fcrden. Die linksextreme terroristische Gruppe \"Bewegung 2. Juni\" ist nicht mehr existent, nachdem der Gro\u00dfteil der Mitglieder gefa\u00dft und verurteilt wurde und sich der Rest der Bewegung anderen Gruppierungen angeschlossen hat. Die in den Jahren 1980 und 1981 aktiven rechtsextremen terroristischen Gruppen \"Deutsche Aktionsgruppen\" (DA), \"Wehrsportgruppe Ausland\" des Karl Heinz Hoffmann und die Gruppe um Nikolaus Uhl bestehen nicht mehr; die Mitglieder sind gr\u00f6\u00dftenteils verurteilt und noch in Haft. Der Generalbundesanwalt hat gegen den ehemaligen Vorsitzenden der im Januar 1982 verbotenen VSBD/PdA Friedhelm Busse und die Neonazis Fabel, Hamberger und Coletta Anklage wegen Mitgliedschaft in der von Nikolaus Uhl und Kurt Wolfgram in Paris gegr\u00fcndeten terroristischen Vereinigung \"Kommando Omega\" erhoben. 2.1 Rote Armee Fraktion (RAF) Die RAF entstand Ende der 60er Jahre um Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Horst Mahler und Ulrike Meinhof. Sie verfolgt das Ziel, als Avantgarde des revolution\u00e4ren Kampfes durch terroristische Aktionen der \"Stadtguerilla\" im \"antiimperialistischen Kampf\" und im \"strategischen und taktischen Zusammenwirken mit den Befreiungsk\u00e4mpfen der unterdr\u00fcckten Nationen\" eine Solidarisierung der Massen und eine revolution\u00e4re Situation herbeizuf\u00fchren. Als Objekt ihres \"antiimperialistischen Kampfes\" sieht die RAF vor allem die USA und die Bundesrepublik Deutschland als die beiden bedeutendsten Repr\u00e4sentanten des \"Imperialismus\". M\u00f6gliche Anschl\u00e4ge richten sich daher in erster Linie gegen Pers\u00f6nlichkeiten, die f\u00fcr das westliche B\u00fcndnis verantwortlich sind, gegen hohe Offiziere von Bundeswehr und NATO, gegen milit\u00e4rische Einrichtungen sowie gegen internationale Konzerne und herausragende Ver128","treter der westlichen Wirtschaft, aber auch Pers\u00f6nlichkeiten aus dem Sicherheitsbereich. Im Juni verbreitete die RAF die Schrift \"Guerilla, Widerstand und antiimperialistische Front\" und legte damit nach fast zehn Jahren erstmals wieder ein Grundsatzpapier vor, mit dem die Kommandoebene der RAF ihr politisches und strategisches Konzept nach au\u00dfen vermitteln will. Ausgehend von der These einer \"weltweiten Instabilit\u00e4t des imperialistischen Systems\" wird als das \"unmittelbare n\u00e4chste Ziel\" eine \"k\u00e4mpfende Front gegen die imperialistische Strategie\" propagiert. Mit der Forderung einer \"antiimperialistischen Front\" in Form von \"milit\u00e4rischen Angriffen\" und \"einheitlichen koordinierten militanten Projekten\" wendet sich die RAF haupts\u00e4chlich an militante Str\u00f6mungen der undogmatischen Neuen Linken, von denen sie sich einen Kr\u00e4ftezuwachs erhofft. Hier vermutet sie eine \"Fundamentalopposition\", die \"vom Staat nicht mehr zu erreichen\" sei und aus der \"die existenzielle Tiefe der K\u00e4mpfe und der Ha\u00df\" komme, um die \"revolution\u00e4re Front\" zu entwickeln. \"Fehler und Niederlage\" im Jahre 1977 seien nicht das Entscheidende gewesen, weil die RAF \"durch die Wirkung, die die Konfrontation entwickelt hat, st\u00e4rker als vorher daraus hervorgekommen\" sei. Die RAF versuchte mit ihrer Schrift, nach langer Pause wieder Aussagekraft zu dokumentieren und ihren Avantgardeanspruch zu unterstreichen. Das realit\u00e4tsferne Konzept fand jedoch -- ausgenommen der RAF-Unterst\u00fctzerbereich und dessen engeres Umfeld -- keine Resonanz. Am 15. September ver\u00fcbte die RAF in Bochum einen bewaffneten Bank\u00fcberfall mit einer Beute von 118.000 DM. Damit hat die RAF nach den Bank\u00fcberf\u00e4llen in Darmstadt, N\u00fcrnberg und Z\u00fcrich im Jahre 1979 erstmals wieder nachweisbar eine logistische Aktion durchgef\u00fchrt. Die \"milit\u00e4rische Offensive\" der RAF hat sich \u00fcber die Anschl\u00e4ge auf das Hauptquartier der US-Luftwaffe am 31.8.1981 in Ramstein und gegen den US-General Kroesen am 15.9.1981 in Heidelberg bisher nicht fortgesetzt. Ende Oktober wurde in der N\u00e4he von Offenbach ein Erddepot der RAF entdeckt. Nach Auswertung der dort aufbewahrten verschl\u00fcsselten Aufzeichnungen konnten weitere 13 Depots gefunden werden; zwei davon befanden sich in der N\u00e4he von Heigenbr\u00fccken, Kreis Aschaffenburg. Die Depots enthielten eine Vielzahl von Waffen, Munition, Sprengstoff, F\u00e4lschungsmaterial, Ausweisdokumenten, Geld aus dem Bankraub in Bochum und Aufzeichnungen \u00fcber M\u00f6glichkeiten des illegalen Grenz\u00fcbertritts, u.a. auch von Bayern nach \u00d6sterreich. Bei der Observation der Depots konnten am 11. November am Ursprungsdepot bei Offenbach Brigitte Mohnhaupt und Adelheid Schulz und am 16. November an einem Depot in der N\u00e4he von Hamburg Christian Klar festgenommen werden. Mit der Festnahme der RAF-F\u00fchrungsspitze wurde die RAF personell empfindlich getroffen und mit der Entdeckung der Erddepots ist ein wichtiger Erfolg in der Bek\u00e4mpfung der Logistik der RAF gelungen. Trotz dieser schweren Einbu\u00dfen ist davon auszugehen, da\u00df die RAF ihren \"bewaffneten Kampf\" nicht aufgeben wird. Die etwa 15 bis 20 im Untergrund lebenden Mitglieder der RAF sind nach wie vor in der Lage, schwerste Gewalttaten zu ver\u00fcben. Sie wird auch versuchen, neue Mitglieder zu werben. Die von der RAF ausgehende Gefahr ist deshalb keineswegs gebannt. 129","2.2 Revolution\u00e4re Zellen (RZ) Die Revolution\u00e4ren Zellen (RZ) sind neben der RAF die gef\u00e4hrlichste terroristische Vereinigung in der Bundesrepublik Deutschland. Sie haben sich seit 1973 zu \u00fcber 150 Brandund Sprengstoffanschl\u00e4gen bekannt. Im Jahr 1982 erreichten ihre Terroranschl\u00e4ge einen neuen H\u00f6hepunkt. Die RZ unterscheiden sich in Strategie und Taktik von der RAF dadurch, da\u00df ihre Mitglieder so lange wie m\u00f6glich ein b\u00fcrgerliches Leben f\u00fchren und sich als ,,Feierabend-Terroristen\" bet\u00e4tigen. Dies und das Operieren in kleinen, voneinander getrennten Zellen, erschweren das Erkennen von Mitgliedern der RZ. Infolge der kaum \u00fcberschaubaren Organisation sind derzeit keine zuverl\u00e4ssigen Aussagen \u00fcber die Zahl der Mitglieder der RZ m\u00f6glich. Zur ideologischen Begr\u00fcndung ihrer Anschl\u00e4ge greifen die RZ aktuelle gesellschaftliche und wirtschaftliche Probleme auf. In ihren Bekennerschreiben nach den Aktionen versuchen sie, mit ausf\u00fchrlicher ideologischer Begr\u00fcndung Gruppierungen und Einzelpersonen anzusprechen, deren politisches Engagement sich ebenfalls gegen die von den RZ angegriffenen Ziele richtet. Nach einer Selbstdarstellung im \"Revolution\u00e4ren Zorn\" Nr. 6 von 1981 ist Ziel der RZ ,,die Verbreitung des bewaffneten Widerstands\" und \"die Unterst\u00fctzung eines Netzes autonomer Gruppen, die als bewaffnete Tendenz innerhalb der Bewegung in ihren St\u00e4dten und Regionen aus sich heraus aktionsf\u00e4hig sind, die dort mit den Methoden der Subversivit\u00e4t Widerspr\u00fcche forcieren und auf den internen Gliederungen des Machtgef\u00fcges intervenieren, die also das Handlungsarsenal der legalen Linken und ihre M\u00f6glichkeiten der Sabotage, der Bestrafung, der Gegenwehr, der Eroberung von Lebensm\u00f6glichkeiten erweitern\". Zur Rechtfertigung ihres \"bewaffneten Kampfes\" berufen sich die RZ darauf, da\u00df wegen des \"Systems der weltweiten imperialistischen Machtstruktur\" der \"antiimperialistische Kampf\" notwendig bleibe. In der unregelm\u00e4\u00dfig auftauchenden Publikation \"Revolution\u00e4rer Zorn\", dem \"Sprachrohr\" der RZ, wurden auch Anleitungen f\u00fcr Anschl\u00e4ge abgedruckt. 1982 bekannten sich die RZ zu 38 Brandund Sprengstoffanschl\u00e4gen im Bundesgebiet. Die Zahl der Anschl\u00e4ge hat sich damit gegen\u00fcber dem Vorjahr mit 21 fast verdoppelt. Auch die Schwere der Anschl\u00e4ge hat zugenommen; das \u00dcbergewicht liegt nunmehr bei den Sprengstoffanschl\u00e4gen. Zwar ver\u00fcbten die RZ im Gegensatz zu 1981, wo sie den hessischen Wirtschaftsminister Karry ermordeten, keine gezielten Anschl\u00e4ge gegen Personen. Bei den Terroraktionen wurde aber auch keine Vorsorge getroffen, um die Gef\u00e4hrdung von Menschen auszuschlie\u00dfen. Den H\u00f6hepunkt bildete eine Serie von acht Sprengstoffanschl\u00e4gen in der Nacht zum 1. Juni auf amerikanische Milit\u00e4reinrichtungen und Unternehmen anl\u00e4\u00dflich des Besuchs des amerikanischen Pr\u00e4sidenten in der Bundesrepublik Deutschland und der NATO-Gipfelkonferenz in Bonn. Bayern war von dieser Anschlagserie mit dem Sprengstoffanschlag vom 31. Mai auf den US-Offiziersclub in Bamberg betroffen. Die regionalen Schwerpunkte der RZ-Aktionen insgesamt befanden sich im Raum Frankfurt a. Main, Berlin und im Rhein-/Ruhrgebiet. 130","Die Zunahme der politisch motivierten Anschl\u00e4ge im Operationsstil der RZ l\u00e4\u00dft den Schlu\u00df zu, da\u00df nicht nur neue Revolution\u00e4re Zellen entstanden sind, sondern dar\u00fcber hinaus weitere Kleingruppen und Unterst\u00fctzerkreise das Konzept der RZ aufgegriffen haben. Es ist damit zu rechnen, da\u00df sich die RZ in Anlehnung an das Ziel einer \"Popul\u00e4ren Guerilla\" und einer \"Massenmilitanz\" weitere Protestgruppen erschlie\u00dfen k\u00f6nnen. F\u00fcr den Fall einer Stationierung neuer Mittelstreckenraketen in der Bundesrepublik Deutschland haben die RZ die Aufbietung ihres gesamten terroristischen Potentials angek\u00fcndigt. Internationale Verflechtungen der RZ wurden bei der Festnahme der Deutschen Magdalena Kopp und des Schweizers Bruno Breguet am 16. Februar in Paris sichtbar. Sie f\u00fchrten in ihrem Fahrzeug Schu\u00dfwaffen, Sprengstoff und Z\u00fcndeinrichtungen mit und bezeichneten sich als Mitglieder einer \"Organisation internationaler Revolution\u00e4re\". Kopp war die Lebensgef\u00e4hrtin des mutma\u00dflichen Terroristen Johannes Weinrich, der der \"Internationalen Fraktion\" der RZ zugerechnet wird, die wiederum mit einer Splittergruppe der \"Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas\" (PFLP) zusammenarbeitet. In einem von dem internationalen Terroristen Mich Ramirez-Sanchez alias \"Carlos\" f\u00fcr die \"Organisation des bewaffneten arabischen Kampfes -- Arm der arabischen Revolution\" unterzeichneten Ultimatum war die franz\u00f6sische Regierung zur Freilassung der Festgenommenen aufgefordert worden. Kopp und Breguet wurden von einem Pariser Gericht zu mehrj\u00e4hrigen Freiheitsstrafen verurteilt. 2.3 Gruppe um Walter Kexel und Odfried Hepp Nach dem bisherigen Ergebnis der Ermittlungen bestand seit 1981 eine rechtsterroristische Vereinigung um die Neonazis Walter Kexel und Odfried Hepp. Der Gruppe geh\u00f6rten ferner die Neonazis Helge Blasche, Hans-Peter Fraas, Dieter Sporleder und Ulrich Tillmann an. Kexel, Blasche und Sporleder sind ehemalige Mitglieder der im Januar 1982 verbotenen \"Volkssozialistischen Bewegung Deutschlands/Partei der Arbeit\" (VSBD/PdA). Fraas und Tillmann geh\u00f6rten der im Januar 1980 verbotenen \"Wehrsportgruppe Hoffmann\" (WSG) an. Hepp und Fraas wurden von 1980 bis 1981 als Angeh\u00f6rige der \"Wehrsportgruppe Ausland\" des Karl Heinz Hoffmann in einem Pal\u00e4stinenserlager im Libanon milit\u00e4risch ausgebildet. Hepp war zudem fr\u00fcher \"Gauf\u00fchrer\" der \"Wiking-Jugend\". Der Gruppe werden schwerste Gewalttaten gegen US-Angeh\u00f6rige und USWohnsiedlungen zur Last gelegt. Dazu geh\u00f6ren die Sprengstoffanschl\u00e4ge auf amerikanische Soldaten am 14. Dezember in Butzbach, bei dem ein US-Soldat durch einen in seinem Privatfahrzeug versteckten Sprengsatz lebensgef\u00e4hrlich verletzt wurde, ebenfalls am 14. Dezember in Frankfurt, wo ein US-Soldat den unter dem Schonbezug des Fahrersitzes deponierten Sprengsatz beim Einsteigen entdecken konnte, sowie am 15. Dezember in Darmstadt, wo ein US-Soldat durch einen in seinem Privat-Pkw versteckten Sprengsatz verletzt wurde. Die Gruppe wird ferner mehrerer bewaffneter Bank\u00fcberf\u00e4lle mit einer Beute von insgesamt mindestens 600.000 DM beschuldigt. Darunter sind auch zwei Bank\u00fcberf\u00e4lle in Bayern am 6. April in Heroldsberg, Kreis Erlangen-H\u00f6chstadt, und am 18. November in Neunkirchen a. Brand, Kreis Forchheim. 131","Nach Entdeckung einer konspirativen Wohnung der Gruppe in Frankfurt konnten am 15. Februar 1983 Blasche, Fraas und Sporleder festgenommen werden. Drei Tage sp\u00e4ter wurden Kexel und Tillmann in der N\u00e4he von London festgenommen. Hepp ist noch fl\u00fcchtig. Im Februar 1983 wurden in einem Waldst\u00fcck bei Dietzenbach in Hessen drei von der Gruppe angelegte Erddepots mit Waffen und Munition gefunden. Die Gruppe gibt ihre antiamerikanischen Terroranschl\u00e4ge als ,,antiimperialistischen Befreiungskampf\" aus und l\u00e4\u00dft sich ideologisch'in die Tradition des National-Bolschewismus und des sozialistischen Fl\u00fcgels der NSDAP in den letzten Jahren der Weimarer Republik einordnen. Im Juli 1982 verfa\u00dften Kexel und Hepp eine Schrift mit dem Titel,,Abschied vom Hitlerismus\", in dor sie sich vom herk\u00f6mmlichen Rechtsextremismus in der Bundesrepublik abgrenzen. Ihr Ziel sei es, nicht einen Staat hitlerscher Pr\u00e4gung zu schaffen, sondern einen ,,undogmatischen Befreiungskampf\" gegen den \"imperialistischen US-Amerikanismus\" zu f\u00fchren. In diesem Kampf gegen den \"Amerikanismus\" sei jeder recht, \"Rechte\" wie \"Linke\". Wenngleich die Gruppe nach dem Muster der \"Roten Armee Fraktion\" vorging -- Finanzierung durch Bank\u00fcberf\u00e4lle, Unterhaltung konspirativer Wohnungen, Anlegen von Erddepots, Anschl\u00e4ge auf amerikanische Einrichtungen -- so sind doch keine Verbindungen zu Linksterroristen erkennbar. 3 Politisch motivierte Gewaltaktionen in Bayern Auch in Bayern nahm 1982 die Anzahl politisch motivierter Gewaltaktionen weiter zu. Insgesamt wurden 18 Brandanschl\u00e4ge und 6 Sprengstoffanschl\u00e4ge sowie zahlreiche weitere Sachbesch\u00e4digungen ver\u00fcbt. Die Anschl\u00e4ge sind \u00fcberwiegend linksextremen T\u00e4terkreisen zuzuordnen, die zu mehreren Anschl\u00e4gen Tatbekenntnisse abgegeben haben. Diese T\u00e4terkreise sind nur in Ausnahmef\u00e4llen terroristischen Kerngruppen zuzurechnen. Die meisten Gruppierungen weisen keine zentral organisierten Strukturen auf und schlie\u00dfen sich zur Tatausf\u00fchrung mehr oder weniger spontan zusammen. Anschl\u00e4ge mit .rechtsextremem Hintergrund richteten sich insbesondere gegen Ausl\u00e4nder und ausl\u00e4ndische Einrichtungen. Daneben wurden auch wieder von ausl\u00e4ndischen Gruppen Terroranschl\u00e4ge durchgef\u00fchrt. Im einzelnen sind folgende Anschl\u00e4ge zu nennen: Am 14. Januar wurde auf die Moschee des Islamischen Zentrums der \"Islamischen Gemeinschaft in S\u00fcddeutschland e.V.\" in M\u00fcnchen ein Sprengstoffanschlag ver\u00fcbt. Durch die Explosion entstand ein Sachschaden von rund 10.000 DM. Eine Bekennung erfolgte nicht. Die T\u00e4ter konnten bisher nicht ermittelt werden. Am 2. Februar legten unbekannte T\u00e4ter in einem Abteil eines von Herrsching nach M\u00fcnchen fahrenden S-Bahnzuges mit einer brennbaren Fl\u00fcssigkeit einen Brand, der einen Schaden von rund 200.000 DM verursachte. Ein mutma\u00dflicher T\u00e4ter rief bei einer M\u00fcnchner Tageszeitung an und erkl\u00e4rte: \"Wir w\u00fcnschen keinen Weiterbau auf der Startbahn in Frankfurt und auch nicht in Gorleben\". 132","Sprengstoffanschlag Flughafen M\u00fcnchen-Riem -- 31. 7. 1982 Sprengstoffanschlag auf das US-Casino in Bamberg -- 31. 5. 1982 Schmierschrift in Amberg 133","Am 10. Februar ver\u00fcbten unbekannte T\u00e4ter einen Brandanschlag auf das Wohnlager der Baustelle f\u00fcr das Kernkraftwerk Gundremmingen II. Drei Personen wurden verletzt, der Sachschaden betr\u00e4gt rund 60.000 DM. Am 22. M\u00e4rz ver\u00fcbten unbekannte T\u00e4ter einen Brandanschlag auf das jugoslawische Kulturzentrum in M\u00fcnchen. Sie vergossen in einem als Buchladen f\u00fcr jugoslawische Literatur genutzten Anbau Benzin und entz\u00fcndeten es. Der Sachschaden betr\u00e4gt rund 80.000 DM. In der Nacht zum 27. April ver\u00fcbten unbekannte T\u00e4ter einen Brandanschlag auf eine Diskothek in Aichach. Es entstand ein Sachschaden von rund 30.000 DM. Vor dem Geb\u00e4ude wurde ein Zettel mit der Aufschrift ,.Ausl\u00e4nder raus\" aufgefunden. Am 12. Mai ver\u00fcbten unbekannte T\u00e4ter mit einem Molotowcocktail in H\u00f6chstadt a.d. Aisch einen Brandanschlag auf einen US-Panzer, in dem sich zwei Soldaten befanden. In der Nacht zum 17-Mvla'i wurde mit einem Molotowcocktail ein Brandanschlag auf das Amtsgericht Memmingen ver\u00fcbt. Es entstand leichter Sachschaden. Zum Anschlag bekannte sich eine \"Frechheit 82\". Am 26. Mai ver\u00fcbten unbekannte T\u00e4ter einen Sprengstoffanschlag auf das jugoslawische Kulturund Begegnungszentrum in Augsburg. Es entstand ein Sachschaden von rund 200.000 DM. Am 31. Mai wurde auf den US-Offiziersclub in Bamberg ein Sprengstoffanschlag ver\u00fcbt. Der Sachschaden betrug rund 20.000 DM, Personen wurden nicht verletzt. Zu dem Anschlag bekannten sich die \"Revolution\u00e4ren Zellen\" (RZ). Am 9. Juni durchs\u00e4gten unbekannte T\u00e4ter einen Holzmast der Stromleitung zum Mun\u00fcionsdepot Zennwald bei F\u00fcrth. Am Tatort wurde ein Bekennerschreiben eines \"Komitees zur Evakuierung aller bundesdeutschen Politiker\" hinterlassen. Am 24. Juni erscho\u00df der 26j\u00e4hrige Dachdecker Helmut Oxner in einer N\u00fcrnberger Diskothek nach einer Auseinandersetzung mit dem Portier einen unbeteiligten farbigen Amerikaner. Anschlie\u00dfend gab er im Lokal mehrere Sch\u00fcsse ab. Dabei wurde ein farbiger US-Soldat t\u00f6dlich getroffen; eine Koreanerin und ein t\u00fcrkischer Kellner erlitten lebensgef\u00e4hrliche Verletzungen. Nach der Flucht aus dem Lokal scho\u00df Oxner auf eine Gruppe von Ausl\u00e4ndern, wobei er einen \u00c4gypter t\u00f6tete und einen Libyer lebensgef\u00e4hrlich verletzte. Nach einem Schu\u00dfwechsel mit der Polizei, bei dem er verletzt wurde, beging er Selbstmord. Oxner f\u00fchrte drei Handfeuerwaffen und Munition sowie Hakenkreuzaufkleber der neonazistischen \"NSDAP-Auslandsund Aufbauorganisation\" (NSDAP-AO) bei sich. In seiner Wohnung wurden weitere Waffen und rechtsextremes Schriftmaterial sichergestellt. Oxner hatte mehrfache Kontakte zu Rechtsextremisten. In der Nacht zum 28. Juli wurde mit einem Molotowcocktail ein Brandanschlag auf eine Filiale der Stadtsparkasse M\u00fcnchen ver\u00fcbt. Es entstand ein Sachschaden von rund 7.000 DM. Zu dem Anschlag bekannte sich eine \"Freizeit '82\". 134","Am 31. Juli explodierte in der Sonderabfertigungshalle f\u00fcr Israelfl\u00fcge des Flughafens M\u00fcnchen-Riem ein in einem Koffer versteckter Sprengk\u00f6rper. Acht Personen wurden zum Teil schwer verletzt, der Sachschaden betr\u00e4gt rund 200.000 DM. Der Anschlag richtete sich gegen Passagiere im Israelflugverkehr. Zum Zeitpunkt der Explosion hatten ca. 450 Flugg\u00e4ste die Zugangshalle passiert und befanden sich im Sicherheitsbereich. Zur Tat bekannte sich eine bisher unbekannte Vereinigung ,.Gerechtigkeit f\u00fcr pal\u00e4stinensische Organisationen\". In der Nacht zum 20. August ver\u00fcbte ein unbekannter T\u00e4ter in der N\u00e4he von Dfllingen einen Mordversuch auf einen Exilkroaten und dessen deutsche Freundin. Der Kroate wurde bei dem Anschlag leicht verletzt; seine Freundin erlitt einen Schultersteckschu\u00df. Am 16. Oktober versuchten unbekannte T\u00e4ter in M\u00fcnchen einen Brandanschlag auf zwei Kraftfahrzeuge des CSU-Bezirksverbandes M\u00fcnchen. Zur Tat bekannte sich eine Gruppe \"Rebellische Anarchisten\". Zu Sachbesch\u00e4digungen an US-Kraftfahrzeugen in der Nacht vom 22723. Oktober in M\u00fcnchen bekannte sich eine ,,Militante Freundschaftsbewegung M\u00fcnchen-Baerlin, Baerlin-M\u00fcnchen\". In der Nacht vom 30./31. Oktober ver\u00fcbte ein unbekannter T\u00e4ter auf einen in N\u00fcrnberg geparkten Werbe-Lkw des CSU-Bezirksverbandes N\u00fcrnberg/F\u00fcrth einen Brandanschlag. Es entstand ein Sachschaden von 12.000 DM. Zwischen dem 5. und 8. November wurde mit zwei Molotowcocktails ein Brandanschlag auf das Deutsche Jugendinstitut in M\u00fcnchen ver\u00fcbt. Es entstand nur geringer Sachschaden. Zur Tat bekannte sich eine \"Offensive schwarzer Stern\". Zu einem Brandanschlag am 13. November auf das Luitpold-Gyrnnasium in M\u00fcnchen bekannte sich eine Gruppe \"Die Anderen\". Am 17. November ver\u00fcbten unbekannte T\u00e4ter in Elchingen, Kreis Neu-Ulm, einen Brandanschlag auf eine Wohnbaracke, die zehn t\u00fcrkischen Arbeitnehmern mit ihren Familien als Unterkunft dient. Personen wurden nicht verletzt, der Sachschaden betr\u00e4gt rund 1.000 DM. Zwischen dem 25. und 29. November wurde auf dem Gel\u00e4nde der Prinz-CarlKaserne in Augsburg ein Brandanschlag mit zwei Molotowcocktails durchgef\u00fchrt, die ohne Wirkung blieben. In der Nacht zum 24. Dezember warfen unbekannte T\u00e4ter gegen ein auf dem Christkindlesmarkt in N\u00fcrnberg aufgestelltes Holzpodium einen Molotowcocktail. Der Brand konnte durch einen Wachmann gel\u00f6scht werden. Am 28. Dezember ver\u00fcbten unbekannte T\u00e4ter auf einen Streifenwagen der Polizeiinspektion Freising einen Brandanschlag mit einem Molotowcocktail, wobei erheblicher Sachschaden entstand. Abgeschlossen wurde das Ermittlungsverfahren wegen des Bombenanschlags auf dem M\u00fcnchner Oktoberfest am 26. September 1980. Der Generalbundesanwalt stellte das Verfahren ein, da die Ermittlungen keine Anhaltspunkte ergeben 135","hatten, da\u00df der im Verlauf des Tatgeschehens get\u00f6tete Gundolf K\u00f6hler aus einer Gruppierung heraus handelte oder da\u00df es sonstige Tatbeteiligte, Hinterm\u00e4nner oder Mitwisser gab. Insbesondere fanden sich keine Hinweise, da\u00df Angeh\u00f6rige rechtsextremer Organisationen mit dem Anschlag in Verbindung standen. Das Tatmotiv K\u00f6hlers lie\u00df sich nicht mit v\u00f6lliger Sicherheit aufkl\u00e4ren. Nach dem Ergebnis der Ermittlungen hat K\u00f6hler den Anschlag aus einer schweren seelischen Krise heraus und aus Unzufriedenheit mit den politischen Verh\u00e4ltnissen begangen. Er hatte schon fr\u00fchzeitig rechtsextreme Vorstellungen vertreten und als Jugendlicher an \u00dcbungen der \"Wehrsportgruppe Hoffmann\" teilgenommen sowie Kontakte zu rechtsextremen Hochschulgruppen unterhalten. 4. Terroristisches Umfeld Eine besondere Rolle im linksterroristischen Umfeld kommt dem sogenannten \"legalen RAF-Bereich\" in verschiedenen St\u00e4dten des Bundesgebietes einschlie\u00dflich Berlin (West) zu. Die darin erfa\u00dften Personen setzen den Kampf der RAF auf \"legaler Ebene\" fort, indem sie die politischen Vorstellungen der RAF in propagandistischen Kampagnen und Aktionen verbreiten. Einzelne Mitglieder aus diesem Bereich sind in den letzten Jahren untergetaucht und zum harten terroristischen Kern gesto\u00dfen. In Bayern wurden noch keine Gruppen festgestellt, die dem \"legalen RAFBereich\" zugerechnet werden k\u00f6nnen. Vermehrte RAFund RZ-SchmierschriftParolen, die sich nicht nur auf Gro\u00dfst\u00e4dte beschr\u00e4nken, lassen jedoch den Schlu\u00df zu, da\u00df sich das Sympathisantenfeld dieser Terrorgruppen vergr\u00f6\u00dfert hat. Ihren H\u00f6hepunkt erreichten Schmierschriftaktionen w\u00e4hrend des bundesweiten Hungerstreiks inhaftierter Terroristen im Sommer 1982. Besonders betroffen war die Stadt N\u00fcrnberg, in der zahlreiche Parolen \"baut Bomben, bildet Banden\", \"Solidarit\u00e4t mit dem RAF-Hungerstreik\", \"Solidarit\u00e4t mit den RAF-Gefangenen\" usw. festgestellt wurden. Zum linksterroristischen Umfeld ist auch eine schwer \u00fcberschaubare \"Scene\" zu rechnen, die sich entsprechend dem Titel einer 1981 verbreiteten Schrift als \"Guerilla diffusa\" versteht. Unter Verzicht auf ein theoretisches Konzept steht im Vordergrund die Zerst\u00f6rung des Staates und des \"Systems\", deren erreichter Grad so beschrieben wird: \"Wir sind aus der Phase von Sprengs\u00e4tzen, die in unser und das allgemeine Bewu\u00dftsein zielten, in die Phase konkreter Sabotage und allt\u00e4glicher Subversion getreten.\" Anstelle fester Organisationsstrukturen werden \"Unberechenbarkeit\", \"Chaos\" und \"Phantasie\" propagiert. Als \"Organisationsmodell\" haben die \"Stra\u00dfenk\u00e4mpfer und Pyromanen der Bewegung das RZ-Modell \u00fcbernommen, ohne da\u00df die neue Militanz und die RZStrategie die gleichen Wurzeln oder die selbe politische Bestimmung haben\". Es werden \"regelund unregelm\u00e4\u00dfige kleine Gruppen\" gebildet, deren Mitglieder \"legal\" auftreten und die \"ganz heimlich und abgeschlossen die Verantwortung, Planung und Durchf\u00fchrung eines Anschlages \u00fcbernehmen. Jede Gruppe handelt selbstbestimmt, hat keinen Namen und taucht in losem Kontakt zu anderen Erfahrungen aus. Die Namen wechseln, der militante Angriff bleibt breit gef\u00e4chert auf die vielen Angriffspunkte des Staates verstreut (diffusa)\". 136","Dem weiteren Umkreis dieser Szene sind auch die \"autonomen Gruppen\" (vgl. 2. Abschnitt Nr. 3.11.5) zuzuordnen sowie die in Bayern aufgetretenen Gruppen \"Freizeit '81/Freizeit '82\" (vgl. 2. Abschnitt Nr. 3.11.4), \"Militante Freundschaftsbewegung M\u00fcnchen-Baerlin, Baerlin-M\u00fcnchen\", \"Offensive schwarzer Stern\" und \"Die Anderen\". Das Umfeld des Rechtsterrorismus bilden haupts\u00e4chlich neonazistische Gruppen, aus deren Reihen sich die Terrorgruppen rekrutieren. Insbesondere die \"NSDAP-Auslandsund Aufbauorganisation\" (NSDAP-AO) (vgl. 3. Abschnitt Nr. 7) \u00fcbt mit ihren Gewaltund Terroraufrufen in ihrer Hetzschrift \"NS-Kampfruf\" bestimmenden Einflu\u00df auf die Gewaltbereitschaft militanter Neonazis aus. So war der am 20. Oktober 1981 in M\u00fcnchen bei der Festnahme erschossene Neonazi und Anf\u00fchrer der Terrorgruppe \"Kommando Omega\", Klaus Ludwig Uhl, gleichzeitig Aktivist bei der NSDAP-AO und geh\u00f6rte dem Redaktionsstab des \"NS-Kampfrufs\" an. In dessen Ausgabe Nr. 46 wird \"Vergeltung\" f\u00fcr den \"sorgf\u00e4ltig geplanten Hinrichtungsakt\" an Uhl und dem mitbeteiligten Wolfgram angedroht. Auch der Neonazi Helmut Oxner, der am 25. Juni in N\u00fcrnberg drei Ausl\u00e4nder ermordete und drei weitere schwer verletzte, besa\u00df Schriften der NSDAP-AO. In der Ausgabe Nr. 48 des \"NS-Kampfrufs\" werden die Morde Oxners damit gerechtfertigt, da\u00df er mit seinen Taten \"ein Fanal\" gegen die \"Kanakenintegration\" und gegen den von den \"Bonner Demok-Ratten\" tolerierten Besatzungszustand habe setzen wollen. 137","5. Abschnitt ; Extremismus im Bildungsbereich 1. Allgemeines Der Bildungsbereich war 1982 wiederum ein bevorzugtes Aktionsfeld extremistischer Gruppen, die vor allem die an den Hochschulen vorhandenen M\u00f6glichkeiten f\u00fcr verfassungsfeindliche Aktivit\u00e4ten nutzten. Sie fanden in der Studentenschaft eine breitere Resonanz als in der \u00fcbrigen Bev\u00f6lkerung. Dar\u00fcber hinaus besa\u00dfen diese Gruppen in den Gremien der Hochschulen unver\u00e4ndert einen gr\u00f6\u00dferen Einflu\u00df, als das ihrer zahlenm\u00e4\u00dfigen St\u00e4rke entsprach. Insgesamt hat sich die Situation im Hochschulbereich gegen\u00fcber dem Vorjahr nur wenig ver\u00e4ndert. Weiterhin bedeutungslos blieb der rechtsextreme Nationaldemokratische Hochschulbund. Die Schw\u00e4che der studentischen Gruppierungen der dogmatischen Neuen Linken hielt weiter an. Die orthodox-kommunistischen Gruppierungen konnten ihren Einflu\u00df behaupten. Dagegen gelang es den Marxistischen Gruppen, eine gr\u00f6\u00dfere Zahl von Mitgliedern zu gewinnen und ihren Einflu\u00dfbereich weiter auszubauen. Erneut zugenommen hat auch die Mobilisierbarkeit der Anh\u00e4ngerschaft linksextremer Gruppen. Dies zeigte sich besonders deutlich bei Aktionen im Zusammenhang mit der sogenannten Friedensbewegung und der Antifaschismuskampagne. Hauptthemen f\u00fcr die Propaganda und Aktionen der linksextremen Hochschulgruppen bildeten der Kampf gegen das \"studentenfeindliche bayerische Hochschulgesetz\", die \"Rotstiftund Hochr\u00fcstungspolitik\" der Bundesregierung und die Forderung nach Wiedereinf\u00fchrung der \"Verfa\u00dften Studentenschaft\" mit politischem Mandat. Sie agitierten ferner gegen den \"Abbau demokratischer Rechte\", \"Berufsverbote\" und \"repressive Studienbedingungen\". Sie wandten sich gegen eine vermeintliche \"Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\" und \"faschistische Gesinnung\" an den Hochschulen sowie gegen die Leistungsk\u00fcrzungen im BAF\u00f6GBereich. Anh\u00e4nger linksextremer Studentenorganisationen sammelten Unterschriften f\u00fcr den \"Krefelder Appell\" und \"atomwaffenfreie Zonen\" und beteiligten sich an lokalen und regionalen \"Friedensaktionen\". Mit \"Protesttagen\", Streikaktionen und Demonstrationen versuchten sie, ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Verschiedentlich kam es-zu St\u00f6rungen von Vorlesungen sowie zu St\u00f6rversuchen bei Veranstaltungen demokratischer Organisationen. 138","\u00dcbersicht \u00fcber extremistische Studentengruppen in Bayern Coburc Schweinfurt'\"] ** ::' . Bayreuth / Bamberg # .. W\u00fcrzburg r-/' : 0\"(c)AB....--\"'\"J'\"* Erlangen\"----'--'' N\u00fcrnberg Ot@4AI omo.m ..- * **.Regerisburg Landshut Passau\" * Augsburg * sing\" '*-,...***.-*' ' - - . . . . , **AB M\u00fcnchen y O*@\u00c4MX Rosenheim Kempten * * Hochschulorte O DKP-HG * MSB-Spartakus (c)SHB A dogmatische Neue Linke A undogmatische Neue Linke * Marxistische Gruppen KNHB Abk\u00fcrzungen vgl. Abk\u00fcrzungsverzeichnis 139","Von den 1982 in Bayern aufgetretenen extremistischen Studentenorganisationen, die sich vielfach Kernorganisationen unterordnen, sind erw\u00e4hnenswert: Orthodoxer Kommunismus DKP: DKP-Hochschulgruppen (DKP-HG) DKP: Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) -- Sozialistischer Hochschulbund (SHB) -- st\u00e4ndiger B\u00fcndnispartner des MSB Spartakus Neue Linke MLPD: Kommunistische Studentengruppen (KSG) AB: Kommunistischer Hochschulbund (KHB) BWK: Kommunistische Hochschulzellen GIM: GIM-Hochschulgruppen -- Marxistische Gruppen (MG) -- Undogmatische Gruppen Rechtsextreme Gruppe NPD: Nationaldemokratischer Hochschulbund (NHB) \u00dcbersicht \u00fcber die Mitgliederzahlen linksextremer Studentenorganisationen in Bayern: 1978 1979 1980 1981 1982 DKP-HG 50 50 50 50 50 M S B Spartakus 100 100 150 170 200 SHB 50 50 60 60 60 MG ' 200 300 300 300 400 Sonst. Neue Linke 150 150 150 150 150 550 650 710 730 860 2. Orthodox-kommunistische Hochschulgruppen Die orthodox-kommunistischen Hochschulgruppen sind die DKP-Hochschulgruppen (DKP-HG) und der Marxistische Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus). 2.1 DKP-Hochschulgruppen (DKP-HG) Die DKP-Hochschulgruppen sind Grundeinheiten der DKP, denen alle an einer Hochschule t\u00e4tigen DKP-Mitglieder (Lehrpersonal, Mitarbeiter der Verwaltung und Studenten) angeh\u00f6ren. Sie sollen im Bildungsbereich die Voraussetzungen f\u00fcr einen etappenweisen \u00dcbergang von der parlamentarischen Demokratie zum Sozialismus kommunistischer Pr\u00e4gung schaffen. Grundlage ihres ideologischen 140","Kampfprogrammes, das sie \"demokratische Alternative\" bezeichnen, sind die revolution\u00e4ren Theorien von Marx, Engels und Lenin. Die DKP-HG steuerten auch 1982 die Aktionen des MSB Spartakus, der die Ziele unter den Studenten durchsetzen soll. Sie arbeiteten auch mit anderen linksextremen Studentenorganisationen zusammen, die f\u00fcr \"Mitbestimmung und Demokratisierung\" der Hochschulen eintraten. DKP-Hochschulgruppen bestehen in Bamberg, Erlangen-N\u00fcrnberg, M\u00fcnchen, Regensburg und W\u00fcrzburg. Die Zahl ihrer Mitglieder lag 1982 etwas \u00fcber 50, wobei ein Teil gleichzeitig dem MSB Spartakus angeh\u00f6rt. Organ der DKP-HG ist die Zeitung \"Kommunist\". Unter diesem Titel erschienen auch ihre Flugschriften. Dar\u00fcber hinaus wurden in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden \u00f6rtliche Publikationen mit \u00e4hnlichen Titeln verbreitet. Die DKP-Hochschulgruppen agitierten vorrangig gegen das \"studentenfeindliche Hochschulgesetz\", das die Organe der \"Verfa\u00dften Studentenschaft\" von jeglicher Mitverantwortung ausgeschlossen habe. Daneben wurden Themen wie \"Frieden und Abr\u00fcstung\", \"Krefelder Appell\" und \"Rotstiftpolitik\" sowie der Falkland-Konflikt, die Vorg\u00e4nge in Polen und die Entwicklung im Libanon behandelt. Weitere Diskussionsthemen waren die offiziellen Gremienwahlen, wobei die DKP-HG an den bayerischen Hochschulen nicht mit eigenen Listen kandidierten, sondern die Bewerber des MSB Spartakus auf den Listen \"AStA und Fachschaften\" (LAF) unterst\u00fctzten. Die DKP-HG trat in der von ihr Anfang April verbreiteten Zeitung \"EINSTEIN zum ANDEREN\" f\u00fcr eine verst\u00e4rkte Zusammenarbeit zwischen Kommunisten und der \"Friedensbewegung\" ein und rief zur Beteiligung an den \"Osterm\u00e4rschen\" auf. Bei den Landtagsund Bezirkswahlen in Bayern kandidierten auf den Listen der DKP 10 Anh\u00e4nger der DKP-HG, die teilweise ma\u00dfgebende Funktionen beim MSB Spartakus bekleiden. 2.2 Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) Als Nebenorganisation der DKP -- vgl. 2. Abschnitt Nr. 2.3.2 -- obliegt dem MSB Spartakus die Aufgabe, kommunistische Vorstellungen in den Hochschulbereich einzubringen und die Studenten hierf\u00fcr zu mobilisieren. W\u00e4hrend die DKP-Hochschulgruppen die Politik der DKP an den Hochschulen offen vertreten, \u00fcbt der MSB Spartakus aus taktischen Gr\u00fcnden vielfach eine gr\u00f6\u00dfere Zur\u00fcckhaltung, um sich anderen Studentengruppen als \"B\u00fcndnispartner\" zur Bildung einer \"Volksfront\" anbieten zu k\u00f6nnen. B\u00fcndnispartner des MSB waren 1982 wiederum der SHB und Unorganisierte. Aus aktuellen Anl\u00e4ssen bildete er aber auch mit Gruppen der dogmatischen und undogmatischen Neuen Linken im Hochschulbereich sogenannte \"Aktionseinheiten\", an denen sich mitunter auch demokratische Studentenorganisationen beteiligten. Im Rahmen seiner Aufgabenerf\u00fcllung verfolgt der MSB Spartakus eine Politik der \"gewerkschaftlichen Orientierung\". Er versucht hierbei, seine hochschulpolitischen Forderungen mit gewerkschaftlichen Kampfmitteln wie \"Urabstim141","mung\" und \"Streiks\" durchzusetzen. Er fordert ferner -- ebenso wie die DKP -- seine Mitglieder auf, in die Gewerkschaften einzutreten und dort f\u00fcr seine Ziele zu arbeiten. Gruppen des MSB Spartakus bestehen an den Hochschulorten Bamberg, Coburg, Erlangen-N\u00fcrnberg, Landshut, M\u00fcnchen, Regensburg und W\u00fcrzburg. Eine weitere Gruppe entstand 1982 in Augsburg. Die Gruppen des MSB Spartakus entfalteten 1982 wiederum rege Aktivit\u00e4ten. Sie inszenierten wiederholt Aktionen f\u00fcr die \"materielle Besserstellung der Studenten\", f\u00fcr eine \"demokratische\" Studienreform unter Abschaffung der Regelstudienzeit und Zwangsexmatrikulation, f\u00fcr die Wiedereinf\u00fchrung der \"Verfa\u00dften Studentenschaft\" mit politischem Mandat und Finanzhoheit in Bayern sowie gegen die staatlichen Ma\u00dfnahmen zur Fernhaltung von Extremisten aus dem \u00f6ffentlichen Dienst. Anh\u00e4nger des MSB Spartakus sammelten Unterschriften f\u00fcr den \"Krefelder Appell\" und \"atomwaffenfreie Zonen\" und nahmen an lokalen und \u00fcberregionalen \"Friedensdemonstrationen\" teil, die von \"Aktionsb\u00fcndnissen\" veranstaltet wurden. Der MSB Spartakus beteiligte sich ferner aktiv an der Vorbereitung und Durchf\u00fchrung bundesweiter \"Protesttage\" und Streikaktionen \"Gegen BAF\u00f6Gund Bildungsabbau\" und organisierte mit anderen linksextremen Gruppen wiederum sogenannte \"AStA-Wahlen\", mit denen die offiziellen Gremienwahlen an den Hochschulen unterlaufen werden sollen. Im Zusammenhang mit dem Regierungswechsel in Bonn sprach der MSB-Bundesvorsitzende von einer \"reaktion\u00e4ren Wende\". Er bezeichnete den Beschlu\u00df der \"Vereinigten Deutschen Studentenschaften e.V.\" (VDS), dem \"Sozialabbau\" und den Koalitionsvereinbarungen der neuen CDU/CSU/F.D.P.-Regierung \"eine massive Reaktion der Studentenbewegung\" entgegenzustellen, als \"willigen Startschu\u00df\", den gemeinsamen Widerstand an den Hochschulen zu organisieren. 3. Sozialistischer Hochschulbund (SHB) Der SHB k\u00e4mpft -- wie die DKP -- auf der Grundlage des \"wissenschaftlichen Sozialismus\" f\u00fcr die Umgestaltung der Bundesrepublik Deutschland. Er strebt die Errichtung einer \"antimonopolistischen Demokratie\" als \"\u00d6ffnung des Weges zum Sozialismus\" an. In der Praxis betreibt der SHB -- wie der MSB Spartakus -- eine Politik der \"gewerkschaftlichen Orientierung\", wobei er f\u00fcr ein langfristiges, strategisches B\u00fcndnis mit den orthodoxen Kommunisten eintritt. Der SHB erwies sich 1982 wiederum als zuverl\u00e4ssiger B\u00fcndnispartner des MSB Spartakus. Vom 22. bis 24. Oktober fand in Hamburg die 23. Bundesdelegiertenversammlung statt, an der 450 Delegierte des Verbandes teilnahmen. Unter den G\u00e4sten befanden sich Vertreter kommunistischer und kommunistisch beeinflu\u00dfter Organisationen des Inund Auslandes. Im Rechenschaftsbericht bekr\u00e4ftigte der wiedergew\u00e4hlte SHB-Bundesvorsitzende Wolfgang Zellner aus Regensburg die Bedeutung des \"Kernb\u00fcndnisses von SHB und MSB Spartakus\". Seit 10 Jahren betreibe der SHB eine \"klare Politik der Aktionseinheit von Sozialdemokraten und 142","Publikationen extremistischer Organisationen im Bildungsbereich Q ^Zeitung f\u00fcr die Universit\u00e4t ftegerisburg Det 13U STUDENTBHM6AZIH,N0VEMBER, I W . 1 1 , 1 9 \" , 2 D-MMK ffl^l MSB MARXISTISCHER STUDENTENBUND ] L ^ J SPARTAKUS ^ ^ * ^ Ma, s../ialiHis.ht! Studentemimga/in ^ ^ H frontal offensiv VDS PRESS 143","Kommunisten\". Der Verband werde auch in Zukunft seinen Beitrag zur Umwandlung der Hochschulen in \"Hochburgen des Anti-Stationierungskampfes\" leisten. Dem SHB-Landesverband Bayern geh\u00f6rten 1982 unver\u00e4ndert etwa 60 Mitglieder an, die sich auf Orts-, Fachund Initiativgruppen sowie Arbeitskreise in Bamberg, Erlangen-N\u00fcrnberg, M\u00fcnchen und Regensburg verteilen. Eine neue Gruppe entstand in W\u00fcrzburg. Daneben konnte sich der SHB auf eine gr\u00f6\u00dfere Anh\u00e4ngerschaft st\u00fctzen. Als Publikationsorgane setzte der SHB das \"sozialistische Studentenmagazin\" \"frontal\" und die Zeitschrift \"offensiv\" ein. Als Beitr\u00e4ge zum \"Friedenskampf\" unterst\u00fctzte der SHB die \"Internationale Friedensdemonstration\" am 10. Juni in Bonn und die Sammlung von Unterschriften f\u00fcr den \"Krefelder Appell\" und f\u00fcr \"atomwaffenfreie Zonen\". Anh\u00e4nger des SHB beteiligten sich an den bundesweiten \"Protesttagen\" am 25726. Mai \"gegen BAF\u00f6Gund Bildungsabbau\" sowie an der Gro\u00dfdemonstration am 4. Dezember in Bonn, die sich gegen die Leistungsk\u00fcrzungen im BAF\u00f6G-Bereich richtete. 4. Studentengruppen der Neuen Linken Zu den Studentengruppen der Neuen Linken geh\u00f6ren die studentischen Nebenorganisationen von Gruppen der dogmatischen Neuen Linken sowie die Gruppierungen der undogmatischen Neuen Linken und die Marxistischen Gruppen (MG), die keiner Kernorganisation untergeordnet sind. 4.1 Marxistische Gruppen (MG) Die Marxistischen Gruppen -- vgl. 3. Abschnitt Nr. 3.9 -- f\u00fchren die revolution\u00e4re, marxistisch-kommunistisch orientierte Politik der \"Roten Zellen\" fort. Sie wollen damit zur \u00dcberwindung und zur Zerschlagung des \"kapitalistischen Gesellschaftssystems\" beitragen. Die Durchsetzung dieses Zieles erfordere zun\u00e4chst als Schwerpunkt die Schulung von Intellektuellen im sogenannten \"Wissenschaftlichen Sozialismus\", damit diese dem Proletariat die entwickelte revolution\u00e4re Theorie vermitteln k\u00f6nnen. Hauptbet\u00e4tigungsfeld der MG, die im Bundesgebiet an 40 Hochschulen vertreten sind, war 1982 wiederum der Bildungsbereich. Die \"Marxistische Studentenzeitung\" (MSZ) wurde an zahlreichen Hochschulen des Bundesgebietes angeboten. Daneben erschienen f\u00fcr den bayerischen Hochschulbereich die vom \"Verein zur F\u00f6rderung des studentischen Pressewesens e.V.\" herausgegebenen \"Erlanger\", \"M\u00fcnchner\", \"N\u00fcrnberger\", \"Regensburger\" und \"W\u00fcrzburger\" Hochschulzeitungen. Die Herausgabe der Hochschulzeitungen wurde finanziell von F\u00f6rdervereinen unterst\u00fctzt, die die Bezeichnung f\u00fchren \"Verein zur F\u00f6rderung der wissenschaftlichen Diskussion an der Hochschule e.V.\". An einigen Hochschulorten wurden auch \"Schulzeitungen\" herausgegeben. Die MG lehnen aus ideologischen Gr\u00fcnden die \u00fcbrigen linksextremen Hochschulgruppen ab. Dennoch hielten sie 1982 zu einigen Gruppierungen lose Kontakte. Bei der offiziellen Gremienwahl an der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t 144","M\u00fcnchen kandidierte die MG M\u00fcnchen mit einer eigenen Liste und ging gleichzeitig Wahlb\u00fcndnisse mit der \"Aktionseinheitsliste der Fachschaften und Basisgruppen\" (AEL) und anderen Aktionsgruppen ein. In ihren Publikationen und bei zahlreichen \"teach-ins\", die vielfach gut besucht waren, befa\u00dften sich die MG mit den Vorg\u00e4ngen in Polen, dem Falkland-Konflikt und der israelischen Intervention im Libanon. Weitere herausragende Themen waren: \"Klassenkampf heute\", \"Geistesfreiheit in Krisenzeiten\" und \"Alle reden vom Krieg -- wir wollen ihn verhindern\". Zum Regierungswechsel in Bonn erkl\u00e4rten die MG, sie w\u00fcrden k\u00fcnftig verst\u00e4rkt Agitation gegen die Politik der neuen Bonner Regierung betreiben und die \"imperialistischen Tendenzen\" der \"neuen Machthaber\" bek\u00e4mpfen. Die MG konnten 1982 ihren Einflu\u00dfbereich an den bayerischen Hochschulen weiter ausbauen. Sie traten in der Durchsetzung ihrer Ziele rigoros auf und beteiligten sich auch an St\u00f6raktionen. 4.2 Sonstige Studentengruppen der Neuen Linken Die meisten Studentengruppen der dogmatischen Neuen Linken, die wegen ihrer unrealistischen Forderungen nur schwer B\u00fcndnispartner fanden, verloren 1982 an den Hochschulen in Bayern weiter an Einflu\u00df. Die Studentengruppen des KB, die Kommunistischen Hochschulgruppen (KHG) des KBW und die Kommunistischen Studenten (KS) der KPD entwickelten keine Aktivit\u00e4ten mehr. Lediglich der KHB konnte seine Stellung behaupten. Die noch aktiven Gruppen der Neuen Linken lehnten die von den orthodoxkommunistischen Gruppierungen praktizierte Strategie der \"gewerkschaftlichen Orientierung\" ab und verfolgten mit ihren Aktionen f\u00fcr hochschulpolitische Forderungen eine betont \"revolution\u00e4re\" Linie. Sie agitierten 1982 vorrangig gegen die \"b\u00fcrgerliche Wissenschaft\", den \"Abbau demokratischer Rechte\", die \"Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\" und die \"faschistische Gesinnung\" an den Hochschulen. Die Anh\u00e4nger dieser Gruppen unterst\u00fctzten teilweise die regionalen Aktionen im Zusammenhang mit den bundesweiten \"Protesttagen\" am 25./26. Mai sowie die Demonstration \"gegen den BAF\u00f6G-Kahlschlag\" am 4. Dezember in Bonn. Dar\u00fcber hinaus beteiligten sie sich an der \"Internationalen Friedensdemonstration\" am 10. Juni in Bonn, die sich gegen die NATO-Nachr\u00fcstung richtete. Um neue Anh\u00e4nger zu gewinnen, f\u00fchrten sie vereinzelt Informationsveranstaltungen f\u00fcr Erstsemester durch. Neben den Studentengruppen der dogmatischen Neuen Linken traten auch Anh\u00e4nger undogmatischer Gruppen der Neuen Linken auf. Hierbei handelt es sich meist um kleinere Zusammenschl\u00fcsse auf \u00f6rtlicher Ebene. Ihre politischen Positionen reichen von \"Sozialrevolution\u00e4ren\" Vorstellungen bis hin zum undogmatischen \"wissenschaftlichen Sozialismus\". Alle diese Gruppen lehnen die \"bestehende Gesellschaftsordnung und mit ihr diesen Staat als Ganzes ab\". Ihr Kampf richtet sich nicht \"gegen die Fehler des Systems, sondern gegen seine Vollkommenheit\". Aktivit\u00e4ten dieser Gruppen waren 1982 an den Universit\u00e4ten Augsburg (Arbeitskreis), Bamberg (Basisgruppen), Erlangen-N\u00fcrnberg (Basisgruppen, ehemalige Fachschaftsinitiativen) und M\u00fcnchen (Basisdemokraten und 145","einige Fachschaftsinitiativen) zu verzeichnen. Die Ergebnisse der offiziellen Gremienwahlen zeigten, da\u00df der Einflu\u00df undogmatischer Gruppen im Bereich der bayerischen Hochschulen erneut zugenommen hat. Die \u00fcberwiegend kleinen Gruppen der Neuen Linken st\u00fctzten sich 1982 in Bayern auf eine Mitgliederzahl von etwa 150 Personen. Bei einzelnen Aktionen konnten sie jedoch eine gr\u00f6\u00dfere Anzahl von Sympathisanten mobilisieren. Aktivit\u00e4ten dieser studentischen Gruppen wurden in Augsburg, Bamberg, Coburg, Bayreuth, Erlangen-N\u00fcrnberg, M\u00fcnchen, Passau, Regensburg, Schweinfurt und W\u00fcrzburg festgestellt. 5. Vereinigte Deutsche Studentenschaften e.V. (VDS) Die Vereinigten Deutschen Studentenschaften e.V. (VDS) entstanden im Mai 1975 aus dem Zusammenschlu\u00df von zwei Verb\u00e4nden. Sie verstehen sich als studentischer Dachverband mit \"politischem Mandat\", dessen Hauptaufgabe darin liege, die \"Wirtschaftsund Gesellschaftsordnung der BRD\" mit ihren \"grundlegenden Widerspr\u00fcchen\" zu \u00e4ndern. Entsprechend ihrem Arbeitsprogramm kommt der Hochschulpolitik lediglich die Bedeutung eines Ansatzpunktes im Kampf um die Aufhebung der gegenw\u00e4rtigen \"kapitalistischen Verh\u00e4ltnisse\" zu. Vom 11. bis 13. M\u00e4rz fand in K\u00f6ln die VII. ordentliche Mitgliederversammlung der VDS statt, an der etwa 600 Studenten von 140 Hochschulen aus dem gesamten Bundesgebiet teilnahmen. In seinem Rechenschaftsbericht kritisierte der VDS-Vorstand das Urteil des Oberverwaltungsgerichtes M\u00fcnster, das den Allgemeinen Studentenaussch\u00fcssen (ASten) kein \"allgemeines politisches Mandat\" zubilligte. Die Mitgliederversammlung verabschiedete ein neues \"Arbeitsprogramm\", das sich gegen eine \"Amerikanisierung\" der Hochschulen, z.B. durch die Einf\u00fchrung von Studiengeb\u00fchren und die Umstellung der Ausbildungsf\u00f6rderung (BAF\u00f6G) auf Darlehen, wendet. Sie w\u00e4hlte ferner einen neuen VDSVorstand, dem je ein Vertreter des MSB Spartakus, des SHB, der Jungsozialisten-Hochschulgruppen (Juso-HG) und des Liberalen Hochschulverbandes (LHV) angeh\u00f6rt. Der f\u00fcr die Basisgruppen-Fraktion (BG), einer losen Vereinigung der Neuen Linken, im Vorstand vorgesehene Sitz blieb unbesetzt, da sie keinen Kandidaten benannte. Die VDS steuerten 1982 wiederum die bundesweiten studentischen Protestaktionen, die im bayerischen Hochschulbereich in der Regel von einer \"Landesastenkonferenz\" (LAK) und von den linksextrem beeinflu\u00dften inoffiziellen ASten umgesetzt werden. Unter dem Motto \"Gegen BAF\u00f6Gund Bildungsabbau\" riefen die VDS zu bundesweiten \"Protesttagen\" an den Hochschulen f\u00fcr den 25726. Mai auf. In den hierzu in M\u00fcnchen vorbereiteten Flugbl\u00e4ttern warben der MSB Spartakus und die inoffiziellen ASten f\u00fcr einen \"Besuch der Landtagsfraktionen durch ASten und Fachschaften\". Am 26. Mai \u00fcberbrachte eine kleine Delegation dem Bayerischen Landtag eine Resolution. Unter der Losung \"Gegen den BAF\u00f6G-Kahlschlag\" demonstrierten am 4. Dezember in Bonn rund 50.000 Personen gegen die Leistungsk\u00fcrzungen im 146","BAF\u00f6G-Bereich. An der Demonstration beteiligten sich neben zahlreichen Sch\u00fclern, Studenten und Mitgliedern demokratischer Organisationen auch eine gr\u00f6\u00dfere Anzahl von Linksextremisten, insbesondere des orthodox-kommunistischen Bereichs. Als Veranstalter traten die VDS und die \"Konferenz der Landessch\u00fclervertretungen\" (KdLSV) auf. F\u00fcr den bundesweit verbreiteten \"Aufruf zur BAF\u00f6G-Demonstration\" zeichnete der Vertreter des MSB Spartakus im VDSVorstand verantwortlich. Angemeldet wurde die Veranstaltung durch den stellvertretenden Bundesvorsitzenden des MSB Spartakus. Ein Sprecher des SHB-Bundesvorstandes betonte auf der Hauptkundgebung, seit Antritt der \"Rechtsregierung\" sei es erstmals gelungen, zu einer \"gemeinsamen au\u00dferparlamentarischen Aktion aller Kr\u00e4fte links von der CDU\" zu kommen. Er forderte, \u00fcber die BAF\u00f6G-Frage hinaus ein B\u00fcndnis gegen den \"Bttdungsund Sozialabbau\" und gegen die \"Raketenstationierung\" zu bilden. Auf einer Vorkundgebung hatte das Mitglied des DKP-Pr\u00e4sidiums Gerd Deumlich den Demonstranten die Unterst\u00fctzung der DKP bei der \"Verteidigung des BAF\u00f6G\" zugesichert und unter Hinweis auf den \"engen Zusammenhang von Sozialabbau und atomarer Hochr\u00fcstung\" ein \"breites B\u00fcndnis\" gefordert. Zur Teilnahme an der Demonstration hatten in Bayern die VDS, die DKP-Hochschulgruppen, der MSB Spartakus und der SHB aufgerufen. F\u00fcr eine Beteiligung wurde auch auf mehreren Studentenvollversammlungen geworben, die vielfach von den inoffiziellen ASten einberufen wurden. Von Bayern aus reisten etwa 2.000 Personen nach Bonn. Als Beitr\u00e4ge zum \"Friedenskampf\" unterst\u00fctzten die VDS den \"Krefelder Appell\" und die \"Osterm\u00e4rsche\" 1982. Als Mitveranstalter beteiligte sich der VDS ma\u00dfgeblich an der Vorbereitung und Durchf\u00fchrung der \"Internationalen Friedensdemonstration\" am 10. Juni in Bonn, die sich gegen die NATO-Nachr\u00fcstung richtete. 6. Nationaldemokratischer Hochschulbund (NHB) Der Nationaldemokratische Hochschulbund (NHB) mit Sitz in M\u00fcnchen -- vgl. 3. Abschnitt Nr. 2.5 -- unterh\u00e4lt in Bayern lediglich an der Ludwig-MaximiliansUniversit\u00e4t in M\u00fcnchen eine Hochschulgruppe. Die Aktivit\u00e4ten beschr\u00e4nkten sich 1982 im wesentlichen auf die Verbreitung von Flugbl\u00e4ttern und die Teilnahme an den Gremienwahlen an der Universit\u00e4t M\u00fcnchen, bei der er nur einen Stimmenanteil von unter 1 Prozent erreichte. Als Informationsblatt des NHB erschien zum Sommersemester 1982 die Zeitschrift \"Semester\" mit einer Auflage von rund 7.500 Exemplaren. 7. Aktivit\u00e4ten Anh\u00e4nger des vom KHB ma\u00dfgeblich beeinflu\u00dften Arbeitskreises \"Mehr Ausl\u00e4nder an unsere Hochschulen! Bek\u00e4mpft die Nationalisierung der Wissenschaft\" errichteten am 20. Januar vor dem Eingang zur Mensa der Ludwig-MaximiliansUniversit\u00e4t in M\u00fcnchen mit Absperrgittern zwei Eingangsschleusen, jeweils eine 147","f\u00fcr \"Ausl\u00e4nder\" und \"Deutsche\" und forderten die Studenten auf, die f\u00fcr sie \"vorgesehenen Eing\u00e4nge\" zu benutzen. Im Vorraum der Mensa wurden Unterschriften gegen einen Mitunterzeichner des \"Heidelberger Manifestes\" gesammelt. Am Nachmittag zogen rund 200 Studenten in einem Demonstrationszug zum Staatsministerium f\u00fcr Unterricht und Kultus und \u00fcbergaben eine Protestresolution. Der gleiche Arbeitskreis veranstaltete am 7. April in der Fj\u00e4chhochschule M\u00fcnchen eine Protestkundgebung mit rund 50 Beteiligten, auf der die \"sofortige Entlassung\" des Sozialreferenten der Landeshauptstadt M\u00fcnchen gefordert wurde. Vor und w\u00e4hrend der Versammlung wurden Flugbl\u00e4tter des Arbeitskreises und die Kommunistische Studentenzeitung (KSZ) verteilt. Die Publikationen enthielten Beitr\u00e4ge, die sich gegen vermeintliche \"rassistische Tendenzen\" des M\u00fcnchner Sozialreferenten richteten. Die vom KHB gesteuerte \"Liste St\u00e4rkt den AStA\" (LISA) organisierte am 26. Mai im Bereich der Universit\u00e4t Regensburg eine Protestveranstaltung zum Thema \"Gegen Rassismus und Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\", an der sich ann\u00e4hernd 400 Studenten beteiligten. Im Zusammenhang mit einer Veranstaltung des Rings Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) am 28. Juni an der Universit\u00e4t Erlangen hatten Anh\u00e4nger der undogmatischen Neuen Linken zu einer Protestdemonstration aufgerufen, an der sich rund 250 Personen beteiligten. Nach Beendigung des Aufzuges begaben sich die meisten Teilnehmer zur Universit\u00e4t und versuchten, sich mit gef\u00e4lschten Eintrittskarten Zutritt zur RCDS-Veranstaltung zu verschaffen. Die \"Aktionseinheitsliste der Fachschaften und undogmatischen Linken\" (AEL) und die MG M\u00fcnchen f\u00fchrten am 12. Juli in der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t M\u00fcnchen ein \"teach-in\" durch, an dem sich rund 900 Studenten beteiligten. Zum Thema \"Der Lehrer -- Gesinnungst\u00e4ter im Staatsdienst\" sprach ein Professor aus Bremen. Er kritisierte hierbei insbesondere konservative Lehrer, denen es vielfach darauf ankomme, ihre politische Meinung Sch\u00fclern und Studenten zu vermitteln. Die linksextrem beeinflu\u00dften M\u00fcnchner Asten, der \"Pal\u00e4stinensische Studentenverein\" (PSV) und der \"Pal\u00e4stinensische Arbeiterverein\" (PAV) organisierten am 13. Juli in M\u00fcnchen eine \"Solidarit\u00e4tsveranstaltung\" f\u00fcr das pal\u00e4stinensische Volk. An der Versammlung nahmen rund 1.200 Personen und an dem anschlie\u00dfenden Aufzug mit Schlu\u00dfkundgebung rund 700 Personen teil. Die Demonstrationsteilnehmer, darunter zahlreiche Angeh\u00f6rige der DKP, der SDAJ, des MSB Spartakus und des AB f\u00fchrten Transparente mit, die Aufschriften trugen wie \"Schlu\u00df mit dem V\u00f6lkermord\", \"Sanktionen der BRD gegen Israel\" und \"Kein Holocaust im Libanon -- DKP\". Anl\u00e4\u00dflich einer Veranstaltung der Hochschulunion W\u00fcrzburg (HSU) mit dem Bundeswehrgeneral a.D. Domr\u00f6se am 15. Juli in W\u00fcrzburg, an der rund 150 Personen teilnahmen, kam es zu massiven St\u00f6rungen. Trotz Einla\u00dfkontrollen der HSU befanden sich unter den Teilnehmern etwa 60 Personen, darunter vorwiegend Anh\u00e4nger des MSB Spartakus, des KB und der VOLKSFRONT, die den Vortrag des Generals anhaltend st\u00f6rten. 148","Publikationen extremistischer Organisationen im Bildungsbereich Proletarier aller Lander vereinig! E u c h ! Proletarier Protestlage der vds gegen die Pl\u00e4ne aller L\u00e4nder und unterdr\u00fcckte Volker vereinigt E u c h ! >, der Reaktion an den Hochschulen Hochschulzeitung fiK Der Z e n t r a l s t der vds ruft auf zu bundesweiten Protesttagen rschuldiing(ca.<IO00ODM), mit verbundene Unsicheram 2 J . / 2 6 . M a i gegen die EA- t usw. Das haben auch die B u n d Westdeutscher Kommunisten ( B W K ) 24.5,8: FoC-Plane der C D U . gegen den Stop des Hochschulbaus Organ der Ke tudentengruppen Ni li hgii I MI UM im *\"***\"< \"\"\" ****- \" \" \" M\u00fcnchner Hochschulzeitung i * ii * ii i N\u00fcrnberger Hochschulzeitung der MARXISTISCHEN GRUPPE (MG) Erlanger Hochschulzeitung der MARXISTISCHEN GRUPPE IMG) Regensburger Hochschulzeitung ner MARXISTISCH O ; GRUPPE 'MGI W\u00fcrzburger Hochschulzeitung MARXISTISCHE GRUPPE (MGI NHB aktuell N/rnONALDEMOKHATlSCHEfl HOCHSCHULBUND 149","Im Zusammenhang mit den \u00c4nderungen bei der Studentenf\u00f6rderung fanden Ende November/Anfang Dezember an mehreren Hochschulen in Bayern \"Studentenvollversammlungen\" statt, die vielfach von den inoffiziellen Asten organisiert wurden. An den Versammlungen beteiligten sich rund 3.000 Studenten, darunter zahlreiche Mitglieder und Anh\u00e4nger der DKP-HG, des MSB Spartakus, des -SHB, des KHB und der MG. Auf allen Veranstaltungen wurde zur Teilnahme an der Protestaktion \"BAF\u00f6G-Demonstration\" am 4. Dezember in Bonn aufgerufen. 8. Wahlen an den Hochschulen Bei den 1982 durchgef\u00fchrten Wahlen f\u00fcr die Kollegialorgane gelang es linksextremen Gruppen, ihre Positionen an einzelnen bayerischen Hochschulen mit Hilfe \"Unabh\u00e4ngiger\" weiter auszubauen; an anderen verloren sie zugunsten demokratischer Studentengruppen an Einflu\u00df. Wie im Vorjahr tarnten sich linksextreme Gruppen hinter Listenverbindungen und unverf\u00e4nglichen Bezeichnungen. Insbesondere bildeten der MSB Spartakus und der SHB unter Listenbezeichnungen wie \"Gewerkschaftlich Orientierte Listen\" (GOL) oder \"Liste AStA und Fachschaften\" (LAF) Wahlplattformen mit demokratischen Gruppen und versuchten so, W\u00e4hler zu t\u00e4uschen. Mit dieser Taktik erreichte auch die Neue Linke an der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t M\u00fcnchen \u00fcber \"Aktionseinheitslisten unabh\u00e4ngiger Linker\" (AEL) mehr Einflu\u00df auf den Studentischen Konvent und den Sprecherrat. Der rechtsextreme Nationaldemokratische Hochschulbund kandidierte an dieser Universit\u00e4t erneut ohne Erfolg. An einigen Hochschulen fanden auch 1982 wiederum \"AStA-Wahlen\" statt. Bei diesen nicht im Hochschulgesetz vorgesehenen Wahlen kandidierten vorwiegend linksextreme Studentengruppen. Die Wahlbeteiligung lag im Durchschnitt bei 10% (Vorjahr: 15%). Die Marxistischen Gruppen beteiligten sich nicht an diesen Wahlen. 9. Weiterf\u00fchrende Schulen Im Bereich der weiterf\u00fchrenden Schulen, den erfahrungsgem\u00e4\u00df auch schulfremde Organisationen als Agitationsfeld nutzen, traten 1982 folgende extremistische Organisationen auf: Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) -- Jugendorganisation der DKP -- Revolution\u00e4rer Jugendverband Deutschlands (RJVD) -- Jugendorganisation der MLPD (fr\u00fcher KABD) -- Rote Sch\u00fclerfront (RSF) -- Sch\u00fclerorganisation des AB -- Marxistische Gruppen (MG) Junge Nationaldemokraten (JN) -- Jugendorganisation der NPD -- 150","Die Propaganda konzentrierte sich schwerpunktm\u00e4\u00dfig auf schulische Themen. Weitere Aktivit\u00e4ten bezogen sich auf Themen wie \"Frieden und Abr\u00fcstung\", \"Jugendarbeitslosigkeit\" und \"Zensur von Sch\u00fclerzeitungen\". Dar\u00fcber hinaus wurden wiederum vor Schulen zahlreiche Flugschriften verteilt. So verbreiteten die Marxistischen Gruppen (MG) Ausgaben der \"MSZ f\u00fcr die Schule\" oder eigene \"Sch\u00fclerzeitungen\". Anfang des Jahres verteilten Angeh\u00f6rige der Roten Sch\u00fclerfront (RSF) Flugbl\u00e4tter, in denen die RSF gegen die \"Einf\u00fchrung der Grenzen von 1937\" in den westdeutschen Schulatlanten protestierte. Sie rief ferner zu Aktionen gegen die \"chauvinistische und revanchistische Ausrichtung\" der Schulen auf. In einem vor M\u00fcnchner Schulen verbreiteten Flugblatt forderte ein \"BIFASch\u00fcler-Arbeitskreis\" die M\u00fcnchner Sch\u00fcler auf, Material \u00fcber \"Friedenstage\", \"Friedenswochen\" und \"Friedensprojekte\" zu sammeln und es dem Arbeitskreis f\u00fcr eine zusammenfassende Darstellung der \"Friedensaktivit\u00e4ten\" an M\u00fcnchner Schulen zur Verf\u00fcgung zu stellen. Das Flugblatt enthielt als Kontaktadresse die Anschrift des B\u00fcros der DKP-beeinflu\u00dften Deutschen FriedensUnion (DFU). Unter dem Titel \"Treffpunkt Gruppenleiter Extra\" gab der SDAJBundesvorstand im Juni/Juli eine Publikation heraus, in der er an seine Mitglieder appellierte, sich an den Sch\u00fclervertretungswahlen 1982 zu beteiligen. Darin hie\u00df es, da\u00df \"Genossen/innen\" in Schulvertretungen auch der SDAJ von Nutzen seien, denn Sch\u00fclervertretungen g\u00e4ben die M\u00f6glichkeit zu \"wirksamen Aktionen\". Von den 1982 bei verschiedenen Anl\u00e4ssen festgestellten Schmieraktionen waren auch Schulgeb\u00e4ude betroffen. Dabei wurden W\u00e4nde und Fenster mit dem anarchistischen Symbol, dem RAF-Emblem und Hakenkreuzen verunstaltet. 151","6. Abschnitt Verfassungstreue im \u00f6ffentlichen Dienst 1. Allgemeines Ungeachtet der seit Jahren geleisteten \u00d6ffentlichkeitsarbeit, die Aufschlu\u00df \u00fcber die Mitwirkung des Verfassungsschutzes bei der \u00dcberpr\u00fcfung von Bewerbern f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Dienst gibt, h\u00e4lt die Kampagne der Extremisten gegen die angeblichen ,,Berufsverbote\" in der Bundesrepublik Deutschland unvermindert an. Sie wird h\u00e4ufig durch von Kommunisten beeinflu\u00dfte Komitees und Initiativen (vgl. 2. Abschnitt Nr. 2.4.8) getragen und ist international ausgeweitet. Diese Aktivit\u00e4ten diffamieren nicht nur das Ansehen der Bundesrepublik Deutschland im Ausland, sondern versuchen, auch im Inland Unbehagen \u00fcber und Mi\u00dftrauen gegen die T\u00e4tigkeit des Verfassungsschutzes zu s\u00e4en. Es ist deshalb notwendig, immer wieder Fehlinformationen zu korrigieren, durch die ein falsches Bild vermittelt wird. ,,Der freiheitliche Rechtsstaat kann und darf sich nicht in die H\u00e4nde seiner Zerst\u00f6rer geben\", erkl\u00e4rte das Bundesverfassungsgericht in seinem Beschlu\u00df vom 22. Mai 1975. Dies ist eine Konsequenz aus der vom Grundgesetz gewollten wehrhaften Demokratie. Die Beamtengesetze des Bundes und der L\u00e4nder schreiben deshalb vor, da\u00df in das Beamtenverh\u00e4ltnis nur berufen werden darf, wer die Gew\u00e4hr der Verfassungstreue bietet. Damit soll verhindert werden, da\u00df staatliche \u00c4mter mit ihren erheblichen Gestaltungsm\u00f6glichkeiten in die H\u00e4nde von Gegnern der Freiheit und Demokratie gegeben werden und die freiheitliche demokratische Grundordnung von innen heraus gef\u00e4hrdet wird. Der Verfassungsschutz hat hierbei die gesetzliche Aufgabe, bei der \u00dcberpr\u00fcfung von Personen, die sich um Einstellung in den \u00f6ffentlichen Dienst bewerben, mitzuwirken (vgl. Art. 2 Abs. 2 Nr. 4 des Gesetzes \u00fcber die Errichtung eines Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz, abgedruckt als Anhang 1). 152","Das dabei anzuwendende Verfahren, das sowohl effektiv ist, als auch dem Bewerber alle rechtsstaatlichen Garantien bietet, ist in der Bekanntmachung der Bayerischen Staatsregierung vom 27. M\u00e4rz 1973 (Anhang 2) geregelt. Danach hat die jeweilige Einstellungsbeh\u00f6rde vor der Einstellung eines Bewerbers beim Staatsministerium des Innern mittels eines Formblattes anzufragen (\"Karteianfrage\"), das dann die beim Verfassungsschutz bereits vorhandenen gerichtsverwertbaren Erkenntnisse \u00fcber Tatsachen, die Zweifel an der Verfassungstreue des Bewerbers begr\u00fcnden k\u00f6nnen, der Einstellungsbeh\u00f6rde mitteilt. Ermittlungen werden zu diesem Zweck nicht gef\u00fchrt. Erkenntnisse, die l\u00e4nger als f\u00fcnf Jahre zur\u00fcckliegen oder die Zeit vor Vollendung des 18. Lebensjahres des Bewerbers betreffen, werden nur mitgeteilt, wenn sie entweder Teil einer fortgesetzten Entwicklung sind und ihnen deshalb noch Bedeutung zukommt oder wenn sie nach Art und Schwere nicht als blo\u00dfe \"Jugends\u00fcnden\" angesehen werden k\u00f6nnen. Die Einstellungsbeh\u00f6rde hat nach der Anh\u00f6rung des Bewerbers selbst\u00e4ndig \u00fcber das Einstellungsgesuch zu entscheiden. 2. Bayerische Praxis 2.1 Extremisten im \u00f6ffentlichen Dienst Der Verfassungsschutz sieht als Extremisten im \u00f6ffentlichen Dienst Bedienstete an, die in den letzten 5 Jahren als Mitglieder oder aktive Angeh\u00f6rige extremistischer Parteien und Organisationen oder sonst mit erheblichen extremistischen Aktivit\u00e4ten in Erscheinung getreten sind. Da nicht in allen F\u00e4llen gerichtsverwertbare Erkenntnisse vorliegen, gelingt es zum Teil auch Extremisten, in den \u00f6ffentlichen Dienst zu gelangen. Aus dem gleichen Grund k\u00f6nnen sie dann auch nicht aus dem \u00f6ffentlichen Dienst entfernt werden. Ferner mu\u00df damit gerechnet werden, da\u00df es \u00f6ffentlichen Bediensteten gelungen ist, sich unerkannt in extremistischen Organisationen zu bet\u00e4tigen. Es ist daher anzunehmen, da\u00df die Anzahl der im \u00f6ffentlichen Dienst besch\u00e4ftigten Extremisten h\u00f6her ist als die in der folgenden Statistik f\u00fcr Ende 1982 angegebene (in Klammern die Vergleichszahlen f\u00fcr 1981): Linksextremisten Gesamtzahl davon DKP DKP-NebenNeue Linke und beeinflu\u00dfte Organisationen Landesdienst 101 ( 98) 23 (23) 33 (33) 45 (42) Kommunaldienst 83 ( 84) 48 (46) 9 (6) 26 (32) sonstige \u00f6ffentl. Einrichtungen 12 ( 12) 5 ( 4) 1 ( 2) 6 ( 6) Zusammen: 196 (194) 76 (73) 43 (41) 77 (80) 153","Von den linksextremen Landesbediensteten waren besch\u00e4ftigt: 48 (47) als Lehrer an Grund-, Haupt-, Realschulen und Gymnasien 17 (17) als wissenschaftliches und sonstiges Personal an Hochschulen 17 (17) im Justizdienst 19(17) in sonstigen Verwaltungszweigen Von den linksextremen Kommunalbediensteten waren besch\u00e4ftigt: 26 (33) als Bedienstete in st\u00e4dtischen Krankenh\u00e4usern * 20 (25) in sozialp\u00e4dagogischen Berufen wie Sozialarbeiter, Jugendheimleiter usw. 5 ( 4) als Lehrer an st\u00e4dtischen Schulen 32 (22) in sonstigen Verwaltungszweigen Rechtsextremisten Gesamtzahl davon NPD Landesdienst 23 (30) 10 (14) Kommunaldienst 15 (16) 9 OD sonst, \u00f6ffentl. Einrichtungen 2 ( 2) 1 ( 1) 40 (48) 20 (26) Von den rechtsextremen Landesbediensteten waren besch\u00e4ftigt: 6 (10) als Lehrer an Grund-, Haupt-, Realschulen, Gymnasien und Fachoberschulen 7 ( 8) im Justizund Polizeidienst 10 (12) in sonstigen Verwaltungszweigen. Von den rechtsextremen Kommunalbediensteten waren besch\u00e4ftigt: 1 ( 1) als Lehrer an einer st\u00e4dtischen Schule 14 (15) in sonstigen Verwaltungszweigen. 2.2 Einstellungs\u00fcberpr\u00fcfung Seit der Einf\u00fchrung des Verfahrens (1. April 1973) bearbeitete das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz 227.775 Anfragen. 1982 wurden an das Amt 20.565 Anfragen gerichtet. In 161 F\u00e4llen teilte es dem Staatsministerium des Innern Erkenntnisse mit. In 70 F\u00e4llen gab das Staatsministerium des Innern diese Erkenntnisse an die Einstellungsbeh\u00f6rden weiter. Hiervon betrafen 68 F\u00e4lle den linksextremen und zwei F\u00e4lle den rechtsextremen Bereich. Die Mitteilungen f\u00fchrten in sechs F\u00e4llen zur Ablehnung des Bewerbers durch die Einstellungsbeh\u00f6rden. F\u00fcnf angehende Rechtsreferendare wurden, da sie Zweifel an ihrer Verfassungstreue nicht ausr\u00e4umen konnten, nicht in das Beamtenverh\u00e4ltnis \u00fcbernommen. Ihnen wurde jedoch gestattet, ihren Vorbereitungsdienst f\u00fcr Rechtsreferendare innerhalb eines \u00f6ffentlich rechtlichen Ausbildungsverh\u00e4ltnisses auszu\u00fcben. 154","Die folgende \u00dcbersicht gibt die Entwicklung der Anfragen, Erkenntnismitteilungen und Ablehnungen seit dem 1. April 1973 wieder: Erkenntnismitteilungen Ablehnungen Jahr Zahl der BayLfV StMl an durch die EinstelAnfragen an StMl Einstellungsbeh\u00f6rden lungsbeh\u00f6rden Linksextr. Rechtsextr. 1973 15.155 87 53 7 6 1974 29.742 278 185 16 7 1975 26.539 355 232 6 33 1976 22.101 318 206 9 19 1977 23.116 284 188 6 16 1978 24.011 266 149 8 14 1979 22.257 179 86 6 9 1980 23.190 173 90 3 10 1981 21.099 170 79 2 7 1982 20.565 161 68 2 6 insgesamt 227.775 2.271 1.336 65 127 155","7. Abschnitt Extremistische und sicherheitsgef\u00e4hrdende Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern 1. Allgemeines Am 30. September 1982 hielten sich in Bayern rund 709.700 Ausl\u00e4nder auf, darunter 220.000 T\u00fcrken 124.600 Jugoslawen 78.400 Italiener 78.400 \u00d6sterreicher 51.000 Griechen und 12.600 Spanier. Im Vergleich zum Vorjahr hat in Bayern die Gesamtzahl der Ausl\u00e4nder um etwa 1.100 Personen zugenommen. Dabei trafen auf die T\u00fcrken rund 4.300 Zug\u00e4nge, w\u00e4hrend bei allen \u00fcbrigen Ausl\u00e4ndergruppen die Zahlen r\u00fcckl\u00e4ufig waren. Die weit \u00fcberwiegende Mehrzahl der Ausl\u00e4nder verhielt sich im Gastland gesetzestreu und widerstand den Bem\u00fchungen ausl\u00e4ndischer Extremisten, unter ihren Landsleuten weitere Anh\u00e4nger f\u00fcr ihre extremistischen Ziele zu gewinnen. Nur eine geringe Minderheit (1,0 %) der in Bayern lebenden Ausl\u00e4nder hat sich aus politischer Motivation extremistischen Gruppen angeschlossen oder unterliegt ihrem Einflu\u00df, weil sie dort Betreuung und Unterst\u00fctzung in pers\u00f6nlichen Anliegen zu finden hofft. Die Lage am Arbeitsmarkt sowie \u00dcberlegungen zur \u00c4nderung des Ausl\u00e4nderrechts d\u00fcrften dazu beigetragen haben, da\u00df die \u00f6ffentlichkeitswirksamen Aktionen extremistischer Ausl\u00e4ndergruppen in Bayern weiter zur\u00fcckgingen. Bestimmend f\u00fcr die Aktivit\u00e4ten solcher Gruppen waren in erster Linie Konfliktund Krisensituationen in den jeweiligen Heimatl\u00e4ndern. Daneben wandten sich ausl\u00e4ndische Extremisten auch gegen Entscheidungen der Bundesregierung. Die behauptete Ausl\u00e4nderfeindlichkeit der deutschen Bev\u00f6lkerung bot ihrer Agitation weitere Ankn\u00fcpfungspunkte. Ausl\u00e4ndische Linksextremisten verst\u00e4rkten ihre Zusammenarbeit mit gleichgesinnten deutschen Gruppen, bei denen sie auch im Rahmen von Aktionsb\u00fcndnissen Unterst\u00fctzung fanden. 156","Die Zahl der in Bayern erfa\u00dften extremistischen oder extremistisch beeinflu\u00dften Ausl\u00e4ndergruppen stieg auf 158 (1981: 121). Diese Zunahme ist auf die Neugr\u00fcndung \u00f6rtlicher Zweigvereine, ideologisch bedingte Spaltungen und die Aufnahme bisher nicht ber\u00fccksichtigter extremistisch beeinflu\u00dfter Gruppen in die Statistik zur\u00fcckzuf\u00fchren. Nachstehende \u00dcbersicht zeigt die Entwicklung der in Bayern bestehenden extremistischen Ausl\u00e4nderorganisationen, ihrer \u00f6rtlichen Untergliederungen und der von ihnen beeinflu\u00dften Vereinigungen: 1975 1976 1977 1978 1979 1980 1981 1982 Linksextrem 43 49 59 57 54 65 89 122 Rechtsextrem 22 22 20 18 17 26 32 36 Gesamtzahl 65 71 79 75 71 91 121 158 Diese 158 Ausl\u00e4ndergruppierungen verteilten sich im Jahre 1982 wie folgt: orthodoxNeue rechtsgesamt kommuniLinke extrem stisch Afrikaner 2 2 -- 4 Araber -- 8 -- 8 Asiaten -- 3 -- 3 Griechen 33 1 -- 34 Iraner 2 13 4 19 Italiener 7 -- 4 11 Jugoslawen -- -- 9 9 Kurden 7 -- -- 7 Lateinamerikaner -- 1 -- 1 Ostemigration -- -- 1 1 Spanier 2 -- -- 2 T\u00fcrken 10 31 18 59 gesamt 63 59 36 158 Auffallend ist die Entwicklung bei den Gruppen der t\u00fcrkischen Neuen Linken, deren Zahl sich gegen\u00fcber dem Vorjahr nahezu verdoppelt hat. Der Zuwachs bei den orthodox-kommunistischen Organisationen der Griechen ist durch die Aufnahme extremistisch beeinflu\u00dfter Ausl\u00e4ndervereine bedingt. Wegen ihrer zunehmenden Bedeutung sind die Kurden erstmals gesondert aufgef\u00fchrt. Den extremistischen und extremistisch beeinflu\u00dften, Ausl\u00e4ndergruppen in Bayern geh\u00f6rten nach Sch\u00e4tzung etwa 7.400(1981: 4.800) Mitglieder an. Den \u00fcberwiegenden Anteil stellten orthodoxe Kommunisten. Die Differenz zum Vorjahr ist zum Teil auf einen verbesserten Erkenntnisstand zur\u00fcckzuf\u00fchren. Detaillierte Zahlen k\u00f6nnen aus Sicherheitsgr\u00fcnden nicht genannt werden. 157","Auf die milit\u00e4rische Intervention Israels im Libanon am 4. Juni 1982 reagierten auch Pal\u00e4stinenserorganisationen in Bayern mitzunehmenden Protestaktionen. Die Bedrohung durch terroristische Splittergruppen, die sich au\u00dferhalb der Kontrolle der \"Pal\u00e4stinensischen Befreiungsorganisation\" befinden, hielt an. So bekannte sich eine bisher nicht identifizierte Gruppierung \"Gerechtigkeit f\u00fcr pal\u00e4stinensische Organisationen\" zu dem Sprengstoffanschlag auf den Abfertigungsbereich f\u00fcr Israelfl\u00fcge im Flughafen M\u00fcnchen-Riem am 31. Juli. Unverminderter Aufmerksamkeit bedarf ferner die Polarisierung zwischen t\u00fcrkischen Linksund Rechtsextremisten, die in der Ablehnung der Milit\u00e4rregierung in der T\u00fcrkei nur \u00e4u\u00dferlich \u00fcbereinstimmen. . Der Niedergang der jugoslawischen Emigration, insbesondere der kroatischen Nationalistengruppen, war von einer Zunahme konspirativ arbeitender Kleinstgruppen begleitet. Auch Mordanschl\u00e4ge gegen Exiljugoslawen und Attentate auf jugoslawische Einrichtungen verweisen auf die gespannte Sicherheitslage in diesem Bereich. 2. Afghanische Gruppen Die Generalunion der Afghanischen Studenten im Ausland (GUAfS) wurde im Jahre 1971 gegr\u00fcndet. Sie unterst\u00fctzte die marxistisch ausgerichtete Volksbewegung in Afghanistan. Nach dem Umsturz im April 1978 spaltete sich die GUAfS. Eine orthodox-kommunistische Minderheit trat f\u00fcr die wachsende sowjetische Pr\u00e4senz in Afghanistan ein, w\u00e4hrend die der dogmatischen Neuen Linken zuzurechnende Mehrheit, die nun die Bezeichnung Generalunion der Afghanen und afghanischen Studenten (GUAfS) f\u00fchrt, eine Einmischung der UdSSR ablehnte. Der Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan am 27. Dezember 1979 bewirkte bei der Gruppierung der Neuen Linken vor\u00fcbergehend steigende Mitgliederzahlen. Inzwischen ist die Tendenz r\u00fcckl\u00e4ufig. Der Verein der Afghanen und afghanischen Studenten M\u00fcnchen, eine \u00f6rtliche Untergliederung der ideologisch der Neuen Linken zuzurechnenden Gruppierung der GUAfS, verurteilt in seinem Statut den amerikanischen \"Imperialismus\", die chinesische \"Reaktion\", den russischen \"Sozialimperialismus\" sowie die \"sozialfaschistische Regierung\" in Afghanistan. Sein Ziel ist ein freies, selbst\u00e4ndiges, vereintes, \"demokratisches\" und autarkes Afghanistan. Die Aktivit\u00e4ten des Vereins beschr\u00e4nkten sich 1982 auf vereinsinterne Sitzungen. Anl\u00e4\u00dflich des Jahrestages der milit\u00e4rischen Intervention der Sowjetunion in Afghanistan fand am 27. Dezember in Bonn eine Demonstration statt, an der sich auch afghanische Staatsangeh\u00f6rige aus Bayern beteiligten. 3. Afrikanische Gruppen Die Eritreische Befreiungsfront (ELF) und die Eritreische Volksbefreiungsfront (EPLF) wollen mit ihrem Kampf gegen das \"faschistische Milit\u00e4rregime\" in \u00c4thiopien die Unabh\u00e4ngigkeit der \u00e4thiopischen Provinz Eritrea erreichen. Trotz \u00fcbereinstimmender Zielsetzung konnten sich beide Gruppierungen bisher 158","nicht auf einen gemeinsamen Kurs einigen. Sogar innerhalb der ELF bestanden bis vor kurzem Meinungsverschiedenheiten \u00fcber die zu verfolgende Taktik. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen hat sich inzwischen die moskauorientierte Richtung durchgesetzt, deren Anh\u00e4nger die Unterst\u00fctzung des eritreischen Befreiungskampfes durch die Sowjetunion bef\u00fcrworten. Hingegen lehnt die EPLF, die sich selbst in einem Flugblatt als \"Vorhut der eritreischen Revolution\" bezeichnete, eine Zusammenarbeit mit der UdSSR ab. In Bayern traten beide Organisationen im Jahre 1982 \u00f6ffentlich kaum in Erscheinung. Veranstaltungen der ELF zum 21j\u00e4hrigen Bestehen der Organisation, an denen auch Mitglieder aus Bayern teilnahmen, fanden -- ebenso wie der Jahreskongre\u00df -- au\u00dferhalb Bayerns statt. EPLF-Mitglieder verteilten im Januar und Februar in Erlangen Flugbl\u00e4tter mit dem Titel \"Chemische Waffen gegen das eritreische Volk\", die sich mit Waffenlieferungen der UdSSR und der USA an die \"\u00e4thiopische Milit\u00e4rjunta\" befa\u00dften. Die Nationalunion eritreischer Arbeiter in Europa (NUEWE) und die Nationalunion eritreischer Studenten in Europa (NUESE), die als Zweigorganisationen der EPLF deren Ziele im Bundesgebiet unterst\u00fctzen, zeigten 1982 in Bayern keine Aktivit\u00e4ten. 4. Arabische Gruppen Die 1964 gegr\u00fcndete Pal\u00e4stinensische Befreiungsorganisation (PLO) ist die Dachorganisation der pal\u00e4stinensischen Befreiungsbewegung. Sie fordert die Aufl\u00f6sung des \"zionistischen\" Staates Israel, an dessen Stelle ein angeblich demokratischer pal\u00e4stinensischer Staat treten soll. Bei den in der PLO lose zusammengef\u00fcgten Guerillagruppen bestehen nach wie vor Meinungsverschiedenheiten \u00fcber die Mittel zur Verwirklichung dieses Zieles. W\u00e4hrend die zahlenm\u00e4\u00dfig st\u00e4rkste Organisation Al Fatah unter ihrem F\u00fchrer Yassir Arafat eine L\u00f6sung des Pal\u00e4stinenserproblems auch auf dem Verhandlungswege erreichen will, stehen andere Gruppierungen, so die Terrororganisation Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas (PFLP), und die Demokratische Front f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas (DFLP) der relativ gem\u00e4\u00dfigten Haltung Arafats ablehnend gegen\u00fcber. Bestrebungen der PLO, eine Nachfolgeorganisation der seit 1978 im Bundesgebiet rechtskr\u00e4ftig verbotenen \"Generalunion Pal\u00e4stinensischer Arbeiter\" (GUPA) aufzubauen, f\u00fchrten zur Gr\u00fcndung des Pal\u00e4stinensischen Arbeiterverbandes in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin (PAV), der ma\u00dfgeblich von der Al Fatah beeinflu\u00dft ist und f\u00fcr die Ziele der Pal\u00e4stinenser im Gastland wirbt. Die milit\u00e4rische Intervention Israels im Libanon am 4. Juni l\u00f6ste bei pal\u00e4stinensischen Gruppierungen verst\u00e4rkte Protestaktionen aus, die auch von deutschen linksextremen Organisationen mitgetragen wurden. So fanden im Juni und Juli 1982 in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg Demonstrationen gegen den \"V\u00f6lkermord im Libanon\" statt, bei denen die diplomatische Anerkennung der PLO durch die Bundesregierung gefordert und die \"reaktion\u00e4ren arabischen Staaten\" wegen mangelnder Unterst\u00fctzung der PLO kritisiert wurden. Initiatoren der Kundgebungen waren \u00f6rtliche Gruppierungen des PAV und des Pal\u00e4stinensischen Stu159","dentenverbandes in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin (PSV), der im wesentlichen die gleichen Ziele wie der PAV verfolgt und ebenfalls von der Al Fatah beeinflu\u00dft ist. An den Versammlungen beteiligten sich neben Angeh\u00f6rigen der DKP, der SDAJ, des MSB Spartakus und des AB auch Anh\u00e4nger des M\u00fcnchner Ausl\u00e4ndervereins Union der fortschrittlichen Araber (UFA), der f\u00fcr die extremen Ziele der PFLP eintritt. 5. Griechische Gruppen 5 1 Orthodoxe Kommunisten Die Aktivit\u00e4ten der extremistischen griechischen Gruppen in Bayern, die sich weiterhin auf die Gro\u00dfr\u00e4ume M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg konzentrierten, haben gegen\u00fcber dem Vorjahr etwas nachgelassen. Angriffsziele waren vor allem die Lage in Griechenland sowie die politische und wirtschaftliche Situation in der Bundesrepublik Deutschland, insbesondere die Ausl\u00e4nderpolitik der Bundesregierung. Wie im Vorjahr bet\u00e4tigte sich die Kommunistische Partei Griechenlands (KKE-Ausland) am aktivsten, gefolgt von der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE-Inland). Die KKE-Ausland ist der orthodox-kommunistische Teil der seit Februar 1968 gespaltenen Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE). Im Gegensatz zur KKE-Inland erkennt sie die Hegemonie Moskaus an. Seit September 1974 ist die KKE-Ausland in Griechenland als Partei zugelassen. Sie beruft sich auf die Tradition der griechischen Arbeiterbewegung und nimmt f\u00fcr sich in Anspruch, die Kommunistische Partei Griechenlands zu sein. Organe der KKE-Ausland und ihrer Jugendorganisation Kommunistische Jugend Griechenlands (KNE) sind die Schriften \"Risospastis\" (Der Radikale) bzw. \"Odigitis\" (Der F\u00fchrer). Nach wie vor unterhalten die KKE-Ausland und die KNE enge Verbindungen zur Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) und ihrer Jugendorganisation Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ), obwohl sie auf gemeinsame \u00f6ffentliche Veranstaltungen meist verzichteten. Zu einigen orthodox-kommunistisch ausgerichteten Ausl\u00e4nderorganisationen anderer Nationalit\u00e4ten bestehen mehr oder minder intensive Kontakte. Im Mittelpunkt der Aktivit\u00e4ten standen 1982 vor allem die Betriebsarbeit, die Durchf\u00fchrung von Spendenaktionen und der Vertrieb von Publikationen. Insbesondere griff die KKE-Ausland soziale und politische Anliegen griechischer Arbeiter auf, um dadurch neue Mitglieder zu gewinnen. Der neuen sozialistischen Regierung in Griechenland warf sie eine ,.Anpassung an die europ\u00e4ische sozialdemokratische Linie\" vor. Durch ihren Einsatz f\u00fcr die Ziele der griechischen Eltern-, Arbeiter-, Gemeindeund Studentenvereine fanden die KKE-Ausland und ihre Jugendorganisation auch die Unterst\u00fctzung von Nichtextremisten. \u00dcberregional bedienten sich sowohl die KKE-Ausland als auch die KNE der Hilfe des Verbandes Griechischer Gemeinden in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin (OEK) und 160","des Verbandes Griechischer Studentenvereine in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin (OEFE). Diesen orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften Dachverb\u00e4nden geh\u00f6rt der \u00fcberwiegende Teil der in Bayern bestehenden griechischen Gemeinden und Studentenvereine an. Bei den Vorstandswahlen des OEK und der griechischen Gemeinden kandidierte die KKE-Ausland unter der Bezeichnung \"Demokratische Einheit\" (D.E.). 1982 verlor sie erstmals seit 1974 die F\u00fchrung im Vorstand des OEK. Bei den Vorstandswahlen des OEFE und der griechischen Studentenvereine bewarben sich Mitglieder der KNE mit Anh\u00e4ngern der Studentenorganisation der KKE-Ausland Gesamtstudentische Syndikalistische Bewegung (PSK) auf einer gemeinsamen Wahlliste. Die KKE-Inland ist der national-kommunistisch orientierte Teil der fr\u00fcheren Kommunistischen Partei Griechenlands. Im Gegensatz zur KKE-Ausland erkennt sie die f\u00fchrende Rolle der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) nicht an. Obwohl sie die Mitgliedschaft Griechenlands in der EG grunds\u00e4tzlich bef\u00fcrwortet, fordert sie eine Korrektur des Beitrittsabkommens, insbesondere eine unverz\u00fcgliche Gleichstellung Griechenlands mit den \u00fcbrigen Mitgliedsl\u00e4ndern. Der griechischen Regierung wirft sie vor, sich zu wenig um die Probleme der griechischen Gastarbeiter in der Bundesrepublik Deutschland zu k\u00fcmmern. Als Organe der KKE-Inland und ihrer Jugendorganisation Griechische Kommunistische Jugend \"Rigas Fereos\" (E.KO.N. Rigas Fereos) erscheinen die Zeitschriften ,,l Avgi\" (Die Morgenr\u00f6te) bzw. \"Thourios\" (Kriegslied). Enge Kontakte bestehen zu den kommunistischen Parteien Spaniens (PCE) und Italiens (PCI). Die KKE-Inland und ihre Jugendorganisation konnten die im Vorjahr gewonnene Position nicht ausbauen. Insbesondere gelang es ihnen nicht, auf die griechischen Gastarbeitervereinigungen gr\u00f6\u00dferen Einflu\u00df zu gewinnen. Ein neues Programm, das noch mehr auf aktuelle Gastarbeiterprobleme zugeschnitten ist, soll nunmehr die gew\u00fcnschten Erfolge bringen. Die KKE-Inland warb bei den Vorstandswahlen des OEK und der griechischen Gemeinden unter der Listenbe161","Zeichnung \"Demokratische Vereinigte Zusammenarbeit\" (D.E.S.) um Stimmen. Bei den Vorstandswahlen des OEFE und der griechischen Studentenvereine kandidierten Mitglieder der E.KO.N. Rigas Fereos und Anh\u00e4nger der Studentenorganisation der KKE-Inland Demokratischer Kampf (DA) gemeinsam mit eigener Wahlliste. 5.2 Neue Linke F\u00fcr die Ziele der maoistisch-prochinesischen Organisationen Revolution\u00e4re Kommunistische Bewegung Griechenlands (EKKE) und Marxistisch-leninistische Kommunistische Partei Griechenlands (ML-KKE) treten mehrere Anh\u00e4nger in M\u00fcnchen ein. Ihr gemeinsames Organ ,,l Laiki\" (Die Volkszeitung), das in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden zum Kauf angeboten wurde, rief insbesondere zu verst\u00e4rktem Engagement gegen die Ausl\u00e4nderpolitik der Bundesregierung auf. 6. Iranische Gruppen Die Aktivit\u00e4ten iranischer Extremisten waren in besonderem Ma\u00dfe von der politischen Lage im Herkunftsland bestimmt. Im Zusammenhang mit den Terroranschl\u00e4gen auf Regierungsmitglieder in Teheran und der anschlie\u00dfenden Verfolgungsund Verhaftungswelle kam es im Bundesgebiet, zumeist im Bereich der Universit\u00e4ten, zu versch\u00e4rften Auseinandersetzungen zwischen Gegnern und Anh\u00e4ngern der iranischen Regierung. An einem \u00dcberfall regierungstreuer Iraner auf oppositionelle Landsleute in Mainz beteiligten sich auch drei iranische Staatsangeh\u00f6rige aus Bayern. Gleichwohl hat in Bayern die Bereischaft iranischer Extremisten, sich politisch zu exponieren, insgesamt nachgelassen. Unterschiedliche politische Meinungen wurden vor allem mit Flugbl\u00e4ttern und sonstigen Schriften an die \u00d6ffentlichkeit getragen. 6.1 Khomeini-Anh\u00e4nger Die 1971 im Iran gegr\u00fcndete marxistisch-leninistische \"Guerilla-Organisation der Volksfedayin im Iran\" (Kurzbezeichnung: Volksfedayin), die ma\u00dfgeblich am Umsturz im Iran beteiligt war, spaltete sich im Jahre 1980 wegen ideologischer Differenzen. W\u00e4hrend der urspr\u00fcngliche Teil, der seit der Abspaltung den Zusatz \"Minderheit\" f\u00fchrt, in Opposition zur iranischen Regierung steht, unterst\u00fctzt die Organisation der Volksfedayin im Iran (Mehrheit) an der Seite der TudehPartei die Politik Khomeini's. 1982 verteilten Anh\u00e4nger der Volksfedayin (Mehrheit) in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden an der Universit\u00e4t M\u00fcnchen ihr Organ \"Kar\" (Arbeit) sowie sonstige Flugschriften. Die orthodox-kommunistische Tudeh-Partei, die von Anfang an aus taktischen Gr\u00fcnden Khomeini's Politik unterst\u00fctzte, tritt im Bundesgebiet unter der Bezeichnung \"Tudeh-Partei Iran (Sektion BRD)\" auf. Anh\u00e4nger der im allgemeinen konspirativ arbeitenden Tudeh-Partei traten 1982 in M\u00fcnchen lediglich mit dem Verkauf der deutschsprachigen Monatszeitschrift \"iran aktuell\" und eines gleichnamigen Wochenblattes in Erscheinung, das als Beilage zum neuen 162","Organ ,,Rahe Tudeh\" (Weg der Tudeh) der ,,Tudeh-Partei Iran (Sektion BRD)\" p herausgegeben wird. Die islamisch-fundamentalistisch ausgerichtete Union Islamischer Studentenvereine in Europa (UISA) steht bedingungslos hinter Khomeini und seinen Bestrebungen, im Iran einen \"schiitischen Gottesstaat\" zu errichten. Nach dem \u00dcberfall von mehr als 100 Khomeini-Anh\u00e4ngern auf ein \u00fcberwiegend von Khomeini-Gegnern bewohntes Studentenheim am 24. April in Mainz war die UISA heftigen Angriffen der gesamten iranischen Opposition ausgesetzt, die \"Schlu\u00df mit dem Khomeini-Terror in der BRD\" forderte. Die Festnahme von 86 am \u00dcberfall beteiligten Khomeini-Anh\u00e4ngern und die Ausweisung von 32 \u00fcberf\u00fchrten T\u00e4tern hatte zur Folge, da\u00df die Aktivit\u00e4ten der UISA merklich zur\u00fcckgingen. In Bayern beschr\u00e4nkte sich die T\u00e4tigkeit der UISA auf die Verbreitung ihres in deutscher Sprache abgefa\u00dften Organs \"Quods\" (Heiligkeit), das \u00fcber die \"Errungenschaften der islamischen Revolution\" berichtete und gegen die USA, die Sowjetunion und die milit\u00e4rische Intervention Israels im Libanon polemisierte. 6.2 Khomeini-Gegner 6.2.1 Linksextremisten Die Aktivit\u00e4ten der im Jahre 1961 als internationaler Dachverband iranischer Studentenvereinigungen gegr\u00fcndeten Conf\u00f6deration Iranischer Studenten -- National Union (CISNU) sind fast zum Erliegen gekommen. Ideologische Richtungsk\u00e4mpfe, die schon Ende 1975 einen Zerfall in mehrere rivalisierende Gruppierungen zur Folge hatten, haben sich nach dem Umsturz im Iran noch verst\u00e4rkt. Die Anh\u00e4nger der einzelnen CISNU-Fl\u00fcgel orientieren sich derzeit an verschiedenen politischen Gruppierungen und Parteien im Iran. Die der Neuen Linken zuzurechnende CISNU-Sympathisanten der Volksfedayin Guerilla Iran, die im Vorjahr noch durch Beteiligung an einer Botschaftsbesetzung und einer Gro\u00dfdemonstration in Erscheinung getreten war, hat inzwischen erheblich an Bedeutung verloren. Die Gruppierung f\u00fchrt auch die Bezeichnung \"Iranische Studentenorganisation -- Sympathisanten der Guerillaorganisation der Volksfedayin Iran in der BRD und West-Berlin\". Ihre Anh\u00e4nger orientierten sich bisher an den Zielen einer im Iran operierenden Untergrundorganisation, deren F\u00fchrerin Ashraf Deghani den Sturz des Khomeini-Regimes mit bewaffneten Mitteln anstrebte. Die Ungewi\u00dfheit, ob sich die \"Freiheitsk\u00e4mpferin\" den Volksfedayin (Minderheit) angeschlossen oder ihre politische T\u00e4tigkeit eingestellt hat, lie\u00df die Aktivit\u00e4ten der Gruppierung rasch sinken. In Bayern bestehen Ortsgruppen in Erlangen und M\u00fcnchen, die unter der Bezeichnung Die iranischen Studenten in Erlangen -- Sympathisanten der Volksfedayin Guerilla Iran (fr\u00fcher: Organisation der iranischen Studenten in Erlangen) bzw. Iranische Studentenorganisation M\u00fcnchen -- Sympathisanten der Volksfedayin Guerilla Iran (fr\u00fcher: Organisation der iranischen Studenten in M\u00fcnchen) auftraten. In den in M\u00fcnchen und Erlangen verteilten Flugschriften forderten sie insbesondere den \"Sturz der volksfeindlichen Regierungen im Iran und Irak\", den \"Sturz des barbarischen Khomeini-Regimes\" und die \"Beendigung des Krieges im Libanon und Verurteilung des Aggressors Israel\". 163","Plakat linksextremer Khomeini-Gegner Der 1972 gegr\u00fcndete Iranische Studentenverein M\u00fcnchen (ISVM) vertritt im wesentlichen die Linie der nach einer neuerlichen Spaltung bedeutungslos gewordenen Organisation \"Tufan\" im Iran. Verbindungen zum fr\u00fcheren Dachverband, der prochinesischen Mainzer CISNU, bestehen wegen deren Inaktivit\u00e4t nicht mehr. Verst\u00e4rkt hat sich die Zusammenarbeit mit einer der Neuen Linken zuzurechnenden Gruppe der CISNU in Berlin, die sich CISNU -- Zentrale Berlin nennt. Der ISVM verbreitete 1982 vorwiegend gegen Khomeini gerichtete Flugbl\u00e4tter. Verschiedentlich war eine Zusammenarbeit mit anderen iranischen Gruppierungen festzustellen. So veranstalteten der ISVM und der \"Verein der iranischen Demokraten\" anl\u00e4\u00dflich des islamischen Neujahrestages (21. M\u00e4rz) eine gemeinsame Feier, an der rund 500 Personen teilnahmen. Die Union Iranischer Studenten in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin (UIS), eine Gruppe der Neuen Linken, deren Anh\u00e4nger die Ziele der im Iran bestehenden Organisation \"Peykar' verfolgen, hat ihre Agitation verst\u00e4rkt. Die \"Peykar\" ging aus abgespaltenen Mitgliedern der \"Volksmojahedin\" hervor, die deren islamisch-fundamentalistische Ausrichtung ablehnten. Anh\u00e4nger der UIS verteilten 1982 in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden im Bereich der Universit\u00e4ten Bayreuth und M\u00fcnchen deutschsprachige Ausz\u00fcge aus der Publikation \"Peykar\" und sonstige Flugschriften, in denen sowohl Khomeini als auch der ehemalige iranische Staatspr\u00e4sident Bani Sadr angegriffen wurden. 164","6.2.2 Islamische Fundamentalisten Die Anh\u00e4nger der im Iran t\u00e4tigen \"Volksmojahedin\" haben sich im Bundesgebiet in den Moslemischen Studentenvereinigungen (M.S.V.) W.-Germany -- Sympathisanten der Organisation der Volksmojahedin Iran zusammengeschlossen. Die \"Volksmojahedin\", eine Organisation islamischer Fundamentalisten mit marxistischer Pr\u00e4gung, waren ma\u00dfgeblich an der Revolution im Iran beteiligt. Nach dem Umsturz gerieten sie zunehmend in Opposition zu dem neuen Regime, das sie als \"Mullah-Diktatur\" verurteilten. Am 29. Juli 1981 begab sich ihr Generalsekret\u00e4r Masoud Radjavi mit Bani Sadr nach Frankreich ins Exil. Dort gr\u00fcndeten sie den \"Nationalen Widerstandsrat\" (N.W.R.), der sich das Ziel gesetzt hat, das Khomeini-Regime zu st\u00fcrzen. Wie im Vorjahr entwickelten die Anh\u00e4nger der \"Volksmojahedin\" die gr\u00f6\u00dften Aktivit\u00e4ten. Au\u00dferhalb Bayerns veranstalteten sie unter dem Motto \"Gegen Menschenrechtsverletzungen, Folterungen und Hinrichtungen im Iran\" wiederholt bundesweite Demonstrationen, zum Teil in Zusammenarbeit mit linksextremen iranischen und deutschen Gruppen. An den Kundgebungen nahmen durchschnittlich 300 Personen teil. In M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg errichteten Anh\u00e4nger der \"Volksmojahedin\" in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden Informationsst\u00e4nde und verteilten Flugschriften sowie die Organe \"Modjahed\" (Der K\u00e4mpfer) und \"Freiheit f\u00fcr Iran\". Weitere Flugblattaktionen fanden in Erlangen und Coburg statt. Bei einer Veranstaltung von Anh\u00e4ngern der \"Volksmojahedin\" am 7. Januar in M\u00fcnchen, an der etwa 80 Iraner teilnahmen, lie\u00df der Referent deutlich erkennen, da\u00df die \"Volksmojahedin\" nicht gewillt sind, Bani Sadr nach dem gemeinsam angestrebten Sturz Khomeinis die F\u00fchrungsrolle bei der Bildung einer neuen Regierung zu \u00fcberlassen. Der Verein islamischer Studenten in Westdeutschland trat 1982 nicht in Erscheinung. 6 2 3 Aktionsb\u00fcndnis Die Festnahme und Inhaftierung dreier Iraner in M\u00fcnchen, denen zur Last gelegt wurde, Schah-Anh\u00e4nger bestohlen und beraubt zu haben, f\u00fchrte im M\u00e4rz 1982 zur Gr\u00fcndung des Komitees fortschrittlicher iranischer Studenten in M\u00fcnchen. Ihm geh\u00f6ren Anh\u00e4nger \u00fcberwiegend linksextremer und islamisch-fundamentalistischer Gruppierungen in M\u00fcnchen an. Um die Freilassung der inhaftierten Iraner zu erreichen, veranstaltete das Komitee am 7. April vor der Justizvollzugsanstalt Stadelheim eine Kundgebung, an der sich etwa 30 Iraner und ebensoviel Deutsche beteiligten. Die Aktion, die auch die Unterst\u00fctzung des Arbeiterbundes f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) und seiner Nebenorganisation Kommunistischer Hochschulbund (KHB) gefunden hatte, verlief ohne St\u00f6rungen. Im Oktober 1982 verbreitete das Komitee in M\u00fcnchen ein Flugblatt, in dem es hie\u00df, das \"barbarisch-faschistische\" Khomeini-Regime habe inzwischen die Greuel des fr\u00fcheren Schah-Regimes \u00fcbernommen und sogar \u00fcbertroffen. 165","7. Italienische Gruppen 7.1 Linksextremisten Die Kommunistische Partei Italiens (PCI), deren Parteiorgan die in Italien gedruckte Zeitschrift \"L'Unita\" ist, gliedert sich in der Bundesrepublik Deutschland in die Gebietsf\u00f6derationen K\u00f6ln (Nord), Stuttgart (S\u00fcd) und Frankfurt a.M. (Mitte). In Bayern bestehen Bezirkskomitees in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg sowie eine Ortsgruppe in Augsburg. Die PCI-Mitglieder in Augsburg und N\u00fcrnberg zeigten 1982 nur geringes Interesse an der Parteiarbeit, w\u00e4hrend in M\u00fcnchen eine Zunahme der Aktivit\u00e4ten feststellbar war. Wegen der angeblich schleppenden Behandlung des Gesetzes \u00fcber die italienischen F\u00fcrsorgekomitees rief die PCI f\u00fcr den 15. Mai zu Protestaktionen in verschiedenen St\u00e4dten des Bundesgebietes auf. In M\u00fcnchen und, N\u00fcrnberg suchten insgesamt rund 15 Personen die Konsulate auf, um Protestschreiben zu \u00fcbergeben. Am allj\u00e4hrlichen \"Festa dell'Unita\" am 24. Oktober in M\u00fcnchen beteiligten sich rund 300 Personen, darunter auch etwa 50 PCI-Mitglieder aus Italien. Der im Jahre 1970 in Frankfurt a.M. gegr\u00fcndete Italienische Verband der Gastarbeiter und ihrer Familien (FILEF) ist eine von der PCI gesteuerte Betreuungsorganisation, deren Mitglieder in aller Regel auch Anh\u00e4nger der PCI sind. Als Publikationsorgane der FILEF erscheinen die Zeitschriften \"Emigrazione\" und \"Emigrazione Oggi\" (Emigration heute). Der Verband ist im Bundesgebiet der Organisationsstruktur der PCI entsprechend in drei Zonen (Nord, Mitte, S\u00fcd) gegliedert. In Bayern bestehen Ortsgruppen in Landshut, M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg, die auch 1982 nur geringe Aktivit\u00e4ten entwickelten. Am 14. M\u00e4rz fand in M\u00fcnchen das von der FILEF organisierte \"Festa della Donna\" statt, an dem etwa 140 Personen, darunter Vertreterinnen von mehreren Frauengruppen, teilnahmen. 7.2 Rechtsextremisten Die seit dem Jahre 1948 dem italienischen Parlament angeh\u00f6rende rechtsextreme Movimento Sociale Italiano -- Oestra Nazionale -- MSI-DN -- (Soziale Italienische Bewegung -- Nationale Rechte) hatte fr\u00fcher auf eine eigene Pr\u00e4senz in den europ\u00e4ischen L\u00e4ndern verzichtet, um Konflikten mit den Gastl\u00e4ndern aus dem Wege zu gehen. 1980 begann sie mit dem Aufbau eines Parteiapparates im Bundesgebiet. In Bayern entstanden Ortsgruppen in Augsburg, M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg. Die MSI-DN will ihre Arbeit im Bundesgebiet vor allem auf soziale Probleme konzentrieren. Sie ist nach wie vor bestrebt, sich von deutschen rechtsextremen Organisationen abzugrenzen. Das seit 1978 in Stuttgart als Verein eingetragene Tricolore-Komitee der Italiener in der Welt (CTIM) versucht, die italienischen Arbeitnehmer im Sinne der MSI-DN zu betreuen. Die Ortsgruppen des CTIM in Bayern zeigten 1982 keine Aktivit\u00e4ten. 166","8. Jugoslawische Gruppen Die jugoslawischen Emigrantengruppen, die eine \u00c4nderung der politischen und gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse in Jugoslawien erstreben, weisen eine tiefgehende Zersplitterung auf, die geographisch, ethnisch, religi\u00f6s und vor allem auch geschichtlich bedingt ist. Vor allem kroatische Nationalistenorganisationen zeigen seit l\u00e4ngerem Verfallserscheinungen. Diese Entwicklung war von einer Zunahme konspirativ arbeitender Kleinstgruppen begleitet, die bereit sind, das jugoslawische Regime durch Gewaltaktionen im Inund Ausland zu bek\u00e4mpfen. So nahmen schweizerische und deutsche Sicherheitsbeh\u00f6rden Ende 1981 mehrere Anh\u00e4nger der bisher nicht bekannten Terrorgruppe \"Kroatische Revolution\u00e4re Bewegung\" (HRP) fest, die sich mit der Beschaffung und dem Transport von Waffen und Sprengstoff befa\u00dft hatte. Ein Teil des Sprengstoffs konnte im Bundesgebiet sichergestellt werden. 8.1 Kroatischer Nationalrat (HNV) Der im Februar 1974 in Toronto/Kanada gegr\u00fcndete Kroatische Nationalrat (HNV) versteht sich als Dachorganisation der kroatischen Widerstandsbewegungen auf internationaler Ebene. Sein Ziel ist die Wiederherstellung des \"unabh\u00e4ngigen Staates Kroatien\" in seinen ethnischen Grenzen. Oberstes Organ des HNV ist das im Turnus von zwei Jahren gew\u00e4hlte Parlament (SABOR). Weitere Organe sind der Exekutivausschu\u00df, der die Ziele des HNV in die Tat umsetzen soll, sowie der Kontrollrat und das Ehrengericht. Als Basisinstitutionen des HNV bestehen im Bundesgebiet rund 25 Ortsaussch\u00fcsse. Der Koordinierung ihrer Arbeit dient der \"Kroatische Koordinationsausschu\u00df der Gemeinschaft der Ortsaussch\u00fcsse des Kroatischen Nationalrats in der Bundesrepublik Deutschland\" (HKO) mit Sitz in Stuttgart. Die im September 1981 zum IV. SABOR gew\u00e4hlten 30 Abgeordneten trafen sich Anfang 1982 in Toronto/Kanada zu ihrer ersten Sitzung. Die HNV-Spitze erfuhr eine Verj\u00fcngung, da sich die Altemigranten bei der Besetzung der einzelnen Funktionen innerhalb des IV. SABOR nicht mehr durchsetzen konnten. Der HNV rief im Juni 1982 dazu auf, jugoslawische Banken und Produkte zu boykottieren und Reisen nach Jugoslawien zu unterlassen, damit das dortige Regime durch Devisenmangel destabilisiert und der Zusammenbruch des \"verfluchten Feindes\" beschleunigt werde. 8.2 Kroatische Staatsbildende Bewegung (HDP) Innerhalb des HNV hatte sich im Fr\u00fchjahr 1980 eine lose oppositionelle Gruppierung gebildet. Sie bestand vorwiegend aus j\u00fcngeren Anh\u00e4ngern des sogenannten \"Kroatischen Fr\u00fchlings\", einer oppositionellen kommunistischen Bewegung von Kroaten in Jugoslawien, deren Repr\u00e4sentanten im Dezember 1971 entmachtet worden waren. Die Gruppierung konstituierte sich schlie\u00dflich am 677. Juni 1981 in Lund/Schweden als Kroatische Staatsbildende Bewegung (HDP). Die HDP versteht sich als eine mit dem HNV konkurrierende Dachorganisation der kroatischen Emigration. Sie will den \"Vielv\u00f6lkerstaat\" Jugoslawien mit allen 167","Mitteln zerschlagen und mit sowjetischer Hilfe einen eigenst\u00e4ndigen Staat \"Vereinigtes Kroatien\" errichten, wobei eine zeitweilige Unterordnung unter die F\u00fchrung der Sowjetunion in Kauf genommen werden soll. Die \u00fcbrigen kroatischen Emigranten lehnen dies entschieden ab. In ihrem Publikationsorgan \"Hrvatski List\" (Kroatisches Blatt) vertrat die HDP die Auffassung, ein selbst\u00e4ndiger Staat Kroatien sei ohne \"bewaffneten Kampf\" nicht zu verwirklichen. Aufgabe der HDP sei es, als Voraussetzung eines solchen Kampfes eine nationale Strategie und eine milit\u00e4risch-politische F\u00fchrung zu sichern. 8 3 Kroatische Gruppen in Bayern Das Kroatische Nationalkomitee in Europa (HNO), eine Mitgliedsorganisation des HNV mit Sitz in M\u00fcnchen, trat wie in den Vorjahren kaum selbst\u00e4ndig in Erscheinung. Es veranstaltete am 3. April in M\u00fcnchen eine Gedenkfeier anl\u00e4\u00dflich des Gr\u00fcndungstages des unabh\u00e4ngigen Staates Kroatien (10. April 1941), an der sich rund 200 Personen, darunter auch Jugoslawen albanischer Volkszugeh\u00f6rigkeit, beteiligten. Die Redner riefen zum Kampf gegen Jugoslawien und zur Mobilisierung aller Kr\u00e4fte auf, um die Wiedererrichtung eines unabh\u00e4ngigen Staates Kroatien zu verwirklichen. Der Bund der vereinigten Kroaten in Deutschland e.V. (UHNj) ist ein seit 1967 in M\u00fcnchen angemeldeter Ausl\u00e4nderverein. Da die Vorstandsmitglieder in Nordrhein-Westfalen wohnen, hat sich der Aktionsbereich der Organisation dorthin verlagert. In Bayern zeigte der UHNj nur geringe Aktivit\u00e4ten, die sich im wesentlichen auf die gelegentliche Verbreitung von Flugbl\u00e4ttern beschr\u00e4nkten. Darin bezeichnete er sich als die \"k\u00e4mpferischste Einheit\" in der kroatischen Befreiungsbewegung und stellte Gebietsforderungen f\u00fcr einen k\u00fcnftigen Staat Kroatien. 8.4 Mordanschl\u00e4ge gegen Exiljugoslawen Die anhaltende Welle von Mordanschl\u00e4gen gegen Vertreter der jugoslawischen Emigration f\u00fchrte zu erheblicher Unruhe in jugoslawischen Emigrantenkreisen. So wurden am 17. Januar in der N\u00e4he von Heilbronn/Baden-W\u00fcrttemberg drei Jugoslawen albanischer Volkszugeh\u00f6rigkeit von Unbekannten erschossen. Die Opfer waren Funktion\u00e4re proalbanischer Widerstandsorganisationen in der jugoslawischen Provinz Kosovo. Am 20. August gab ein unbekannter T\u00e4ter auf einen Exilkroaten und dessen Freundin in ihrer Wohnung in Unterth\u00fcrheim, Kreis Dillingen a.d. Donau, mehrere Sch\u00fcsse ab. Dem Angreifer gelang die Flucht. Die Tatwaffe war nach polizeilichen Ermittlungen Ende 1980 von einer \u00f6sterreichischen Firma an das Bundessekretariat f\u00fcr Inneres der jugoslawischen Regierung nach Belgrad geliefert worden. Die jugoslawischen Beh\u00f6rden erkl\u00e4rten dazu, die Waffe sei zusammen mit anderen bei Unruhen im Kosovo aus einem Polizeifahrzeug entwendet worden. *Die kroatische Emigration ist \u00fcberzeugt, da\u00df die Mordanschl\u00e4ge im Auftrag des jugoslawischen Geheimdienstes ver\u00fcbt wurden. In anonymen Drohbriefen for168","derten \"Kroatische Revolution\u00e4re\" die deutschen Sicherheitsbeh\u00f6rden auf Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, um den \"blutigen Akten\" des jugoslawischen Geheimdienstes Einhalt zu gebieten. Gleichzeitig k\u00fcndigten sie Vergeltung ohne R\u00fccksicht auf Menschenleben an, falls nochmals ein Kroate im Bundesgebiet \"k\u00f6rperlichen Schaden\" erleiden sollte. 9. Kurdische Gruppen Die orthodox-kommunistische F\u00f6deration der Arbeitervereine aus Kurdistan in der Bundesrepublik Deutschland (KOWIKAR) mit Sitz in Frankfurt a.M. ist die st\u00e4rkste Kurdenvereinigung im Bundesgebiet. Sie unterh\u00e4lt Kontakte zur Deutschen Kommunistischen Partei (DKP). In Bayern bestehen Mitgliedsvereine in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg. Der Kurdische Arbeiter-Solidarit\u00e4tsverein, ein Mitgliedsverband der KOMKAR, f\u00fchrte am 3. April anl\u00e4\u00dflich des kurdischen Neujahrstages (21. M\u00e4rz) in M\u00fcnchen eine Veranstaltung zum Thema \"Der Kampf f\u00fcr Freiheit -- die Lage der Kurden in ihrem geteilten Land\" durch. Vor rund 100 Teilnehmern schilderten die Referenten anhand aktueller Beispiele die Haltung des t\u00fcrkischen Milit\u00e4rregimes gegen\u00fcber dem Freiheitsstreben der Kurden. Von der KOMKAR hat sich 1980 wegen ideologischer Differenzen und F\u00fchrungsstreitigkeiten eine orthodox-kommunistische Gruppierung abgespalten, die unter der Bezeichnung Kurdische Volksh\u00e4user (KVH) auftritt. Als \u00f6rtliche Untergliederung besteht in Bayern das Kurdische Volkshaus in N\u00fcrnberg. Weitere Ortsgruppen sind im Aufbau. Mitglieder des N\u00fcrnberger Vereins nahmen zusammen mit anderen kurdischen, t\u00fcrkischen und deutschen linksextremen Vereinigungen am Ostermarsch in N\u00fcrnberg am 11. April und an einer Veranstaltung zum kurdischen Neujahrstag am 17. April in Frankfurt a.M. teil. Die 1975 in der T\u00fcrkei gegr\u00fcndete orthodox-kommunistische Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) ist in der Bundesrepublik Deutschland seit etwa 1979 aktiv. Am 22. September besetzten rund 20 PKK-Mitglieder die SPD-Zentrale in N\u00fcrnberg. Die Aktion endete mit der \u00dcbergabe einer Petitionsschrift an Journalisten, die sich gegen die t\u00fcrkische Milit\u00e4rregierung wandte. Aus Anla\u00df des Gr\u00fcndungstages der PKK fand am 28. November in K\u00f6ln eine Gro\u00dfveranstaltung statt, an der rund 1.000 Personen teilnahmen. Neben Vertretern von kurdischen und t\u00fcrkischen linksextremen Vereinen reisten 50 PKK-Anh\u00e4nger aus Bayern zu diesem Treffen. Etwa 30 Anh\u00e4nger der orthodox-kommunistischen Vereinigung der Studenten Kurdistans im Ausland (AKSA) traten vom 23. bis 26. Juni in Frankfurt a.M. in den Hungerstreik. Sie bekundeten damit ihre Solidarit\u00e4t mit den Opfern eines Massenaufstands von Kurden im Irak, der im Mai 1982 blutig niedergeschlagen wurde. Der Aufstand verfolgte laut einem in Frankfurt a.M. verteilten Flugblatt das Ziel, das \"faschistische Regime Saddam Hussein's zu st\u00fcrzen und eine demokratische Koalitionsregierung einzurichten\". Aus demselben Anla\u00df fanden weitere Hungerstreikaktionen vom 24. bis 27. Juni in M\u00fcnchen und vom 3. bis 8. Juli in N\u00fcrnberg mit wechselnder Teilnehmerzahl statt. 169","10. Pakistanische Gruppen Seit der Hinrichtung des ehemaligen Ministerpr\u00e4sidenten Bhutto am 4. April 1979 und der Umwandlung Pakistans in eine islamische Republik erhielt die vom derzeitigen Milit\u00e4rregime verbotene Sozialrevolution\u00e4re Pakistanische Volkspartei (PPP) im Bundesgebiet vermehrt Zulauf. Sie erstrebt die Abschaffung der Milit\u00e4rdiktatur in Pakistan zugunsten einer islamischen sozialistischen Volksmacht. Unterschiedliche Auffassungen \u00fcber die Mittel zur Verwirklichung dieses Ziels haben zur Spaltung der PPP in mehrere rivalisierende Gruppen gef\u00fchrt. In Bayern trat die PPP lediglich mit einer Veranstaltung am 4. Dezember in M\u00fcnchen in Erscheinung. Vor rund 150 Zuh\u00f6rern sprach die Witwe Bhutto's \u00fcber die derzeitige politische Lage und die Verfolgung der PPP in Pakistan. 11. Spanische Gruppen Von den in Bayern bestehenden spanischen extremistischen Organisationen war wiederum nur die Kommunistische Partei Spaniens (PCE) aktiv. Die im Jahre 1921 gegr\u00fcndete PCE ist orthodox-kommunistisch. In Spanien wurde die PCE nach dem Regierungsantritt Francos im Jahre 1939 verboten und erst 1977 wieder zugelassen. In der Bundesrepublik Deutschland wird die Partei durch ein \"Cormite Federal\" (Bundeskomitee) geleitet. Das Bundesgebiet ist in die Zonen Nord, Rhein-Ruhr, Hessen, Baden-W\u00fcrttemberg und Bayern gegliedert, denen \u00fcber 50 \u00f6rtliche Zweiggruppen angeh\u00f6ren. In Bayern bestehen die Ortsgruppen M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg, deren Mitgliederzahlen r\u00fcckl\u00e4ufig sind. Publikationen der PCE sind die Zeitschrift \"Mundo Obrero\" (Welt der Arbeit) und das parteitheoretische Organ \"Nuestra Bandera\" (Unsere Fahne). Verbindungen bestehen zur Kommunistischen Partei Italiens (PCI), zur Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE-Inland) und zur Deutschen Kommunistischen Partei (DKP). Die Aktivit\u00e4ten der PCE waren 1982 haupts\u00e4chlich auf die Regionalwahlen in Andalusien am 23. Mai und die Parlamentswahlen in Spanien am 28. Oktober abgestellt. An \u00f6rtlichen Wahlveranstaltungen in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg nahmen durchschnittlich 50 Personen teil. Daneben agitierte die PCE gegen ausl\u00e4nderpolitische Beschl\u00fcsse der Bundesregierung und forderte die v\u00f6llige rechtliche, soziale und politische Gleichstellung der spanischen Gastarbeiter mit den Deutschen. 12. T\u00fcrkische Gruppen Die Lage in der Heimat bestimmte die Aktivit\u00e4ten der t\u00fcrkischen Extremisten in zunehmendem Ma\u00dfe. Auch 1982 war die t\u00fcrkische Milit\u00e4rregierung der erkl\u00e4rte Feind aller linksextremen Gruppierungen. Trotz ideologischer Gegens\u00e4tze fanden sie sich wiederholt zu gemeinsamen Aktionen zusammen, an denen zum Teil auch andere ausl\u00e4ndische sowie deutsche linksextreme Gruppen mitwirkten. So demonstrierten am 11. September in Frankfurt a.M. anl\u00e4\u00dflich des zweiten Jahrestages der Macht\u00fcbernahme der t\u00fcrkischen Streitkr\u00e4fte mehr als 170","20.000 Personen, \u00fcberwiegend t\u00fcrkische Linksextremisten aller ideologischen Richtungen, gegen die \"faschistische Milit\u00e4rdiktatur\". Daneben richtete sich die Agitation t\u00fcrkischer Linksextremisten gegen die Ausl\u00e4nderpolitik der Bundesregierung und deren Milit\u00e4rund Wirtschaftshilfe f\u00fcr den NATO-Partner T\u00fcrkei. Auch bei den rechtsextremen t\u00fcrkischen Gruppen wuchs der Widerstand gegen die Milit\u00e4rregierung, als der Entwurf der neuen Verfassung bekannt wurde. Die anhaltende Bereitschaft t\u00fcrkischer Extremisten, politische Gegens\u00e4tze unter Anwendung von Gewalt auszutragen, gef\u00e4hrdete auch 1982 die \u00f6ffentliche Sicherheit und Ordnung. 12.1 Linksextremisten 12.1.1 Orthodoxe Kommunisten Die orthodox-kommunistische T\u00fcrkische Kommunistische Partei (TKP), die in der T\u00fcrkei seit dem Jahre 1923 verboten ist, verf\u00fcgt im Bundesgebiet \u00fcber keinen eigenen Organisationsaufbau. Ihr Exilsitz ist Ost-Berlin. Bestrebungen der TKP, die Aufsplitterung der t\u00fcrkischen kommunistischen Vereinigungen im Bundesgebiet zu \u00fcberwinden und dabei ihren eigenen Einflu\u00df zu st\u00e4rken, f\u00fchrten Ende Februar 1977 in D\u00fcsseldorf zum Zusammenschlu\u00df der nationalkommunistischen \"F\u00f6deration Demokratischer Arbeitervereine der T\u00fcrkei in Europa\" (TDF) und der orthodox-kommunistischen \"F\u00f6deration t\u00fcrkischer Sozialisten in Europa\" (ATTF) unter der Bezeichnung F\u00f6deration der Arbeitervereine der T\u00fcrkei in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (FIDEF). Diesem Dachverband geh\u00f6ren im Bundesgebiet etwa 80 Mitgliedsorganisationen mit insgesamt rund 15.000 (1981: 18.000) Mitgliedern an, darunter auch t\u00fcrkische Arbeitervereinigungen in Ingolstadt, Mainburg und M\u00fcnchen. Verbindungen bestehen u.a. zur Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) und ihren Nebenorganisationen Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) und Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) sowie zum Sozialistischen Hochschulbund (SHB). Als Organ der FIDEF erscheint die Monatsschrift \"T\u00fcrkei-Informationen\" in deutscher Sprache. Am 24./2S. April fand in Essen der 6. Bundeskongre\u00df der FIDEF statt, an dem 700 Personen teilnahmen. Als Agitationsschwerpunkte wurden die Familienzusammenf\u00fchrung ausl\u00e4ndischer Arbeitnehmer, der Kampf gegen die \"Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\" und die Bildung von Aktionsb\u00fcndnissen mit anderen \"demokratischen\" Gruppen gegen die t\u00fcrkische Milit\u00e4rregierung beschlossen. Der T\u00fcrkische Arbeiterverein in M\u00fcnchen (M.I.DER), ein Mitgliedsverband der FIDEF, veranstaltete am 23. Januar einen Solidarit\u00e4tsabend f\u00fcr 52 in der T\u00fcrkei inhaftierte Mitglieder der \"Konf\u00f6deration revolution\u00e4rer Arbeitergewerkschaften\" (DISK). Zwei t\u00fcrkische Referenten richteten dabei heftige Angriffe gegen das t\u00fcrkische Milit\u00e4rregime. Am 6. M\u00e4rz beteiligten sich etwa 30 Mitglieder des M.I.DER an einer Demonstration der DKP aus Anla\u00df des \"Internationalen Frauentages\". Dabei wurden Flugbl\u00e4tter zum DISK-Proze\u00df verteilt und Zeitungen der FIDEF verkauft. 171","12.1.2 Neue Linke Die proalbanische T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten (TKP/ML) wurde im Jahre 1972 illegal in der T\u00fcrkei gegr\u00fcndet. Im Jahre 1974 fand die Gr\u00fcndungsversammlung f\u00fcr den Bereich der Bundesrepublik Deutschland statt. Ziel der TKP/ML ist die Beseitigung des politischen Systems in der T\u00fcrkei zugunsten einer kommunistischen Ordnung im Sinne des MarxismusLeninismus. Ihre \"Frontorganisation\" ist die \"T\u00fcrkische Arbeiterund Bauernbefreiungsarmee\" (TIKKO). Die konspirativ arbeitende TKP/ML unterh\u00e4lt in Bayern St\u00fctzpunkte in Augsburg, B\u00e4umenheim/Kreis Donau-Ries, Coburg, Lauf a.d. Pegnitz, M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg/F\u00fcrth. Sie trat vorwiegend mit Schmieraktionen sowie durch Verbreitung von Schriften in Erscheinung. Als Organe der TKP/ML erscheinen die Publikationen \"Partizan\", \"Kommunist\" und \"Isci K\u00f6yl\u00fc Kurtulusu\" (Arbeiter-Bauern-Befreiung). Im Pkw eines am 24. Juni in M\u00fcnchen festgenommenen T\u00fcrken aus Baden-W\u00fcrttemberg wurden ein Revolver mit Munition, Propagandamaterial der TKP/ML und eine Brosch\u00fcre \u00fcber die Herstellung und Anwendung von Sprengs\u00e4tzen gefunden. Bei einer Hausdurchsuchung konnte weiteres umfangreiches Propagandamaterial der TKP/ML sichergestellt werden. Am 6. November gingen bei den Redaktionen von zwei t\u00fcrkischen Tageszeitungen in Hessen mehrere Drohanrufe ein. Die anonymen Anrufer forderten die Ver\u00f6ffentlichung von Flugbl\u00e4ttern gegen die \"faschistische Verfassung\" in der T\u00fcrkei. Sie bezeichneten sich als \"Militante der TKP/ML und Guerillas von TIKKO\", die in Augsburg Plakate und Bomben deponiert h\u00e4tten. Noch am selben Tag stellte die Polizei in Augsburg eine Bombenattrappe sowie ein in deutscher und t\u00fcrkischer Sprache verfa\u00dftes Plakat mit dem Zusatz \"TKP/ML-TIKKO\" sicher. Der von der TKP/ML erheblich beeinflu\u00dfte proalbanische Dachverband F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Deutschland e.V. (ATIF) hat sich nach ideologischen Auseinandersetzungen im Sommer 1981 gespalten. Anh\u00e4nger der abgespaltenen Gruppe nennen sich jetzt \"Partizan Bolsevik\" (PB), w\u00e4hrend die in der urspr\u00fcnglichen Organisation verbliebenen Mitglieder intern die Zusatzbezeichnung \"Partizan\" (P) f\u00fchren. Von letzterer Gruppierung unterscheidet sich der abgespaltene Verband insofern, als er eine gewaltsame Durchsetzung seiner politischen Ziele in der T\u00fcrkei zum gegenw\u00e4rtigen Zeitpunkt noch als verfr\u00fcht ansieht. Er verbreitet die weiterhin erscheinenden Publikationen der TKP/ML und das Organ der ATIF \"M\u00fccadele\" (Kampf) jeweils mit dem Zusatz \"Bolsevik\" (B). Die Gruppe \"Partizan\" der ATIF veranstaltete vom 9. bis 11. April in Frankfurt a.M. ihren Jahreskongre\u00df. Daran beteiligten sich neben Delegationen aus dem benachbarten Ausland rund 1000 Mitglieder und Sympathisanten. Mehrere Redner sprachen \u00fcber die \"Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\" und Asylantenprobleme. Ein Funktion\u00e4r bef\u00fcrwortete Aktionseinheiten mit anderen politischen Gruppen -- unabh\u00e4ngig von ihrer ideologischen Ausrichtung --, um den Sturz der t\u00fcrkischen Milit\u00e4rregierung zu erreichen. 172","Publikationen extremistischer t\u00fcrkischer Organisationen PS --\"Information t\u00fcrkei DEVRIMCI YOL 5 N ^ X > Vataiia iiAsouri im","In einer zum 1. Mai 1982 erschienenen Sonderausgabe ihrer Publikation \"V\u00f6lker im Kampf\" rief die Gruppe \"Partizan Bolsevik\" der ATIF zur Demonstration \"f\u00fcr die gewaltsame Zerschlagung des Staatsapparates des westdeutschen Imperialismus\" auf, der andere V\u00f6lker ausbeute und unterdr\u00fccke und durch \"Militarisierung und Faschisierung im Innern\" gepr\u00e4gt sei. \"Schmidt, Genscher, Strau\u00df und Kohl\" seien die \"\u00e4rgsten Feinde der Werkt\u00e4tigen\". Wie die ATIF ist auch die von der TKP/ML beeinflu\u00dfte proalbanische Studentenf\u00f6deration der T\u00fcrkei in Deutschland e.V. (AT\u00d6F) wegen ideologischer Differenzen gespalten. Die AT\u00d6F, die kaum noch eigenst\u00e4ndig in Erscheinung tritt, ist Mitgliedsverband des im Dezember 1978 gegr\u00fcndeten proalbanischen Dachverbandes Konf\u00f6deration der Studenten aus der T\u00fcrkei (T\u00d6K). Die Gruppierung Devrimci Sol (Revolution\u00e4re Linke) entstand in der T\u00fcrkei im Jahre 1978 aus einer Aufsplitterung der Organisation \"Devrimci Yol\" (Revolution\u00e4rer Weg), die ihren Ursprung in der \"T\u00fcrkischen Volksbefreiungspartei/-front\" (THKP/-C) hat. Die in der T\u00fcrkei inzwischen verbotene THKP/-C war eine Gruppe der Neuen Linken, die den gewaltsamen Umsturz in der T\u00fcrkei anstrebte. Die politische T\u00e4tigkeit der \"Devrimci Sol\" im Ausland besteht insbesondere in der Unterst\u00fctzung des \"bewaffneten Kampfes\" ihrer in der T\u00fcrkei konspirativ arbeitenden Anh\u00e4nger gegen die dortige Regierung. In ihrem Publikationsorgan \"T\u00fcrkei-Nachrichten\" erkl\u00e4rte die Gruppierung offen ihre Bereitschaft zur revolution\u00e4ren Gewalt, die auch Mord als legitimes Mittel des Widerstandes gegen die \"faschistische Diktatur\" in der Heimat einschlie\u00dft. Im Bundesgebiet richteten sich spektakul\u00e4re Aktionen vor allem gegen t\u00fcrkische diplomatische Vertretungen. So drangen am 3. November neun bewaffnete und maskierte Anh\u00e4nger von \"Devrimci Sol\" unter Abgabe von Warnsch\u00fcssen in das t\u00fcrkische Generalkonsulat in K\u00f6ln ein und nahmen 32 Anwesende als Geiseln. Sie befestigten am Geb\u00e4ude ein Transparent mit Aufschriften wie \"Kampf bis zur Befreiung-Devrimci Sol\" und \"Nein zur Junta-Verfassung in der T\u00fcrkei\". Im Verlauf des Tages lie\u00dfen sie mehrere Geiseln frei, die zum Teil Verletzungen durch Querschl\u00e4ger oder Glassplitter erlitten hatten. Schlie\u00dflich ergaben sich die Besetzer nach l\u00e4ngeren Verhandlungen. Die Geiselnehmer, darunter auch ein T\u00fcrke aus N\u00fcrnberg, wurden festgenommen. Unbekannte T\u00e4ter zertr\u00fcmmerten am 7. November ein Schaufenster des B\u00fcros der \"T\u00fcrkish Airlines\" in M\u00fcnchen mit einem Pflasterstein. Ein am Stein befestigtes Tuch war mit Aufschriften wie \"Krieg bis zur Befreiung\" und \"Die Gefangenen sollen frei sein\" versehen. Parolen in t\u00fcrkischer Sprache enthielten den Zusatz \"Dev Sol\". Da die T\u00e4tigkeit der Devrimci Sol zunehmend den Strafgesetzen zuwiderlief und die innere Sicherheit, die \u00f6ffentliche Ordnung und sonstige erhebliche Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrdete, wurde die Vereinigung einschlie\u00dflich ihrer Teilorganisationen Halk Der (Volksvereine) vom Bundesminister des Innern im Benehmen mit den L\u00e4ndern mit Verf\u00fcgung vom 27. Januar 1983 verboten. Beim Vollzug des Verbots durchsuchte die Polizei am 9. Februar 1983 in Bayern sieben Objekte, darunter das Vereinslokal des Halk Der in N\u00fcrnberg, um das der Einziehung unterliegende Vereinsverm\u00f6gen zu beschlagnah174","men. Sie konnte u.a. eine Druckmaschine sowie umfangreiches Schriftgut sicherstellen. Gegen die Verbotsverf\u00fcgung wurde am 10. Februar 1983 Anfechtungsklage beim Bundesverwaltungsgericht erhoben, \u00fcber die noch nicht entschieden ist. 12.1.3 Aktionsb\u00fcndnis t\u00fcrkischer Linksextremisten Das im Fr\u00fchjahr 1982 gegr\u00fcndete Antifaschistische Einheitskomitee im Ausland (BIRKOM) will den \"revolution\u00e4ren Kampf der V\u00f6lker der T\u00fcrkei und Kurdistans\" unterst\u00fctzen und eine gemeinsame Widerstandsfront gegen die \"faschistische Staatsform\" der T\u00fcrkei aufbauen. Dem BIRKOM haben sich \u00fcberwiegend Anh\u00e4nger von Organisationen der Neuen Linken wie z.B. der Gruppierung \"Devrimci Yol\" (Revolution\u00e4rer Weg) angeschlossen. Zu den im Komitee vertretenen orthodox-kommunistischen Vereinigungen geh\u00f6rt die \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK). Das BIRKOM initiierte im Mai/Juni 1982 in mehreren deutschen St\u00e4dten Hungerstreiks gegen die \"t\u00fcrkische Milit\u00e4rregierung, Hinrichtungen und Folter\". In M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg beteiligten sich an diesen Aktionen jeweils durchschnittlich 10 bis 15 Personen. 12.2 Rechtsextremisten Die T\u00fcrkische Union Europa e.V. vertritt die politischen Ziele der in der T\u00fcrkei verbotenen und aufgel\u00f6sten Nationalen Heilspartei (MSP), einer islamischnationalistischen Gruppierung. Der Union geh\u00f6ren im Bundesgebiet Zweiggruppen mit unterschiedlichen Bezeichnungen an. Die Vereinigung demonstrierte am 7. Februar in Bonn gegen einen Erla\u00df des t\u00fcrkischen Kultusministeriums, wonach die M\u00e4dchen in den Schulen die Kopft\u00fccher abzunehmen haben. An der Kundgebung beteiligten sich rund 12.000 Personen, darunter etwa 150 Mitglieder der in Bayern bestehenden Ortsgruppen. In Bayern trat 1982 lediglich der Mitgliedsverein Organisation Nationaler Standpunkt in M\u00fcnchen in Erscheinung, dessen Jugend am 20. Juni in M\u00fcnchen den \"Tag der islamischen Auferstehung\" feierte. Transparente und Spruchb\u00e4nder trugen Aufschriften wie \"Es lebe unser Kampf f\u00fcr die moslemische T\u00fcrkei\" und \"Der religionslose Staat wird zerst\u00f6rt werden\". An der Veranstaltung nahmen rund 600 Personen teil. Die 1978 gegr\u00fcndete F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Europa (AD\u00dcTDF) mit Sitz in Frankfurt a.M. propagiert das Gedankengut der rechtsextremen t\u00fcrkischen Partei der Nationalen Bewegung (MHP), die im Jahre 1976 aufgrund eines Beschlusses des t\u00fcrkischen Verfassungsgerichtes ihre Zweigorganisationen im Bundesgebiet aufgel\u00f6st hatte und inzwischen von der t\u00fcrkischen Milit\u00e4rregierung verboten wurde. Dem Dachverband haben sich im Bundesgebiet bisher \u00fcber 100 t\u00fcrkische Organisationen mit rund 18.000 (1981: 23.000) Mitgliedern angeschlossen, darunter Ausl\u00e4ndervereine in F\u00fcrth, Ingolstadt, Kempten, Lauingen, M\u00fcnchen, Nersingen/Kreis NeuUlm, Neu-Ulm, N\u00fcrnberg, Regensburg, R\u00f6thenbach a.d. Pegnitz und W\u00fcrzburg. 175","Die ADUTDF veranstaltete am 13. M\u00e4rz in M\u00fcnchen einen Jugendkongre\u00df mit etwa 600 Teilnehmern. Zum vierten Jahreskongre\u00df der AD\u00dcTDF am 29. Mai in Koblenz fanden sich rund 1.500 Besucher ein, darunter Delegierte aus dem gesamten Bundesgebiet sowie aus Belgien, den Niederlanden, Frankreich, D\u00e4nemark und der Schweiz. Der 1. Vorsitzende Serdar Ceiebi ging in seinem Referat auf die behauptete Ausl\u00e4nderfeindlichkeit unter der deutschen Bev\u00f6lkerung ein und forderte seine Landsleute auf, sich trotz aller \"Anfeindungen von deutscher Seite\" ma\u00dfvoll zu verhalten. Ceiebi wurde am 1. November auf Ersuchen der italienischen Justizbeh\u00f6rden festgenommen und inzwischen am 14. Januar 1983 wegen Verdachts der Beteiligung an Vorbereitungen zum Attentat auf Papst Johannes Paul II. an Italien ausgeliefert. Der M\u00fcnchner Verein t\u00fcrkischer Idealisten e.V. (M\u00dcO), ein Mitgliedsverband der AD\u00dcTDF, f\u00fchrte im Januar und Dezember 1982 in M\u00fcnchen Veranstaltungen durch, zu denen zwischen 900 und 1000 Besucher erschienen. Als Redner traten der Vorsitzende der AD\u00dcTDF bzw. sein Stellvertreter Ali Batman auf. Anh\u00e4nger von Mitgliedsvereinen der AD\u00dcTDF in Bayern waren an t\u00e4tlichen Auseinandersetzungen beteiligt, denen vermutlich politische Motive zugrundelagen. So drangen am 29. M\u00e4rz sechs T\u00fcrken in eine von Landsleuten bewohnte Unterkunft in R\u00f6thenbach a.d. Pegnitz ein. Einer der Eindringlinge verletzte einen T\u00fcrken durch einen Schu\u00df an der Brust. Die anderen schlugen mit einer Eisenstange auf einen Landsmann ein und brachten ihm Kopfverletzungen und einen Schulterbruch bei. Schmieraktionen rechtsextremen Inhalts waren der Anla\u00df einer gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen jugendlichen T\u00fcrken am 19. Mai in N\u00fcrnberg, bei der ein Beteiligter durch Messerstiche verletzt wurde. 176","8. Abschnitt Spionageabwehr 1. Allgemeine Erfahrungen Die Bundesrepublik Deutschland ist nach wie vor bevorzugtes Ziel der Nachrichtendienste kommunistischer Staaten. Im Vergleich zum Vorjahr nahm 1982 die Zahl der erkannten Personen, die zu einer Spionaget\u00e4tigkeit aufgefordert worden waren, um 5 % zu. Im Mittelpunkt des gegnerischen Interesses standen mit einem Anteil von 35 % der Auftr\u00e4ge unver\u00e4ndert Informationen aus dem politischen Bereich. Neben dem klassischen Ziel der politischen Spionage, n\u00e4mlich den Auftr\u00e4gen gegen Regierungsund Verwaltungsstellen des Bundes und der L\u00e4nder, bildeten Auftr\u00e4ge gegen die Ostemigration sowie gegen die Hochschulen und deren Einrichtungen weitere Schwerpunkte der Aussp\u00e4hungsbem\u00fchungen auf dem politischen Sektor. Den Auftr\u00e4gen politischer Spionage folgte mit einem Anteil von 20 % die Milit\u00e4rspionage. Sie hatte vorrangig die Aussp\u00e4hung der Bundeswehr zum Ziel. Aufkl\u00e4rungsziele waren insbesondere Ausr\u00fcstung und Bewaffnung, milit\u00e4rische Anlagen sowie die Beobachtung von Truppenbewegungen und Man\u00f6vern. Daneben richteten sich zahlreiche Auftr\u00e4ge gegen die in der Bundesrepublik Deutschland stationierten Streitkr\u00e4fte der \u00fcbrigen NATO-Staaten. Im Bereich der Wirtschaftsspionage (18 %) richteten sich die Auftr\u00e4ge vor allem gegen die Kernforschung und den Raketenbau, die Elektronik, Elektroindustrie und Energiewirtschaft (Nutzung alternativer Energiequellen) sowie den Maschinenbau (Gasturbinen, Dieselgeneratoren u.a.). Schwerpunkte bei Auftr\u00e4gen vorbereitender und unterst\u00fctzender Art waren, wie in den Vorjahren, Personenund Objektkl\u00e4rungen sowie die Beschaffung von Publikationen und ortsbezogenen Informationen, z.B. Stadtpl\u00e4nen und Telefonb\u00fcchern. Die Bedeutung dieser Auftr\u00e4ge ist nicht zu untersch\u00e4tzen. Sie geh\u00f6ren in die Phase der Erprobung geworbener Agenten. Die Agenten werden \u00fcber ihren Verwandtenund Bekanntenkreis ausgefragt und liefern auf diese Weise den gegnerischen Nachrichtendiensten Hinweise f\u00fcr weitere Werbungen. Das Bayerische Oberste Landesgericht verurteilte 1982 sechs Personen (1981: vier Personen) wegen geheimdienstlicher Agentent\u00e4tigkeit zu Freiheitsstrafen zwischen 10 Monaten und 6 Jahren und 6 Monaten. Auftraggeber der Agenten waren in allen F\u00e4llen die Nachrichtendienste der DDR. 177","Die Bek\u00e4mpfung dieser im gro\u00dfen Ausma\u00df betriebenen Spionaget\u00e4tigkeit ist von Jahr zu Jahr schwieriger geworden. Die hohe Zahl der Agenten^ ihre verbesserte Ausbildung sowie der Einsatz neuester operativer Hilfsmittel erm\u00f6glichen den gegnerischen Nachrichtendiensten eine immer umfangreichere und hochwertigere konspirative Arbeit. 2. Die Rolle der Nachrichtendienste in kommunistischen Staaten Die besondere Stellung, welche die gegnerischen Nachrichtendienste im Verst\u00e4ndnis einer kommunistischen Parteiund Staatsf\u00fchrung einnehmen, zeigt sich besonders deutlich bei den diesen Diensten zuerkannten Befugnissen. Im Unterschied zu den Nachrichtendiensten in der Bundesrepublik Deutschland sind die Nachrichtendienste des Ostblocks mit fast unbeschr\u00e4nkten Exekutivbefugnissen ausgestattet und keinerlei rechtsstaatlichen Beschr\u00e4nkungen unterworfen. Sie sind Instrumente der \u00dcberwachung und Unterdr\u00fcckung der dortigen Machthaber nach innen sowie offensiver Kampff\u00fchrung gegen die westlichen Demokratien, insbesondere die Bundesrepublik Deutschland, nach'au\u00dfen. Die Gru\u00dfadresse des Zentralkomitees der SED anl\u00e4\u00dflich eines Jahrestages der Bildung des Ministeriums f\u00fcr Staatssicherheit der DDR (MfS) unterstreicht die Bedeutung kommunistischer Nachrichtendienste und ihre Zusammenarbeit: \"Das Zentralkomitee der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands spricht Ihnen, werter Genosse Minister,. . .und allen Kommunisten im Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit sowie den heldenhaften K\u00e4mpfern an der unsichtbaren Front Dank und Anerkennung aus. . .Das Zentralkomitee ist gewi\u00df, da\u00df die Angeh\u00f6rigen des MfS. . .in Treue und Ergebenheit gegen\u00fcber der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei durch die rechtzeitige Aufkl\u00e4rung und Durchkreuzung aller antisozialistischen Pl\u00e4ne des Gegners ihren Beitrag. . .leisten. Voraussetzungen daf\u00fcr sind vor allem die weitere St\u00e4rkung der Kampfkraft der Parteiund Dienstkollektive, die Erh\u00f6hung der revolution\u00e4ren Wachsamkeit und die Festigung des unverbr\u00fcchlichen Kampfund Bruderbundes mit dem Komitee f\u00fcr Staatssicherheit der UdSSR und den Bruderorganen der sozialistischen L\u00e4nder.\" 3. Werbungen, Werbungsversuche und allgemeine Werbungsmethodik 1982 ging, wie in den Vorjahren, die st\u00e4rkste Spionagebedrohung des Freistaates Bayern unver\u00e4ndert von den Nachrichtendiensten der DDR aus (62 %). Die \u00fcbrigen Aktionen entfielen auf die Nachrichtendienste der CSSR (20 %), Rum\u00e4niens (8 %), der UdSSR (5 %), Ungarns (2 %) sowie Polens (1,5 %) und Jugoslawiens (1,5 %). Knapp 60 % der erkannten Werbungsbem\u00fchungen richteten sich gegen Personen mit Wohnsitz in der Bundesrepublik Deutschland. Gro\u00dfe Bedeutung bei den Anwerbungsversuchen im Westen hatten Briefansprachen ohne konkreten Anla\u00df (18%) sowie briefliche oder telefonische Ansprachen auf Stellengesuche hin (12%). Die Ansprachen erfolgten, ebenso wie die im kommunistischen Machtbereich, in der Regel unter einer Legende, um den Angesprochenen \u00fcber den wahren Auftraggeber und dessen Absichten im Unklaren zu lassen. So wur178","Erkannte Werbungen und Werbungsversuche den Bundesb\u00fcrgern berufliche, wissenschaftliche, kulturelle Kontakte, der Austausch politischer Meinungen und sonstige vordergr\u00fcndig belanglos erscheinende Kontakte angeboten, wobei die Anbahner sich als Journalisten, Studenten, Unternehmensberater, Gesellschaftswissenschaftler oder als Inhaber \u00e4hnlicher akademischer Berufsbezeichnungen ausgaben. Die nachrichtendienstliche Ansprache von B\u00fcrgern der kommunistisch regierten Staaten erfolgte auch 1982 vorwiegend bei deren Bem\u00fchungen um Aussiedlung und Westreisen oder sonstigen nachrichtendienstlich interessanten Westkontakten. H\u00e4ufigste Werbungsmittel waren dabei das Versprechen von Aussiedlungsund Reisegenehmigungen sowie die Beg\u00fcnstigung von Verwandten. Nur 67 % (1981: 90 %) der angesprochenen B\u00fcrger Bayerns lehnten eine nachrichtendienstliche Mitarbeit von vornherein ab. 15 % (1981: 5 %) machten zwar eine Zusage, wurden aber tats\u00e4chlich nicht t\u00e4tig. Die \u00fcbrigen 18 % (1981: nur 5 %) nahmen nach der Anwerbung eine Spionaget\u00e4tigkeit auf. Bei der Werbung von Bundesb\u00fcrgern haben sich die Werbungsmittel im wesentlichen nicht ver\u00e4ndert. Im Vordergrund standen Versprechungen und Gew\u00e4hrung von Vorteilen jeglicher Art, wie z.B. Absehen von Strafen bei Verst\u00f6\u00dfen gegen gesetzliche Bestimmungen oder Befreiung vom Zwangsumtausch, Drohung und N\u00f6tigung in offener oder versteckter Form sowie Ausnutzung menschlicher Bindungen und charakterlicher Schw\u00e4chen. Unver\u00e4ndert waren auch 1982 die sog. Legalen Residenturen der gegnerischen Nachrichtendienste in amtlichen und halbamtlichen Vertretungen kommunistischer Staaten Ausgangspunkte umfangreicher Spionageaktivit\u00e4ten. Unter dem 179","Deckmantel diplomatischer, konsularischer oder gesch\u00e4ftlicher Bet\u00e4tigung suchten die dort besch\u00e4ftigten Mitarbeiter der gegnerischen Nachrichtendienste Kontakte zu Bundesb\u00fcrgern, um sie f\u00fcr eine nachrichtendieqstliche Mitarbeit zu gewinnen, ihr nachrichtendienstlich interessantes Wissen abzusch\u00f6pfen oder sie zur Durchsetzung eigener politischer Ziele zu beeinflussen. Erhebliche Aktivit\u00e4ten zeigte auch die Sowjetische Milit\u00e4rmission (SMM), die vor allem bei Man\u00f6vern operative Erkundungsfahrten unternahm. Spionage wurde auch von Agenturen staatlicher Wirtschaftsorganisationen, B\u00fcros von Fluggesellschaften und Reiseunternehmen sowie Vertretungen von Presse, Funk und Fernsehen aus betrieben. 4. Auftr\u00e4ge 61 % (1981: 37 %) der erkannten Auftr\u00e4ge gegen Ziele in Bayern entfielen 1982 auf die Nachrichtendienste der DDR. 11 % (1981: 33 %) gingen von den Nachrichtendiensten der CSSR aus. Je 7 % der Auftr\u00e4ge wurden von den sowjetischen und rum\u00e4nischen Nachrichtendiensten erteilt. Die \u00fcbrigen Auftr\u00e4ge gaben die Nachrichtendienste Polens (5 %), Bulgariens (4 %), Jugoslawiens (3%) und Ungarns (2%). Erkannte Auftr\u00e4ge 1981 Etwa 6 0 % (1981: 48%) der erteilten Auftr\u00e4ge wurden nicht ausgef\u00fchrt. Der Rest wurde zumindest teilweise erledigt. Im Vorjahr wurden demgegen\u00fcber 52 % der Auftr\u00e4ge ausgef\u00fchrt. 180","Ahnlich wie in den Vorjahren waren auch Art und Umfang der Auftr\u00e4ge. Sie reichten von der Beschaffung jedermann offen zug\u00e4nglicher Publikationen bis zu streng geheimen Vorg\u00e4ngen. Zielrichtung der erkannten Spionageauftr\u00e4ge 51% 1981 1982 1981 1982 1981 1982 1981 1982 Politisch Wirtschaft Vorbereitung Milit\u00e4risch Unterst\u00fctzung Das Schwergewicht der gegnerischen Auftr\u00e4ge lag 1982 in Bayern mit 34 % bei der politischen Spionage, gefolgt von der Milit\u00e4rspionage mit 30 % (1981:10 %), der Wirtschaftsspionage mit 24 % und den Auftr\u00e4gen vorbereitender und unterst\u00fctzender Art mit 12%. Die Zunahme der Auftr\u00e4ge gegen milit\u00e4rische Ziele um 20 % ist mit bedingt durch eine \u00c4nderung der Erfassung von Auftr\u00e4gen gegen G\u00fcter der R\u00fcstungsindustrie. Der Anteil der Wirtschaftsspionage stieg in Bayern im Vergleich zum Vorjahr um 3 %. Bundesweit hatte die Wirtschaftsspionage einen Anteil von 18 %. Diese Zahlen dokumentieren erneut die besondere Bedrohung der bayerischen Wirtschaft durch die gegnerischen Nachrichtendienste. 5. Die Nachrichtendienste der DDR Auch 1982 waren die Nachrichtendienste der DDR mit einem Anteil von 62 % der erkannten Werbungen und Werbungsversuche und 61 % der erfa\u00dften Auftr\u00e4ge Haupttr\u00e4ger der Spionaget\u00e4tigkeit kommunistischer Staaten in Bayern. Das Schwergewicht der Ansprachen bildeten, wie in den Vorjahren, private und berufliche Reisen. Auf Grund der totalen \u00dcberwachungsm\u00f6glichkeiten der Staatssicherheitsorgane in kommunistisch regierten Staaten ist diese Anbahnungsmethode am problemlosesten und ergiebigsten. Die \u00dcberwachungsm\u00f6glichkeiten und die sich bietenden nachrichtendienstlichen Ansatzpunkte verdienen am Beispiel der DDR besonders hervorgehoben zu werden. 181","Die DDR betreibt ihre Spionageaktivit\u00e4ten gegen die Bundesrepublik Deutschland und andere westliche Staaten mit der f\u00fcr Aufkl\u00e4rungsaufgaben zust\u00e4ndigen \"Hauptverwaltung Aufkl\u00e4rung\" (HVA) des MfS und der \"Verwaltung Aufkl\u00e4rung\" im Ministerium f\u00fcr Nationale Verteidigung, dem milit\u00e4rischen \"Nachrichtendienst. Die staatliche Kontrolle der DDR-Bewohner kommt auch den offensiven Spionagearbeitseinheiten des MfS zugute. Dies wird deutlich bei der permanenten mittelbaren oder unmittelbaren Ber\u00fchrung, die ein DDR-Besucher mit dem MfS hat, ohne da\u00df er sich der Tatsache seiner nachrichtendienstlichen Beobachtung bewu\u00dft wird. In der Regel werden Privatbesuche in der DDR durch briefliche oder telefonische Absprache mit den Gastgebern bzw. dem Reiseb\u00fcro vorbereitet. In dieser Phase wird die f\u00fcr die Kontrolle des Postund Fernmeldeverkehrs zust\u00e4ndige MfS-Abteilung \" M \" in die Lage versetzt, der HVA den ersten Hinweis f\u00fcr die Einreise zu geben. Ist dem MfS au\u00dferdem bekannt, da\u00df der besuchte DDR-B\u00fcrger nachrichtendienstlich interessante Verwandte oder Bekannte im Westen hat, wird durch den Hinweis der Abteilung ,,M\" ein erstes nachrichtendienstliches Interesse geweckt. Den zweiten Schritt f\u00fcr einen geplanten Besuch in der DDR bildet der \"Antrag auf Einreise in die DDR\". Das vom Besucher auszuf\u00fcllende Antragsformular ist \u00fcber die Gastgeber oder das Reiseb\u00fcro bei der \u00f6rtlichen Volkspolizei einzureichen. Der Antrag wird dort vorgepr\u00fcft und anschlie\u00dfend an das Volkspolizeikreisamt weitergeleitet. Zum Verteiler dieses Antrages geh\u00f6ren neben der Volkspolizei die SED (um ggf. politischen Einflu\u00df nehmen zu k\u00f6nnen) sowie das MfS. Das MfS erf\u00e4hrt so die vollen Personalien des Besuchers, den genauen Besuchstermin sowie das vorgesehene Verkehrsmittel. Es speichert die Daten des Besuchers in seine EDV-Anlage. Es \u00fcberpr\u00fcft den Besucher in zweifacher Hinsicht, einmal danach, ob dem Besucher die Einreise grunds\u00e4tzlich gestattet wird, zum anderen, ob der Besucher f\u00fcr eine nachrichtendienstliche Ansprache in Frage kommt. Wird die Einreise genehmigt, so erh\u00e4lt der Gastgeber oder das Reiseb\u00fcro zur Weiterleitung an den Besucher einen sog. \"Berechtigungsschein zum Empfang eines Visums\" sowie eine \"Z\u00e4hlkarte f\u00fcr Statistik und Reiseservice\". Das Visum selbst wird an der Grenze durch Stempelaufdruck im Reisepa\u00df oder auf einem gesonderten Einlageblatt erteilt. Hatte der Besucher bis zur Einreise noch die M\u00f6glichkeit, z.B. \u00fcber seine Besch\u00e4ftigungsstelle unklare und vage Angaben zu machen, so ist er beim Grenz\u00fcbertritt den Fragen des Grenzpersonals unmittelbar ausgesetzt. Bei diesem Personal handelt es sich um Angeh\u00f6rige sog. Pa\u00dfkontrolleinheiten der Hauptabteilung VI des MfS. Diese Hauptabteilung ist f\u00fcr die Sicherung des Reiseverkehrs und die Kontrolle des Tourismus verantwortlich. Ihr obliegt auch die \u00dcberpr\u00fcfung und die Kontrolle von Hotels, Campingpl\u00e4tzen und sonstigen Beherbergungsst\u00e4tten. Den ersten Kontakt mit Beh\u00f6rden der DDR im Landesinnern erh\u00e4lt der Besucher durch die Verpflichtung, sich binnen 24 Stunden bei der Volkspolizei anzumelden. Dadurch erh\u00e4lt das MfS einmal die Best\u00e4tigung, da\u00df der Besucher am Besuchsort eingetroffen ist und zum anderen die Gelegenheit, ihn nachrichtendienstlich anzusprechen. Aber auch bei den Verwandten, Freunden und Bekannten ist der Besucher nicht immer dem Blick des MfS entzogen. Nicht selten 182","haben die Gastgeber n\u00e4mlich selbst Kontakt zum MfS, etwa aufgrund wiederholter Besuche aus dem Westen oder durch die -- in der Regel aufgezwungene -- inoffizielle Mitarbeit. Unabh\u00e4ngig von diesen Ber\u00fchrungen mit den Organen der DDR erh\u00e4lt der Besucher Kontakt zum MfS durch eigene Verfehlungen oder gezielte Verleitung zu Straftaten, etwa Verst\u00f6\u00dfen gegen Zolloder Devisenbestimmungen. Vergehen von Ausl\u00e4ndern -- und als solche gelten Bundesb\u00fcrger in der DDR -- m\u00fcssen von den zust\u00e4ndigen Organen umgehend dem MfS gemeldet werden. Entscheidend f\u00fcr eine nachrichtendienstliche Ansprache durch das MfS sind aber letztlich Kriterien, wie das Lebensalter des Besuchers, seine Arbeitsstelle, seine politische Einstellung, seine tats\u00e4chlichen oder vermuteten Zug\u00e4nge, mitunter auch sein Wohnsitz, verbunden mit dem Beruf. Die nachrichtendienstliche Ansprache selbst erfolgt in der Regel unter T\u00e4uschung \u00fcber den wahren Auftraggeber und die wirkliche Art der T\u00e4tigkeit. Die Werber treten in den unterschiedlichsten Rollen auf, h\u00e4ufig z.B. als angebliche Studenten oder Journalisten, \"Angeh\u00f6rige eines Ministeriums\" oder eines \"Wissenschaftlichen Instituts\" und in den F\u00e4llen, wo eine Kontaktaufnahme erzwungen werden soll, z.B. als \"Geldtauscher\". Als Legende f\u00fcr eine Ansprache werden in letzter Zeit vor allem der Wunsch nach Frieden, Fragen der Friedensbewegung, die Diskussion \u00fcber gleichgelagerte berufliche Probleme oder die Mitarbeit auf wissenschaftlicher Ebene vorget\u00e4uscht. Bei Konflikten mit den Gesetzen der DDR nutzt das MfS diese Zwangssituation dazu aus, den Besucher durch Erpressung oder die Inaussichtstellung der Verfahrenseinstellung f\u00fcr eine nachrichtendienstliche Mitarbeit zu gewinnen. Die besonderen Ansprachem\u00f6glichkeiten bei Reisen nach Berlin (Ost) und in die DDR haben die Nachrichtendienste der DDR auch 1982 bevorzugt f\u00fcr ihre Zwecke genutzt. Der Tipgewinnung dienten jedoch nicht nur die geschilderten M\u00f6glichkeiten, sondern auch die Eins\u00e4tze von \"Forschern und Tippern\" an solchen Punkten in Berlin (Ost) und anderen St\u00e4dten der DDR, die erfahrungsgem\u00e4\u00df von einer gro\u00dfen Zahl von Besuchern aufgesucht werden. Beispielhaft daf\u00fcr ist folgender Fall: Ein Bundesb\u00fcrger wurde anl\u00e4\u00dflich eines Tagesbesuches in Berlin (Ost) beim Fotografieren von Sehensw\u00fcrdigkeiten von einem jungen Mann angesprochen. Der Gespr\u00e4chspartner gab an, Angestellter eines DDRReiseb\u00fcros zu sein und den Auftrag zu haben, durch Gespr\u00e4che mit Besuchern aus der Bundesrepublik Deutschland festzustellen, wie die Besuchsangebote attraktiver gestaltet werden k\u00f6nnten. Im Verlauf des weiteren Gespr\u00e4chs offenbarte er sich als Mitarbeiter des MfS und forderte ihn auf, \u00fcber die \"Friedensbewegung\" sowie die \"Gr\u00fcnen\", ihren politischen Einflu\u00df und ihre Entwicklung in seiner Heimatstadt zu berichten. Der Reisende lehnte dies ab und nahm auch eine weitere Treffaufforderung nicht wahr. Neben den Ansprachen bei Reisen versuchten die Nachrichtendienste der DDR wie in den Vorjahren, Bundesb\u00fcrger \u00fcber Briefansprachen ohne konkreten Anla\u00df sowie briefliche und telefonische Ansprachen nach Stellengesuchen in Zeitungen f\u00fcr eine nachrichtendienstliche T\u00e4tigkeit zu gewinnen. Der nachfolgend geschilderte Fall verdeutlicht diese Bem\u00fchungen: Ein Journalist hatte in einer 183","bayerischen Zeitung ein Stellengesuch unter Angabe seiner Telefonnummer aufgegeben. Daraufhin erhielt er einige Anrufe. Einer der Anrufer wollte u.a. wissen, ob er auch \u00fcber technische Dinge schreiben k\u00f6nne. Nachdem er dies bejaht hatte, wurde das Gespr\u00e4ch mit dem Versprechen, wieder anzurufen, beendet. Einige Tage sp\u00e4ter wurde er angerufen und zu einem Treff ins Hotel \"Unter den Linden\" in Berlin (Ost) eingeladen. Sein Gespr\u00e4chspartner stellte sich ihm als freier Mitarbeiter einer Au\u00dfenhandelsorganisation der DDR vor. Er h\u00e4tte den Auftrag, Informationen \u00fcber technische Dinge, insbesondere sog. \"graue\" Informationen zu beschaffen. Diese seien Informationen, die nicht in Pressever\u00f6ffentlichungen enthalten seien. Im weiteren Verlauf des Gespr\u00e4chs wurde der Journalist zu einem weiteren Treff aufgefordert und gebeten, bestimmte Publikationen mit wehrtechnischem Inhalt mitzubringen. Der Journalist erkannte den nachrichtendienstlichen Hintergrund und brach den Kontakt zu seinem Gespr\u00e4chspartner ab. Bei Personen mit Wohnsitz in der DDR erfolgten die Ansprachen auch 1982 \u00fcberwiegend bei \u00dcbersiedlungsbem\u00fchungen. H\u00e4ufigste Werbungsmittel war dabei das Versprechen der Ausreisegenehmigung. Ein typisches Beispiel einer solchen nachrichtendienstlichen Werbung ist folgender Fall: Eine B\u00fcrgerin der DDR hatte sich anl\u00e4\u00dflich einer Leipziger Messe in einen Bundesb\u00fcrger verliebt. Im Verlaufe der Zeit entwickelte sich daraus eine feste Bindung. Nach dem Entschlu\u00df zur Heirat entschied sich die DDR-B\u00fcrgerin, in die Bundesrepublik Deutschland \u00fcberzusiedeln. Sie stellte einen Antrag auf Familienzusammenf\u00fchrung. Nachdem sie den Antrag gestellt hatte, wurde sie von einem \"Mitarbeiter des Ministeriums des Innern\" aufgesucht und nach den Gr\u00fcnden f\u00fcr ihre beabsichtigte \u00dcbersiedlung gefragt. Der angebliche \"Mitarbeiter des Ministeriums des Innern\" sagte ihr eine schnelle Genehmigung des Antrags unter der Bedingung zu, da\u00df sie sich bereit erkl\u00e4re, den DDR-Organen bestimmte, nicht n\u00e4her erl\u00e4uterte Informationen zu beschaffen. Als dies von ihr abgelehnt wurde, beauftragte sie der Gespr\u00e4chspartner, das Angebot ihrem Verlobten zu unterbreiten. Sie wies aber auch dieses Ansinnen zur\u00fcck. Bei den weiter betriebenen Ausreisebem\u00fchungen wurde sie nicht mehr nachrichtendienstlich angesprochen. Sie durfte nach einer kurzen Wartezeit die DDR unbehelligt verlassen. 6. Nachrichtendienste der \u00fcbrigen kommunistischen Staaten Die st\u00e4rksten Aktivit\u00e4ten der Nachrichtendienste der \u00fcbrigen kommunistischen Staaten gingen 1982 von der CSSR (11 % der Auftr\u00e4ge) sowie der UdSSR (7 %), Rum\u00e4niens (7 %) und Polens (5 %) aus. Die Aktionen dieser Dienste richteten sich vor allem gegen die Emigration und den technisch-wissenschaftlichen Bereich und hatten vielfach die Beschaffung milit\u00e4risch-technischer Ger\u00e4te zum Ziel. Die tschechoslowakischen Nachrichtendienste arbeiteten auch 1982 nach ihren bew\u00e4hrten Methoden. Die nachrichtendienstliche Ansprache von Personen erfolgte wie bisher \u00fcberwiegend im Zusammenhang mit Aussiedlungsbem\u00fchungen deutschst\u00e4mmiger B\u00fcrger in die Bundesrepublik Deutschland. Daneben nutzten die Nachrichtendienste der CSSR verst\u00e4rkt Reisen von Bundesb\u00fcrgern in die CSSR f\u00fcr eine nachrichtendienstliche Anbahnung. Dabei scheuten sie 184","auch nicht vor gezielten Provokationen zur\u00fcck, um mit f\u00fcr sie interessanten Personen in Kontakt zu kommen. Beispielhaft ist daf\u00fcr folgender Fall: Ein Bundesb\u00fcrger, der mit einer tschechischen Frau verheiratet ist, erhielt beim Besuch der Heimat seiner Frau von einem tschechischen Bekannten als Ausdruck der \"Freundschaft\" ein \"Geschenk\". Nachdem er die Wohnung dieses Bekannten verlassen hatte, wurde er nach einigen hundert Metern Fahrt von der Polizei gestoppt und sein Wagen gezielt durchsucht. Dabei wurde das Geschenkpaket gefunden. In dem Paket h\u00e4tten sich nach Angaben der Polizei wertvolle, angeblich gestohlene Gegenst\u00e4nde befunden. Der Bundesb\u00fcrger wurde daraufhin festgenommen und in ein Prager Gef\u00e4ngnis gebracht. Dort gab ihm im Rahmen der Vernehmungen ein Angeh\u00f6riger des Staatssicherheitsdienstes (StB) zu verstehen, den Vorfall zu vergessen, wenn er sich bereit erkl\u00e4re, f\u00fcr den StB zu arbeiten. Um aus dieser unverschuldeten Zwangslage herauszukommen, verpflichtete sich der Bundesb\u00fcrger zum Schein schriftlich zur nachrichtendienstlichen Mitarbeit. Seine Verpflichtung offenbarte er jedoch sofort nach seiner R\u00fcckkehr in die Bundesrepublik Deutschland den Sicherheitsbeh\u00f6rden. Mit Offenbarungen kann die Spionageabwehr ihre Kenntnisse \u00fcber die Arbeitsweise der Nachrichtendienste vervollst\u00e4ndigen. Sie ist deshalb immer daran interessiert, von jeder Ansprache, jedem Werbungsversuch Kenntnis zu erhalten. Die Kenntnis der Arbeitsmethoden der gegnerischen Nachrichtendienste hilft, eigene Abwehrma\u00dfnahmen zu entwickeln. 7. Festnahmen 1982 wurden in Bayern sieben Personen von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden unter dem Verdacht geheimdienstlicher Agentent\u00e4tigkeit f\u00fcr einen gegnerischen Nachrichtendienst vorl\u00e4ufig festgenommen. Bei f\u00fcnf Personen best\u00e4tigte sich im Verlauf der weiteren Ermittlungen der Anfangsverdacht; es ergingen Haftbefehle. Drei der festgenommenen Personen waren von einem DDR-Nachrichtendienst angeworben, die \u00fcbrigen zwei Personen waren f\u00fcr einen sowjetischen Nachrichtendienst t\u00e4tig. Seit jeher geh\u00f6rt es zur Arbeitsweise der Nachrichtendienste der DDR, vorzugsweise junge Leute mit guten beruflichen Zukunftsaussichten f\u00fcr eine nachrichtendienstliche Mitarbeit zu gewinnen. Der folgende Fall ist ein Beispiel daf\u00fcr: Nach Vorermittlungen des Bayerischen Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz wurde ein 42j\u00e4hriger DDR-B\u00fcrger festgenommen. Bei seiner Festnahme hatte er zwei total gef\u00e4lschte westdeutsche Ausweispapiere, die auf den Namen zweier ahnungsloser Bundesb\u00fcrger lauteten, sowie eine mit einem geheimen Versteck pr\u00e4parierte Schreibmappe bei sich. Darauf angesprochen, gab der Festgenommene zu, B\u00fcrger der DDR und Direktor einer Oberschule in Jena zu sein. Weitere Angaben verweigerte er. Die Ermittlungen ergaben, da\u00df der Mann unter falschem Namen wiederholt in die Bundesrepublik Deutschland einreiste und an bayerischen Universit\u00e4ten, vor allem in Regensburg, Kontakt zu Studenten suchte. In Gespr\u00e4chen gab er dabei an, Mitarbeiter am \"P\u00e4dagogischen Institut\" in Frankfurt a.M. zu sein und im Auftrag dieses Instituts eine wissenschaftliche Arbeit \u00fcber Studienaussteiger und solche Studenten zu schreiben, die ihr Studienziel nicht erreicht haben. Sein eigentliches Interesse galt jedoch 185","der Universit\u00e4t und den Studenten im allgemeinen sowie im besonderen dem RCDS. Um das Vertrauen der Studenten und damit die gew\u00fcnschten Informationen zu erhalten, lud er h\u00e4ufig die von ihm angesprochenen Studenten in Lokale ein und hielt sie frei. Die Staatsanwaltschaft beim Bayerischen Obersten Landesgericht hat Anklage erhoben. Wie leicht gegnerische Nachrichtendienste \u00fcber Personen, die teilweise Zugang zu sicherheitsempfindlichen Bereichen haben, zu wertvollen Erkenntnissen kommen, zeigt der folgende Fall. Er macht auch deutlich, wie wichtig personeller und materieller Geheimschutz in sicherheitsempfindlichen Betrieben ist. Im Mai offenbarte ein 37j\u00e4hriger EDV-Operator seine geheimdienstliche T\u00e4tigkeit f\u00fcr das MfS. Nach seinen Angaben kam er im M\u00e4rz 1981 zum ersten Mal mit dem MfS in Ber\u00fchrung, als er sich bei einem Lehrgang in Berlin aufhielt. Bei einem Tagesausflug nach Berlin (Ost) wurde er am Grenz\u00fcbergang Friedrichstra\u00dfe von DDR-Grenzbeamten ohne erkennbaren Grund l\u00e4ngere Zeit aufgehalten und dann einem MfS-Angeh\u00f6rigen zugef\u00fchrt. Im Verlauf eines etwa einst\u00fcndigen Gespr\u00e4chs befragte ihn dieser \u00fcber seinen Beruf und seinen Bekanntenkreis und zeigte sich dabei gut \u00fcber seine Person informiert. Anschlie\u00dfend forderte ihn der Gespr\u00e4chspartner zur nachrichtendienstlichen Mitarbeit auf und stellte ihm als Gegenleistung ein gutes Entgelt in Aussicht. Der EDV-Operator erbat sich Bedenkzeit. Bei einem weiteren Treff verpflichtete er sich dann doch schriftlich zur geheimdienstlichen T\u00e4tigkeit. Von dieser T\u00e4tigkeit versprach er sich die Tilgung seiner privaten Schulden in H\u00f6he von rund 10.000 DM. Bis zu seiner Festnahme nahm er zahlreiche nachrichtendienstliche Treffs wahr. Bei diesen Treffs gab er seinem F\u00fchrungsoffizier bereitwillig sein gesamtes privates und berufliches Wissen preis. Dar\u00fcber hinaus \u00fcbergab er auftragsgem\u00e4\u00df dem MfS alle ihm zug\u00e4nglichen Pl\u00e4ne und Unterlagen \u00fcber Firmenprodukte sowie einen entwendeten H\u00f6henmesser f\u00fcr das Kampfflugzeug \"Tornado\" und ein Bauteil f\u00fcr die Kurskreiselanlage eines Hubschraubers. F\u00fcr seine Verratst\u00e4tigkeit will er insgesamt rund 7.000 DM erhalten haben. Das Bayerische Oberste Landesgericht verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von 21 Monaten. Der folgende Fall ist ein Beispiel f\u00fcr die T\u00e4tigkeit sowjetischer Nachrichtendienste gegen die Bundesrepublik Deutschland vom Gebiet der DDR aus. Am 28. April wurde ein Ehepaar festgenommen. Es ist verd\u00e4chtig, f\u00fcr den sowjetischen milit\u00e4rischen Nachrichtendienst GRU nachrichtendienstlich gearbeitet zu haben. Der Ehemann tat bis 1976 als Oberfeldwebel Dienst bei einer Bundeswehreinheit. Anschlie\u00dfend war er bis zu seiner Festnahme bei derselben Einheit als Fernmeldeangestellter t\u00e4tig. Er gab an, im Fr\u00fchjahr 1974 anl\u00e4\u00dflich eines Besuchs beim Halbbruder seiner Frau in Berlin (Ost) einem Mitarbeiter eines sowjetischen Nachrichtendienstes zugef\u00fchrt und schriftlich verpflichtet worden zu sein, \"f\u00fcr den sowjetischen Staat zu arbeiten\". Seit dieser Zeit habe er dem sowjetischen Nachrichtendienst alle ihm dienstlich zug\u00e4nglichen Unterlagen, insbesondere Fernmeldeverzeichnisse, Schl\u00fcssellisten f\u00fcr die Verschl\u00fcsselung des Fernschreibverkehrs der Bundeswehr sowie Aufzeichnungen \u00fcber milit\u00e4rische \u00dcbungen \u00fcbergeben. Diese Informationen habe er u.a. in latenter Schrift an eine Deckadresse in Berlin (Ost) \u00fcbersandt. Daf\u00fcr sei er mit pr\u00e4pariertem Durchschreibepapier ausgestattet worden. Sp\u00e4ter habe er das Material auch in einen \"Toten Briefkasten\" verbracht. 186","Anhang 1 187","Gesetz \u00fcber die Errichtung eines Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz in der Fassung der Bekanntmachung vom 8. August 1974 (GVBI S. 467) Art. 1 Zust\u00e4ndigkeit (1) In Bayern wird ein Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz errichtet. Es ist eine dem Staatsministerium des Innern unmittelbar nachgeordnete Beh\u00f6rde und ist ausschlie\u00dflich f\u00fcr die Wahrnehmung der Aufgaben nach Art. 2 zust\u00e4ndig. Nach Bedarf k\u00f6nnen Au\u00dfenstellen des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz eingerichtet werden. (2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf einer polizeilichen Dienststelle nicht angegliedert werden. (3) Verfassungsschutzbeh\u00f6rden anderer L\u00e4nder d\u00fcrfen im Geltungsbereich dieses Gesetzes nur im Einvernehmen mit dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz t\u00e4tig werden. Art. 2 Aufgaben (1) Aufgabe des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz ist die Sammlung und Auswertung von Ausk\u00fcnften, Nachrichten und sonstigen Unterlagen \u00fcber 1. Bestrebungen, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand und die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind oder eine ungesetzliche Beeintr\u00e4chtigung der Amtsf\u00fchrung von Mitgliedern verfassungsm\u00e4\u00dfiger Organe des Bundes oder eines Landes zum Ziele haben; 2. sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten im Geltungsbereich des Gesetzes \u00fcber die Zusammenarbeit des Bundes und der L\u00e4nder in Angelegenheiten des Verfassungsschutzes f\u00fcr eine fremde Macht; 3. Bestrebungen im Geltungsbereich des Gesetzes \u00fcber die Zusammenarbeit des Bundes und der L\u00e4nder in Angelegenheiten des Verfassungsschutzes, die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden. 188","(2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz wirkt mit 1. bei der \u00dcberpr\u00fcfung von Personen, denen im \u00f6ffentlichen Interesse geheimhaltungsbed\u00fcrftige Tatsachen, Gegenst\u00e4nde oder Erkenntnisse anvertraut werden, die Zugang dazu erhalten sollen oder ihn sich verschaffen k\u00f6nnen; 2. bei der \u00dcberpr\u00fcfung von Personen, die an sicherheitsempfindlichen Stellen von lebensoder verteidigungswichtigen Einrichtungen besch\u00e4ftigt sind oder besch\u00e4ftigt werden sollen; 3. bei technischen Sicherheitsma\u00dfnahmen zum Schutz von im \u00f6ffentlichen Interesse geheimhaltungsbed\u00fcrftigen Tatsachen, Gegenst\u00e4nden oder Erkenntnissen gegen die Kenntnisnahme durch Unbefugte; 4. bei der \u00dcberpr\u00fcfung von Personen, die sich um Einstellung in den \u00f6ffentlichen Dienst bewerben, (3) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz unterrichtet die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden des Bundes und der L\u00e4nder \u00fcber alle Angelegenheiten des Verfassungsschutzes, von denen es Kenntnis erh\u00e4lt und die f\u00fcr den Bund oder das betreffende Land von Wichtigkeit sind. Art. 3 Befugnisse Polizeiliche Befugnisse oder ein Weisungsrecht gegen\u00fcber Polizeidienststellen stehen dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz nicht zu. Zur Wahrnehmung seiner Aufgaben nach Art. 2 Abs. 1 und 2 ist das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz befugt, nachrichtendienstliche Mittel anzuwenden. Art. 4 Amtshilfe und Auskunftserteilung (1) Die Beh\u00f6rden und Einrichtungen des Staates, die Gemeinden, die Gemeindeverb\u00e4nde, die sonstigen der Aufsicht des Staates unterstehenden juristischen Personen des \u00f6ffentlichen Rechts, die Gerichte und das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz leisten einander Rechtsund Amtshilfe. (2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz kann \u00fcber alle Angelegenheiten, deren Aufkl\u00e4rung zur Wahrnehmung seiner Aufgaben erforderlich ist, von den in Absatz 1 genannten Stellen Ausk\u00fcnfte und die \u00dcbermittlung von Unterlagen verlangen, soweit nicht gesetzliche Vorschriften entgegenstehen. (3) Dar\u00fcber hinaus haben die in Absatz 1 genannten Stellen dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz alle Tatsachen und Unterlagen \u00fcber Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten im Sinne des Art. 2 Abs. 1 unaufgefordert zu \u00fcbermitteln. 189","Art. 5 Durchf\u00fchrungsbestimmungen Die zur Durchf\u00fchrung dieses Gesetzes erforderlichen Bestimmungen erl\u00e4\u00dft das Staatsministerium des Innern. Art. 6 Inkrafttreten Das Gesetz ist dringlich. Es tritt am 1. November 1950 in Kraft.*) *) Diese Vorschrift betrifft das Inkrafttreten des Gesetzes in der urspr\u00fcnglichen Fassung vom 22. November 1950(BayBS I S. 434). Der Zeitpunkt des Inkrafttretens der sp\u00e4teren \u00c4nderungen ergibt sich aus den jeweiligen \u00c4nderungsgesetzen. 190","Anhang 2 191","Bayerischer Staatsanzeiger Nr. 16/28. Jahrgang Amtliche Ver\u00f6ffentlichung 19. April 1973 Staatskanzlei Pflicht zur Verfassungstreue im \u00f6ffentlichen Dienst Bekanntmachung der Bayerischen Staatsregierung vom 27. M\u00e4rz 1973 NR. A I 3 -- 180-6-84 Die Bayerische Staatsregierung hat in ihrer Sitzung vom 27. M\u00e4rz 1973 in \u00dcbereinstimmung mit dem Beschlu\u00df der Regierungschefs des Bundes und der L\u00e4nder vom 28. Januar 1972 ihren Beschlu\u00df vom 25. April 1961 \u00fcber verfassungsfeindliche Bet\u00e4tigung von Angeh\u00f6rigen des \u00f6ffentlichen Dienstes (Bekanntmachung der Bayerischen Staatsregierung vom 25. April 1961, StAnz Nr. 19) durch die folgende Bekanntmachung \u00fcber die Pflicht zur Verfassungstreue im \u00f6ffentlichen Dienst neu gefa\u00dft: I. Die Regierungschefs des Bundes und der L\u00e4nder haben am 28. Januar 1972 folgenden Beschlu\u00df gefa\u00dft: 1. Nach den Beamtengesetzen in Bund und L\u00e4ndern -- darf in das Beamtenverh\u00e4ltnis nur berufen werden, wer die Gew\u00e4hr daf\u00fcr bietet, da\u00df er jederzeit f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes eintritt; -- sind Beamte verpflichtet, sich aktiv innerhalb und au\u00dferhalb des Dienstes f\u00fcr die Erhaltung dieser Grundordnung einzusetzen. Es handelt sich hierbei um zwingende Vorschriften. 2. Jeder Einzelfall mu\u00df f\u00fcr sich gepr\u00fcft und entschieden werden. Von folgenden Grunds\u00e4tzen ist dabei auszugehen: 2.1 Bewerber 2.1.1 Ein Bewerber, der verfassungsfeindliche Aktivit\u00e4ten entwickelt, wird nicht in den \u00f6ffentlichen Dienst eingestellt. 2.1.2 Geh\u00f6rt ein Bewerber einer Organisation an, die verfassungsfeindliche Ziele verfolgt, so begr\u00fcndet diese Mitgliedschaft Zweifel daran, ob er jederzeit f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung eintreten wird. Diese Zweifel rechtfertigen in der Regel eine Ablehnung des Einstellungsantrages. 192","2.2 Beamte Erf\u00fcllt ein Beamter durch Handlungen oder wegen seiner Mitgliedschaft in einer Organisation verfassungsfeindlicher Zielsetzung die Anforderungen des SS 35 Beamtenrechtsrahmengesetz nicht, aufgrund derer er verpflichtet ist, sich durch sein gesamtes Verhalten zu der freiheitlichen demokratischen Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes zu bekennen und f\u00fcr deren Erhaltung einzutreten, so hat der Dienstherr aufgrund des jeweils ermittelten Sachverhalts die gebotenen Konsequenzen zu ziehen und insbesondere zu pr\u00fcfen, ob die Entfernung des Beamten aus dem Dienst anzustreben ist. 3. F\u00fcr Arbeiter und Angestellte im \u00f6ffentlichen Dienst gelten entsprechend den jeweiligen tarifvertraglichen Bestimmungen dieselben Grunds\u00e4tze. II. Die Bayerische Staatsregierung hat die Verbindlichkeit dieser Grunds\u00e4tze f\u00fcr alle \u00f6ffentlich-rechtlichen Dienstherren und Arbeitgeber in Bayern mit Beschlu\u00df vom 18. April 1972 best\u00e4tigt. Zu ihrer Durchf\u00fchrung wird folgendes bestimmt: 1. Vor der Einstellung eines Bewerbers in den \u00f6ffentlichen Dienst haben die Einstellungsbeh\u00f6rden zun\u00e4chst beim Staatsministerium des Innern anzufragen, ob Tatsachen bekannt sind, die Bedenken gegen die Einstellung begr\u00fcnden. Das Staatsministerium des Innern ist verpflichtet, Anfragen dieser Art unverz\u00fcglich zu beantworten. Die Ausk\u00fcnfte sind auf Tatsachen zu beschr\u00e4nken, die gerichtsverwertbar sind. Die Anfrage nach Satz 1 entf\u00e4llt, wenn bereits aufgrund anderer Vorschriften eine \u00dcberpr\u00fcfung vor der Einstellung vorgesehen ist. 2. Beabsichtigt die Einstellungsbeh\u00f6rde nach Eingang der Auskunft des Staatsministeriums des Innern, den Bewerber einzustellen, so ist der Bewerber vor der Entscheidung \u00fcber die Einstellung zun\u00e4chst gem\u00e4\u00df Anlage 1 * schriftlich zu belehren und zur Unterzeichnung der Erkl\u00e4rung gem\u00e4\u00df Anlage 2* aufzufordern. 3. Bestehen auf Grund der vom Staatsministerium des Innern mitgeteilten oder anderweitig bekannt gewordenen Tatsachen oder wegen der Weigerung, die vorbezeichnete Erkl\u00e4rung zu unterschreiben, Zweifel daran, da\u00df der Bewerber jederzeit f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes eintritt, so ist ihm Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. K\u00f6nnen die Zweifel nicht ausger\u00e4umt werden, so darf er nicht in den \u00f6ffentlichen Dienst eingestellt werden. 4. Wird die Einstellung in den \u00f6ffentlichen Dienst deshalb abgelehnt, weil der Bewerber nicht die Gew\u00e4hr daf\u00fcr bietet, da\u00df er jederzeit f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes eintritt, so ist die Entscheidung dem Bewerber schriftlich unter Darlegung der Gr\u00fcnde mitzuteilen; betrifft sie die \u00dcbernahme in ein Beamtenoder Richterverh\u00e4ltnis, so mu\u00df sie au\u00dferdem eine Rechtsmittelbelehrung enthalten. 193","5. Nummern 1 bis 4 gelten auch f\u00fcr Bewerbungen um die \u00dcbernahme in das Beamtenverh\u00e4ltnis auf Widerruf. Dabei sind Ausbildungszweck und Ausbildungsweise zu ber\u00fccksichtigen. 6. Besteht der Verdacht, da\u00df ein Angeh\u00f6riger des \u00f6ffentlichen Dienstes gegen die Pflicht zur Verfassungstreue verst\u00f6\u00dft, so pr\u00fcft seine Dienststelle, ob die gesetzlich vorgesehenen Ma\u00dfnahmen zu ergreifen sind, um ihn zur Erf\u00fcllung seiner Dienstpflichten anzuhalten oder ihn aus dem Dienst zu entfernen. Art. 70 des Bayerischen Personalvertretungsgesetzes ist zu beachten. 7. In den F\u00e4llen der Nummern 4 und 6 sind die zust\u00e4ndige oberste Dienstbeh\u00f6rde und die Staatsministerien des Innern und der Finanzen vor der Entscheidung zu unterrichten und \u00fcber den Fortgang der Sache auf dem laufenden zu halten. III. Den Gemeinden, Gemeindeverb\u00e4nden und sonstigen der Aufsicht des Freistaates Bayern unterliegenden juristischen Personen des \u00f6ffentlichen Rechts wird empfohlen, nach den vorstehenden Bestimmungen zu verfahren. IV. Diese Bekanntmachung tritt am 1. April 1973 in Kraft. Gleichzeitig tritt die Bekanntmachung der Bayerischen Staatsregierung vom 25. April 1961 (StAnz Nr. 19) au\u00dfer Kraft. M\u00fcnchen, den 27. M\u00e4rz 1973 Der Bayerische Ministerpr\u00e4sident Dr. h.c. Goppel nicht abgedruckt 194","Anhang 3","Ergebnisse der extremistischen Parteien bei der Wahl zum Bayerischen Landtag am 10. Oktober 1982 An den Wahlen zum Bayerischen Landtag am 10. Oktober 1982 beteiligten sich von den extremistischen Parteien die \"Deutsche Kommunistische Partei\" (DKP), der \"Bund Westdeutscher Kommunisten\" (BWK) und die \"Nationaldemokratische Partei Deutschlands\" (NPD). Der BWK, der erstmals an einer Landtagswahl teilnahm, beteiligte sich lediglich mit vier Bewerbern, die im Wahlkreis Oberbayern kandidierten. Die drei Parteien erreichten insgesamt einen Anteil von 0,8 % der Gesamtstimmen (1978: 0,9 %). Im Vergleich zur Wahl von 1978 verlor die DKP an Stimmen, w\u00e4hrend bei der NPD ein Stimmenzuwachs zu verzeichnen war. Einen \u00dcberblick \u00fcber die von den drei Parteien erreichte Stimmenzahl gibt die folgende \u00dcbersicht sowie die tabellarische \u00dcbersicht auf den Seiten 200 ff. Erzielte Gesamtstimmenzahl 1982 69 656 70000 60000 50000 40000 30000 21870 20000 10000 413 DKP BWK NPD Nach dem amtlichen Endergebnis erzielte die DKP 21.870 ( = 0,2 %) Gesamtstimmen, w\u00e4hrendes 1978 noch 33.182 ( = 0,3 %) Gesamtstimmen waren. Dies bedeutet einen R\u00fcckgang der Gesamtstimmenzahl um 34%. Eine \u00dcbersicht \u00fcber die durchschnittlichen (0,2 %), \u00fcberund unterdurchschnittlichen Gesarmtstimmenanteile in den einzelnen Stimmkreisen gibt die Grafik auf Seite 198. Ihre besten Stimmenergebnisse erzielte die DKP in den Stimmkreisen N\u00fcrnbergNord, F\u00fcrth-Stadt und Schwandorf (jeweils 0,5 %). 196","Der BWK, der sich zum ersten Mal seit seiner Gr\u00fcndung an einer Landtagswahl in Bayern beteiligte, erhielt lediglich 413 Gesamtstimmen im Wahlkreis Oberbayern. Die NPD verzeichnete nach den erheblichen Stimmenverlusten 1978 leichte Stimmengewinne. Sie erzielte 69.656 ( = 0,6%) Gesamtstimmen gegen\u00fcber 1978 66.926 ( = 0,6 %). Dies stellt einen Zuwachs von 4 % dar. Eine \u00dcbersicht \u00fcber die durchschnittlichen (0,6 %), \u00fcberund unterdurchschnittlichen Gesamtstimmenanteilen vermittelt die \u00dcbersicht auf Seite 199. Die besten Stimmenergebnisse erzielte die NPD in den Stimmkreisen Kaufbeuren (1,8 %), Kitzingen (1,1 %) und Augsburg-Stadt-West (1,0 %). 197","Gesamtstimmenanteile der DKP","Gesamtstimmenanteile der NPD 199","Gesamtstimmenanteile der DKP *iui - flitstadr 102 -Schwabing ''0- - Nymphenburg io* - Bggenhausen 105 - \u00f6res/f 106 - Z.3//77 107 - F\u00fcrstenried *!0r - Milbertshofen '*:,:-, - Moosach 110 - Ramersdorf *ii 1 - Pas/>7( 198","Gesamtstimmenanteile der NPD -Kr - Altstadt *i02 - Schwabing -*:' - Nymphenburg - Bggenhausen - Oiesing 106 - PSa\"77 10\" - F\u00fcrstenried * Miibertshofen TOS - Moosacb 1*0 - Ramersdorf **-1 - Pasing 199","Einzelergebnisse der Landtagswahl Stimmkreis DKP NPD BWK Nr. Bezeichnung GesamtProzente GesamtProzente Gesamtstimmen stimmen stimmen Oberbayern 101 M\u00fcnchen-Altstadt 380 0,4 630 0,7 11 102 M\u00fcnchen-Schwabing 311 0,3 572 0,6 21 103 M\u00fcnchen-Nymphenburg 329 0,4 547 0,6 19 104 M\u00fcnchen-Bogenhausen 211 0,2 605 0,6 8 105 M\u00fcnchen-Giesing 326 0,3 546 0,6 9 106 M\u00fcnchen-Laim 290 0,2 762 0,6 22 107 M\u00fcnchen-F\u00fcrstenried 296 0,2 752 0,6 6 108 M\u00fcnchen-Milbertshofen 343 0,3 701 0,6 86 109 M\u00fcnchen-Moosach 292 0,2 847 0,7 11 110 M\u00fcnchen-Ramersdorf 298 0,2 773 0,6 13 111 M\u00fcnchen-Pasing 208 0,2 730 0,6 14 112 Alt\u00f6tting 94 0,1 429 0,4 7 113 Berchtesgadener Land 155 0,1 790 0,7 8 114 Dachau 132 0,1 569 0,5 19 115 Ebersberg 120 0,1 372 0,3 9 116 Eichst\u00e4tt 442 0,4 359 0,3 13 117 Erding 39 0,0 333 0,3 6 118 Freising 195 0,2 558 0,5 9 119 F\u00fcrstenfeldbruck-Ost 196 0,1 473 0,4 8 120 Garmisch-Partenkirchen 98 0,1 454 0,3 7 121 Ingolstadt 208 0,2 622 0,6 12 122 Landsberg, FFB-West 177 0,1 585 0,4 2 123 Miesbach 214 0,1 662 0,4 7 124 M\u00fchldorf 56 0,1 498 0,5 8 125 M\u00fcnchen-Land-Nord 163 0,1 719 0,5 11 126 M\u00fcnchen-Land-S\u00fcd 167 0,1 643 0,5 9 200","Stimmkreis DKP ISIPD BWK Nr. Bezeichnung GesamtProzente GesamtProzente Gesamtstimmen stimmen stimmen 127 Neuburg 142 0,2 261 0,3 6 128 Pfaffenhofen 103 0,1 315 0,3 7 129 Rosenheim-Ost 155 0,1 559 0,4 7 130 Rosenheim-West 134 0,1 492 0,4 7 131 Starnberg 110 0,1 639 0,5 13 132 Traunstein 242 0,2 877 0,6 13 133 Weilheim 243 0,2 521 0,4 5 Niederbayern 201 Deggendorf 121 0,1 687 0,6 -- 202 Dingolfing 201 0,2 809 0,6 -- 203 Freyung 68 0,1 235 0,3 -- 204 Kelheim 240 0,2 804 0,8 -- 205 Landshut 440 0,3 1036 0,7 _ 206 Passau-Ost 148 0,1 517 0,4 -- 207 Passau-West 124 0,1 712 0,7 -- 208 Regen 162 0,2 281 0,4 -- 209 Rottal-Inn 129 0,1 596 0,5 -- 210 Straubing 248 0,2 686 0,5 -- Oberpfalz 301 Amberg-Nord 131 0,2 413 0,5 -- 302 Amberg-S\u00fcd 16t 0,2 478 0,6 -- 303 Cham 266 0,2 460 0,4 _ 304 Nabburg 45 0,1 290 0,3 -- 305 Neumarkt 195 0,1 977 0,7 -- 306 Regensburg-Stadt 315 0,2 647 0,5 -- 307 Regensburg-Land 201 0,1 723 0,5 -- 308 Schwandorf 515 0,5 396 0,4 -- 309 Tirschenreuth 58 0,1 504 0,5 -- 310 Weiden 162 0,1 817 0,6 201","Stimmkreis DKP NPD BWK Nr. Bezeichnung GesamtProzente GesamtProzente Gesamtstimmen stimmen stimmen Oberfranken 401 Bamberg-Stadt 160 0,2 407 0,5 -- 402 Bamberg-Land 138 0,1 463 0,3 403 Bayreuth 296 0,2 846 0,6 -- 404 Coburg 120 0,1 804 0,7 -- 405 Forchheim 119 0,1 572 0,5 -- 406 Hof-Ost 284 0,3 776 0,8 407 Hof-West 146 0,2 315 0,3 -- 408 Kronach 100 0,1 353 0,4 -- 409 Kulmbach 288 0,2 876 0,6 -- 410 Lichtenfels 63 0,1 568 0,5 -- 411 Wunsiedel 160 0,1 543 0,5 -- Mittelfranken 501 N\u00fcrnberg-Nord 662 0,5 1194 0,9 -- 502 N\u00fcrnberg-Ost 532 0,4 1010 0,7 -- 503 N\u00fcrnberg-S\u00fcd 494 0,4 1092 0,8 --. 504 N\u00fcrnberg-West 526 0,4 1267 0,9 -- 505 Ansbach-Nord 254 0,2 1121 0,9 -- 506 Ansbach-S\u00fcd 182 0,2 468 0,5 -- 507 Erlangen-Stadt 226 0,2 526 0,5 -- 508 Erlangen-Land 146 0,1 573 0,5 -- 509 F\u00fcrth-Stadt 518 0.5 1015 0,9 -- 510 F\u00fcrth-Land 200 0,2 932 0,8 -- 511 Neustadt 179 0,2 876 0,9 -- 512 N\u00fcrnberger-Land 340 0,2 1312 0,8 -- 513 Roth 366 0,2 817 0,5 -- 514 Weissenburg 186 0,2 514 0,5 -- 202","Stimmkreis DKP NPD BWK Nr. Bezeichnung GesamtProzente GesamtProzente Gesamtstimmen stimmen stimmen Unterfranken 601 Aschaffenburg-Ost 152 0.1 337 0,3 -- 602 Aschaffenburg-West 218 0,2 623 0,5 -- 603 Bad Kissingen 218 0,2 722 0,6 -- 604 Ha&berge 95 0,1 411 0,4 605 Kitzingen 69 0,1 1221 1,1 -- 606 Main-Spessart 204 0,1 489 0,3 -- 607 Miltenberg 173 0,1 619 0,5 -- 608 Rh\u00f6n 138 0,2 425 0,5 -- 609 Schweinfurt-Nord 175 0,2 737 0,7 -- 610 Schweinfurt-S\u00fcd 153 0,2 491 0,5 -- 611 W\u00fcrzburg-Stadt 224 0,2 768 0,6 -- 612 W\u00fcrzburg-Land 262 0,2 583 0,4 -- Schwaben 701 Augsburg-Stadt-Ost 275 0,2 1262 0,9 702 Augsburg-Stadt-West 186 0,2 1182 1,0 703 Aichach 92 0,1 600 0,5 -- 704 Augsburg-Land-Nord 129 0,1 542 0,5 -- 705 Augsburg-Land-S\u00fcd 152 0,1 607 0,6 706 Di\u00fcingen 83 0,1 389 0,5 -- 707 Donau-Ries 122 0,1 536 0,4 -- 708 G\u00fcnzburg 120 0,1 812 0,7 -- 709 Kaufbeuren 192 0,2 2262 1,8 -- 710 Kempten 144 0,1 556 0,5 -- 711 Lindau 191 0,2 318 0,4 -- 712 Marktoberdorf 106 0,1 437 0,5 -- 713 Memmingen 223 0,2 856 0,7 -- 714 Neu-Ulm 134 0,1 943 0,7 -- 715 Sonthofen 156 0,2 425 0,5 -- 203","Abk\u00fcrzunasverzeichnis AB Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD 65 AD\u00dcTDF F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Europa 175 ADS Arbeitskreise Demokratischer Soldaten 43 AEL Aktionseinheitsliste 78, 148, 150 AGDF Aktionsgemeinschaft Dienst f\u00fcr den Frieden 86 AG-FLV Arbeitsgemeinschaft Freies Landvolk 74 AID Argumentation, Information, Dokumentation (Brosch\u00fcre) 50 AKJD Arbeitskreis Junges Deutschland 101 AKON Aktion Deutsche Einheit 105 AKSA Vereinigung der Studenten Kurdistans im Ausland 169 ANA Arbeitskreis Nationaldemokratischer Akademiker 101 ANS Aktionsfront Nationaler Sozialisten 109 ARF Aktion deutsches Radio und Fernsehen 106 ASF Aktion S\u00fchnezeichen/Friedensdienste 5^l, 86 ASK Antiimperialistisches Solidarit\u00e4tskomitee f\u00fcr Afrika, Asien und Lateinamerika 37 ASKo Anti-Strau\u00df-Komitee 52!, 66 AStA Allgemeiner Studentenausschu\u00df 146 ATIF F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Deutschland 172 AT\u00d6F Studentenf\u00f6deration der T\u00fcrkei in Deutschland 174 ATTF F\u00f6deration t\u00fcrkischer Sozialisten in Europa 171 BDP/BDJ Bund Deutscher Pfadfinder im Bund Demokratischer Jugend 68 BG Basisgruppen-Fraktion 146 BdWi Bund demokratischer Wissenschaftler 52!, 60 BHJ Bund Heimattreuer Jugend 116 BIA B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp 101 BIFA M\u00fcnchner B\u00fcrgerinitiative f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung 57', 88 BIRKOM Antifaschistisches Einheitskomitee im Ausland 175 BKI Bund Kommunistischer Intellektueller 64 BSA Bund Sozialistischer Arbeiter 76 BWK Bund Westdeutscher Kommunisten 6PSi, 73 BWK-HZ BWK-Hochschulzellen 71 204","CISNU Conf\u00f6deration Iranischer Studenten -- National Union 163 COBRA Comite Objectiv entraide et solidarite avec les victimes de la Repression Antinationaliste 110 CTIM Trikolore-Komitee der Italiener in der Welt 166 DA Deutscher Anzeiger 103 DA Deutsche Aktionsgruppen 128 DA Demokratischer Kampf 162 DB Deutscher Block 114 DFI Demokratische Fraueninitiative 58 DFG-ldK Deutsche Friedensgesellschaft -- Internationale der Kriegsdienstgegner 52 DFG-VK Deutsche Friedensgesellschaft -- Vereinigte Kriegsdienstgegner 52, 86 DFLP Demokratische Front f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas 159 DFU Deutsche Friedens-Union 47, 86, 88, 89 DID Demokratischer Informationsdienst 68 DISK Konf\u00f6deration revolution\u00e4rer Arbeitergewerkschaften 171 DKEG Deutsches Kulturwerk Europ\u00e4ischen Geistes 117 DKG Deutsche Kulturgemeinschaft 118 DKP Deutsche Kommunistische Partei 18, 82, 85, 140, 160, 171 DKP/HG DKP-Hochschulgruppe 140 DNZ Deutsche National-Zeitung 104, 118 DRP Deutsche Reichspartei 95 DVG Deutsche Verlagsgesellschaft mbH 120 DVU Deutsche Volksunion 102 DVZ Deutsche Volkszeitung 47 DWZ Deutsche Wochen-Zeitung 117, 120 EKKE Revolution\u00e4re Kommunistische Bewegung Griechenlands 162 ELF Eritreische Befreiungsfront 158 EPLF Eritreische Volksbefreiungsfront 158 FDJ Freie Deutsche Jugend der DDR 40, 68 FIDEF F\u00f6deration der Arbeitervereine der T\u00fcrkei in der Bundesrepublik Deutschland 171 FILEF Italienischer Verband der Gastarbeiter und ihrer Familien 166 FIR F\u00f6deration Internationale des Resistants 17, 50 FR Freiheitlicher Rat 104 GAD Gr\u00fcne Aktion Deutschland 112 GfP Gesellschaft f\u00fcr freie Publizistik 117 GIM Gruppe Internationale Marxisten -- Deutsche Sektion der IV. Internationale 76 GNN Gesellschaft f\u00fcr Nachrichtenerfassung und Nachrichtenverbreitung mbH 70 GOL Gewerkschaftlich orientierte Liste 150 GUAfS Generalunion Afghanischer Studenten im Ausland 158 205","GUPA Generalunion pal\u00e4stinensischer Arbeiter 159 HDP Kroatische Staatsbildende Bewegung 167 HKO Kroatischer Koordinationsausschu\u00df der Gemeinschaft der Ortsaussch\u00fcsse des Kroatischen Nationalrates in der Bundesrepublik Deutschland 167 HNG Hilfsorganisation f\u00fcr nationale und politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V. 110 HNO Kroatisches Nationalkomitee in Europa 168 HNV Kroatischer Nationalrat 167 HRP Kroatische Revolution\u00e4re Bewegung 167 HVA Hauptverwaltung Aufkl\u00e4rung 182 l.f.A. Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nderbegrenzung 106 IMSF Institut f\u00fcr Marxistische Studien und Forschung 32 ISVM Iranischer Studentenverein M\u00fcnchen 164 IVDJ Internationale Vereinigung Demokratischer Juristen 57 JBA Jugendbund Adler 114 JCC Jugendclub Courage 53 JF. Junge Front 107 JN Junge Nationaldemokraten 98, 150 JP Junge Pioniere -- Sozialistische Kinderorganisation 45 KABD Kommunistischer Arbeiterbund Deutschlands 62 KAZ Kommunistische Arbeiterzeitung 65 KB Kommunistischer Bund 68 KBW Kommunistischer Bund Westdeutschland 71 KDS Kampfgruppe Deutscher Sozialisten 109 KDS Komitee f\u00fcr Demokratie und Sozialismus 78 KFAZ Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit 55, 85 ff KHB Kommunistischer Hochschulbund 65, 145 KHG Kommunistische Hochschulgruppe 72, 145 KJB Kommunistische Jugendb\u00fcnde 72 KJD Kommunistische Jugend Deutschlands 73 KKE-AuslandKommunistische Partei Griechenlands 160 KKE-Inland Kommunistische Partei Griechenlands 161 KNE Kommunistische Jugend Griechenlands 160 KNS Kampfeinheit Nationaler Sozialisten 109 KOMKAR F\u00f6deration der Arbeitervereine aus Kurdistan in der Bundesrepublik Deutschland 169 KPCh Kommunistische Partei Chinas 60 KPD Kommunistische Partei Deutschlands 72 KPdSU Kommunistische Partei der Sowjetunion 17, 19, 32 KRH Kollektiv Rote Hilfe M\u00fcnchen 79 KS Kommunistische Studenten 73, 145 KSG Kommunistische Studentengruppen 64 KUK Kommunismus und Klassenkampf 71 206","KVH Kurdische Volksh\u00e4user 169 KVZ Kommunistische Volkszeitung 71 LAF Liste AStA und Fachschaften 141 150 LAK Landesastenkonferenz 146 LISA Liste St\u00e4rkt den AStA 148 MAB Marxistische Arbeiterbildung 32 MASCH Marxistische Abendschulen 32 MAZ Marxistische Arbeiterzeitung 77 MBFA M\u00fcnchner B\u00fcrgerinitiative f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung 88 MfS Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit der DDR 178, 182 MG Marxistische Gruppen 76, 88, 144, 150 MHP Partei der Nationalen Bewegung 175 M.I.DER T\u00fcrkischer Arbeiterverein in M\u00fcnchen 171 ML-KKE Marxistisch-Leninistische Kommunistische Partei Griechenlands 162 MLPD Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands 62 MSB Marxistischer Studentenbund Spartakus 44, 141 MSI-DN Soziale Italienische Bewegung -- Nationale Rechte 166 MSP Nationale Heilspartei 175 MSV Moslemische Studentenvereinigungen 165 MSZ Marxistische Studentenzeitung 77, 144 M\u00dcO Verein t\u00fcrkischer Idealisten, M\u00fcnchen 176 NAD Nachrichten-Austausch-Dienst 126 NE Nation Europa (Monatszeitschrift) 121 NHB Nationaldemokratischer Hochschulbund 100, 147 NPD Nationaldemokratische Partei Deutschlands 93 NSDAP Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei 107, 132 NSDAP-AO NSDAP-Auslandsund Aufbauorganisation 124, 137 NUESE Nationalunion eritreischer Studenten in Europa 159 NUEWE Nationalunion eritreischer Arbeiter in Europa 159 OEFE Verband Griechischer Studentenvereine in der Bundes republik Deutschland und West-Berlin 161 OEK Verband Griechischer Gemeinden in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin 160 PAA Partei der Arbeit Albaniens 60, 72 PAV Pal\u00e4stinensischer Arbeiterverband in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin 159 P Partizan 172 PB Partizan Bolsevik 172 PCE Kommunistische Partei Spaniens 170 PCI Kommunistische Partei Italiens 166 PFLP Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas 131, 159 PKK Arbeiterpartei Kurdistans 169, 175 PLO Pal\u00e4stinensische Befreiungsorganisation 37, 159 PPP Pakistanische Volkspartei 170 PSK Gesamtstudentische Syndikalistische Bewegung 161 207","PSV Pal\u00e4stinensischer Studentenverband in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin 160 RAF Rote Armee Fraktion 128 RBK Regensburger B\u00fcrgerkomitee 68 RGO Revolution\u00e4re Gewerkschaftsopposition 74 RHD Rote Hilfe Deutschlands 74 RJVD Revolution\u00e4rer Jugendverband Deutschlands 64, 150 RSF Rote Sch\u00fcler-Front 65 RZ Revolution\u00e4re Zellen 130, 134 SB Sozialistisches B\u00fcro Offenbach 79 SDAJ Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend 40, 150 SED Sozialistische Einheitspartei Deutschlands 17, 1 PS >, 38, 1-78 SHB Sozialistischer Hochschulbund 44, 142 SJB Sozialistischer Jugendbund 76 SMM Sowjetische Milit\u00e4rmission 180 SOdZDL Selbstorganisation der Zivildienstleistenden 53 SRP Sozialistische Reichspartei 118 TAZ ,,Tageszeitung\" 81 TDF F\u00f6deration Demokratischer Arbeitervereine der T\u00fcrkei in Europa 171 THKP/-C T\u00fcrkische Volksbefreiungspartei/-front 174 TIKKO T\u00fcrkische Arbeiterund Bauernbefreiungsarmee 172 TKP T\u00fcrkische Kommunistische Partei 171 TKP/ML T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten 172 T\u00d6K Konf\u00f6deration der Studenten aus der T\u00fcrkei 174 UFA Union der fortschrittlichen Araber 160 UHNj Bund der vereinigten Kroaten in Deutschland 168 UISA Union Islamischer Studentenvereine in Europa 163 UIS Union Iranischer Studenten in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin 164 UZ Unsere Zeit (Zentralorgan der DKP) 29 VDJ Vereinigung Demokratischer Juristen 57 VDS Vereinigte Deutsche Studentenschaften 146 VK Verband der Kriegsdienstverweigerer 52 VMF Vereinigte M\u00fcnchner Friedensinitiativen 66, I VOGA Volksbewegung f\u00fcr Generalamnestie 104 VrV Vereinigung f\u00fcr revolution\u00e4re Volksbildung 72 VSBD/PdA Volkssozialistische Bewegung Deutschland/Partei der Arbeit 107, 128, 131 VVN-BdA Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -- Bund der Antifaschisten 50, 65, i36 ff WBDJ Weltbund der Demokratischen Jugend 17, 40 WFR Weltfriedensrat 17, 47, 50, 54, 5i i, 85 WJ Wiking-Jugend 115 WSG Wehrsportgruppe Hoffmann 110, 131 Z Zentrumsfraktion 78 208",""],"title":"Verfassungsschutzbericht 1982","year":1982}
